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Mustang Trekking mit Theo Fritsche ( 04.10. - 28.10.2013) (Mustang Trekking 04. - 28. Oktober 2013)

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Mustang Trekking mit Theo Fritsche ( 04.10. - 28.10.2013)

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Trekkingtour Mustang
Mustang Trekkingtour
Team Mustang Trekkingtour 2013

Fotos: Theo Fritsche


Am 4. Oktober 2013 brachen 10 Trekkingfreunde aus dem Ländle unter der Führung von Theo Fritsche in das Königreich Mustang (Nepal) auf. Dieses für viele unbekannte Land liegt ungefähr in der Mitte von Nepal und ist etwa so groß wie Vorarlberg.
Bis 1992 war es für Touristen fast unmöglich nach Mustang einzureisen. Heute wird das Land vom 21. Jahrhundert eingeholt. Der Bau einer Straße von Tibet nach Indien weckt das Königreich aus dem Dornröschenschlaf. Leider wird dies auch andere Veränderungen mit sich bringen.

Der Flug nach Kathmandu wurde vom Zwischenstopp in Muscat (Oman) unterbrochen.
Bei unserer Gruppe mit dabei war ein Abgesandter einer Liechtensteiner Stiftung, der die Schulprojekte und das Waisenhaus von Theo in der Nähe von Kathmandu und in anderen Distrikten wie Banishar für einen eventuellen Sponsorbeitrag inspizierte.

Den ersten Tag hielten wir uns in Kathmandu auf und nächtigten im Hotel Marshyangdi. Wir bewunderten verschiedene Tempel am Durbar Square, so auch Kumari mit der 13-jährigen hübschen Gottheit, die sich uns zeigte. Mit der Ritschka erkundeten wir so manche Sehenswürdigkeiten und Museen. In dieser Stadt herrscht geschäftiges Treiben, dichtes Gedränge und Lärm in den Gassen. In den teils nicht asphaltierten Straßen hat alles neben einander Platz: Fußgänger, Kühe, Ritschkas, Autos und sogar Busse. Die Händler mit ihren jeweiligen Waren und Produkten breiten sich ebenfalls  bis zur Straße aus.
Diese Stadt ist eine chaotische, pulsierende und farbenfrohe Schönheit. Für mich war es Ordnung im Chaos.

Begleitet von Sumba, den viele von der Sarottlahütte kennen, fuhren wir dann von Kathmandu nach Pokhara, um von dort nach Jomsom zu fliegen. Dieser Flug fiel nicht ins Wasser, aber auf die Straße, weil das Wetter nicht mitspielte.
Nach vergeblichem Warten und etlichen Telefonaten mit der Fluggesellschaft organisierte Sumba drei Jeeps um das Weiterkommen unserer Gruppe zu gewährleisten. Die steil abfallende und aufsteigende, nicht asphaltierte Straße mit ihren Schlaglöchern, Erdrutschen und Auswaschungen war mancherorts so schmal, dass kein Aneinandervorbeikommen von zwei Fahrzeugen möglich war. So wurde diese Fahrt zum abenteuerlichen Roadrafting.
Für die 120 Kilometer nach Marpha zu unserer ersten Lodge brauchten wir 9 Stunden Autofahrt. Hier wurden wir mit unseren nepalesischen Begleitern Chandra, Yakub und den anderen nepalesischen Helfern vertraut gemacht, die uns unsere Zelte aufbauten und uns auch kulinarisch verwöhnten.

