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NEPAL 2012 – Trekkingtour um Dhaulagiri und besondere Begegnungen (NEPAL 2012)

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NEPAL 2012 – Trekkingtour um Dhaulagiri und besondere Begegnungen

Am Freitag 19. Oktober 2012 startete die 8-köpfige Reisegruppe mit dem Flug ab München / via Doha nach Kathmandu. Die Teilnehmer kurz vorgestellt: Claudia und Helmut Nenning, Bürs; Carmen Hoch, Bürs; Carmen Probst, Nüziders; Annette Stemmer und Markus Grafl, Rankweil sowie Helma und Wolfgang Bartl, Nüziders.

Geplant hatten wir - grob umrissen - die Umrundung des Dhaulagiri, wenn es allen Teilnehmer/Innen gut geht, eine allfällige Besteigung des Trekkinggipfels Dhampus Peak (6002m) sowie Rückflug ab Jomsom – ein bisschen haben wir die Reisereoute vorort dann abgeändert, sind zusätzliche Tage gelaufen und am Ende der Trekkingtour erst von Pokhara nach Kathmandu zurück geflogen.

Nach Ankunft und einem ersten Tag in Kathmandu ging es zuerst in 1 ½ Tagen Busfahrt via Beni nach Darbang, wo unsere eigentliche Trekkingtour zu Fuß und mit dem Zelt begann – mit Unterstützung von 19 Trägern/Innen, einer 5-köpfigen Küchenmannschaft sowie unserer 3 Guides. Die ersten 3 Tage liefen wir bei recht warmen Temperaturen durch Orte in Dschungelklima (Dobhan Kharka nach Salagari).

Beim Trekking ist grundsätzlich ein geregelter Tagesablauf vorgegeben: beginnend mit dem Morgentee und  Waschwasser, dem Laufen am Vormittag, der Mittagsrast mit warmer Küche, dem Laufen am Nachmittag, mit dem Einrichten der Zeltplätze, dem Abendessen und der meist frühen Nachruhe. Das, was das Trekking dann aber ausmacht sind die persönlichen schönen Beobachtungen, angenehme Gespräche in der Gruppe untereinander, unterbrochen oft von Lachen und netten Gesten bei Begegnungen mit Kindern oder Einheimischen und der  geselligen Teil, das Ratschen und Kartenspielen am Abend – oft auch im Beisein unserer Träger/Innen, die sich neugierig zu uns gesellen. So bekommen wir Nachhilfe in der Nepali-Sprache und gemeinsam singen wir oder machen einfache Tischspiele, die bei genauer Betrachtung recht international und fast ohne Worte stattfinden können.

Dann bekommen wir endlich erstmals die Spitzen des Dhaulagiri I (8.172m) zu sehen und steigen zum Italian Basecamp auf 3.660m auf. Am nächsten Tag folgt dem Dhaulagiri Massiv entlang der weitere Anstieg zum Japanese Basecamp auf 4.200m und am drauf folgenden Tag übernachten wir im Dhaulagiri Basecamp auf 4.748m.

Die Luft wird nun spürbar dünner und der Untergrund der Lagerplätze wird steiniger. Umgeben ist man natürlich von einer gigantischen hochalpinen Gletscherkulisse, untertags können wir bei strahlendem Sonnenschein die wirbelnden Jetstreams am Gipfel beobachten, nachts fühlen wir die Kälte, die die Extrem-Bergsteiger oberhalb unserer Lagerhöhe in der Bergsteigersaison jeden Tag aushalten müssen.

Am nächsten Tag erreichen wir unseren höchsten Punkt unserer Tour, den „French Col“ auf 5.360m, wo wir voll Emotionen die Höhe feiern und Gebetsfahnen und Wünsche aufhängen. Eine unserer Frauen ist recht geschwächt von einer Durchfall-Erkrankung und der Aufstieg wird für sie zu einer besonderen Herausforderung – aber gemeinsam und langsam haben wir auch das geschafft und überstanden.

Am Tag 8 geht es hochalpin weiter und wir übernachten im Hidden Valley Camp auf 5.140m. Wir beschließen alle gemeinsam, den Dhampus Peak „links liegen“ zu lassen. Tags darauf passieren wir den Dhampus Pass auf 5.244m, besichtigen den Dhampus Peak von unten und queren im Abstieg endlose Schneefelder – wir befinden uns auf einer großen Karte gesehen, nun am nördlichsten Punkt unserer Route und beginnen die Umrund und des Dhaulagiri nun auf der Rückseite fortzusetzen.

