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Klimakrise: Was ist nötig, um ihr zu begegnen?

Wenn nicht drastische Maßnahmen getroffen werden, gefährdet der Klimawandel das Überleben der Zivilisation. Die Dramatik der Situation wird von Jahr zu Jahr deutlicher. Die Klimakrise ist inzwischen in aller Munde – aber was muss international, was national geschehen, um die totale Katastrophe abzuwenden?

Von Helga Kromp-Kolb, erschienen im Bergauf 05/2019

Die Gletscher und ihr Rückgang stehen sinnbildlich für die Klimakrise. (Foto: M. Kobal / Greenpeace)zoom
Die Gletscher und ihr Rückgang stehen sinnbildlich für die Klimakrise. (Foto: M. Kobal / Greenpeace)

Mit dem Paris Klimaabkommen haben sich die Staaten verpflichtet, 

  • die globale Erwärmung auf höchstens 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und 
  • Anstrengungen zu machen, 1,5 °C nicht zu überschreiten.

In einem Bericht des IPCC 2018 wurde seitens der Wissenschaft dargelegt, dass die Folgen des Klimawandels schon bei geringeren Temperaturen einsetzen als erwartet, und dass der Unterschied zwischen 1,5 °C und 2 °C hinsichtlich der Auswirkungen sehr groß ist. Bisher ist die globale Mitteltemperatur bereits um 1,1 °C gestiegen, das nächste Grad bedeutet nicht eine Verdoppelung der Folgen, sondern eine Vervielfachung, weil die Prozesse nicht linear, sondern exponentiell verlaufen. Es kommt jetzt auf jedes halbe Grad, auf jedes Jahr und auf jede Entscheidung an. Es soll verhindert werden, dass selbstverstärkende Prozesse ein Einbremsen des Klimawandels unmöglich machen.

Jedes halbe Grad ist entscheidend

Die Summe aller von den Staaten vorgelegten Reduktionsmaßnahmen reicht allerdings bei Weitem nicht aus, um den Temperaturanstieg auf 2 °C oder gar 1,5 °C zu begrenzen. Es besteht eine Lücke von rund 25% bzw. 35 % der 2030 zu erwartenden Emissionen. De facto müssen die Emissionen bis 2030 auf 50% und bis 2050 auf netto Null reduziert werden, sollen die Ziele erreicht werden. 

Da für Österreich die Möglichkeit, Treibhausgase in Böden und Biomasse (vor allem Wäldern) zu speichern mit 5 % bis maximal 10 % abgeschätzt wird, bedeutet es, dass die Emissionen bis 2050 um mindestens 90 %, eher 95 % reduziert werden müssen. Fairerweise müssten aber die Industriestaaten mehr leisten um den Entwicklungsländern, die zum bisherigen Klimawandel wenig beigetragen haben, mehr Spielraum für Entwicklung zu geben, und um unter Beweis zu stellen, dass sie die Klimakrise ernst nehmen. Dementsprechend gehen auch die Forderungen von NGOs wie den Fridays for Future oder den Extinction Rebellion deutlich über dieses Mindestmaß hinaus.

Pariser Klimaziel - ein beispielhafter Referenzzielpfad für Österreich, der im Einklang mit den EU-Zielen bis 2050 und mit dem globalen 1,5 Grad-Ziel ist. (Quelle: Ref-NEKP Kap.1)zoom
Pariser Klimaziel - ein beispielhafter Referenzzielpfad für Österreich, der im Einklang mit den EU-Zielen bis 2050 und mit dem globalen 1,5 Grad-Ziel ist. (Quelle: Ref-NEKP Kap.1)
 

Nachbesserung erforderlich

Österreich hat sich in seinem Ende 2018 nach Brüssel geschickten Entwurf zu einer Klima- und Energieplan (NEKP) als Ziel gesetzt, minus 36 % bis 2030 zu erreichen, weit ab vom Pariser Vertrag. Selbst dafür waren weder die erforderlichen Maßnahmen noch die finanziellen Mittel vorgesehen. 

Zugleich sind Bodenverbrauch und Bodenversiegelung pro Person und Jahr in Österreich die höchsten in Europa – mit Konsequenzen nicht nur für die landwirtschaftliche Produktion und die Biodiversität, sondern auch für die Möglichkeit der Kohlenstoff-Speicherung. In einem Ranking der Qualität der eingereichten NEKP-Pläne figuriert der österreichische Plan im letzten Drittel. Entsprechend kritisch war die Reaktion der Kommission. Bis zum Jahresende 2019 muss nun ein verbesserter Plan erstellt und nach Brüssel geschickt werden. Die Expertenregierung hätte nun die Chance, abseits parteipolitischer Überlegungen das breite Interesse der Öffentlichkeit für einen wirklich ambitionierten NEKP zu nutzen

Gletscherschmelze - wie in den Alpen, so auch in der Welt. (Foto: N. Freudenthaler)zoom
Gletscherschmelze - wie in den Alpen, so auch in der Welt. (Foto: N. Freudenthaler)

Maßnahmen auf allen Ebenen

Wie ein von Wissenschaftern des Climate Change Center Austria im Rahmen des Projektes UniNEtZ der Allianz Nachhaltiger Universitäten erstellter „Referenz-NEKP“ zeigt, ist die Herausforderung enorm. Es geht nicht mehr darum, welche Maßnahmen ergriffen werden – also z.B. ökosoziale Steuerreform ja oder nein – denn alle Maßnahmen werden gebraucht. Es geht lediglich darum, wie sie ausgestaltet werden. In die Ausgestaltung sollte jedoch die Bevölkerung mit einbezogen werden.

