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Fotos Silvrettahorn 3244m Hochtour

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Silvrettahorn 3244m Hochtour

05.08.2017 - 06.08.2017 in Vorarlberg - SIlvretta Gebirge - Stützpunkt: Wiesbadener Hütte, Ziel: Silvrettahorn 3244

 

Am Freitag Nachmittag ging es mit dem Auto Richtung Bielerhöhe. Zu dritt stiegen wir (Otto, Raphael und Harald) zur Wiesbadner Hütte auf, genossen das Abendessen und warteten auf die zwei verbliebenen Bergsteiger, die aus beruflichen Gründen erst am frühgen Abend zu uns stoßen konnten.
Als Markus und Patrik dann um halb Neun auf der Hütte eintrafen, waren wir vollständig, wir besprachen den morgigen Tag, Route, Verhältnisse, grundlegende Dinge über das Begehen eines Gletschers in der Seilschaft und sonstige Dinge, die auf uns zukommen könnten.

Abmarsch am Samstag war um 6:30...also geplant, tatsächlich fand dieser um 6:50 statt - aber alles im Rahmen.
Der Weg bis zum Gletscher führt unterhalb der grünen Kuppe vorbei, die Überquerung eines reißenden Baches ist begleitet von weiten Blicken zurück ins Tal zum Silvretta Stausee. Unser Ziel, das Silvrettahorn, thronte stetig vor uns, die aufgehende Sonne ließ einen schönen Tag erwarten und so wanderten wir voller Euphorie dem Ochsentaler Gletscher entgegen.
Bei diesem angelangt stellte sich uns die erste Frage: direkt beim "Normal"-Einstieg die Eisen anlegen und die erste steile Flanke überwinden oder doch den mir unbekannten Weg rechts ausweichend über und zwischen Felsen umgehend um am oberen Ende der Flanke auf den Gletscher zu gelangen...die Entscheidung fiel zugunsten der Flanke. Wer weiß ob es Randspalten gibt, wie der Aufstieg über die Felsen ist usw...
Gleichzeitig mit der Entscheidung die erste Steilstufe im Eis zu überwinden wurde auch jene getroffen, dass diese seilfrei zu begehen ist.
So wurden die Eisen angelegt, alle Ausrüstungsgegenstände kontrolliert und der erste Kontakt mit dem Eis erfolgte. Die am Vortag theoretisch besprochenen Punkte zur Bewegung in Schnee und Eis wurden nun in praktischer Ausführung nochmals erprobt. Vertrauen in die Steigeisen wurde aufgebaut, gemächlich wurde man mit dem Untergrund und der Materie vertraut und die Sicherheit wuchs.
Bis wir uns etwa 50hm vom Anseilpunkt fortbewegt, sicheren Stand am Rand einer Spalte gefunden und einen Schrei vernommen hatten.
Dieser kam von einem Bergsteiger einer 3er-Seilschaft vor uns, die etwa 100m über uns und außer unserer Sicht im Aufstieg begriffen war. Im nächsten Moment rutschte einer der Bergsteiger an uns die steile Flanke vorbei, ohne Pickel in den nicht von Handschuhen geschützten Händen. Dass er nur ein T-Shirt am Leib trug passte traurigerweise zu den erschreckenden Bildern.
Als er nach ca. 150m kopfüber am unteren Ende des Gletscher in der Fels- und Geröllhalde "einschlug" befürchteten wir schlimmstes. Auf Zuruf hob er jedoch die Hand, richtete sich auf und konnte "Entwarnung" geben.
Da meine Gruppe sicheren Stand hatte eilte ich bergab zum Verletzten, ein Bergführer der gerade mit seinen Gästen am Anseilplatz war tat dies ebenso. Die Verletzungen waren für die fürchterlich anzusehende Rutschpartie glimpflich, die Unterarme und Hände blutverschmiert von Schürfwunden, ein Cut am Kinn und der Schrecken im Gesicht waren die Blessuren die der Glückspilz davon trug.
Wir verarzteten ihn so gut es ging und überließen ihn dann seinen herbei eilenden Bergkameraden. Zum Ausgang dieses Absturz sei noch gesagt, dass etwa 30 Minuten später der Rettungshubschrauber kam und den Bergsteiger ins Krankenhaus nach Zams flog.
Zurück bei meiner Gruppe änderten wir die Taktik, die vier Teilnehmer wurden in entsprechenden Abständen am Ende des Seils eingebunden, ich ging das Seil bis zu dessen Ende die Flanke hinauf, setzte eine Eisschraube und sicherte die Jungs die erste Seillänge hinauf. Dieses Spiel wiederholten wir drei weitere Male bis wir den flachen Teil des Gletschers erreichten, wo wir was tranken und durchatmeten.
Nun seilten wir uns als Gletscherseilschaft an und bahnten uns den Weg durch das Spaltenlabyrinth des so gut wie ausgeaperten Ochsentaler Gletschers. In ruhigem Tempo ging es Richtung Abzweigung zur Egghornlücke, die Flanke zu dieser stiegen wir ebenfalls sehr langsam und gleichmäßig auf bis wir schließlich selbige Lücke erreichten.
Nachdem es von hier an nur mehr Felskontakt bis zum Gipfel gab entledigten wir uns unserer Steigeisen und des Pickels, das Seil verstaute ich am Rucksack und los ging es die finalen 200hm zum Gipfel. Zuerst über Geröll und Schutt steil ansteigend bis zu den ersten Felsaufbauten, diese leicht überkletternd auf einen kleinen Grat, das Gipfelkreuz bereits zum Greifen nahe. Die Verhältnisse waren hervorragend, der Fels griffig - wenn auch brüchig - und sehr schön zu klettern.
So meisterten wir den Aufstieg von der Egghornlücke bis zum Gipfel in 35 Minuten. Oben angekommen genossen wir den Ausblick auf den uns zu Füßen liegenden Ochsentaler Gletscher, den ihn begrenzenden Piz Buin, auf der gegenüberliegenden Seite der Silvrettagletscher mit Schneeglocke und dem  Klostertaler Gletscher.
Der Abstieg gelang uns ebenso problemlos und angesichts des immer noch tadellosen Wetters war eine gewisse Erleichterung spürbar. Der Rückweg über den Gletscher war unschwierig, lediglich das Schmelzwasser das nun gut 10cm hoch auf dem Gletscher stand, war für Mensch und Material etwas mühsam.
Die heikle erste Steilstufe im Eis umgingen wir im Abstieg linkerhand durch und über den Fels. Was sich schlussendlich als besserer und sicherer Weg heraus stellte, auch wenn dieser noch eine kleine Herausforderung an uns stellte:
um das Abenteuererlebnis ganz auszukosten "ignorierten" wir im Abstieg eine Abzweigung und versuchten uns an der Direttissima - in Form einer 4m hohen, blankpolierten Steilstufe...da knapp oberhalb dieser Steilstufe ein wundervoller Bohrhaken in den Fels getrieben wurde, gab uns dies die Gelegenheit zum Abseilen - die wir gerne annahmen ;-)
So erlebten wir einen Tag voller Aufregung, Spannung und tollen Erlebnissen, kehrten gesund und auch müde wieder bei der Wiesbadner Hütte ein und mobilisierten die letzten Kräfte um zwei Portionen Kaiserschmarrn gemeinsam den Gar aus zu machen ;-)

Vielen Dank an meine Gruppe, die auch in herausfordernden Situationen super funktioniert und zusammen gearbeitet hat!

Bericht: Harald Hübner

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