Nach den Schneefeldern folgt der steile Abstieg und die erste Übernachtung in wieder „milderem Klima“, den Terassen des Naturschutzgebiets Alu Bari auf 3.900 m, wo wir noch wilde Yaks beobachten können. Am nächsten Tag geht es ganz ins Tal hinab nach Marpha 2.670m, der Apfelstadt Nepals. Im Abstieg können wir den Flugverkehr von und nach Jomsom beobachten (nur bis 10 Uhr, da der Wind ein späteres Fliegen unmöglich macht), einige

Beeindruckende Adler sowie die großen Apfelplantagen, die wie in einer großen Oase um Marpha angelegt sind.

Nach einer Lodge-Übernachtung (die erste Dusche!) geht es weiter auf einer Teiletappe des Annapurna-Treks nach Tukuche auf 2590m sowie wieder durch den Dschungel nach Lete und Tatopani 1190m – Die Gipfel der Annapurna können wir nun ebenfalls noch bestaunen, mit der Dhaulagiri-Seite gibt es für uns ein Bergpanorama im 360-Grad-Winkel sozusagen.

Tatopani mit seinen kleinen Gässchen und tibetischen Verkaufsläden ist bekannt für seine heißen Quellen, die wir natürlich auch noch ausprobieren müssen und wir genießen im Vorbeilaufen frische Orangen vom Baum.

Der letzte große Krafteinsatz ist angesagt – ein neuerlicher Aufstieg mit ca. 1600 Höhenmetern nach Gorepani 2850m ist angesagt. Wir kommen spätnachts beim Eindunkeln an und sind schon gespannt, was uns am nächsten Tag erwartet:

Es geht um 4:30 Uhr in einer Stirnlampenprozession zum – wie uns scheint international bekannten - Aussichtspunkt Poon Hill 3193m. Der 1-stündige Aufstieg hat sich gelohnt, das wunderbare Panorama der Dhaulagiri-Gruppe einerseits sowie Nilghiri, Annapurna I, Annapurna Süd und des geheiligten Matchapucheres (der Fischschwanzflosse) einem beeindruckenden 7000er-Gipfel ist von diesem höchsten Aussichtspunkt unheimlich erhebend.

Dann geht es noch an diesem Tag nach dem Frühstück endgültig „abwärts“ via Hile (1430m) wo wir unsere Dankes- und Abschlussparty mit unseren Trägern/Innen abhalten können, die uns allesamt wie eine große Familie ans Herz gewachsen sind.

Am letzten Trekkingtag gibt es noch einen letzten kleinen Abstieg von ca. 2 Stunden nach Preretlanti, ein letztes Mittagessen, dann fahren wir Österreicher und Träger wieder gemeinsam mit dem Bus nach Pokhara – alle sind erleichtert über den gesunden Abschluss und die gute Stimmung des Vorabends geht weiter mit Gesängen in Nepali und ein paar österreichischen Sätzchen dazwischen.

Der Abschied von unserer großen Familie ist einerseits sehr traurig und emotional – da werden einige Tränen verstohlen weggewischt auf allen Seiten – und fällt schwer. Wir freuen uns aber doch auf den letzten Höhepunkt unserer Reise auf die Rückkehr nach Kathmandu.

Nach einer letzten Übernachtung in Pokhara, einer ersten Pizza als Abendessen – noch ½ Tag Aufenthalt und dann geht es per Flugzeug der „Buddha-Air“ zurück nach Kathmandu in ¾ Flugstunden.

 

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Wir sind schon ganz nervös, da wir für den ersten Kathmandu-Tag den Besuch des Kinderspitals HRDC vereinbart haben. 3 Schachteln mit Decken – gespendet von der Fa. David Fussenegger Textil, Dornbirn, selbst genähte Kissenüberzüge, Kinderpatschen und -bekleidung sowie 3 Schachteln Handtücher und Spitalsbedarf – gespendet von der Firma Schraml Hoteltextil GmbH, Bludenz, haben wir bereits vorgeschickt und warten bereits im Hotel auf die Zustellung mit uns.