Es werden Maßnahmen auf allen Ebenen gebraucht – von der globalen und europäischen, über die nationale und Länderebene bis zu den Gemeinden, den Betrieben und Institutionen und den Einzelnen. Die Politik steht vor allem in der Verantwortung, zeitnah die notwendigen Rahmenbedingungen für das Handeln auf den unteren Ebenen zu schaffen. 

Insbesondere muss klimafreundliches und nachhaltiges Handeln einfach und kostengünstig werden, klimaschädigendes Handeln hingegen unattraktiv und teuer (z.B. durch wirksame CO2-Preise, Einstellung von Subventionen für klimaschädliche Handlungen und Produkte, Effizienzvorschriften und soziale Innovationen). Eine sozial ausgewogene Verteilung von Kosten und Nutzen des Wandels ist dabei unerlässlich.

 
Earth-Strike in Linz - eine Generation macht mobil und fordert konkrete Handlungen. ( Foto: Fridays for Future Linz)zoom
Earth-Strike in Linz - eine Generation macht mobil und fordert konkrete Handlungen. ( Foto: Fridays for Future Linz)

Was wird vom Einzelnen erwartet?

Man kann zeigen, dass etwa 50 % der Emissionen der Einzelnen im eigenen Einflußbereich liegen: 

Wie bewege ich mich fort, was esse ich, was kaufe ich, wie stark beheize ich meine Wohnräume, wie lange dusche ich, etc.?

Der Rest hängt von vorhandener Infrastruktur und Angeboten ab. Da man aber nicht erwarten kann, dass alle Menschen um des Klimaschutzes willen die unbequemeren und teureren Lösungen wählen, muss die Politik dafür sorgen, dass das richtige Handeln das attraktivere ist. Wenn der günstigste Flug mit wenigen clicks im Internet identifiziert und gebucht ist, während das Bahnticket wesentlich mühsamer zu erstehen ist, und noch dazu deutlich teurer, kann man nicht erwarten, dass die Menschen mit der Bahn reisen.

Der Einzelne muss allerdings durch sein Handeln und durch seine Wahlentscheidungen signalisieren, dass er bzw. sie Klimaschutzmaßnahmen wünscht und mitträgt – und zwar nicht nur im Prinzip, sondern auch im Konkreten. Das bedeutet, dass er eben Bus oder Bahn oder Wochenmarkt der BäuerInnen etc. nutzt, dass er sich auf car sharing einlässt, effiziente und reparierbare Produkte kauft, und umgekehrt keinen automatischen Rasenmäher ständig kreisen lässt, keine Erdbeeren im November verspeist, sich als Stadtmensch keinen SUV zulegt, usw.

Verkehr ist Teil der Ursache und Lösung der Klimakrise - die Gesellschaft hat es in der Hand, richtige Entscheidungen zu treffen. (Foto: N. Freudenthaler)zoom
Verkehr ist Teil der Ursache und Lösung der Klimakrise - die Gesellschaft hat es in der Hand, richtige Entscheidungen zu treffen. (Foto: N. Freudenthaler)
 

Es mangelt an Verantwortung

Im Großen und Ganzen wissen die Österreicher, was richtig wäre, aber es happert an der Verantwortung, d.h. selber auch das tun, was als richtig erkannt wurde. 

Dennoch: Es gibt zahlreiche Pioniere und klimabewusste Menschen, Firmen, Gemeinden und Regionen in Österreich. Gäbe es diese nicht, würden unsere CO2-Emissionen deutlich stärker anwachsen, als sie es derzeit tun.
Das Positive an der Klimakrise ist, dass sie Gelegenheit bietet, vieles von dem zum Besseren zu verändern, was ohnehin vielen ein Dorn im Auge ist, wie z.B. die aufgehende Schere zwischen arm und reich (Individuen und Staaten) und dass viele Maßnahmen sehr positive Nebeneffekte, z.B. für die Gesundheit, haben. Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad in die Arbeit fahren, sind nachweislich gesünder; das gilt auch für Menschen, die weniger Fleisch und mehr regionale und saisonale Produkte aus biologischer Landwirtschaft essen. Es geht nicht um Verzicht, es geht um das Ändern von Gewohnheiten, um Maßstäbe für ein gutes Leben, abseits von Geld und Prestige.

Über die Autorin: Em. Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb ist Meteorologin und Klimaforscherin und lehrt an der Universität für Bodenkultur in Wien. 

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