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Lawinen-Know-How für eine sichere Wintersaison 2021 (Sicher in den Skitourenwinter!)

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Wien

Lawinen-Know-How für eine sichere Wintersaison 2021

Bei allen Unsicherheiten steht fest: Es kommt kein „normaler“ Winter auf uns zu. Die Pandemie wird auch den Wintersport auf diversesten Ebenen beeinträchtigen,  wir rechnen beim Alpenverein mit einem signifikanten Zuwachs des ohnehin schon boomenden Skitourensports. Mehr Menschen im Gelände = mehr Risiko? Damit diese Gleichung nicht aufgeht, haben wir hier unsere Lehrmaterialien zum Thema „Sicher auf Skitour“ gebündelt. Wir wünschen euch eine sichere Wintersaison!

Skitour in den Ötztaler Alpen (Foto: Alpenverein/Norbert Freudenthaler)

„Wenn wir die Erfahrungen des Bergsommers 2020 auf den Winter übertragen, ist es durchaus berechtigt zu sagen: Wir werden mehr Menschen auf Ski- und Pistentouren finden als jemals zuvor“, prognostiziert Michael Larcher, Leiter der Abteilung Bergsport beim Österreichischen Alpenverein. Denn Skitouren liegen voll im Trend, und das seit 15 Jahren, jedes Jahr nehmen die Zahl der Tourengeher*innen weiter zu, 500.000 bis 600.000 Skitourengeher gibt es allein in Österreich. Im Corona-Winter 2020/21 dürfte die Befangenheit gegenüber dem Massentourismus noch in den Köpfen sitzen, die Menschenansammlungen vor Skiliften und enge Gondeln werden wohl tendenziell mehr gemieden werden. Für alle, die auf Pulverschwünge dennoch nicht verzichten wollen, heißt die Lösung: Skitouren. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir mit bis zu 20% mehr Tourengeher*innen rechnen können“, sagt Michael Larcher. Deshalb heuer wichtiger denn je: Aufklärung und Prävention!

Mach' dich schlau!

Der abgeklopfte Spruch „Übung macht den Meister“ hat selten mehr Sinn als beim Thema Skitouren – richtiges Handeln im Notfall kann Leben retten! Deshalb: Nutzt die Ausbildungsangebote und ab ins Gelände!

Hör' gut zu! LawinenUpdate 20/21 online

Was kann ich tun, um erst gar nicht mit Lawinen konfrontiert zu werden? Was ist zu tun, wenn es doch passiert? Was muss alles in meinen Skitourenrucksack? Unser beliebtes "LawinenUpdate", mit dem wir sonst als Live-Vortrag durch ganz Österreich touren, ist als Livestream ins Digitale gewandert.

Zusätzliche Inhalte heuer: Themen aus der Psychologie – was sind bekannte Gefahrenmuster, die in uns selbst liegen? Warum leben Männer auf Skitouren gefährlicher als Frauen? Zielgruppe: Die breite Masse, nicht die Experten! 

Wenn Sie auf das Video klicken, wird eine Anfrage mit Ihrer IP-Adresse an Youtube bzw. Google gesendet. Datenschutzinformationen

35.000 Zuseher*innen haben das LawinenUpdate des Alpenvereins live mitverfolgt. Über ein Online-Umfrage-Tool hatten sie auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Knapp 1.000 Fragen wurden im Hintergrund von unseren Lawinenexperten und Bergführern Thomas Wanner und Gerhard Mössmer beantwortet. Die 10 häufigsten Fragen und die Antworten dazu haben wir hier zum Nachlesen gesammelt. 

