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Hochtour Hocharn (Hochtour Hocharn)

Alpenverein Vorarlberg
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Hochtour Hocharn

Heiligenblut, 25.06. bis 28.06.2015

Tourenführer: Dieter Kerbl

Im Angesicht des Großglockners.

Zahlreiche Höhenwege im Umfeld des Gr. Glockners erfreuen immer mehr Enthusiasten von Hochgebitgswanderungen. Einer der schönsten dieser Art ist der Klagenfurter Höhenweg. Er beginnt unterhalb der Franz-Josefs-Höhe an der Glocknerstraße. Er führt durch eine traumhaft schöne Alpenflora hinauf in Schnee und Eis über den Gipfel des Spielmannes hinunter zum Hochtor; ein Bestandteil der Groß-Glockner Hochalpenstrasse. Nach einer Nächtigung auf einer der zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten führt die Route am nächsten Tag über nicht weniger als 7 3.000er Gipfel hinüber zum Zittelhaus am Sonnblick. Bestens bekannt durch seine Wetterwarte direkt am Gipfel des selben. Am nächsten Tag kann man entweder nach Heiligenblut oder nach Kolm Saigurn im Raurisertal absteigen.

Bei soviel "Bergnatur" war es auch nicht sehr verwunderlich, daß sich insgesamt 7 Alpenvereinsmitglieder bereit erklärten, mit mir diese imposante Tour zu absolvieren. In einem Kleinbus erfolgte die Anreise zum Glocknerhaus an der Gr. Glockner Hochalpenstrasse. Dieses von der Sektion Klagenfurt betriebene Schutzhaus ist ein idealer Ausgangspunkt für zahlreiche Bergaktivitäten im Umfeld des höchsten österreichischen Berggipfel. Bestens verpflegt konnten wir dann am nächsten Morgen gleich neben dem Haus unsere Tour beginnen. In einigen steilen Serpentinen führt der Weg Nr. 702 durch eine herrlich blühende Alpenflora hinauf zum  südlichen Pfandlkees. Leider ist durch die permanente Klimaerwärmung auch dieser Gletscher in seinem Bestand gefähret. In den teils steilen Schneeflanken konnten wir jedoch sicheren Schrittes zur unteren Pfandlscharte,2665 m, hinüberqueren. Hier setzt der Westgrat auf den Spielmann, 3027 m, an. Unschwer, jedoch hie und da recht steil, erreichten wir dann über diesen den Gipfel. Eine traumhafte Aussicht war unser Lohn für die Mühen des Anstieges. Etwas unterhalb des Gipfelkreuzes, im windschatten einiger Felsplatten, durften wir eine ausgiebige Rast genießen. Über den Ostgrat erfolgte dann der anschließende Abstieg. Dieser an und für sich gut versicherte Weg präsentierte sich über weite Strecken noch in einem winterlichen Kleid. Immer wieder sanken wir bis zu den Knieen im weichen Schnee ein. An den überwächteten Gratpassagen war große Vorsicht geboten. Dank gemeinsamer Umsicht konnte dieser Wegabschnitt jedoch bestens bewältigt werden. Über die Spielmannscharte, unterhalb des Kloben vorbei zur verfallenen Knappenstube führte uns dann der Weg hinab zur Brennkogelscharte. Hier wurde der Schnee immer weniger und die spärlich blühende Alpenflora präsentierte uns ihren Überlebenswille. Über die Brennscharte absteigend kommt man dann auf den Bretterboden. Der hier liegende malerische Brettsee hatte alerdings noch seine Eis und Schneeschicht übergezogen. Im stetigen Auf und Ab führte uns dann der Weg hinab zum Hochtor. Durch diesen kleinen Tunnel führt die Gr. Glocknerstrasse hindurch. Zudem ist es auch die Landesgrenze zwischen Salzburg und Kärnten. Nach einer kurzen Rast waren es dann nur mehr wenige Minuten Gehzeit bis zu unserer Unterkunft, dem Wallackhaus. Dieses nach dem Erbauer der Hochalpenstrasse benannte Haus liegt direkt an der Strasse und dementsprechend gut besucht. In den schmucken Zimmern ließ es sich gut leben; vor allem die warme Dusche brachte unsere müden Lebensgeister wieder auf Vordermann.

Schon früh, um 04.00 Uhr, klingelte wieder der Wecker. Frühstück eine halbe Stunde später, Aufbruch zum 2. Teil unserer Tour um 05.00 Uhr. Dieser straffe Zeitplan war nötig, um unser Tagesziel, das Zittelhaus; rechtzeitig zu erreichen. Sind es doch nicht weniger als 8 -10 Std. Gehzeit um über insgesamt 7 3.000er Gipfel zum Endpunkt des Klagenfurter Höhenweges zu gelangen. Zudem mußten wir mit teilweise noch viel Schnee am Weg rechnen. Auch die Wettersituation hatte sich über Nacht etwas gewandelt. Während im Süden schönstes Wetter vorherrschte, kamen von Norden immer wieder dunkle Wolken heran die nichts gutes ahnen ließen.

In unmittelbarer Nähe der Unterkunft liegt das Schigebiet von Heiligenblut. Dessen höchster Punkt ist das 2604 m hohe Schareck. Dieses war unsere erster Anlaufpunkt des heutigen Tages. Über eine rauhe Schotterstrasse erfolgte der Anstieg, ehe dann wieder ein teilweise etwas ausgesetzter Gratweg seine Fortsetzung fand. Im Bereich des Rossköfels trafen wir dann wiederum auf den Hauptweg welcher nun immer leicht aufwärts zum Modereck, 2932 m, führte. Im weiteren Verlauf konnte der Herbertsturm, 2971m, erreicht werden. Dieser Wegabschnitt ist klettersteigmäßig abgesichert; die Seile und Ketten am Weg werden gerne in Anspruch genommen. Ohne daß wir es merkten braute sich in unserem Rücken etwas zusammen. Dunkle Wolken zogen auf und alsbald begann es leicht zu nieseln. Auch die ersten Nebelschaden zogen schon über die Berggrate. Erste Zweifel kamen auf, doch noch war unser Vorwärtsdrang größer. Auf der Noespitze, 3070m, holte uns dann jedoch die Realität ein. Dicker Nebel, kalter Wind und leichtes Schneegraupeln waren trifftige Gründe die Tour abzubrechen und umzukehren. Sicherheit geht eben vor. Zurück über den bereits absolvierten Weg zum Hochtor hies es nun für alle. Wie zum Hohn lachte uns dann bald wieder die Sonne in den Rücken. Schnell wechselte aber die Wettersituation wieder und ein leichter Regen bewog uns die Wetterjacken über zuziehen. 3 Stunden später, wir waren grad am Hochtor angekommen, öffnete der Himmel dann seine Schleusen und ein heftiger Regen prasselte auf unseren Unterstand herab.

Die Rückfahrt nach Vorarlberg fand ohne große Probleme stat. Ein Blick am nächsten Morgen auf die Webcam am Sonnblick präsentierte eine milchig, weiße Kameraeinstellung. Nebel, Schnee und leichte Minusgrade. Erst am späten Nachmittag besserte sich das Wetter und die Sicht wurde wieder besser. Unser Entschluss umzukeheren, war sicher die einzig richtige Option.

Allen die dabei waren ein herzliches "Vergelts Gott" für die Einsicht sowie die schöne Kameradschaft unterwegs auf einem der schönsten Höhenwege Österreichs.

Berichtverfasser: Dieter Kerbl

Einige Bilder von unserer Tour findet Ihr unter Alben.

 
 
 

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