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Alpine Hütten-Infrastruktur (Alpine Hütten-Infrastruktur)

Alpine Hütten-Infrastruktur

Der Bau der Hütten war einst auch eine Prestigefrage des Alpenvereins. Viel Ehrgeiz, Engagement und Geld wurde investiert, damit der Alpenverein als „Entwickler des ländlichen Raums“ wahrgenommen werden konnte. Sowohl der Wege- als auch der Hüttenbau waren der Grundstein des Bergtourismus. Die Hütten waren für viele Bergbesteigungen unbedingt notwendig. Zugleich waren die Hütten aber auch identitätsstiftend für die einzelnen Sektionen, die gemeinsame Obsorge wirkte gemeinschaftsfördernd. In der öffentlichen Wahrnehmung gehören die Hütten untrennbar zum Alpenverein.

Die Besinnung auf das Einfache, Notwendigste, Ursprüngliche, das Erleben von Einsamkeit – all das liegt im Trend. Sich den Elementen der Natur auszusetzen und der weitgehende Verzicht auf technische Hilfsmittel ist nicht nur im Alpinismus ein menschliches Bedürfnis, sondern auch sonst in der heutigen, allzu vernetzten und sich rasant wandelnden Welt. Dennoch haben die Hüttengäste zunehmend höhere Komfortansprüche, insbesondere was die Privatsphäre und die Telekommunikation anbelangt. Darüber hinaus macht die in Österreich nicht enden wollende Flut an gesetzlichen Regelungen und dementsprechenden Behördenauflagen, unter anderem in den Bereichen Brandschutz, Arbeitnehmerschutz und Hygiene, auch vor den Schutzhütten nicht halt.

Viele der Alpenvereinshütten sind 80 bis 100 Jahre alt. Sie liegen oft sehr exponiert und sind das ganze Jahr über extremen Wetterbedingungen ausgesetzt. Das Hüttennetz gilt seit 1977 als abgeschlossen, neue Hütten werden keine mehr gebaut. Die Instandhaltung der bestehenden Hütten stellt eine große finanzielle Belastung für den Alpenverein dar. Generalsanierungen, die dringend notwendig sind, gestalten sich sehr aufwendig und teuer. Baumaßnahmen in den Bergen sind um den Faktor 2,5 teurer als im Tal. Viele der Hütten sind Zuschussbetriebe. Die Kosten für Erhaltung und Betrieb der Hütten sind aufgrund von überbordenden Behördenauflagen in den letzten 20 Jahren um rund 40% gestiegen.

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Ökologische Kriterien bei der Sanierung der Hütten

Die Sanierungen der Hütten erfolgt in erster Linie nach ökologischen Kriterien. Diese Liebe zur Umwelt kostet. Wo keine Versorgung durch Wasserkraft möglich ist, wurden anstelle von lauten und stinkenden Dieselaggregaten Fotovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke installiert. Der Abfall, sofern er nicht vermieden werden kann, wird zur Gänze ins Tal transportiert. Außerdem wurden zur Reinigung des Wassers Klein-Kläranlagen gebaut. Ein wichtiges Anliegen ist, dass in die fraglichen Ökosysteme der Natur nicht eingegriffen werden sollte – was in die Natur zurückfließt, soll Badewasserqualität haben. Neben all diesen Voraussetzungen ist zudem ein sensibler Umgang mit der geschichtsträchtigen, schützenswerten Bausubstanz erforderlich.

Das veränderte Publikumsverhalten – der Wunsch nach kleineren Einheiten und einem gewissen Luxus – führt bei den Betreibern der Hütten auch zu einem gewissen Konkurrenzverhalten. Diese Entwicklung kann wie ein Seismograph gesehen werden. War beispielsweise früher eine Dusche nahezu verpönt, ist dies nun eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt Besucher zu gewinnen. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Energiesparen sind wichtige Themen beim Alpenverein – wobei dieser bemüht ist, seine selbstkritische Haltung und seine Vordenkerrolle zu bewahren.