 
 
 
 

Tourenplanung:

Als drei der besten Apps für Tourengeher*innen empfehlen wir: 

  • alpenvereinaktiv.com: Große Tourenauswahl, Tourenplanungs-Tool, Topokarten, Hangneigungslayer, aktueller Lawinenlagebericht (LLB), aktuelle Bedingungen

  • Snowsafe: Aktueller Lawinenlagebericht für ganz Österreich und Teile Europas (Frankreich, Bayern, Island, Norwegen, Polen, Slowakei, Slowenien, Südtirol, Trentino, Tschechien und Venetien)

  • White Risk: Zusätzlich zum Schweizer Lawinenlagebericht eine umfangreiche, interaktive Wissensbox zum Lernen

Um tiefer in die Materie einzutauchen, können wir unter anderem diese Links empfehlen:

Das Online-Tool Skitourenguru beruht auf einem Algorithmus, der auf der Basis valider Daten (LLB, Begehungszahlen, Topographie) ein Risiko errechnet. Ein sehr interessantes Tool mit viel Potential. Enthält im Moment vorrangig Touren in der Schweiz, wird aber in Österreich auch an Bedeutung gewinnen. Die praktische Ausbildung kann ein Algorithmus natürlich trotzdem nicht ersetzen.

 
 

Schneekunde:

Wind ist der Baumeister von Schneebrettlawinen! Deshalb ist es für WintersportlerInnen besonders wichtig, dass sie windverfrachteten Schnee, sogenannten Triebschnee, erkennen können.

Triebschnee ist weich, aber gebunden, unregelmäßig verteilt, besonders störanfällig und schlecht mit der Altschneedecke verbunden. Er hat eine matt-weiße, fahle und nicht glitzernde Oberfläche, scharfe Kanten beim Spuren bzw. Fahren, ist unregelmäßig verteilt ("Triebschneeblasen"), häufig kammnah, hinter Geländekanten und in Rinnen und Mulden, im Lee (der windabgewandten Seite) anzutreffen.

In Sonnenhängen setzt sich der Schnee in der Regel schneller, deshalb sind Sonnenhänge meist günstiger, was die Lawinengefahr angeht. Achtung bei zu starker Sonneneinstrahlung: Dann droht starke Durchfeuchtung, die wiederum sehr ungünstig ist.

In Schattenhängen bleiben Schwachschichten länger erhalten bzw. kann sich der Schnee aufgrund tiefer Temperaturen ungünstig zu großen, lockeren und bindungsarmen Kristallen umwandeln. Diese eignen sich perfekt als Schwachschicht. 

Nein, unter 30 Grad Hangneigung können keine Lawinen abgehen (seltene Ausnahme sind Nassschneelawinen). Was aber nicht heißt, dass man unter 30° keine Lawinen auslösen kann! Man spricht hier von Fernauslösung: Der Bruch der Schwachschichte erfolgt im Flachen (oft begleitet von einem "Wumm-Geräusch"), der Bruch pflanzt sich fort und die Lawine bricht im Gelände steiler 30° ab.

Und natürlich können Lawinen auch in Gelände unter 30° vordringen. Das ist für uns Skitourengeher*innen z.B. bei Selbstauslösungen, Fern- oder Fremdauslösungen relevant.

 
 

Notfall Lawine:

Der Airbag ist die einzige Notfallausrüstung, die eine Verschüttung verhindern kann. Allerdings funktioniert er nur in einer bewegten Masse (in der bewegten Lawine bleiben größere Teile obenauf – "Prinzip der inversen Segregation"). Kommt die Lawine von oben, hilft der Airbag nicht. Ebenfalls nützt er nichts bei Geländefallen (tiefe Gräben, Mulden) und schützt auch nicht vor traumatischen Verletzungen (z.B. bei Aufprall an Felsen oder Bäumen).

Die Regel lautet: Notruf sofort, wenn ohne Zeitverlust möglich! Das heißt, wenn ich z.B. alleine bin und (mit Ski) von oben komme, fange ich direkt an zu suchen. Stehe ich weit unterhalb des Lawinenkegels und benötige viel Zeit für den Weg nach oben, setze ich zuerst den Notruf ab. Sind wir mehrere: Notruf an eine Person aus der Gruppe delegieren.

