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Unterwegs im Toten Gebirge (Unterwegs im Toten Gebirge)

Alpenverein Vorarlberg
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Unterwegs im Toten Gebirge

21.-26. Juni 2020 - zwischen Oberösterreich und der Steiermark

Tourenführerin: Dieter Kerbl

Ein unfreiwillig importierter Virus aus Fernost hat Ende März auch unser Vereinsleben stark in Mitleidenschaft gezogen. Einige Wochen waren alle Tourenangebote aus unserem Jahresprogramm 2020 nicht durchführbar. Rechtzeitig zum Beginn der Sommeraktivitäten konnte jedoch unter strikter Einhaltung von Sicherheitsvorlagen das Vereinsleben wieder Fahrt aufnehmen.

Zur Hochtour „Durchquerung Totes Gebirge Teil 2“ hatten sich insgesamt 12 Personen angemeldet. Kurz vor dem Tourstart erfolgte dann eine Absage wegen aktueller Krankheit.

Die nun 11 Personen umfassende Gruppe traf sich nach individueller Anreise nach Vorderstoder/OÖ auf der Zeller Hütte. Bei leichtem aber kontinuierlichen Regen erfolgte der etwa 2,5 Std. Hüttenanstieg. Dort wurden wir bereits von den beiden Hüttenladys Theresia und Anita mit einem „Zirbeler“ willkommen geheißen. In der urgemütlichen, kleinen Hütte waren wir fast alleine zu Gast. Lediglich eine Gruppe von „Wiener Raunzern“ saß noch missmutig an einem der wenigen Nebentische.

Über Nacht hatte es aufgehört zu regnen. Nebelschwaden fegten um die kleine Hütte und ließen uns noch ein wenig länger schlafen als geplant. Gegen 7 Uhr erwachte dann die alpine Unterkunft. Sehr zum Missfallen unserer „Wiener Gäste“, welche noch etwas länger ihre „Ruhephase“ genießen wollten. Gott sei Dank war sie im Nebenzimmer beim Frühstücken. Wenn Blicke töten könnten…

Unser erstes Tagesziel war der Gipfel des „Toten Mannes“. Dieser 2133 m hohe Berg ist auch im Winter ein lohnendes Schitourenziel. Etwa 2 Stunden oder 550 HM sind es von der Hütte hinauf zum Gipfelkreuz. Nur kurz war die Rast; der kalte Wind pfiff uns hier nur so um die Ohren. Im Abstieg fanden wir dann eine kleine Mulde wo wir unsere Jausendose etwas erleichtern konnten. Nächstes Ziel war die 1832 m hohe Wand. Ein etwas unscheinbarer Felszacken, der sich aus der Latschenlandschaft erhebt. Seine Südwand allerdings bietet Klettergenuss vom Feinsten. Beeindruckend ist jedoch auch eine Gedenktafel von drei verunglückten Bergkameraden der Bergrettung Hinterstoder welche sich nahe dem Gipfelkreuz befindet. Nachdem wir gut in der Zeit unterwegs waren, lohnte sich ein Abstecher zur nahen Dümlerhütte. Wegen den Corona Bestimmungen blieben wir auf der Hütten Terasse sitzen. Dort wurden wir vom Hüttenwirt mit Kuchen und Kaffee jedoch bestens bedient. Unser abendliches Ziel, das Linzerhaus auf der Wurzeralm, war noch etwa 1.5 Std entfernt. Donnergrollen und aufkommender Wind zwangen uns dann zu einer etwas rascheren Gangart. Ohne „Dusche von Oben“ erreichten dann alle die Hütte, wo wir in einfachen Doppelzimmern Unterkunft bekamen.

Auch hier hatte sich der Besucheransturm aus zweierlei Gründen in Grenzen gehalten. Erstens waren im Bundesland Oberösterreich noch keine Schulferien und zweitens war die Standseilbahn von Spital a. Phyrn herauf noch wegen Revisionsarbeiten außer Betrieb. Trotzdem hatte sich das Wirte Ehepaar redlich um uns bemüht. Mit deftiger Hausmannskost verwöhnt, konnten wir dann im Anschluss einen gemütlichen Hüttenabend verbringen.