Das schmucke tibetische Marpha beeindruckte mit den Apfelplantagen und dem Blick auf die Berge Nilghiri und Tilicho. Erstmals schnürten wir unsere Bergschuhe und zogen weiter nach Jomson, wo uns bereits der Wind um die Ohren blies. Hier begann die Pilgerstrecke von Süden nach Norden. Am 5. Tag war Aufbruch nach Kagbeni angesagt, wo wir unsere Stempel für den Aufenthalt in Mustang holten (später wurden wir von Lakhba dort wieder abgemeldet). Nach dem Abendessen gingen einige von uns in die Freiluftdisko auf die Straße und vergnügten sich bei Nepali-Sound. Schlussendlich landeten wir noch in einer Bar, wo wir Kukri – nepalesischer Rum – tranken.
Ab Kagbeni öffnete sich das Tor zum Kali Gandaki Tal. Fast 6000 Meter ragen die Bergflanken aus diesem Tal. Wir tauchten ein in eine Welt der Kargheit, Reduziertheit, unberührter Landschaften und in die Schönheit der Steinwüsten. Das steinige Flussbett des Kali Gandaki breitete sich vor uns aus bis Lo-Mathang, der Hauptstadt im Norden. Dieser Fluss entspringt in Tibet und mündet in den Ganges (Indien). Links und rechts ragen Felsen wie Orgelpfeifen empor und geleiten uns in Königreich. Hier suchten wir nach den schwarzen runden Steinen, die es zu Hauf‘ gab und bestaunten hin und wieder fossile Einschlüsse. Wie immer pünktlich um elf Uhr fing der Wind an zu blasen, wirbelte Steinstaub auf und zauste in unsere Gesichter. Durch einen Torbogen kamen wir in Chele an, wo unsere Zelte zum Nachtlager schon bereit standen. Einige von uns kletterten zu den Schluchten von Chele, die sich über 1000 m hohe Felswände erstreckten. Nervendes Hundegebell riss uns bereits in der ersten Zeltnacht aus dem Schlaf.

Nach dem „Good-Morning-Tea“ um 7 Uhr ging es weiter über einen 4000m hohen Pass nach Syangboche zur Nilgiri-Lodge. Dort genossen wir seit langem wieder einmal eine dreistrahlige, lauwarm bis kalte Dusche. Trotz Morgenreif, welcher sich auf den Zelten niedergelassen hatte, kämpften wir tagsüber mit Temperaturen um 25 ° C. Doch bevor es an diesem Tag weiterging, stießen wir auf Theos Geburtstag an und genossen Andreas Linzerschnitten, „made in Austria – 2 weeks before“!

Über Ghemi, Dhakmar  erreichten wir das verschlafenen Dörflein Tsarang, das am Fuße riesiger zerklüfteter Felswänden ruhte. Trockenes Hochgebirgsklima lässt hier vieles reifen (Hirse, Hafer, Gerste, Gemüse). In diesen Höhen leben nur wenige Menschen mit ihren Bergziegen. Sie verrichten ihre Feldarbeit und bearbeiten ihre Äcker mit Holzpflügen (Selbstversorger).

Am 10. Tag beschritten wir die Königsetappe mit  acht Stunden Laufzeit nach Lo Mathang.
Es lief sich bereits wie von selbst, „coupiertes Gelände“, wie Theo es nannte. Umringt von dicken Mauern und Türmen thront die Stadt wie eine Festung auf der Hochebene. Dicht nebeneinander stehen Königspalast, Klöster mit verschiedensten Buddhastatuen und Steinhäuser. In den kleinen engen Gassen stoßen wir immer wieder auf Gebetsmühlen und Chörten. In manchen Tempeln ist die Restauration der abgefallenen Fresken und Wandmalereien voll im Gange. Die Kühe haben auch hier ihr Vorrecht und sind teilweise in den unteren Stockwerken der Häuser untergebracht. Bei unserem Stadtrundgang lockte uns ein Mann auf sein Hausdach. Wir gingen entlang der Hausdächer und hatten einen weiten Ausblick bis nach Tibet und auf das Annapurna-Massiv. An unserem freien Tag ritten wir auf Mauleseln zu den Höhlen von Jhong in Chössar. Diese 2500 Jahre alten Höhlen sind noch teilweise begehbar und sind in der Geschichte des Dorfes von großer Bedeutung.

