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Klettersteige Sextner Dolomiten (Klettersteige Sextner Dolomiten)

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Klettersteige Sextner Dolomiten

Südtirol, 28.08. bis 31.08.2014

Tourenführer: Hermi Dönz

Am Donnerstag fuhren wir 7 in Fahrgemeinschaften nach Sexten-Moos. Beim Aufstieg über den Dolomiten Höhenweg zur 3-Zinnen-Hütte war es –heuer ungewohnt - sommerlich warm. Je näher wir der Hütte kamen, desto mehr Gegenverkehr war anzutreffen. Der Rummel auf der Terrasse der Hütte war vergleichbar mit einer gut besuchten Schihütte – der Weg von der Mautstraße hierher ist für fast alle machbar! Wir stärkten uns etwas, mit kleinem Gepäck wanderten wir bald weiter, um über den Leiternsteig auf den Toblinger Knoten zu steigen (C). Überall sind Spuren des 1. Weltkrieges zu sehen: Bunker, Schießscharten, alte Stahlseile, Balken, Haken, Einschlagslöcher,… Wir kletterten über die 17 Leitern des renovierten Steiges auf den Gipfel – was für uns ein luftiges Vergnügen war, erinnerte uns sehr an die vielen Opfer an dieser Frontlinie. Hier sind mehr Soldaten erfroren, verhungert und durch Lawinen verunglückt als durch Kampfhandlungen getötet worden!

Auf der nun angenehm ruhigen 3-Zinnenhütte genossen wir ein ausgezeichnetes Abendessen und tolle Abendstimmung mit Blick auf die 3 Zinnen im Abendrot.

Um 8 Uhr starteten wir Richtung Paternkofel. Auf dem Innerkofler-DeLuca-Steig erwarteten uns 600 m Tunnel aus dem 1. Weltkrieg, Schießscharten und ein Klettersteig (B/C). Die Aussicht am Gipfel des Paternkofel ist wirklich grandios. Zurück auf der Gamsscharte herrschte bereits starker Andrang – da wurde uns der Zweck der „Einbahnregelung“ auf den Paternkofel schnell klar. Auf unserm Weiterweg über die Via ferrata Forcelli (A/B) waren wir wieder allein unterwegs. Zu Mittag ließen wir uns unsere Knödelsuppe auf der Büllejochhütte schmecken. Wie geht´s weiter? Natürlich über einen renovierten Kriegssteig zur Zwölferscharte. Ein Abstieg von 300 Höhenmetern ließ sich trotzdem nicht vermeiden – auch das erste Schneefeld war zu queren. Nach einer Pause unter der Forcla Giralba nahmen wir die Via ferrata alpini undici (A/B) in Angriff. Dieser Weg führt über Bänder nordseitig zur Elferscharte. Die Schneefelder in den Rinnen waren durch Fixseile gut versichert und nach gut 2 Stunden war auch dieser Abschnitt geschafft. Der Weg zur Sentinellascharte erwies sich noch als ziemlich rauher Steig durch die wilde Ostseite des Elfers. Auch der Abstieg zur Bertihütte erforderte Konzentration über steiles Geröll. Als wir um 18 Uhr unser erstes Bier auf der Hütte genossen, waren doch alle froh, die Beine mal auszustrecken und (früher oder später) eine wohlverdiente (teilweise kalte) Dusche zu genießen. Einem gemütlichen Hüttenabend nach diesem langen Tag stand nichts mehr im Weg. Bei abendlichem Regen mussten wir Alternativen zu unserem nächsten Tagesziel in Betracht ziehen.

Der Wirt der Bertihütte zeigte uns den Wetterbericht der Provinz Belluno für Samstag: trocken! Am Morgen war der Himmel leicht bedeckt und so wagten wir uns an die Schlüsselstelle unserer Rundtour: den Roghel-Klettersteig. Ein leichter Schauer ließ uns nicht lange zögern, bis zum Einstieg war der Fels trocken, der Himmel wieder teilweise blau. Der Steig führte über eine Rampe immer steiler werdend in eine Schlucht. Hier erwartete uns feuchter, teilweise rutschiger Fels – und das im Schwierigkeitsgrad D. Die schwierigen Stellen waren nicht allzu lang, einige Zusatzsicherungen waren möglich, sodass alle problemlos diese anspruchsvollen Stellen schafften. Der Abstieg Richtung Bivacco Cadore war weniger schwierig. Nach einer ausgiebigen Pause und bei teilweise durch den Nebel scheinendem Sonnenschein querten wir zur Cenga Gabriella – einer Bänderroute auf halber Höhe der Süd- und Ostwände der Hochbrunner Schneid und des Giralbamassives. Knapp vor dem Einstieg erschwerte uns ein Regenschauer die ersten steilen Aufstiegsmeter am Klettersteig (C). Bald lichteten sich die Nebel wieder und gaben spektakuläre Blicke auf die umliegenden Dolomitengipfel frei. Nun ging es mal wandernd, mal kletternd, teilsweise ausgesetzt oft auf und ab in der steilen Wand bis schließlich die Carducci-Hütte auftauchte. Steil ging es hinunter erst am Steig, dann durch eine Schneerinne, die allerdings Dank des  Fixseiles gut zu begehen war.

Noch bevor wir die Hütte erreichten, holte uns ein kräftiger Schauer ein. Ein kurzer Schreckmoment – meine Reservierung war nicht gebucht – uns wurden „Notlager“ in der Wirtsstube zugeteilt. Der Abend wurde zu einem Highlight unserer Tour: Beppe, der Wirt zauberte allerlei Köstlichkeiten, auch für die 150-Jahr-Feier der Hütte am nächsten Tag. So kamen wir z.B. in den Genuss von Brennnesselknödeln mit Gorgonzolafülle an Rahmsauce mit gerösteten Haselnüssen, Spinat-, Kürbis- und Radiccioknödeln. Nun spielte die Musik auf: 2 Musikstudenten entlockten Akkordeon und Dudelsack bzw. diversen Flöten irische und venezianische Volksmusik ebenso wie Walzer und Evergreens. Um 10 Uhr wurde Hüttenruhe ausgerufen; die Gaststube wurde geleert, die Tische auf Eckbankhöhe hinuntergelassen. Innert 10 Minuten war ein Schlafraum für uns 15 Personen eingerichtet.

Um 6 Uhr früh startete das Hüttenjubiläum mit Musik: Die beiden Musikanten spielten ein sehr niveauvolles Konzert vor der Hütte unter den bleichen Dolomitenwänden, alle Gäste standen rundherum und genossen die feierliche Morgenstimmung.

Nach dem Frühstück stiegen wir zufrieden über sie Forcla Giralba nach Sexten ab und traten gemütlich die Heimreise an.

Dabei gsi: Franz, Peter, Gerold, Walter, Alexander und Johannes

Danke für den Teamgeist!

Berichtverfasser: Hermi Dönz

Einige Bilder von unserer Tour findet Ihr unter Alben.

 
 
 

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