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Be(r)geistert am Peilstein (Rock 'N' Ropes - Tours)

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Be(r)geistert am Peilstein

Dieses Jahr begab sich die Klettergruppe Rock 'N' Ropes auf den Peilstein, um dort ihr Abschlusswochenende zu verbringen.

Ein objektiver Beobachter erzählt ...

Wir schreiben den 03. Juli des Jahres 14 nach dem zweiten Millenium unseres Kalenders, es ist 08:30 und wir befinden uns am Bahnhof Mödling in Wien. Eine Gruppe schlecht rasierter Männer und Damen [!] findet sich am Parkplatz vor dem Bahnhof ein. Wirft man nur einen schnellen Blick auf diese Gruppe junger Menschen, so schleicht sich bei einem das Gefühl ein, es dürfte frühestens 4:00 Uhr sein. Auf den zweiten Blick erkennt man jedoch die Wahrheit, es handelt sich um Studenten.

Die langsamen, ja trägen Bewegungen beschleunigen sich merklich, als um 08:45 ein zweites Auto vor dem Bahnhof stehen bleibt, es muss sich um den Organisator handeln, der wie eh und jeh nur eines mit Sicherheit nie vergisst ... zu spät zu kommen.
Die Gruppe verteilt sich auf die beiden Fahrzeuge, die beide kaum die Beschreibung Auto verdienen, und verlassen in ihrer studentischen Trägheit den Parkplatz.
Noch einige Minuten später meint man das Hupen genervter Wiener zu hören, man kann es ihnen nicht verdenken, wer fährt in aller Früh schon gern hinter einem Studenten her.

Nach einigen waghalsigen Überholmanövern und einer dreiviertelstunde Fahrt rollen die beiden, nennen wir sie einmal, Autos auf dem Parkplatz in Holzschlag vor. Sieben schön(e) langsam wach werdende Studenten quälen sich aus den gemütlichen Sitzen und fangen an, ganz gemächlich ihre Bergschuhe anzuziehen, Rucksäcke zu schultern, Äpfel zu essen und Zähne zu verlieren, ein völlig normaler Anblick möchte man meinen, beinahe schon idyllisch. Wäre da nicht noch auszumachen, wer die Leihausrüstung auf die Hütte schleppt.
Doch wird hier schnell eine Lösung gefunden, denn Dank der allgemein anerkannten Gleichberechtigung wird einstimmig* beschlossen, dass die leichtesten auch die schwerste Ausrüstung zu tragen hätten. Schließlich hätte jeder das Recht auf gleiches Gewicht!

Sophie beim Slacknzoom

Lass uns erst mal hingehen!

 

Vorbereitungzoom

Vorbereitungen, die Felsen zu unterwerfen werden getroffen.

Grei aufi Spiderwoman!zoom

Jetzt no schnell a leichte 7er...

Für den Aufstieg benötigte die Gruppe halbwilder eine gute halbe Stunde, hätte ich es nicht mit eigenen Augen dabei beobachtet, sondern sie erst bei ihrer Ankunft gesehen, ich hätte gedacht die 7 hätten sich mit dem Hubschrauber einfliegen lassen. Kaum ein Tropfen Schweiß stand Ihnen auf der Stirn und sie schienen nur auf weitere Höhenmeter zu hoffen. Dies erklärt vielleicht auch warum sie alle sofort in ihr Matratzen im zweiten Stock verschwanden.

Es ist nun kurz nach 11:00, die Gruppe macht sich auf die Suche nach weiteren Abenteuern. Einzig und allein scheint keiner von Ihnen, allen voran der Organisator, zu wissen, wo sie nach solchen Abenteuern suchen sollen.
Doch nach nicht allzu langer Zeit und nur zwei falschen Abzweigungen gelingt es ihnen schließlich, die immerhin 5 Minuten entfernten Kletterfelsen zu erreichen. Die Freude ist groß und sofort werden alle nötigen Vorbereitungen getroffen, um die Felsen zu unterwerfen.
Die Gruppe trifft auf felsenfesten Gorilla [!] Widerstand, auf eine interne Untersuchung hin wird diese Aussage von allen dementiert und verurteilt. Man versucht sich darauf zu einigen die Felsen nur zu besteigen. Auch dieser Plan trifft auf Widerstand und schließlich wird beschlossen die Felsen nur zu erklettern. Die erste demokratische Entscheidung des Tages ward getroffen.

Der neue Plan scheint Früchte zu tragen, denn bereits nach wenigen Stunden belaufen sich die erkletterten Seillängen auf einen zweistelligen Betrag. Alle Parteien behaupten nun, es sei ihre Idee gewesen.
Auf die Frage hin, wie schwer die Routen seien, behauptete ein (inzwischen gefeuerter) offizieller Sprecher und ehemaliger Sägewerksmitarbeiter stolz, man könne dies an einer Hand abzählen!

Doch schon nach einer kurzen Aufwärmphase wenden sich die ersten Teilnehmer 6ern und 7ern zu, denen man ohne schlechtes Gewissen eine stramme Benotung zuschreiben kann.
Zum Glück aller Anwesenden ist der Medizinmann als treibendes Mitglied mit von der Partie und lässt keine Schwäche zu, ganz zum Leid der Anderen, deren Egos er ganz beträchtlich zu beschneiden scheint.