Weil Schaufel, Sonde sowie Erste-Hilfe-Paket inkl. Alu-Rettungsdecke und warmer Kleidung im Rucksack sind und ich diese zur Bergung und Versorgung des Verunfallten brauche.

Eine schwierige Situation unter Zeitdruck. Habe ich die erste Person geortet und der Wert des LVS-Gerätes sinkt nicht unter 1,5 m (Verschüttungstiefe), suche ich unverzüglich weiter nach der 2. Person – in der Hoffnung, dass diese weniger tief verschüttet ist und somit schneller ausgegraben werden kann.

Schau' dich schlau!

Skitouren erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, doch sie bleiben ein Risikosport – trotz Lawinenlagebericht und hochwertiger Ausrüstung. Unsere kurzweiligen Videos zum Thema.

Notfall Lawine

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Worst-Case-Szenario Lawinenabgang: Wie läuft die Verschüttetensuche Schritt für Schritt ab, wie geht man mit der Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) um? Wie findet man Verschüttete rasch im Lawinenkegel, um sie möglichst ohne Zeitverlust bergen zu können? 

LVS-Check

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Die Kontrolle des Lawinenverschüttetensuchgerätes, der sogenannte "LVS-Check", ist eine wichtige und einfache Standardmaßnahme, die wir vor Antritt jeder Tour (Skitour, Schneeschuhwanderung, Freeride-Tour, ...) empfehlen. Und zwar am Ausgangspunkt, vor der Hütte, bei der Bergstation. 

 

Richtig Schaufeln

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Der meist längste und auch anstrengendste Teil der Lawinenrettung stellt das Ausschaufeln dar. Dabei kann man viel Zeit gut machen, aber auch viel Zeit verlieren. Je mehr Schaufler, desto besser! Aber nur, wenn jeder weiß was er zu tun hat. Es kommt auf die richtige Technik und auf die richtige Strategie an!

Richtig Sondieren

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Zeit ist Leben! Die Punktsuche mittels Lawinensonde spielt bei der Lawinenrettung eine entscheidende Rolle. Sie gibt Aufschluss über Position und genaue Verschüttungstiefe und bildet zugleich eine Nabelschnur zur verschütteten Person. Deshalb bleibt die Sonde nach einem Treffer immer stecken! Wie man sondiert und was man dabei zu beachten hat, lernt ihr in diesem Video Tutorial.

 

Lies' dich schlau!

Unser SicherAmBerg "Booklet Skitouren" liefert kompakt und anschaulich die wichtigsten Fakten zur Vermeidung von Lawinenunfällen, zur richtigen Tourenplanung und zur effizienten Kameradenrettung im Notfall. Leseempfehlung für alle, die in der Wintersaison im freien Gelände unterwegs sind!


Booklet Skitouren
Cardfolder Skitouren
 

Die 10 Empfehlungen des Alpenvereins

Skitouren, Schneeschuh- und Snowboardtouren bieten große Chancen für Fitness, Gemeinschaft und Naturerlebnis. Die folgenden Empfehlungen dienen dazu, den alpinen Gefahren im winterlichen Gebirge wirkungsvoll zu begegnen. Die praktischen Grundlagen lernst du in Ausbildungs- und Lawinenkursen, Erfahrung sammelst du Schritt für Schritt.

1. Gesund und fit in die Berge

Skitouren sind Ausdauersport. Die wertvollen Belastungsreize für Herz, Kreislauf und Muskeln setzen Gesundheit und eine ehrliche Selbsteinschätzung voraus. Vermeide Zeitdruck und wähle das Tempo so, dass niemand in deiner Gruppe außer Atem kommt. Achte auf Kraftreserven für die Abfahrt.

2. Sorgfältige Tourenplanung

Karten, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über Routenverlauf, Länge, Höhendif-ferenz und die aktuellen Verhältnisse. Besondere Beachtung verdient der Wetterbericht, da Kälte, Wind und schlechte Sicht das Unfallrisiko stark erhöhen. Plane auch Alternativrouten. Informiere dich über nationale Bergrettungs-Notrufnummern (Euro-Notruf 112).

