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Aufwärts - aber sicher (Die Höhenkrankheit)

Alpenverein Vorarlberg
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Aufwärts - aber sicher

Ob beim Bergsteigen oder "nur" beim Trekking: Wer sich in Höhen jenseits der 3000 Meter bewegt, sollte einige elementare Regeln einhalten.

 

Trekkingtouren und Expeditionen in die höchst gelegenen Regionen unserer Erde sind so populär wie noch nie. Wer es sich finanziell leisten kann, macht seinen Traum von der Besteigung eines der höchsten Gipfel wahr. Mit dem Ziel "oben anzukommen" vergessen viele die Gefahren, die in der dünnen Luft lauern: Höhen-Erkrankungen sind keine Krankheiten, die einen plötzlich ereilen. Sie werden durch Unwissenheit und Unachtsamkeit im Zusammenhang mit der Akklimatisierung verursacht.

 

"Madam, Madam, you are too fast", ermahnt mich der Guide in gebrochenem Englisch. Wie, ich bin zu schnell, geht es noch langsamer als im Schneckentempo? ich will auf das Dach Afrikas, den 5895 Meter hohen Kilimanjaro. In sechs Tagen steigen wir vom Machame-Gate des Nationalparks (1800 Meter) auf den Uhuru Peak.

 

"Da läuft viel falsch". In sechs Tagen von 1400 (Moshe) auf knapp 6000 Meter und wieder hinunter. Ist das nicht gegen alle Regeln der Akklimatisation? "Definitiv!", sagt Dr. Rainald Fischer, "und so lange die Organisatoren von Trekking- und Expeditionstouren das so anbieten, wird sich nichts daran ändern, dass Höhenkrankheiten auftreten."

Dr. Rainald Fischer ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie. Er ist Spezialist für Höhenmedizin und Präsident der BEXMED (Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e. V.) und er weiß aus seiner Erfahrung, dass die Aufstiegsgeschwindigkeit auf den meisten Trekkingtouren viel zu schnell ist. "Da läuft ganz viel falsch" und das bekommen viele Bergsteiger am eigenen Leib schmerzhaft zu spüren: Kopfschmerzen, Übelkeit, Leistungseinbruch bis hin zum Höhenhirnödem (HACE) oder Höhenlungenödem (HAPE). Dabei lassen sich Höhenkrankheiten viel besser vermeiden als behandeln. Was kann man also tun, damit alles richtig läuft? Nach dem heutigen Stand der Forschung lässt sich Akklimatisierung zwar nicht trainieren, "jedoch scheint es einen positiven Effekt auf den Körper zu haben, wenn man in den letzten sechs Monaten vor der Besteigung vier- bis fünfmal über 2500 Meter war", erklärt Fischer. "Anscheinend kommt es zu einer Anpassung des Organismus an den Sauerstoffmangel."

 

In dünner Luft ... Der Anteil des Sauerstoffs in der Atemluft bleibt bis in eine Höhe von 15 km unverändert! Was sich ändert ist der Luftdruck und damit auch der Druck der einzelnen Sauerstoffteilchen (Sauerstoffpartialdruck). Dieser wird, je weiter es nach oben geht, immer geringer - auf dem Gipfel des Everest hat die luft nur noch zirka 1/3 des Drucks im Vergleich zur Meereshöhe, dadurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe und das löst die vielfältigen Probleme aus.

 

... wird das Blut dick. In der Sportmedizin spricht man von Hypoxie. Ein Prozess, der von vielen Leistungssportlern im positiven Sinn genutzt wird. Wie so oft, macht auch hier die Dosis das Gift. Denn unser Körper passt sich auf natürliche Weise an die Höhe an: Er gleicht zunächst die Sauerstoffschuld durch schnelleres Atmen aus. Schafft er das nicht mehr - und das ist ja in Höhen über 3000 Meter der Fall - bilden sich vermehrt rote Blutkörperchen (Erythrozyten). Sie transportieren den Sauerstoff. Mehr Erythrozyten machen das Blut dicker, es fließt langsamer. Um es zu verflüssigen, ist es nötig mehr zu trinken. Die vielen Erythrozyten transportieren dann mehr Sauerstoff zu den Muskeln und ins Gewebe. Atmung, Puls, Herzfrequenz pendeln sich nahezu am Normalwert (Ruhepuls auf Ausgangshöhe) ein und damit sind wir wieder leistungsfähig. Wie schnell dieser Prozess abläuft, ist individuell verschieden. Zudem hängt er von vielen anderen Faktoren ab: Neben der körperlichen Fitness ist auch die psychische Situation ausschlaggebend. Stress und Angst können alles verzögern und so kann es passieren, dass selbst jemand erkrankt, der einige Male in großen Höhen beschwerdefrei unterwegs war.

 

In der Ruhe liegt die Kraft. "Pole, pole", wie der Guide am Kili zu mir sagte. Es geht tatsächlich noch langsamer als im Schneckentempo. Stehen bleiben, schauen, trinken, langsam weiterlaufen, einen zusätzlichen Tag auf über 3500 Meter einlegen, dem Körper Zeit geben. Die längere Aufstiegsroute zu wählen, hat sich vielleicht gelohnt. Bis zur letzten Nacht vor dem Gipfelaufstieg war ich völlig beschwerdefrei. Auf 4700 Meter Höhe war die Nacht im Zelt dann jedoch extrem: frieren bei minus 12 Grad und Kopfschmerzen raubten mir den Schlaf. Dazu kam die Nervosität.

 

Alarmsignale erkennen. Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit können auch Anzeichen für eine Höhenkrankheit (AMS) sein. "Medikamente können gegen die Schmerzen helfen" sagt Dr. Fischer, "sie können die Symptome jedoch auch verschleiern." Im fortgeschrittenen Stadium der AMS helfen die Schmerzmedikamente nicht mehr. Es kommt zum HACE, dem Höhenhirnödem. Daher warnt Fischer vor der Einnahme von Medikamenten: "Ich bin für Clean-Bergsteigen und kann daher Hilfsmittel wie DIAMOX nicht gut heißen. Man sollte es sich zum Vorsatz machen, immer beschwerdefrei aufzusteigen. Halten Schmerzen länger als 24 Stunden an, muss man absteigen. Meist erholt sich der Körper dann schnell." Und noch ein Tipp vom Experten: "Hören Sie auf Ihren Körper, orientieren Sie sich beim Aufstieg immer an Ihrem Befinden und ziehen Sie die nötigen Konsequenzen. Dann kommen Sie nicht nur beschwerdefrei rauf, sondern auch wieder hinunter!"

 

Quelle: Alpin 9/07

Autor: S. Meusel

Datum: 11.09.2007

 
 
 

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