 
Sicherungsprofiszoom

Genau richtig

Paul im Risszoom

Verschneidungen, dass einem das Wasser im Mund zusammen läuft!

verschriebenzoom

Der Medizinmann lernt lesen

 

Die Nächte verbringt die Gruppe im großen Peilsteinhaus, das seit neuestem auf einer Seite leider von einem hässlichen Betongebäude eingeschlossen wird, welches der Bergromantik nicht gerade zuträglich ist. Auch wenn das die Gruppe nicht sehr zu stören scheint ... das Bier ist ja gut und der Wein natürlich auch. Vor allem wenn er vor einem prasselnden Lagerfeuer genossen wird.

Es ist einer dieser Abende, die man lange in Erinnerung behält, der Wein fließt, das Feuer prasselt und die Zirpen veranstalten ein Konzert, dass es einem förmlich die Ohren verschlägt.
Niemand will so recht an morgen denken, kann ich verstehen ... Wer freut sich schon auf Kopfweh, wenn man, nur mehr mit dem kleinen Finger hängend, versucht zu klicken?

Das Wetter scheint der Gruppe gnädig, nur einmal regnet es kurz, doch schon nach einer Stunde ist der Fels wieder trocken genug, um sich erneut an die Wände zu wagen. Noch selten habe ich eine Gruppe Studenten derart motiviert gesehen. Niemand kann es erwarten, sich in die nächste Route stürzen zu dürfen, Langeweile kommt gar nicht erst auf. Gut so ...

Am Nachmittag, wenn die Müdigkeit der Abende die Gruppe langsam einholt, die Bewegungen langsamer werden und alle schön langsam den Blick in Richtung Hütte streichen lassen, gehts ab zum Abendessen. Große Portionen sind es nicht, aber der Gruppe kommt eine Diät eh ganz recht, aber das bleibt zwischen uns ;).

Die Sportlichkeit kennt keine Grenzen, kaum ist das Abendessen erledigt wird die Slackline ausgepackt und gespannt. Abwechslung muss schließlich sein.

Berni heizt uns ordenltich einzoom

Die Faszination der Flammen ist und bleibt ungebrochen.

Slacknzoom

Der rote Faden, den ich so oft suche...

 

Alles in allem, denke ich, dass man sagen kann, die vier Tage auf dem Peilsteinhaus waren für alle sehr anspruchsvoll und lustig. Alle schienen die Aktion zu genießen. Das schreit förmlich nach einer Wiederholung und so wie es aussieht, wird uns nichts daran hindern!

* einstimmig, Adjektiv- Bed.: Entgegen des allgemeinen Glaubens bedeutet dies nicht 'ohne Gegenstimme', sondern wie der Wortstamm 'ein' und 'stimmig' erkennen lässt: eine Stimme. Es bedeutet also, dass eine Person bestimmt und eine einzelne Person widerspricht sich selbst nur in seltenen Fällen.


Fazit

Eines muss man dem Klettergebiet Peilstein einfach lassen, es ist an Erreichbarkeit und Vielfältigkeit kaum zu übertreffen. Es sind diese beiden Eigenschaften, die es wohl auch so beliebt machen und somit ist es leider oft etwas überlaufen. Natürlich ist auch die Nähe zu Wien ein Faktor der hier mitspielt. Viele der Routen in den Schwierigkeitsgraden bis 5+ sind schon etwas abgeschmiert, was sich aber in den letzten Jahren wieder etwas zu bessern scheint. Darüber hat man kaum Reibungsprobleme.

Von sehr schönen Plattenklettereien über Verschneidungen, Risse und überhängende Leistenrouten ist hier eigentlich alles vorhanden und sehr empfehlenswert. Natürlich ist auch das Peilsteinhaus perfekt geeignet, wenn es dazu kommt das Klettergebiet mit einer Gruppe für eine längere Zeit zu belagern, hier sei man jedoch gewarnt, denn die Pächter waren in dieser Saison sehr angespannt und teils auch wirklich unfreundlich. Das habe ich vor zwei Jahren auch schon so erlebt. Die Küche, die uns durch die Halbpension zuteil wurde, war ausreichend, aber nicht herausragend. Loben muss man wohl das Bettenlager, das sehr angenehm und auch recht gepflegt ist. Wieder weniger modern ist die Hausregel, dass für jedes Mal duschen extra zu zahlen ist. Das ist mir noch auf den wenigsten Hütten passiert, aber schon gar nicht auf einer die sowohl einen Strom als auch Wasseranschluss besitzt und wo die Nacht bereits 17 € (für Mitglieder im Lager) kostet. Aber hier muss man wohl leider davon ausgehen, dass diese Preise bereits touristisch werden, ein Trend den man leider österreichweit an leicht erreichbaren und stark frequentierten Hütten erkennen kann. (Ausnahmen ausgeschlossen)

Kurz: Klettertechnisch ein Muss, Hütte naja und hochpreisig!

Autor:
© Raphael Unterrainer


Bilder:
© Vanessa Pichler, Jessica Pichler, Sophie Brasseur, Sarah Pippan et al.

 

32 Bilder

 
 
 
 
 

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