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Auf dem Grabenlandtrail durch die Süd- und Oststeiermark (Auf dem Grabenlandtrail durch die Süd- und Oststeiermark)

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Auf dem Grabenlandtrail durch die Süd- und Oststeiermark

Insgesamt 130 Kilometer misst die langgezogene Schleife, welche der Grabenlandtrail durch die Steiermark zieht. In Fernitz südlich von Graz beginnend geht es bis an die slowenische Grenze, wo Mureck und Weitersfeld die Wendepunkte markieren, bevor der Weg wieder zurück nach Norden verläuft.

Klarerweise ist der Grabenlandtrail kein hochalpines Unterfangen und stellt somit ideales Winter- und Zwischensaisonprogramm dar. Wobei, ehrlich gesagt: Auf den Winter zu treffen, damit haben wir eigentlich nicht gerechnet. Doch bereits zum Auftakt schlägt er zu...

1. Tag: Fernitz – Heiligenkreuz am Waasen

Die Grabenlandwanderer

Es ist nicht unbedingt ein warmer Empfang, den uns der Grabenlandtrail im März 2018 bereitet. Laut Kalender soll der Frühlingsbeginn nicht mehr weit sein, doch Petrus schickt uns graue Wolken zum Tourstart nach Fernitz. Und diese werden nur auf den ersten Wanderminuten dicht halten, schon bald marschieren wir in bunten Regengewändern durchs Grabenland...

Dieses hat seinen Namen von den zahlreichen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Tälern, die uns heute und morgen noch einiges abverlangen werden. Denn vorerst wandern wir in Richtung Osten und somit quer zu den 'Gräben', was uns einige Auf- und Abstiege bescheren wird.

Doch wir haben uns ohnehin nur einen kurzen Tag vorgenommen, was vorwiegend den wenigen Übernachtungsmöglichkeiten im Grabenland geschuldet ist. So beziehen wir bereits nach wenigen Stunden unser Quartier beim 'Lippizanerfranzl', wo uns eine kleine Holzhütte am Badesee zugeteilt wird. Der See selbst bleibt aber aus verständlichen Gründen von uns ungenützt.

2. Tag: Heiligenkreuz am Waasen – St. Stefan im Rosental

Der erste Blick aus dem Fenster...

Als wir am nächsten Morgen den ersten Blick aus dem Fenster werfen, trauen wir unseren Augen kaum: über Nacht hat das Grabenland ein weißes Kleid übergezogen. Nein, so war diese Frühjahrswanderung nicht geplant!

Nach einem reichhaltigen Frühstück treten wir hinaus in die Winterlandschaft, noch ein paar Mal geht es auf und ab, bis wir beim Ursprung des Schwarzaubachs den höchsten Punkt des gesamten Trails erreichen. Hier dreht der Weg nach Süden und verläuft nun meist auf den hier Riedel genannten Höhenzügen zwischen den Gräben, was uns das Weiterkommen wesentlich erleichtert und bei gutem Wetter für eine entsprechende Fernsicht sorgt.

Weißenbachegg, Hochegg, Jatzberg und Muggentalberg sind die kleinen Ortschaften, welche wir passieren, unterwegs wärmen wir uns beim Gasthaus Kickmaier mit heißer Suppe auf bevor wir unser Tagesziel mit St. Stefan im Rosental erreichen.

Obwohl wir unsere Touren sonst gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln abwickeln, haben wir dort schon im Vorfeld zwei Autos platziert, da von hier sonntags lediglich ein einziger Bus nach Graz fährt, auf den wir bis in die Abendstunden warten müssten...

3. Tag: St. Stefan im Rosental – St. Peter am Ottersbach

Die Kapelle bei St. Stefan

Beinahe ein Jahr dauert es, bis wir uns wieder am Grabenlandtrail einfinden. Die Kapelle in den Weinbergen oberhalb St. Stefans liegt zwar nicht direkt auf der markierten Route, doch der Abstecher lohnt sich. Der Grabenlandtrail ist übrigens nur an wichtigen Abzweigungen mit eigenen Tafeln markiert, aber die Wegnummer 790 des Saßtaler Höhenwegs gibt auf der gesamten Ostseite der Schleife die Richtung vor.

Das Wetter will wieder nicht so recht, aber zum Glück bleibt es heute trocken. Eine Mittagspause legen wir in Jagerberg ein, dessen markante Kirche von weiten Teilen des Grabenlandtrails sichtbar ist. Da bereits mehr als das halbe Tagespensum hinter uns liegt, können wir es am Nachmittag gemütlicher angehen. Zu unserem Quartier, dem GH Dunkl in St. Peter am Ottersbach, müssen wir den Trail nach links (östlich) talwärts verlassen, werden aber mit einem schönen Waldspaziergang dafür entschädigt.

