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Madagaskar 2013 (Madagaskar Reise 2013)

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Madagaskar 2013

Alpenverein – Reisebericht 15.8. bis 7.9.2013

Flussfahrt am Tsiribihinazoom

Foto: Mark W. (Foto 1)

Naturbassin am Tsiribihinazoom

Foto: Mark W. (Foto 2)

eine tagaktive Lemurenart, der Larvensifakazoom

Foto: Mark W. (Foto 3)

das größte Raubtier Madagaskars, die seltene Fossazoom

Foto: Mark W. (Foto 4)

Affenbrotbäume (Baobabs) bei Sonnenuntergangzoom

Foto: Mark W. (Foto 5)

Furcifer, eines der vielen Chamäleonarten Madagaskarszoom

Foto: Mark W. (Foto 6)

Gipfelsieg am Pic Bobyzoom

Foto: Mark W. (Foto 7)

Wanderung auf der Hochebene des Andringitragebirgeszoom

Foto: Mark W. (Foto 8)

die Tsaranoro-Granitwände sind wohl bekanntesten Kletterfelsen Madagaskarszoom

Foto: Mark W. (Foto 9)

die nur im Isalopark vorkommende Dickfußpflanze Pachypodium rosulatumzoom

Foto: Mark W. (Foto 10)

 

Wanderung in den Sandsteinfelsen des Isalo Nationalparkszoom

Foto: Mark W. (Foto 11)

die Tropeninsel St. Mariezoom

Foto: Mark W. (Foto 12)

Einleitung:
Madagaskar ist einzigartig, beeindruckend und gleichzeitig voller Gegensätze. Die Kombination einer exotischen Insel mit abwechslungsreicher Landschaft und außergewöhnlicher Fauna und Flora ist für jeden biologisch Interessierten ein unvergessliches Erlebnis.
Soweit die Ankündigung dieser drei-wöchigen Rundreise durch Madagaskar. Im nachfolgenden Reisebericht sollen nur die wichtigsten Eindrücke wiedergegeben werden:

Wir starten am 15. August um 07:15 vom Flughafen München und mit einer kurzen Zwischenlandung in Paris landen wir mit der in Madagaskar üblichen Verspätung spät in der Nacht in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars. Wir, das sind 18 Mitglieder des Alpenvereins Vorarlberg und Tirol. Im Gepäck, neben der „üblichen“ Tropen- und Bergausrüstung 200kg Hilfsgüter für die Ärzte von Smile 4 Madagaskar, die nach unserem Heimflug ihren Hilfseinsatz in Madagaskar begannen (Infos hierzu auf der Homepage von smile4.at).
In Antananarivo erwartet uns Wolfgang, der Organisator dieser Reise und der bereits vor uns eine Gruppe Biologielehrer durch den Norden Madagaskars geführt hat. Mit Wolfgang wartet noch Joseph, ein madagassische Reiseführer, der uns auf unserer Tour begleiten soll und den wir bald durch seine Hilfsbereitschaft und Besonnenheit in unsere Herzen schließen werden.
Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Bus über die hügligen Hochebenen Madagaskars Richtung Süden, vorbei an Reisfeldern, die stark an die Reisterrassen Südasiens erinnern. Kein Wunder, stammt doch ein Teil der madegassischen Einwanderer aus Indonesien. Sie haben vor über 1000 Jahren die Kunst des Reisanbaues aus ihrer Heimat mit nach Madagaskar gebracht.

Am Nachmittag erreichen wir Antsirabe, eine Stadt die unter anderem bekannt für ihre Edelsteinbearbeitung ist. Unsere Gruppe besucht verschiedene Kleinbetriebe, unter anderem auch eine Manufaktur, die sich auf den Bau von Spielsachen und Souvenirs aus gebrauchten Blechtosen und anderen Gebrauchsgegenständen spezialisiert hat. Immerhin, zwei Familien können davon leben und wir decken uns schon am Beginn unserer Reise mit Souvenirs ein…
Am nächsten Morgen brechen wir Richtung Westen auf. Die Landschaft ändert sich bald dramatisch, die bisher vorhandenen Eukalyptus- und Kiefernwälder werden schnell weniger, bis nur noch eine baumlose Hügel- und Savannenlandschaft das Landschaftsbild prägt. An einem kleinen Fluss beobachten wir Goldsucher, die wie vor 100 Jahren nach Gold schürfen, immer in der Hoffnung nach dem großen Fund, um endlich einer zunehmend um sich greifenden Armut entkommen zu können. Meist sind es verarmte Bauern, die ihr Land aufgegeben haben und hier oder in den Saphirmienen, die wir später sehen sollten, mit ihren Familien ihr Glück suchen.

