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"Ungarische Grenzgängerei": Mörbisch - Sopron (Mörbisch - Sopron)

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"Ungarische Grenzgängerei": Mörbisch - Sopron

Weingärten

Mörbisch – Tor zur Freiheit – Sopron Puszta – Rasthaus „Arcus“ – Becsi domb – Sopron Altstadt – Bhf. Sopron

(ca. 21 km, +390 Hm, -340 Hm, Reine Gehzeit gut 5 h)

14.03.2013

Bei der Anreise hatten wir in Schützen ½ Stunde Umsteigezeit. Es war immer noch Winter: eiskalter Wind mit Schneetreiben. Also dachten wir an eine warme Stube – und mussten feststellen, dass die alten Sprüche, wie dieser „Siehst du wo das Haus des Herrn, ist das Wirtshaus nicht mehr fern“ heute oft gar nicht mehr gelten: Im ganzen Ortzentrum keine Einkehrmöglichkeit! Schließlich fanden wir aber doch am Ortsrand ein kleines (verrauchtes) Lokal, mit überraschend gutem Kaffee. Ein weiteres positives Erlebnis bescherte uns der Fahrer des Postbusses, der uns in Mörbisch über die Endhaltstelle hinaus bis zur Umkehrschleife, die direkt an der Grenze liegt, mitnahm. So hatten wir schon nach wenigen Schritten ungarischen Boden unter den Füßen! Viele werden diesen Grenzübergang am Radweg Mörbisch-Fertörakos kennen, an dem ein –nur im Sommer geöffnetes- Mithras-Heiligtum aus der Römerzeit liegt. Wir waren dort –wie auch den ganzen Tag- wohl die einzigen „Verrückten“, die bei dem Wetter wandern gingen. Gleich nach der Grenze bogen wir in einen Waldweg ein, der uns stets parallel zum Grenzverlauf über den Göbölye berc zum „Tor der Freiheit“ führte. Heute befindet sich dort ein Gedenkpark, der an die Ereignisse vom 19.8.1989 erinnert. Hier hatten sich, nachdem der Abbau des unmenschlichen Eisernen Vorhanges schon beschlossen war, etwa 15 000 Menschen zum „Paneuropäischen Picknick“ eingefunden, um dabei u.a. beim Abbau selbst Hand anzulegen. Dass dabei einige hundert Ostdeutsche die Grenze zu Österreich überschritten und flüchteten, ohne dass die ungarische Grenzpolizei eingriff, wird als erstes tatsächliches Loch im Eisernen Vorhang und als Initiative zum Fall der Berliner Mauer gesehen.

Das Wetter hielt uns davon ab, länger an diesem denkwürdigen Platz zu verweilen. Aber auch der weitere Weg durch die Sopronpuszta zeigte uns, wie sich „Puszta“ bei eisigem Wind anfühlt. Jedes kleine Gehölz bedeutet als Windbrecher eine große Erleichterung. Was uns hier direkt am Grenzverlauf auffiel, war die verschieden intensive Landnutzung. Während auf der österreichischen Seite die Felder mit aufgegangener Wintersaat praktisch bis zum Grenzstein reichten, gab es auf ungarischer Seite noch reichlich Brachland. Aus ökologischer Sicht eine große Chance für die Tier- und Planzenwelt. Unser Weg führte wieder durch den Wald, schnurstracks bis oberhalb der (ehemaligen) Grenzstation Klingenbach. Asphaltreste verrieten, dass es sich um einen Patrouillenweg entlang der Grenze handelte.

Dann bogen wir gegen Süden ab. Der rot markierte, schöne Forstweg führt durch den Dudlesz erdö am Höhenrücken östlich der Europastraße nach Sopron. Nach etwa 1 Stunde verließen wir ihn aber, um zum Rasthaus „Arcus“ an der Straße abzusteigen. Wir waren sehr froh, in einem warmen, schönen Lokal nachmittags ein warmes Mittagessen genießen zu können.

Wieder oben am Wanderweg angelangt, hatte sich das Wetter kein bisschen beruhigt. Im Gegenteil: manche Stellen waren spiegelglatt gefroren. Die Hubertuswarte ließen wir unbestiegen, hätte sie doch an diesem Tag keinerlei Aussicht geboten.

Sopron erreichten wir beim ehemaligen römischen Amphitheater (Erdwälle). Entlang der Ikva kamen wir zur „Grabenrunde“. Die Lust auf einen Stadtspaziergang vereitelte der eisige, starke Wind, der die Schneefahnen vor sich hertrieb. Wir beschlossen, die sehenswerte Altstadt eben nächstes Jahr zu besichtigen, heuer aber mit dem früheren Zug die Heimfahrt anzutreten. Und dabei hatten wir es noch recht lustig (sogar ohne Alkohol!)

 

 (Hier wieder ein „Klick“ zu den Bildern)

Martin Seemann

Tel. 02233/55860

anneliese.seemann@schule.at  

 

 
 
 

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