Wir verbrachten zwei eindrucksvolle Tage in der Hauptstadt. Es ging weiter nach Dhi, wieder vorbei an Chörten und Stupas (Kapellen). Die Landschaft wechselte ständig ihr Gesicht – vom Wind zusammengetragene Steinhügel und gewaltige Steinformationen, teilweise dem Grand Canyon gleichend oder der Marmolata, bis zum feinsten Sand in der Wüste. Es ging den Pass hinauf und hinunter, so war das Gesetz. Über eine Sand- und Geröllhalde rutschten wir regelrecht in das grün schimmernde im Tal liegende Dörfchen Dhi. Da wir schon am Nachmittag eintrafen, hatten wir Frauen Zeit um uns in der warmen Nachmittagssonne am Dorfbach zu kultivieren. Es war herrlich, unserem Körper etwas Gutes zu tun. Waschen – Cremen – Einmassieren.
Unter den roten Klippen von Ghemi ziert die längste Manimauer mit den filigranen Steingravuren den Dorfeingang. Über eine Hängebrücke ging es noch einmal steil ins Dörfchen hinauf. Überhaupt sind die Nepalesen Weltmeister im Steinmauern bauen, vielerorts trafen wir auf solche Einfriedungen.

Drei Pässe (Nyi ly 4090m) bezwangen wir heute – die Gebetsfahnen winkten uns von weitem zu und ermunterten uns sogleich, weiter zu gehen und nicht aufzugeben. Bei einer Einsiedelei machten wir eine Einkehr, bevor wir zwei Schluchten überquerten und müde in Samar ankamen und uns auf unsere kuscheligen Schlafsäcke freuten.

Eine kurze Wegstrecke führte uns von Samar über Chele nach Tetang, für mich das urtümlichste Dorf. Hier waren wir teilweise wieder auf der gleichen Strecke des Kali Gandaki unterwegs, wie ein paar Tage zuvor. Von einer 100 m hohen Hängebrücke warfen wir einem Ritual gleichend unsere „Steine“ in den Kali Gandaki.

Über den Gyu La Pass (4077m) gelangten wir in das touristische Muktinath. Während Robert und Lucia die Herausforderung des Thorung La Passes mit 5416m meisterten, besichtigten wir den Hindu - Wallfahrtsort und befassten uns mit dieser Kultur. Es herrschte Prachtwetter, Dhaulaghiri (8167m) und Nilgiri erstreckten sich in voller Größe und waren zum Greifen nahe. Hier hielten wir uns zwei Tage lang auf. Die letzte Trekkingstrecke lag vor uns mit dem Ziel Jomsom.

Heute meinte es der Wettergott gut mit uns – schönstes Flugwetter. Sämtliche Taschen wurden von den Angestellten der Fluglinie noch einmal durchstöbert und ´kontrolliert, bevor wir dann schlussendlich die dröhnende Propellermaschine betraten. Ein letztes Mal lagen die weißen Berge vor uns. Die vergangenen Erlebnisse liefen wie ein Film im Kopf ab – Dankbarkeit. Wir kamen im hinduistisch geprägten Pokhara an und genossen das Hotel Tara für zwei Tage.

Ein letzter Flug nach Kathmandu, wo wir abermals im Marshyangdi für zwei Tage weilten. Der erste Tag galt der Besichtigung des Tempels Pashupatinath, an dem die Hindus ihre Toten ablegen, waschen und verbrennen.
Am 26.10. wurde die 4. Schule, die von Theo finanziert wurde,  eingeweiht und eröffnet. Theo und das gesamte Team wurden mit Pauken und Trompeten und Blumenkränzen – einem Staatsempfang gleichend – empfangen. Wir bekamen Präsente und Theo ein landestypisches Gewand und dazu passende Schuhe.
An diesem Tag besichtigten wir auch das Waisenhaus und ein aus diesem Projekt entstandener Gärtnereibetrieb.

Am 28. 10. war große Aufbruchsstimmung in Richtung Heimat.

Mustang – ein Land wie ein unbezähmbares Pferd. Die Eindrücke sind kaum zu ordnen.
Das einzig Beständige ist die uralte Kultur, das Leben der Menschen, die dort wohnen. In Bewegung hingegen ist die Umwelt, wirbelnde Stürme, es finden enorme Sand- und Steinverfrachtungen statt. Es verschwinden Bäche und Tobel durch Schlagwetter, Schluchten entstehen. Das ist Mustang.

Ein Dank ergeht an unsere mittlerweile nepalesischen Freunde, die für unser leibliches Wohl sorgten und teilweise unsere Lasten trugen. Theo gebührt ein besonderer Dank für die Organisation und unser Wohlergehen. Dank, Theo, für alles!

Verfasserin Angelika Steiner

 
 
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