In ca. 2 Stunden in östlicher Richtung ab Kathmandu sind wir dann auf einem kleinen Hügel bei Joparti gelegen - bei unserem Kinderspital – HRDC, Hospital and Rehabilitation Centre for Disabled Children – angelangt.

Hier werden Kinder bis 16 Jahre behandelt, die unter orthopädischen Fehlbildungen an den Extremitäten oder Missbildungen an der Wirbelsäule leiden.

Der in der direkten Kinderbetreuung und Physiotherapie tätigen Dr. Damodar Shrestha ermöglicht mit uns einen kompletten Rundgang durch das gesamte Spital und wir sind zutiefst beeindruckt, was die Ärzte, Chirurgen, Therapiefachpersonal und Voluntäre aus allen möglichen  Ländern (dzt. Medizinstudenten und Physiotherapeuten aus Deutschland, Belgien, Holland und den USA) hier mit minimalen Mitteln leisten.

Kinder aller Altersklassen werden hier bestmöglicht therapiert (z.T. orthopädische Schuhe) wenn die Kinder früh genug zur Behandlung gebracht werden, werden operiert und in Therapie so gut wie möglich angepasst, im schlimmsten Fall fehl gebildete Gliedmassen amputiert und für die kleinen Patienten Prothesen massgefertigt, um eine bestmögliche Fortbewegung zu garantierten. Rückenbegradigungen werden ebenfalls operativ vorgenommen.

Wir durften einen Einblick gewinnen von der Anmeldung vorort, Erstellung der Anamnese bis hin zum Röntgengerät und Aufwachraum.

Ganz besonders beeindruckend waren auch die hauseigenen orthopädischen Werkstätten für Kinderschuhe und Prothesen, die drei großen Kinderkrankensäle, in denen Kinder in Therapie oder frisch operiert – zum Teil in Begleitung eines Elternteils ihrem Schicksal ergeben, auf Besserung warteten. Die Therapie einer Beinanpassung kann sich über mehrere Monate erstrecken, nicht immer hat ein Elternteil Zeit, beim Kind zu sein – oft sind die Kinder also über Monate hin alleine auf sich gestellt, natürlich aber in der Obhut des überaus fürsorglichen Personals, die sich ihrer Verantwortung für die kleinen Patienten offensichtlich bewusst sind.

Es gibt auch einen großen Spiel- und Bastelraum für die kleinen Patienten, eine eigene Therapeutin betreut die Kinder hier.

Ebenfalls gibt es einen wichtigen Physiotherapie-Raum, in dem sich einige Therapeuten / Voluntäre um das Wohl der kleinen geduldigen und unheimlich braven Patienten kümmern.

Auch eine große Baustelle steht mittendrin mit den uns bekannten Baustützen aus Bambus – es werden zusätzliche OP-Räume und Krankenzimmer eingerichtet.

Wir dürfen im Büro des Verwaltungs-Direktors des HRDC, Krishna P. Battarai, die Geschichte des Spitals erfahren, dass das Spital auf Spendenbasis funktioniert, eine offizielle Bestätigung als eingetragene „non-Profit“ Organisation erhalten hat und wie solch ein Spital funktionieren kann:

Kurz nachdem sich die „American Himalayan Foundation“ sowie „Terre des Hommes“, die ursprünglichen Gründer und Unterstützer aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise aus der Spendentätigkeit größtenteils zurückziehen mussten, wurden sie von anderen zum Teil privaten Organisationen weiter unterstützt und aufgefangen. Gerade im letzten Jahr war das HRDC erstmals mit dem Thema „Fundraising“ konfrontiert – HRDC wollte und musste selbst mit einigen Veranstaltungen aktiv werden, um finanzielle Mittel akquirieren zu können.

Leider kann das HRDC keine Werbung machen, weil sie mit Ihren Kapazitäten an Platz und Personal ein Andrang aus ganz Nepal nicht bewältigen könnten, sie suchen ihre Patienten großteils mittels Field Camps in den einzelnen Bereichen und Bezirken Nepals, wobei es noch viele offene, nicht bearbeitete Gebiete gibt – auch das sind wieder Ziele des HRDC, sich hier flächendeckend um die Kinder Nepals kümmern zu können.