4. Tag: St. Peter am Ottersbach – Weitersfeld an der Mur

In Mureck

Zurück auf unserer Route haben wir bald das südliche Ende der Riedel erreicht, auf die wir beim Schwarzauursprung aufgesprungen sind. Mit Weinburg am Saßbach (hübsches Schloss!) erreichen wir bereits das Tal der Mur, trotzdem haben wir noch einige Zeit zu spazieren bis wir diese auch zu Gesicht bekommen. Der Gasthof für die angepeilte Mittagseinkehr in Eichfeld ist wegen Betriebsurlaub geschlossen, das hat uns seine Homepage leider verschwiegen.

Wir jausnen trotzdem im Gastgarten, freuen uns aber schon auf eine warme Mahlzeit, die wir schließlich eine Stunde später in Mureck erhalten. Hier endet nun auch die 790er-Markierung. Wir tauschen Sie gegen die Nummer 791, welche uns zurück nach Fernitz bringen soll - doch das wird noch einige Tagesetappen dauern...

Wir treffen hier auch auf den Südalpenweg 03, dem wir nun direkt am Murufer bis zur Mündung des Schwarzaubachs folgen. Letzteren haben wir nun von der Quelle bis zur Mündung kennengelernt. Praktischerweise führt der Grabenlandtrail fast direkt am Bahnhof Weitersfeld an der Mur vorbei, die Wartezeit auf die nächste S-Bahn dürfen wir im urigen Gasthaus Neddermayer verbringen.

5. Tag: Weitersfeld an der Mur – St. Nikolai ob Draßling

Start in den Tag am Bahnhof Weitersfeld/Mur

Der Herbst zieht gerade ins Land, als wir unser Wanderung am Grabenlandtrail fortsetzen, unsere steirische Wandergruppe hat nicht nur hat Verstärkung aus Niederösterreich (Elisabeth) bekommen, sondern auch einheimische und zwar durch den Musiker Wolfgang. Und ja, das ist ein Blindenführhund auf dem Foto, der weiße Schäfer Amadeus wird heute und morgen dem blinden Wolfgang den Weg durchs Grabenland weisen.

Zugegeben, auch für uns ist das zu Beginn ein wenig aufregend, wissen wir doch diesbezüglich nicht so recht, was uns erwartet. Gleich vorweg: es ist alles herrlich unkompliziert. Und wer glaubt, dass uns Wolfgang und Amadeus bremsen oder gar aufhalten könnten, täuscht sich gewaltig: die beiden entpuppen sich als regelrechte Tempomacher unserer Gruppe. Speziell Amadeus scheint es zu genießen, der Gruppe immer eine Schnauzenlänge voraus zu sein.

Über weite Strecken wandern wir entlang des Schwarzaubachs aufwärts, nur ein kurzer Schlenker nach Perbersdorf bringt uns zwischendurch kurz vom Wasser weg. Und endlich haben wir einmal Wetterglück, die Sonne schein nicht nur von oben, sondern in Form von Sonnenblumen auch auf den Feldern am Wegesrand. Für die Pause suchen wir uns dann doch ein schattiges Plätzchen im Wald.

Bei Hütt verlassen wir nun wieder den flachen, südlichen Abschnitt des Grabenlandtrails, doch die einzige Steigung des Tages zeigt sich gnädig, lediglich 50 Höhenmeter müssen wir erklimmen, um auf dem Hütter Berg zu stehen. Durch schöne Wälder erreichen wir St. Nikolai ob Draßling, eine beachtliche Zahl von Parasolpilzen wandert unterwegs in die mitgebrachten Stofftaschen.

Übernachten müssen wir leider 'auswärts', denn der Nikolaierhof hält zwar Speis und Trank für uns bereit, hat aber keine Zimmer frei. Und so sieht uns St. Stefan im Rosental wieder, zumindest für eine Nacht...

Ergänzung: der Tag aus Elisabeths Sicht.

6. Tag: St. Nikolai ob Draßling – Kirchbach in Steiermark

Auf in den Wald!

Gleich zu Beginn des Tages wird es spannend. "Privatgrund! Betreten verboten!" - ein Grundbesitzer hat ein Wegstück gesperrt, die zuvor ausgekundschaftete Ersatzroute schließt eine weglose Bachquerung samt steiler Böschung ein.

Nur: da wussten wir noch nicht, dass wir einen blinden Begleiter haben werden. Da andernfalls ein weiterer Umweg anstehen würde, beschließen wir es einfach zu 'probieren'. Und wieder sind wir erstaunt, wie einfach alles geht - für uns Sehende eine unvorstellbare Leistung! Nur Amadeus scheint für einen Moment nicht ganz glücklich zu sein, wohl weil er hier zusehen muss und ausnahmsweise einmal nicht helfen kann bzw. 'darf'...