 

Rolle der Hüttenwirte

Hüttenwirte sind Multitalente – und gleichzeitig Individualisten und Idealisten, denn sie müssen unter sehr speziellen Bedingungen arbeiten. So müssen sie Gastronom, Tourenberater, Logistiker, Brandschutzwart, Energietechniker, Psychologe und Wetterfrosch in einem sein, stehen in hochalpinen Lagen außerdem meist an vorderster Front, wenn es zu einem Bergunfall kommt und Verletzte geborgen und versorgt werden müssen. Nach Möglichkeit sollten sie zudem Bergführer und –retter sein, aber sich auch im Steuerrecht, beim Arbeitnehmerschutz und in der Arbeitsstättenverordnung, im Gewerberecht und bei der Lebensmittelhygiene auskennen. Bei möglichen Konflikten unter den Gästen wird von ihnen erwartet, dass sie die Rolle des Mediators einnehmen und die Leute geschickt beruhigen können. Und als Ortkundige sollten sie auch die Vorzeichen des Wetters richtig zu deuten wissen, damit kein Gast in eine Gewitterfront geschickt wird. Diese vielfältigen Aufgaben werden von ihnen während der Hochsaison gewährleistet – und das mindestens 16 Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche.

Sie versuchen zwar, allen Ansprüchen gerecht zu werden, doch muss manchmal improvisiert werden. Wenn etwa das Stromaggregat oder der Transport des Lebensmittelnachschubs wegen schlechten Wetters ausfällt, können die Probleme nicht mit einem Anruf gelöst werden. Der Alpenverein unterstützt die Hüttenwirtsleute in Form von Fort- und Weiterbildungen, aber auch als Austausch- und Ideenplattform. Trotz all dieser Bemühungen seitens des Alpenvereins, können nicht alle Hütten erhalten bleiben. Oft ist die alpinistische Bedeutung, die Notwendigkeit der Hütten zur Erreichung von Gipfelzielen nicht mehr gegeben, die zunehmende Mobilität fördert  zudem den Tagestourismus. Längst langt es für den Erfolg einer Hütte nicht mehr, eine Monopolstellung an einem Zustieg zu haben. Dadurch sind die Sektionen und auch die Wirtsleute gezwungen, Zielgruppen zu definieren und sich nach diesen auszurichten. So gibt es heute zum Beispiel die Familien-, die Seminar- und die Tagesausflugshütte. Wirtsleute sind gezwungen, „Produkte“ zu entwickeln – buchbar wie Wochenend-Städtetrips.

Seit fast 20 Jahren haben die Alpenvereine sehr strenge Kriterien definiert, mittels derer die Sektionen und Wirtsleute ihre Bemühungen für einen möglichst umweltverträglichen Hüttenbetrieb auszeichnen lassen können. In die Umwelttechnik auf den Hütten wurde bereits sehr viel investiert, aber auch die umweltbewusste Bewirtschaftung durch die Hüttenwirte soll durch diese Auszeichnungen gewürdigt werden. Das stärkste Motiv, als Interessensgruppe gemeinsam aufzutreten, liegt in der Bemühung, das Netz der Alpenvereinsinfrastruktur dauerhaft zu erhalten, die Qualität zu verbessern und die Hütten als ideale und gemütliche „Orte zum Abstand vom Alltag finden“ ins Bewusstsein zu heben.

Nach wie vor sieht der Alpenverein es als eine seiner Kernaufgaben, die bestehenden Hütten zu erhalten und einer modernen Infrastruktur anzupassen. Die laufenden Instandhaltungen und Renovierungen sind allerdings sehr kostenintensiv. Im Winter 1999 wurde beispielsweise die Sarotla-Hütte von einer Lawine weggefegt, der Neubau war eine sehr hohe Investition für den Alpenverein. Aber auch die Wegwartung gestaltet sich durch die veränderten Umweltbedingungen, die massive Erosionsschäden zur Folge haben, immer schwieriger. Zudem sind nicht mehr so viele Menschen bereit, in ihrer Freizeit ein Ehrenamt als Wegewart auszuüben. Bei all diesen erschwerten Bedingungen ist es fraglich, inwieweit der Alpenverein auch in Zukunft diese wichtigen Aufgaben in vollem Umfang wahrnehmen wird können.

 
 
 
 

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