3. Vollständige Ausrüstung

Passe deine Ausrüstung den winterlichen Verhältnissen und dem konkreten Tourenziel an. Standard-Ausrüstung für den Notfall sind Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), Sonde und Schaufel, ebenso Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Mobiltelefon. Ein Airbag-System erhöht die Überlebenschancen. Überprüfe deine Ausrüstung vor dem Start und führe ein Reperaturset mit.

4. Lawinenlagebericht

Informiere dich vor der Tour eingehend über die Lawinengefahr: Wie? Wo? Was? Achte beson-ders auf Informationen zur Gefahrenstufe (1-5), zu den Gefahrenstellen ( Wo ist es heute gefährlich?) und zu den Gefahrenmustern (Was ist heute die Hauptgefahr?).

5. Lawinenrisiko abwägen

Beim Erkennen der Lawinengefahr sind dem Menschen enge Grenzen gesetzt. Stütze deine Ent-scheidungen daher auf strategische Methoden der Risikoeinschätzung (Reduktionsmethoden) und lerne, Gefahrenzeichen im Gelände zu erkennen. Weiche Gefahrenstellen aus und kehre im Zweifelsfall um.

6. Pausen und Orientierung

Flüssigkeit, Energie und Pausen sind notwendig, um Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Heiße, isotonische Getränke sind ideale Durstlöscher und Wärmespender. Orientiere dich laufend („ich weiß, wo ich bin“) und beurteile vorhandene Spuren kritisch.

7. Abstände einhalten

Abstände diesen der Entlastung der Schneedecke und der Schadensbegrenzung. Entlastungsab-stände von 10 m beim Aufstieg in Steilhängen steigern zudem den Komfort bei Spitzkehren. Bei der Abfahrt halte grundsätzlich Abstände von mindestens 30 m und befahre sehr steile Hängeeinzeln.

8. Stürze vermeiden

Stürze bei der Abfahrt sind die häufigste Unfallursache auf Skitouren. F ür die Schneedecke be -deuten sie eine große Zusatzbelastung. Gute Skitechnik und eine dem Können angepasste Ge-schwindigkeit reduzieren das Risiko. E in Skihelm schützt vor Kopfverletzungen. Achtung: Absturz-gefahr bei gefrorener Schneedecke und im felsdurchsetzten Gelände!

9. Kleine Gruppen

Kleine Gruppen (bis 6 Personen) erhöhen die Sicherheit. Kommunikation mit anderen Winter-sportlern und gegenseitige Rücksichtnahme verhindern gefährliche Situationen. In der Gruppe zusammen bleiben. Informiere vertraute Personen über Ziel, Route und Rückkehr. Achtung Alleingänger: Bereits kleine Zwischenfälle können zu ernsten Notlagen führen.

10. Respekt für die Natur

Das Gebirge bietet einen wertvollen Freiraum zum Bewegen in einzigartiger Wildnis. Genieße diese Freiheit! Nimm Rücksicht auf Wildtiere, respektiere Schutzgebiete und betrete keine Auffor -stungsflächen. Zur Anreise Fahrgemeinschaften bilden oder öffentliche Verkehrsmittel verwenden.

Naturschutz – Sei achtsam!

Besonders wichtig wird es diesen Winter sein, sozialen Konflikten vorzubeugen und diese wo möglich zu vermeiden, wie zum Beispiel bei der Parkplatzsituation am Ausgangspunkt. Auch die Beunruhigung des Wildes ist ein wichtiges Thema, Lenkungsmaßnahmen zum Schutz der Wildtiere sind bis dato nur für wenige Gebiete installiert. Ganz wichtig ist hier die erste Spur nach einem Neuschneefall auf den Berg, diese gilt es bedacht und risikominimiert anzulegen.

 
 
 

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