Bei diesen Field Camps werden nach Ankündigungen mit langer Vorlaufzeit für die Bevölkerung aus entlegenen Orten zum Teil Platz in örtlichen Spitälern angemietet, damit hier dann die Patienten untersucht werden können.

Viele Fachärzte machen auch ihre Praktika bei HRDC und stellen ihr Wissen und Können freiwillig zur Verfügung. Es wurde sogar erstmals ein Kongress im großen Konferenzraum des HRDC abgehalten wie uns stolz berichtet wurde.

Nach dem Mittagessen in der Spitalsküche, die von Ärzten, Patient/Innen und deren Elternteilen, Personal und Besuchern gleichermaßen genützt werden kann, warten wir noch auf das Eintreffen der 6 Stück Klimageräte, die mit unseren Spenden vorort in Nepal angeschafft wurden und angebracht werden - damit wir auch sicher wissen, dass unsere Spenden korrekt angekommen sind.

In dieser Wartezeit dürfen wir selbst und persönlich bei den Kindern die Krankenbetten mit den schönen bunten Decken bestücken und die Kissen mit den fröhlichen Bezügen überziehen.

Oft huscht ein dankbares Lächeln über die leidgeplagten kleinen Kindergesichter – direkt in unsere Herzen.

 

Let the children walk!

Der motivierende Slogan des HRDC „Make the Children walk!“ hat sich auch in uns manifestiert und wir sind uns einig, hier mehr tun und weiter sammeln zu wollen, die Botschaft weiter hinaustragen zu wollen, was hier für die Kinder Nepals Gutes getan wird.

Wie wir weiter machen wollen und helfen können – Nahe Ziele …

Mr. Damodar Shrestha erzählt uns schüchtern, dass er derzeit Geld sammelt für ein kleines Service an den Kindern und deren Eltern – einen Jeep-Transporter, der die Eltern mit ihren oft schwerst gehunfähigen Kindern vom Bus auf den kleinen Hügeln durch den Wald bringen soll, oder zur Finanzierung weiterer dringend benötigter medizinischer Einrichtungen.

Wir haben in diesem persönlichen Erlebnis erfahren dürfen, wie mit viel Herzblut und persönlichem Engagement das gesamte Team des HRDC Kinderspitals hier um das Wohl und die Genesung dieser betroffenen Kinder bemüht ist und wir wissen und fühlen, dass unsere Spenden hier gebraucht werden und an der richtigen Stelle ankommen – auch für uns eine kleine Garantie, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.

Als wir in unserem Bus heimfahren, nehmen wir noch eine kleine Familie ins Zentrum von Kathmandu mit, für die es mit dem Kleinkind noch ein langer Abend zu Fuß geworden wäre, und sind glücklich über das, was wir an diesem Tag sehen und erleben durften.

 

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Am letzten Tag in Kathmandu durften wir noch die Altstadt erkunden, ein paar letzte persönliche Einkäufe zu tätigen und dann ging es nach der Überreichung des Glücksschals

(sogar eine liebe Trägerin unserer Trekking Tour – Pema Tamang brachte uns noch einen Schal zum Abschied ins Hotel) wieder zum Flughafen.

 

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Mit dem Abflug ab Kathmandu am Sonntag, 11.11.2012 / 20.30 Uhr via Doha und der Ankunft an München am Montag, 12.11.2012 / 5.45 Uhr Ortszeit ging für uns einerseits eine Reise positiv zu Ende – andererseits wird sich durch das Kennenlernen des Kinderspitals und unseren weiteren Bemühen darum sicherlich eine neue „unendliche Geschichte“ eröffnen.

Zurück in der Heimat ist ein wichtiger weiterer Schritt getan – es wurde bereits ein Konto eröffnet:


Spendenkonto:
IBAN: AT793746800001445139
BLZ 37468
BIC: RVVGAT2B468
Name: Charity Verein "Let The Children Walk!"

 

Falls Sie, sehr geehrter Leser der AV Hohenems Notizen, eine Spende tätigen möchten, ist diese natürlich herzlich willkommen und wir danken im Namen der Kinder Nepals!



Für mehr Informationen lesen Sie gerne auf der Homepage: http://www.hrdcnepal.org/

 

 

Mit einem freundlichen Namaste,

 

Markus Grafl & Annette Stemmer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

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