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Das Helmhaus (Das Helmhaus)

Sillian Süd

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Das Helmhaus

Auszug aus unserer Alpenvereins-Chronik:

von Anton Sint, Gerhard Holzer, Benedikt Sauer

„Wegen Erbauung einer Unterkunftshütte am Helm“ und „Gründung einer eigenen Alpenvereins-Sektion“ lud am 1. August 1888 der damalige Bürgermeister Josef Schraffl (1855–1932), der bald als erster Obmann des Tiroler Bauernbundes (1904) und dann als Landeshauptmann (1917–1921) Karriere machen sollte, einen kleinen Kreis zu einem vorbereitenden Treffen. Neun Monate später, am 4. Mai 1889, wurde die Sektion im Gasthaus Strasser von 16 Personen ins Leben gerufen. Sieben Gründungsmitglieder, fast die Hälfte, waren Gastwirte – aus gutem Grund. Die Gründung der alpinen Vereine im 19. Jahrhundert ist eng mit dem wachsenden Tourismus in den Alpen verbunden, der in der Region nach Eröffnung der Bahnstrecke durch das Pustertal 1871 einen Boom erfuhr. Zu den ersten Ausschussmitgliedern der Sektion gehörten neben Bürgermeister Schraffl, selbst Gastwirt im Nebenberuf, auch die Wirte Josef Strasser und Josef Leiter sowie Peter Jesacher, der Besitzer des Nobelhotels Weitlanbrunn in Arnbach, eine der Topadressen für Kurgäste in der Monarchie mit eigener Bahnstation. Außerdem saßen im ersten Ausschuss der Kaufmann Josef Webhofer und der Bezirkrichter Josef Larcher, der erste Vorsitzende. In der Folge wechselten sich Jesacher, Webhofer und Leiter als Vorsitzende ab. Nach einem Jahr zählte der Verein 37 Mitglieder, im Jahr 1900 waren es 54.

Mit dem Bau der Bahnstrecke durch das Pustertal 1871 erfuhr  der Tourismus in den Alpen einen enormen Boom. Die Helmhütte, als touristischer Anziehungspunkt wurde nach 2-järhiger Bauzeit am 25. Juli 1891 im Beisein von etwa 100 Bergsteigern eröffnet.

Der Helm (2.433 m) war schon seinerzeit als „vorzüglicher Aussichtspunkt bei leichter Ersteiglichkeit... längst bekannt“, wie die Sektion Hochpustertal zu preisen wusste. Zur Bekanntheit verhalf auch ein um 1900 vom Oesterreichischen Touristen-Club Wien verlegtes „Panorama vom Helm“ im Taschenformat, das die zum Greifen nahen Sextener Dolomiten den bergbegeisterten „Städtern“ anschaulich vor Augen führte.

Sonnenuntergang bei der Helmhütte

Lage und Aussehen des Helmhauses waren eine Besonderheit. Die Hütte wurde direkt am Gipfel, in exponierter Lage errichtet, mit einem auffälligen architektonischen Merkmal: einer großen Dachterrasse aus Holz. Die Terrasse machte das Schutzhaus, das in erster Linie Tagesausflüglern diente, zu einer Aussichtsplattform.

Postkarte der alten Helmhütte

Lange blieb diese Attraktion jedoch nicht bestehen. Mit Beginn des ersten Weltkrieges im Herbst 1914 hatte die Hütte, in der 1913 noch 518 Personen nächtigten, als Unterkunft für Bergsteiger ausgedient. Bei Kriegsausbruch „wurde die Helmhütte von Oesterr. Truppen bzw. Gendarmerie in Besitz genommen, die Sektion Sillian hat seither kein Verfügungsrecht mehr“, heißt es im Protokollbuch des Vereins. Der Karnische Kamm wurde Kriegsfront. Der Krieg setzte dem Vereinsleben arg zu: „Die Mitglieder stehen meist in Kriegsdiensten und geben daher ihre Beiträge nicht ab, oder sind nicht erreichbar.“ Unter den sechs Pächtern, die bis Kriegsbeginn die Hütte bewirtschafteten, fällt der Sextner Bergführer Sepp Innerkofler auf, Erstbegeher der Kleinen-Zinne-Nordwand 1890. Er war Hüttenwirt am Helm von 1899−1900, zuvor Wirt der Dreizinnenhütte und kam als Standschütze im Juli 1915 am Paternkofel ums Leben.

Zu Kriegsende besetzten Alpinisoldaten den Helm. Zwar gelang es der Sektion Sillian, die Hütte nach Verhandlungen mit dem italienischen Militär zunächst wieder zu erhalten, doch nachdem am 26. 10. 1920 der Verlauf der neuen Staatsgrenze definitiv festgelegt war, stand das Helmhaus auf italienischem Boden und ging 1925 in italienischen Staatsbesitz über. Die Grenze verläuft seither entlang der nördlichen Hausmauer. Bis in die 1970er-Jahre diente die Hütte als Zollhaus, stand dann leer und verfiel. Seit 1999 gehört sie dem Land Südtirol. Mittlerweile gibt es Pläne der Sektionen Sillian und Drei Zinnen, die Ruine durch eine Aussichtsplattform zu ersetzen. Bei einem im Jahr 2007 vom  OeAV und dem Alpenverein Südtirol veranstalteten Wettbewerb wurde das Projekt von Johannes Watschinger aus Sexten als Siegermodell ausgewählt. Der Helm, höchster Punkt des Heimatsteiges und Ausgangspunkt des „Friedensweges – Via della Pace“, soll nach Verwirklichung dieses Projektes vom Tal aus gesehen seine einmalige Silhouette beibehalten. 

 Ruine "Helmhaus"