Logo Alpenverein Vorarlberg

Gefährliche Schneefelder lauern im Gebirge (Schneefelder: Vorsicht Rutschgefahr!)

Mitglied werden
zur Anmeldung

Gefährliche Schneefelder lauern im Gebirge

Mit welchen Maßnahmen das Absturzrisiko vermindert werden kann

Auch wenn im Tal schon frühlingshafte Temperaturen locken, weiter oben lauert vielerorts noch der Schnee. Foto: Archiv-ÖAV-Peter-Plattnerzoom

Zum Start der Wandersaison möchten wir eine Gefahr in Erinnerung rufen, die im Frühjahr immer wieder für kritische Situationen sorgt: Altschneefelder auf Wanderwegen. Das Risiko, dabei abzustürzen wird vielfach unterschätzt. Mit den richtigen Maßnahmen können Bergsteiger das Absturzrisiko auf den hart gefrorenen und oft steilen Schneeflächen vermindern.

Altschneefelder sind gefährliche Fallen

Weniger der Winter, vielmehr der Witterungsverlauf im Frühling und die verzögerte Schneeschmelze sind dafür verantwortlich, dass Bergwege oberhalb der Waldgrenze vielerorts noch von Schneefeldern bedeckt sind. Für Bergwanderer können diese harten Altschneefelder zur gefährlichen Fall werden. Dabei liegt das eigentliche Problem darin, dass Viele die Gefahr des Absturzes gar nicht erkennen oder völlig unterschätzen. Mit schwersten oder tödlichen Verletzungen enden diese alles andere als lustigen Rutschpartien immer dann, wenn das Schneefeld in felsdurchsetztes Gelände oder gar in eine Steilabbruch mündet.

Rutschgeschwindigkeiten werden häufig unterschätzt

Dass bereits mäßig geneigte Hänge von 30 Grad ein Absturzrisiko bergen, ist für sehr viele Berggeher nicht offensichtlich. Es ist gerade das Nichterkennen dieses Risikos, das Schneefelder häufig zur Falle werden lässt", so Michael Larcher, Bergführer und Sicherheitsexperte des Alpenvereins. Unterschätzt werde vielfach die Geschwindigkeit, die man bereits nach kurzer Rutschstrecke erreicht. Dabei weiß man aus Versuchen bereits seit geraumer Zeit, dass die Rutschgeschwindigkeit bei einem ca. 40 Grad steilen, harten Firnhang bereits 98 % der freien Fallgeschwindigkeit erreicht. Dabei spielt - entgegen der landläufigen Meinung - auch die Art der Bekleidung keine große Rolle. Das heißt, auch Kleidung mit rauer Oberfläche ändert wenig an der hohen Beschleunigung, wenn man auf hartem Firnschnee stürzt oder ausrutscht.

Foto: ÖAV-Monika-Melcherzoom

"Auf den eisigen Flächen kann man kaum mehr bremsen, auch wenn sie auf den ersten Blick gar nicht so steil wirken. Ein Ausrutscher auf einem Schneefeld, das in felsdurchsetztes Gelände oder gar in einen Steilabbruch übergeht, kann schwerwiegende Folgen haben", so Michael Larcher.

 

Immer Informationen über die Verhältnisse einholen

Der Alpenverein rät, sich gerade in der heurigen Wandersaison vor jeder Tour sehr genau über die aktuellen Verhältnisse zu informieren. Besonders zu beachten ist auch der rasche Wechsel der Verhältnisse, wenn ein Wanderweg von der Sonnenseite in nordgerichtete Hänge wechselt. Besondere Vorsicht ist auch mit Kindern angeraten: Nur bei mäßiger Neigung und einem sanften Auslauf, der keine Steine aufweisen darf, sind Schneefelder ein geeigneter Spielplatz!

Wann und wie kann man Schneefelder queren?

Grundsätzlich sollten vor dem Betreten eines Schnee- oder Firnfeldes die Alarmglocken läuten. Ein Wanderweg, der in ein steiles Altschneefeld mündet, kann Grund genug sein, eine Tour abzubrechen. 

Will man seinen Weg trotzdem fortsetzen, sollte man zumindest ein paar Sicherheitsempfehlungen verinnerlicht haben.

"Zum Queren eines Schneefelds sollten wenigstens die oberen zehn Zentimeter der Schneedecke aufgeweicht sein, damit man auch wirklich Tritte setzen kann", rät der Bergsportexperte Michael Larcher und fügt hinzu: "Gute Bergschuhe sind hier natürlich eine absolute Voraussetzung."

Michael Larcher, Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein
Michael Larcher, Leiter der Bergsportabteilung im Alpenverein
 

TIPP vom Experten:

Foto: Alpenverein/Michael Larcherzoom

Wanderstöcke mögen zwar dabei unterstützen, das Gleichgewicht zu halten, ein Abrutschen verhindern können sie aber nicht.

Als idealen Begleiter empfiehlt Michael Larcher hingegen sogenannte Spikes: "Diese lassen sich wie Schneeketten über jeden Wanderschuh stülpen und eignen sich perfekt für ein trittsicheres Queren von Schneefeldern. Spikes sind sehr leicht und können bei Bergtouren problemlos mitgeführt werden."

Spikes sind erhältlich im Alpenverein Shop in der Landesgeschäftsstelle Bludenz.

 
 
 

Was tun, wenn man doch ins Rutschen gerät?

Wenn es trotzdem zum Sturz auf einem Schneefeld kommt, kann rasches und entschlossenes Handeln Leben retten. Michael Larcher dazu:

„Bei einem Ausrutscher ist es wichtig, sich sofort in die Bauchlage zu drehen und in der Liegestützposition mit Armen und Beinen zu bremsen – noch bevor die Geschwindigkeit so groß ist, dass man sie nicht mehr kontrollieren kann.“ 

Foto: Archiv ÖAVzoom
 

Gewissenhafte Planung vorausgesetzt

Der Alpenverein rät Wanderern, sich vor jeder Tour sehr genau über die aktuellen Verhältnisse zu informieren. Wichtig ist es, zu bedenken, dass sich die Bedingungen je nach Hangausrichtung ändern können – etwa wenn ein Wanderweg von der Sonnseite in nordseitige Hänge führt.

Besondere Vorsicht ist mit Kindern geboten: Nur bei mäßiger Neigung und einem sanften Auslauf, der keine Steine aufweist, sind Schneefelder ein geeigneter Spielplatz!

Foto: Archiv-ÖAV-Peter Plattnerzoom

Sicher unterwegs mit dem "Booklet Bergwandern"

Um möglichst sicher und risikobewusst in den Bergen unterwegs zu sein, empfiehlt der Österreichische Alpenverein das Handbuch zum Thema Bergwandern. Neben Informationen zu Ausrüstung, Tourenplanung oder Wetter beschäftigt sich das Booklet aus der Serie "SicherAmBerg" u.a. auch mit Altschneefeldern.

Erhältlich ist das Lehrbuch im Alpenverein Shop in der Landesgeschäftsstelle Bludenz.

Booklet Bergwandern
 

Leseproben aus dem "Booklet Bergwandern":

Spikes und Altschneefelderzoom
Spikes und Altschneefelder
Richtig bremsenzoom
Richtig bremsen
 
 
 
 

Anfragen zum Internetauftritt und zur Wartung