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Schitour Wildspitz (Schitour Wildspitz)

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Schitour Wildspitz

Pitztal, 06.04.2015

Tourenführer: Dieter Kerbl

Wildspitze, leider unvollendet.

Mit diesen Worten ist in kurzen Zügen unsere geplante Schitour auf Österreichs zweithöchsten Berggipfel erklärt. Wie es dazu kam; hier ein kleiner Tourenbericht.

Geplant war diese Schitour eigentlich am Sonntag dem 22.März dieses Jahres. Schlechtes Wetter machte diesen Termin jedoch vorerst zunichte.

Termin 2 wurde nun auf Ostermontag, 6. April fixiert. Fast alle gemeldeten Teilnehmer aus Part Eins waren auch bei Part zwei mit dabei. Allerdings waren die Wetterprognosen auch für diesen neuen Termin nicht gerade berauschend. Alpennordseitig schlecht, Alpensüdseitig schön. Die Wilspitze liegt da genau an der Grenzlinie.

Pünktlich um 6.00 Uhr starteten wir in Schruns unsere Fahrt ins Pitztal nach Mandarfen-Mittelberg. Doch schon die Fahrt durch dieses enge Tiroler Gebirgstal verhieß nichts Gutes. Leichtes Schneegrieseln begleitete uns bis zur Talstation des Pitztalexpress. Doch dort erhellten sich dann wieder unsere Mienen. Der Blick hinein ins Taschachtal über den gleichnamigen Gletscher bescherte uns stahlblauen Himmel. Na also, wer wagt, gewinnt. Um 29 Euro erleichtert, so viel kostet eine Schitourenkarte pro Person, wurden wir in rascher unterirdischer Liftfahrt ins Gletscherschigebiet transportiert. Kaum im Freien angelangt, schlug uns eisige Kälte ins Gesicht. Minus 13 Grad zeigte das Thermometer. Es bedurfte somit keiner allgemeinen Kleidervorschrift, unsere Rucksäcke wurden merklich leichter. Mit der neuen Mittelbergjochbahn konnten nochmals kräftesparend einiges an Höhenmetern abgearbeitet werden. Hier auf über 3.000 m Seehöhe war tiefer Winter angesagt. Etwa 30 cm Neuschnee, arkitsche Temperaturen im 2 stelligen Minusbereicht und schönstes Schitourenwetter am oberen Taschachferner. Wenn da nur nicht die Schlechtwetterfront aus dem Norden in unserem Rücken......?

Am Pistenrand wurden die Felle aufgezogen und kurze zeit später standen alle am Mittelbergjoch. Normalerweise kann man hier gute 120 Hm auf den Taschachferner abfahren. Kälte, Neuschnee usw. veranlassten mich als Tourenführer die Weisung auszugeben "Abfahren mit Fellen". Dies ging eigentlich dann recht gut von statten; lediglich "Maeseele Junior" hatte dann ein gravierendes Problem. Er wählte seine Schiabfahrt etwas ausserhalb unserer Spuren und machte dabei "einschneidende" Erfahrung mit der hier üppig vorhandenen Stein und Felslandschaft. Wie schon erwähnt; gut getarnt unter ca.30 cm makellosem Pulverschnee.

Am Taschachferner angekommen war an der Schiunterseite vom ehemals 170 cm langen Haftfell nur noch ein kläglicher Rest von ca. 30 cm vorhanden. Der Rest? irgendwo weiter oben; im nun gut zerfahrenen Neuschnee. Schei...., was nun. Noldi Dajeng, seines Zeichens aktiver Bergführer aus Schruns, legte seine Schi beiseite und stapfte sicheren Schrittes wieder zurück ins Mittelbergjoch und hatte Glück! Er fand den Fellrest und kehrte sichtlich triumpfierend wieder zurück. Mittels viel "Tapeklebeband" konnten wir dann etwa eine knappe Stunde später zu unserer Schitour starten. Im Rücken immer noch die drohende Schlechtwetterfront; vor uns die makellose Schneedecke des Taschachferners im gleißenden Sonnenlicht. Ein junges Paar hatte unsere kleine Kunstpause ausgenützt und eine gute Aufstiegsspur über den breiten aber doch mit Spalten übersääten Gletscher angelegt. Nach einigen kleinen Pausen wurde dann unsere Gruppe im Bereich des Brochkogels etwas auseinandergezogen. "Papa Maeseele" hatte Probleme mit der Höhe.

Obwohl immer wieder mit uns auf vielen Vereinstouren unterwegs, die Familie besitzt ein Ferienhaus in Tschagguns, bekam ihm die Höhe nicht besonders. Nochmals das Tempo verringern.... doch es half alles nichts.

Johann war angeschlagen. Noldi übernahm den Rest der Gruppe und machte sich auf den Weg zum nahen Schidpot. Mittlerweile hatte aber auch Töchterchen Maeseele ihre Probleme. Ihr Reißverschluss der Jacke war eingefrohren und lies sich nicht öffnen. Ihr war kalt geworden; sie wollte sich noch eine Fleecejacke überziehen. Irgendwie gelang es uns dann mit vereinten Kräften doch noch das Problem zu beheben; doch die arktischen Temperaturen in Verbindung mit dem plötzlich aufkommenden Wind ließen uns die Tour abbrechen. Zudem hatte das schöne Wetter im Süden den Kampf gegen den Norden verloren. Nebel und somit schlechter werdende Sicht bekräftigten unseren Entschluss umsomehr für die sofortige Umkehr. Auch das spurende Paar mußte seinen Gipfelgang am Schidepot aufgeben. Sturm und Kälte, ein alter Bekannter im Winter 2015, zwangen auch sie zu einer raschen Umkehr.

Entlang der Aufstiegsspur zurück erreichten dann alle wiederum den Ausgangspunkt unterhalb des Mittelbergjoches. Nochmals die Felle aufziehen und die ca. 120 m hinauf ins Joch. Eigentlich kein großes Problem mehr. Ausser für Fam. Maeseele. Aber dies wäre dann wieder eine andere Geschichte! Mit vereinten Kräften von Noldi und mir ist es uns jedoch gelungen alle 3 wieder zurück "in die Zivilisation" zu bringen.

Im dichten Schneegestöber sind wir dann auf den Schipisten zurück zur Bergstation des Pitzexpress gefahren, um dann mit diesem wieder ins Tal zu gelangen.

Die Heimfahrt verlief sehr still und friedlich; lediglich das Eine oder andere kurze Schnarchgeräusch störte die friedlich dösende Mannschaft in meinem Rücken. Trotzdem durfte unser obligater Hock nicht fehlen.

Im heimatlichen Klostertal fanden wir dazu die richtige Adresse. Wohlbehalten durfte ich dann am frühen Sonntag Abend alle Teilnehmer in die neue Arbeitswoche entlassen.

"Auf ein Neues" im Winter 2016 wünscht herzlichst Dieter

Berichtverfasser: Dieter

Einige Bilder von unserer Tour findet Ihr unter Alben.

 
 
 

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