Nachmittags erreichen wir unser erstes Ziel, den Fluss Tsiribihina und unsere zwei Boote, in denen wir die nächsten drei Tage bis zur Westküste fahren werden, warten schon. Nachdem wir unser Gepäck umgeladen haben, brechen wir auf. Wir fahren durch eine abwechslungsreiche Landschaft und schon bald lassen wir die letzten Dörfer hinter uns. Von jetzt ab werden wir nur noch von den verschiedensten Vogelarten und von Lemuren, den Affen Madagaskars, begleitet. Wir haben Zeit in Madagaskar anzukommen. Das Essen an Bord ist traditionell und schmeckt sensationell gut. Für immer wird es uns ein Rätsel bleiben, wir nur mit einer Kochplatte für soviel Teilnehmer so gut und gleichzeitig so vielseitig gekocht werden kann. Die früh einbrechenden Nächte verbringen wir auf Sandbänken am Lagerfeuer, der Aufbau der Zelte wird immer geübter. Die funkelnden Sterne zeigen ein gänzlich anderes Firmament wie daheim. Bald hört man nur noch den Nachtkuckuck der uns in den Schlaf begleitet. Am frühen Morgen ist die Stimmung am Fluss ein besonderes Erlebnis. (Foto 1)
Eine der vielen Abwechslungen dieser Flussfahrt ist ein kleiner Nebenfluss, der über einen Wasserfall in ein großes Bassin mündet, in dem wir alle schwimmen können. (Foto 2)

Am dritten Tag erreichen wir die Küstenstadt Belo, wo uns Geländeautos abholen. Durch den Dornenwald, vorbei an traditionellen Gräbern der Urbevölkerung geht es zur Forschungsstation Kirindy. Bei einer Nachtwanderung können wir zahlreiche Tiere, die nur im Westen Madagaskars vorkommen, beobachten. Unser Glück bleibt uns bei der Morgenexkursion erhalten, so können wir unter anderem Lemuren (Foto 3) und die Fossa, (Foto 4) das größte Raubtier Madagaskars aus aller Nähe beobachten. Nach dem Mittagessen fahren wir weiter Richtung Morondava, dabei passieren wir unter anderem die weltberühmte Baobaballee, wobei bei Sonnenuntergang Fototräume wahr werden. (Foto 5)
Da die Air-Madagaskar kurzfristig unseren Anschlussflug gekänzelt hat, müssen wir umorganisieren und wir fahren per Bus zurück nach Antsirabe.

Unser nächstes Ziel ist der Nationalpark Ranomafana, ein an der Ostküste gelegener Regenwald, wo wir die nächsten zwei Tage eine Nacht- und mehrere Tagwanderungen unternehmen. Nach einer Woche fordert Madagaskar von manchem Teilnehmer seinen Tribut, so teilen wir uns in mehrere kleinere Gruppen auf, so dass alle, angepasst an Kondition und Interesse ihr persönliches Regenwalderlebnis erfahren können. (Foto 6) Von den zahlreichen Pflanzen und Tierbeobachtungen sei nur der seltene Goldene Bambuslemur (er galt schon als ausgestorben) und der kleinste Primat der Welt, der Mausmaki erwähnt.