Tag 3 unserer Durchquerung begann mit einem guten, umfangreichen Frühstück. Heutiges Tagesziel war die Hochmölbinghütte. Schon der normale Verbindungsweg wurde mit ca. 6 Stunden Gehzeit ausgewiesen. Unser Ziel war es jedoch, über den Südostgrat auf den Gipfel des Warscheneck zu steigen. Mit dem anschließenden Abstieg sollte dann unsere Tagesetappe dann doch erheblich verlängern. Am Speicher Teich vorbei zieht der Weg die ersten Meter eben über die Almböden der Wurzeralm hinüber zur Talstation des Frauenkarliftes. Wären nicht Revisionsarbeiten in Gange gewesen, könnten etwa 1,5 Std Gehzeit eingespart werden. Leider war die Wegmarkierung nicht sehr plausibel vorhanden, was uns eine Fleißaufgabe von 20 Minuten bescherte. Nachdem der Fehler bemerkt wurde, konnte wir den Anstieg über die Schipiste fortsetzen. Auf Höhe der Bergstation war dann die Wegführung optimal markiert, was uns ein zügiges Vorwärtskommen ermöglichte. Ein Gamskadaver am Wegrand verlangte etwas von unserem Interesse, ehe alsbald der Gratansatz erreicht wurde. Mit Stahlseilen ist der Südostgrat optimal abgesichert. Er ist auch als Klettersteig mit Stellen B in diversen Publikationen beschrieben. Teilweise luftige Stellen wechseln sich mit leichteren Gehpassagen ab, ehe man urplötzlich am Gipfelkreuz ankommt. Kalter Wind und leichter Nebel veranlassen uns die Gipfelrast eher kurz ausfallen zu lassen. Im dichten Nebel sind wir dann um die gute Wegmarkierung dankbar. Im teils unwegsamen Gelände hätte ein Verirren fatale Folgen. Der nach Südosten führende Weg wurde dann immer steiler und schlussendlich war es nur noch eine steile mir losem Geröll gefüllte Rinne welche wir gemeinsam in der Gruppe abstiegen. Über weitläufiges Karst und Weidegebiet im stetigen Auf und Ab wurde am späten Nachmittag die Hochmölbinghütte erreicht. Ein lustiger, steirischer Hüttenwirt verwöhnte uns dann mit allerlei Schmankerln aus der Hüttenküche. „Coronakonform“ konnten wir auch hier wieder unsere Übernachtung genießen. Schön, wenn man eine Hütte nur für sich hat.

Der Morgen des 4. Tages begann mit einem „Aha“ Erlebnis. Sonnenschein vom Feinsten sollte uns den letzten Tourentag verschönern. Hinter der Hütte führt der gut markierte Weg hinauf zum Kleinmölbing, 2166m. Anschließend wird dann der Weg zu einem Steig am Gratverlauf welcher über den Mittelmölbing direkt zum Gipfelkreuz des Hochmölbing, 2336 m leitet. Ein gewaltiger Rundblick in die Bergwelt der Obersteiermark sowie ins oberösterreichische Traunviertel waren es der Mühen wert, die uns der Aufstieg bescherte. Doch noch nicht genug des Ganzen. Der weitere Weg über die Kreuzspitze hinüber zum Schrocken, beide über 2200 Meter hoch, verlangen weiterhin Trittsicherheit und sicheres Gehen. Der Abstieg vom Schrocken hinunter zur „Höß“ ist sehr luftig und mit Drahtseilen bestens abgesichert. Trotzdem; links und rechts pfeift es hunderte Meter in die Tiefe.

Alles hat jedoch einmal ein Ende und so kommen wir alle sicher auf der Hößalm an. Ab hier genießen wir die Seilbahntechnik aus Wolfurt und schweben gemütlich die 1250 Hm hinunter ins Dorfzentrum von Hinterstoder. Bei einem gemütlichen Abendessen freuen sich alle über die gelungene unfallfreie AV Tour im Grenzgebiet der Bundesländer Oberösterreich und Steiermark.

Berichtverfasserin: Dieter Kerbl

Einige Bilder von unserer Tour findet Ihr unter Alben.

 
 
 

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