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Seminar für Naturschutsreferentinnen und Referenten (Naturschutzreferentinnenseminar in Grünau)

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Seminar für Naturschutsreferentinnen und Referenten

Naturkunstwerke entstanden während der Wanderung

Naturkunstwerke entstanden während der Wanderung

33 Referentinnen und Referenten trafen sich vom 12.07. bis 16.07.2017  zur Weiterbildung im Bergsteigerdorf Grünau im Almtal.

Interessante Vorträge und Exkursionen standen auf der Tagesordnung:
Max Becke sprach über die Geologie in der Umgebung und führte uns am nächsten Tag zum Bergsturz im Bereich Hetzau
Wir besichtigten das größte Wasserrad Österreichs und erfuhren interessante Details Kleinkraftwerke
Eine interessante Naturkundlich-geologische Wanderung mit Max Becke und Wolfgang Rab führte uns am Ufer des Almsees entlang.
Sehr interessant war der Vortrag über Lichtverschmutzung und die anschließende praktische Einführung in die Sternenfotografie.
Weitere hochinteressante Vorträge waren:
Vögel und Windkraft von Gerald Pfiffinger
Windkraft und seine Folgen im Alpinen Raum von Herbert Jungwirth
Wasserkraft aus naturschutzfachlicher Sicht von Sarah Höller
Realisierung einer naturverträglichen Energiewende von Reinhold Christian

Eine Rundwanderung um die Ödseen mit dem Waldpädagogen Fritz Wolf bildete den Abschluss dieses lehrreichen Wochenendes.

Bildergalerie


Ausführlicher Bericht von Mag. Josef Fischer-Colbrie:                                             

Ich habe als Naturschutzreferent des Salzburger Landesverbands vom 12. – 16.7.2017 an einem Seminar des Österreichischen Alpenvereins für NaturschutzreferentInnen im Bergsteigerdorf „Grünau im Almtal“ teilgenommen. Das Seminar war dem Thema „ENERGIE““ gewidmet.

Zum Tagungsort:

Die Gemeinde Grünau im Almtal liegt im südöstlichen Teil von Oberösterreich am Fuß des Toten Gebirges und ist mit einer Fläche von 230 km2 die größte Gemeinde dieses Bundeslandes. Der Ortskern liegt auf 528 m Seehöhe, der höchste Punkt des Gemeindegebietes befindet sich auf dem Gipfel des Großen Priel: 2515 m. Das landschaftliche und naturkundliche „highlight“ im Gemeindegebiet ist der Almsee im Talschlussbereich des Almtales (Naturschutzgebiet), der mit dem Toten Gebirge im Hintergrund einen faszinierend schönen Anblick bietet. Weniger bekannt, aber auch sehr beeindruckend sind der Große und der Kleine Ödsee (Landschaftsschutzgebiet) im Hetzautal. Diese 3 Gebirgsseen speisen den größten Fluss im Gemeindegebiet, die „Alm“, welche bei Lambach  in die Traum einmündet. Weitere bekannte Einrichtungen in Grünau sind der „Cumberland-Wildpark“ und die „Konrad-Lorenz-Forschungsstelle“, wo seit den frühen 1970-er-Jahren das Verhalten von Graugänsen, aber auch von Kolkraben und Waldrappen erforscht wird.

Am Abend des Anreisetages informierte der Naturschutzreferent der Sektion Leoben, Max Becke , über die Geologie der näheren Umgebung des Tagungsortes. Er verwies vor allem auf einen gewaltigen Bergsturz, der sich nach der letzten Eiszeit im hinteren Teil des Hetzautales als Folge des Abschmelzens der Eismassen ereignet hat, durch den der Almsee aufgestaut wurde und dessen Spuren noch heute in der Landschaft deutlich zu sehen sind.

Am zweiten Tag wurde zunächst ein Wasserkraftwerk an der Alm besichtigt, welches (als besondere Attraktion !) mit dem größten Wasserrad Österreichs ausgestattet ist.

In weiterer Folge wurde das Hetzautal – ausgehend vom Almtaler Haus – durchwandert, wobei Max Becke seine Ausführungen vom vorigen Abend zur Geologie  durch konkrete Hinweise ergänzte.

Dann wurde ein weiteres Wasserkraftwerk beim Gasthaus „Jagersimmerl“ besichtigt, das mit 2 unterschiedlich konstruierten Turbinen ausgestattet ist, um die jahreszeitlich stark unterschiedliche Wasserführung der Alm bestmöglich in elektrische Energie umwandeln zu können.

Schließlich wurde der Almsee teilweise umwandert, der mit seinen ausgedehnten Verlandungszonen und seinen umliegenden Feuchtgebieten vielfältige Habitate für die Vogelwelt und eine artenreiche Vegetation aufweist. Mehrere Schotterbänke am Ostufer luden zum Baden ein.