Ab jetzt geht es in die Berge. Über Ambalovao, wo wir eine Papierfabrik besichtigen, geht’s zum kaum erschlossenen Nationalpark Andringitra im Südosten Madagaskars. Nach einer abenteuerlichen Fahrt mit dem LKW (für „normale“ Geländeautos ist die Piste nicht geeignet) erreichen wir die Berghütte von Trano gasy. Es ist empfindlich kalt und es nieselt leicht, dafür werden wir hier in der Wildnis mit dem wohl besten Abendessen der Reise überrascht. Am frühen Morgen (das Frühstück hält den Vergleich mit dem opulenten Abendessen durchaus stand) brechen wir zu einer ganztägigen Tour bis zum Basislager in 2050m Seehöhe auf. Leider ist es den ganzen Tag über kalt und recht nebelig, nur kurz können wir Teile des Andringitra-Gebirges sehen. Am Abend versuchen unsere Führer mit heißem Tee und gutem Essen die Kälte zu vertreiben, leider mit wenig Erfolg, früh gehen wir in unsere Zelte schlafen. Frühstück für die Gipfelstürmergruppe (wir haben uns in drei Untergruppen aufgeteilt) um 3:30, keiner hat wirklich Hunger, eine halbe Stunde später ist Aufbruch zum Gipfel. Unsere Zelte sind mit Eis beschlagen, aber und das ist entscheidend, die Wolken sind verschwunden, bei sternenklarer Sicht geht es auf einem unschweren Anstieg Richtung Gipfel, den wir genau zum Sonnenaufgang um 6:00 erreichen. (Foto 7) Der Ausblick auf Madagaskars zweithöchstem Gipfel, den Pic Boby mit 2658m ist gewaltig. Beim Abstieg treffen wir auf unsere zweite Gruppe, sie ist später aufgebrochen und wird denselben Weg, wie wir gekommen sind, zurückkehren. Die Frühaufsteiger haben jedoch noch mehr vor. Vorbei an gewaltigen Granitwänden, wandern wir über eine Hochebene bis zum Andringitra Pass, der eine Klimascheide bildet. (Foto 8) Entsprechend verändert sich auf wenigen Metern die Flora und die unwirkliche Mondlandschaft die sich uns hier auftut wird von vielen als Höhepunkt unserer Überschreitung gewertet. Wasserspeichernde Sukkulenten, Orchideen und Palmen säumen unseren zunächst steilen Abstieg, es wird deutlich wärmer. Über eine landschaftlich außergewöhnliche Route erreichen wir gegen Abend, nach zwölf Stunden Gehzeit müde das Catta-Camp, wo es genügend Bier und Essen für alle gibt. Der Abend ist kurz, alle gehen seltsamerweise früh schlafen, einige wandern auch noch im Schlaf. Der nächste Vormittag ist frei, die meisten bewundern die bis zu 700m hohen senkrechten Wände aus Granit des Tsaranoro Arsimo mit Routen im 7. bis 10. Grad. Der Tsaranoro, mit seinen von Flechten bunt gefärbten Wänden, ist das wohl bekannteste Klettergebirge Madagaskars. (Foto 9) Andere Gruppenmitglieder haben direkt hinter dem Camp ein Treffen mit einer Gruppe Kattas, den wohl bekanntesten Lemuren Madagaskars. Wiederum andere genießen einfach die Landschaft vom Liegestuhl aus.

