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Ein Plan - Zehn Wege. (Ein Plan - Zehn Wege. Oder doch Zwölf?)

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Ein Plan - Zehn Wege.

Titelseite des "Generalplans eines österreichischen Weitwandewegenetzes"

Oder doch zwölf?

Anm.: Erschienen in unserer Mitgliederzeitschrift weitweg 1/2019, hier mit einigen Zusatzinformationen zum Download.

Über 300 Kilometer und durch drei Bundesländer muss ein Weitwanderweg mindestens verlaufen, um ihn als solchen bezeichnen zu dürfen. Auf diese bis heute gültige Definition einigte man sich bereits in den 70er Jahren im Rahmen des „Generalplans eines österreichischen Weitwanderwegenetzes“.

Der erst im März vorigen Jahres verstorbene Dr. Robert Wurst präsentierte 1976 gemeinsam mit den Sektionenverbänden der Bundesländer Niederösterreichs, Oberösterreichs, Salzburgs und der Steiermark dieses Planungsdokument als Diskussionsgrundlage, und legte damit den Grundstein für das spätere Weitwanderwegenetz, wie wir es heute kennen. Im Jahr davor wurde diese Planung im Rahmen der 100-Jahrfeier der Rudolfshütte vom Verwaltungsausschuss des ÖAV der genannten Arbeitsgemeinschaft übertragen.

Der Generalplan beschreibt die Routenverläufe von zwölf (!) überregionalen Weitwanderwegen, vier davon in Ost-West-Richtung, acht von Norden nach Süden verlaufend. Bereits bestehende Wege und Wegabschnitte (etwa Carl Hermanns Nord-Süd-Weitwanderweg oder der Kamptal-Seenweg) wurden dabei natürlich berücksichtigt.

Es konnte natürlich nur eine grobe Planung sein, jedem Weg sind je nach Länge zwischen einer halben bis zwei maschinengeschriebene Seiten gewidmet. Die detaillierten Wegverläufe wurden den einzelnen Sektionen in ihren jeweiligen Arbeitsgebieten überlassen. (Wie praktisch wäre damals wohl ein Tourenplaner wie jener von alpenvereinaktiv.com gewesen?)

Was wurde aus…?

Da die daraus entstandenen zehn Weitwanderwege wohl weitgehend bekannt sein dürften, ist es aus heutiger Sicht vielleicht interessanter, sich jene im Generalplan festgehaltenen Ideen anzusehen, die später nicht oder anders umgesetzt wurden.

Dabei stechen natürlich sofort die Wege 011 und 012 (damals waren noch durchgehende dreistellige Wegnummern vorgesehen) sofort ins Auge, welche wir heute auf keiner Landkarte mehr finden. Betrachten wir diese also einmal genauer:

Weg Nummer 011 wäre von Passau über Braunau nach Salzburg über das Steinerne Meer nach Mittersill und über die Hohen Tauern und Lienz zum Plöckenpass verlaufen. Dies hätte etwa 450 Kilometer und 22 Tourentage bedeutet. Zusätzlich wurde ein optionaler Zubringerweg vom Dreisesselberg angedeutet. Im heutigen Weitwandernetz ist vom damals geplanten 011er nur die Strecke am Inn bei Braunau übrig geblieben, welche als Innufer-Variante 10A in den Rupertiweg integriert wurde.

Weg Nummer 012 sollte ebenfalls in Nord-Süd-Richtung verlaufen und dies zu einem Gutteil in Bayern. In Braunau vom Weg 011 Weg abzweigend erst in westliche Richtung nach Mühldorf, von dort nach Süden schwenkend am Chiemsee vorbei und bei Kössen wieder österreichisches Gebiet erreichend. Bei der St. Pöltner Hütte am Felber Tauern wird der Alpenhauptkamm gequert und via Defereggen Sillian erreicht. Vermutlich auch wegen des hohen Anteils in Deutschland wurde von diesem Weg nichts umgesetzt. Für geschätzte 350 Kilometer Strecke wären etwa 18 Wandertage zu veranschlagen gewesen. Übersichtskarten der Wege 011 und 012 gibt es hier zu sehen.

Das heutige, aus sieben Richtungen nach Mariazell strebende Netz der Mariazeller Wege war 1976 noch nicht absehbar. Der „Waldviertler-St. Pöltner-Grazer Wallfahrerweg 006“ umfasste lediglich die niederösterreichischen und steirischen Äste mit einer Verlängerung über die Soboth nach Lavamünd (der Wiener Wallfahrerweg bestand damals allerdings schon separat). Dafür hätte der in Ost-West Richtung verlaufende Voralpenweg 004 durch Mariazell geführt werden soll, heute führt er nördlich daran vorbei.

Für den zentralalpinen Weitwanderweg war eine vielleicht nicht uninteressante, am Geschriebenstein an der burgenländisch-ungarischen Grenze beginnende Variante 002A vorgesehen.

Übrigens: 12 Wege waren den damaligen Planern nicht genug. In einem Anhang des Dokuments war ein (sieben weitere Wege umfassendes) „interregionales“ Wegenetz angedacht. Die Kriterien waren hier weniger anspruchsvoll - man hätte sich mit dem Verlauf durch zwei Bundesländer und 100 Kilometer Weglänge begnügt. Zur Umsetzung kam es jedoch nicht.

Zum Nachlesen

Wer sich in die Details der damaligen Planungen vertiefen möchte, für den haben wir hier den Generalplan mit einigen Begleitdokumenten zum Download bereitgestellt.

 
 
 

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