Schon wandern wir wieder auf den südsteirischen Riedeln dahin, unterbrochen nur von einem Ab- und Wiederaufstieg nach und von Wolfsberg im Schwarzautal. Man darf vermuten, dass der 'Umweg' die Grabenlandwanderer primär zur örtlichen Gaststätte lenken soll. Aber wer sich den auf den ersten Blick unnötigen Abstecher erspart, verpasst nicht nur zwei nette Wegstücke, sondern auch einen schönen Rastplatz unter einer Buche im Ortszentrum.

Apropos Grabenlandwanderer: als solche werden wir hier auch erkannt und angesprochen, es bleibt zwar beim freundlichen Gruß und wir marschieren flotten Schrittes weiter - aber wie heißt es so schön: man trifft sich immer zweimal im Leben!

Wieder auf unserem Höhenrücken erblicken wir bereits die Kapelle von Glojach in der Ferne, von dort trennt uns jetzt noch einer der schönsten Abschnitte des gesamten Grabenlandtrails. Fast eine Stunde lang wandern wir durch herrliche Wälder! Knapp vor Glojach gibt es einen Rastplatz und auch ein 'Steigbuch' zum Eintragen für die Wanderer. Doch auf der Sitzbank hat es sich bereits ein Herr bequem gemacht, da wollen wir nicht stören...

Doch er entpuppt sich genau als jener Herr, der uns bereits in Wolfsberg angesprochen hat und hat nun hier auf uns gewartet. Und siehe da: Seit dem Ableben des Begründers des Grabenlandtrails ist er für die Markierung von 100 Kilometern quasi im Alleingang verantwortlich, wie er uns erzählt. Wir danken herzlich dafür!

Bevor wir den Aufstieg zur Glojacher Kapelle wagen, stärken wir uns im Gasthof Leber. Er ist gut besucht, Qualität und Portionsgröße des Essens verraten uns bald auch warum - genau das richtige für uns hungrige Wanderer!

Vielleicht zwei Stunden werden wir noch brauchen bis Kirchbach, wir merken bereits, der Tag wird lang. Zu allem Überdruss ist noch ein längeres (und eher langweiliges) Straßenstück dabei, erst der letzte Kilometer in den Ort hinein verläuft wieder auf netten Wegen - wieder einmal neben dem jungen Schwarzaubach.

Genau vor der Kirche im Zentrum beenden wir unsere Etappe - und das hat seinen Grund. Wolfgang bedankt sich für die Tour mit einem kleinen 'Privatkonzert' auf seiner Panflöte - das Instrument und die Akustik der Kirche harmonieren perfekt, ein wunderbarer Ausklang eines schönen Wanderwochenendes!

Hier Elisabeths Bericht zu diesem Tag!

7. Tag: Kirchbach in Steiermark – Fernitz

Wandern in der Abendsonne

Über ein halbes Jahr mussten wir auf die letzte Etappe warten, am geplanten Termin im November hat uns der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber am Tag nach dem 42. Steirischen Weitwanderertreffen konnten wir in Kirchbach wieder starten.

Heute abend werden wir die Gräben wieder in den Oberschenkeln spüren, denn in Kirchbach dreht der Weg nach Westen und wir wandern wieder quer zu den Gräben. Frannach ist der erste Ort den wir durchqueren, danach wandern wir über schöne Feldwege bergauf, bei einem alleinstehenden Haus 'begrüßen' uns gleich drei Hunde.

Hinab geht es ins Stiefingtal, welches breiter ist, als man es so einem kleinen Fluss zutraut, die Durchquerung braucht eine Weile. Der Aufstieg nach Allerheiligen wird dafür mit einem guten Essen beim Kirchenwirt belohnt. Weiter geht es zur Gedenkstätte zu Ehren von Landeshauptmann Josef Krainer, sen., der 1971 an dieser Stelle bei einem Jagsausflug verstarb.

In St. Ulrich am Waasen halten wir die letzte Rast, knapp danach kommen wir an jene Stelle, wo wir im Frühjahr 2018 nach Norden abgebogen sind. Hier schließt sich die Runde des Grabenlandtrails, wir brauchen nun nur mehr den Zubringer nach Fernitz zurückzugehen. Ein guter Zeitpunkt, um den MitwanderInnen, die den gesamten Weg dabei waren, das Grabenlandanzeichen zu überreichen.

Auf naturnahen Wegen wandern wir über Gnaning nach Fernitz, wo unsere Grabenlandwanderung bei der Kirche Mariatrost endet. Schön war's, danke!

Tourenführung: Helen Hasenauer
Text: Gert Kienast
Fotos: Gert Kienast, Elisabeth Pichler, Roswitha Braunstein

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