Am Nachmittag werden wir zur Hauptstraße gebracht, wo wir nach einer Stunde warten am Straßenrand den Rest unserer Gruppe treffen. Das Hallo ist entsprechend, jeder hat seine individuelle Gipfelstory zu erzählen. Während der Weiterfahrt passieren wir das Tor des Südens, danach werden die Berge zunächst niedriger, eine trockene Savannenlandschaft taucht auf. Hier können die Madegassen nur noch von Viehwirtschaft leben. Für Acker- bzw. Reisanbau ist die Gegend zu trocken. Über das Horombe-Plateau, eine nahezu menschenleere Steppenlandschaft, kommen wir abends im Hotel in Ranohira an, Ausgangspunkt unserer nächsten Trekking-Tour: der Isalo Nationalpark. Das durch Erosion entstandene oft rot-braun gefärbte Sandsteingebirge besteht aus einer zerklüfteten Gebirgslandschaft mit tiefen Schluchten, bizarren Felsformationen und ausgewaschenen Grotten. Was für ein Gegensatz zu den abgeschliffenen Granitfelsen des Andringitra-Gebirges!
Nachdem wir in der Früh unsere örtlichen Guides aufgelesen haben, fahren wir wieder auf einer abenteuerlichen Piste bis zum Parkeingang. Die Zufahrt dauert nur zwei Stunden, so dass wir noch am Vormittag unsere Zelte aufstellen können. Unser Camp befindet sich am Fuße des Isalogebirges, umgeben von Mangobäumen am Ausgang einer Schlucht. Von dort brechen wir alsbald auf, Ziel ist das Piscine Naturelle, das wir nach mehrstündiger Wanderung durch eine bizarre Felslandschaft erreichen. Das Bad im kühlen, mit Palmen gesäumten Naturbecken ist mehr als erfrischend. Während des Mittagessens werden wir Zeugen eines Naturphänomens: ein riesiger Schwarm von Wanderheuschrecken fliegt hoch über uns hinweg. Auf einem anderen Weg kehren wir zum Camp zurück, vorbei an einer Vielzahl nur hier vorkommenden Pflanzen (Foto 10) und Tieren.

Am nächsten Tag geht es um der Tageshitze zu entkommen sehr früh los, was nur teilweise gelingt, denn die nur vereinzelt stehenden Maulbeerbäume spenden nur wenig Schatten. Unser Pfad zieht sich über Hochebenen und Schluchten, vorbei an einer sich ständig ändernden Landschaft, deren Silhouette oft bizarr und unwirklich erscheint. (Foto 11) Am Nachmittag kommen wir in das Tal der Affen, in deren Wasserpools wir vorübergehend Kühlung finden. Nach weiteren zwei Stunden Wanderung erreichen wir unseren Bus, der uns zu unserem Hotel in Ranohira zurückbringt.
Am nächsten Morgen fahren wir durch eine immer trockener werdende Landschaft, gekennzeichnet durch eine beginnende Wüstenflora. Gegen Mittag erreichen wir Tulear, die Hauptstadt im Süden Madagaskars. Dort verbummeln wir den Nachmittag und müssen dann sehr lange auf die mehrere Stunden verspätete Air Madagaskar warten. So kommen wir erst sehr spät wieder in Antananarivo, unserem Ausgangspunkt an.

Am nächsten Tag fliegen wir – ohne größere Verspätung – auf die Tropeninsel St. Marie, wo wir unsere letzte Woche verbringen wollen. Schon beim Hinflug sehen wir vom Flugzeug aus die ersten Buckelwale im Meer schwimmen. Kaum haben wir unsere Bungalows bezogen, springt nur ein paar hundert Meter von Strand entfernt ein Buckelwal hoch aus dem Wasser, von relaxen kann bei diesem Schauspiel kaum gesprochen werden. Später wird es doch etwas geruhsamer und so verbringt jeder auf seine Art die letzten 5 Tage auf der Tropeninsel St. Marie. (Foto 12)
Am letzten Tag fliegen wir zurück nach Tana. Die Wale sehen wir diesmal nicht mehr, aber die Korallenbänke im glasklaren Wasser lassen uns jetzt schon die Insel vermissen.

In Antananarivo wird nochmals der Souvenirmarkt gestürmt, dann folgt das letzte Abendmahl, ein wehmütiger Abschied von unserem Führer Joseph und nach der üblichen Hektik am Flughafen und einer unwesendlichen Verspätung sitzen wir im Flieger zurück nach Europa. Mit der Zeit legt sich alle Aufregung und so mancher lässt die Reise zum ersten Mal Revue passieren und eins ist gewiss, das Land mit all seinen vielfältigen Eindrücken hat alle Erwartungen bei weitem übertroffen und so mancher nimmt sich vor wieder zurückkehren. Madagaskar hat einfach zu viel zu bieten um alles beim ersten Mal erleben zu können.

Anschrift des Autors:
Mag. Wolfgang Mark Universität Innsbruck Institut für Zoologie e-mail: wolfgang.mark@uibk .ac.at

 
 
 

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