Am Abend referierte der Umweltanwalt des Landes Oberösterreich, Martin Donalt, zum Thema „Nächtliche Lichtverschmutzung“, dessen Aktualität in unseren Breiten ständig zunimmt; nach Einbruch der Dunkelheit konnten die Seminarteilnehmer bei optimalen äußeren Bedingungen einen am Südufer des Almsees nicht lichtverschmutzten Sternenhimmel in voller Pracht genießen, wobei Gerald Piffinger und Thomas Kurat als kompetente Experten zur Verfügung standen.

Der dritte Tag begann mit einem Vortrag von Gerald Piffinger zum Thema „Vögel und Windkraft“: negativ betroffen von dieser Art der Energie-Gewinnung sind vor allem Groß-Vögel mit wenig Nachwuchs: Greifvögel (Adler, Milane, Weihen, Großfalken), aber auch Störche und Großtrappen.

In einem weiteren Referat hielt der Naturschutzreferent des ÖAV/Landesverband OÖ, Herbert Jungwirth, ein leidenschaftliches Plädoyer für „freie Horizonte“: mit eindrucksvollen Bildern zeigte er – untermauert durch seriöse Fakten – die negativen Auswirkungen von Windkraft-Anlagen auf die Natur, das Landschaftbild, den Landschaftscharakter und den Erholungswert im alpinen Raum. Er warnte ausdrücklich davor, dass vor allem auf die westlichen Bundesländer ein enormer Druck hinsichtlich der Errichtung neuer Windparks zukommen wird, zumal die Standort-Gemeinden in diesem Zusammenhang einen erheblichen finanziellen Gewinn erzielen können (laut Jungwirth mindestens 10 000 € jährlich pro Windrad !).

Das nächste Thema („Energie-Protokoll der Alpenkonvention“) wurde von Liliana Dagostin vorgetragen, da der Referent Markus Reiterer wegen Erkrankung nicht anreisen konnte.

Zum Abschluss dieses Tages informierten Josef Pichler (von der Abteilung Raumordnung und Naturschutz des ÖAV) und Karl Staudinger über Beteiligungsmöglichkeiten von NGO`s im raumordnungsrechtlichen Verfahren – wobei vor allem darauf hingewiesen wurde, dass die die Raumordnungs-relevanten Entscheidungen  in den Gemeinden getroffen werden, und dass man  bei Interventionen in der Regel umso erfolgreicher ist, je früher man tätig wird – das heißt schon bei der Erarbeitung von „Räumlichen Entwicklungskonzepten“  und nicht erst bei der Erstellung von „Flächenwidmungsplänen“ (deren konkrete Festlegungen  ganz maßgeblich von den Aussagen in den jeweiligen Entwicklungskonzepten abhängen).

Am Abend zeigte Werner Gantschnigg, Naturschutzreferent der Sektion Zellam See, eine seiner eindrucksvollen Foto-Meditationen.

Am vierten Tag gab zunächst Sarah Höfler einen Überblick über Wasserkraftanlagen und deren Beurteilung aus naturschutzfachlicher Sicht: sie erläuterte den Unterschied zwischen Laufkraftwerken und Ausleitungskraftwerken, und sie besprach die Themen „Restwassermengen“ und „Fischaufstiegshilfen“. Sie wies auch auf die Bedeutung des „Weser-Urteils“ aus dem Jahr 2015 hin, in dem der Europäische Gerichtshof eine grundsätzliche Entscheidung hinsichtlich der Beurteilung von Wasserkraftanlagen getroffen hat (vereinfacht gesagt muss jedes Qualitätsmerkmal einzeln geprüft und beurteilt werden).

Anschließend referierte Reinhold Christian zum Thema „Realisierung einer naturverträglichen Energiewende“: er verwies darauf, dass der Energiebedarf in Österreich derzeit zu 70 % aus fossilen Energieträgern und nur zu 30 % aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, forderte eine Halbierung des „Brutto-Inlandsverbrauchs“ (das ist die Summe aus allen Energie-relevanten Prozessen) und bezeichnete die Energie-Effizienz als Schlüssel zur Energiewende.

Von der Politik forderte er

·        Zukunftsfähige Ziele

·        Unabhängigkeit von Lobbys

·        Anreiz-Orientierung

·        Saubere Gewalten-Trennung

·        Rechtssicherheit hinsichtlich der Bürgerrechte (Aarhus-Konvention !)

Am Nachmittag waren dann die Sektionen am Wort – siehe dazu den Bericht von Florian Hutz.

Der letzte Veranstaltungs-Tag führte die Seminarteilnehmer nochmals in das Hetzautal  – diesmal unter der Führung des Waldpädagogen Fritz Wolf – bis zum Kleinen Ödsee.

Mit einem gemeinsamen Mittagessen im Almtaler Haus endete dieses interessante und lehrreiche Seminar; allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Abteilung Raumplanung und Naturschutz, vor allem aber der Abteilungsleiterin Liliana Dagostin und dem Organisator Florian Hutz, gebührt großer Dank für die perfekte Abwicklung der Veranstaltung.

 
 
 

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