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Auf dem Weg zu umweltfreundlichen Touren (Berichte)

Auf dem Weg zu umweltfreundlichen Touren

Norman Schmid, Naturschutzreferent ÖAV St. Pölten

Mit dieser Information möchten wir euch dazu motivieren, die umweltfreundliche Anreise zu den Bergtouren bei der Planung mitzudenken und mitzuwirken, damit wir als Bergbegeisterte einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten können.

Wir gehen zunächst auf die Bedeutung des Klimaschutzes beim Österreichischen Alpenverein ein, danach wid die Treibhausgas-Bilanz des ÖAV St. Pölten zusammengefasst und anschließend präsentieren wir vier Beispiele mit öffentlicher Anreise zu Parade-Touren. 

Wir hoffen, dass wir damit Lust auf umweltfreundliche Touren machen können!

Klima- und Umweltschutz beim Österreichischen Alpenverein

Der Österreichische Alpenverein stellt mit seinen ca. 600.000 Mitgliedern eine wichtige Institution in Österreich dar und hat bereits 1927 Natur- und Umweltschutz und die Funktion als „Anwalt der Alpen“ festgeschrieben (Österreichischer Alpenverein, 2020). Er ist auch als eine der größten Umwelt-NGOs in Österreich anerkannt (Bundesministerium Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, 2021). In den vergangenen Jahren ist die Klimakrise auch verstärkt in den Fokus der Berichterstattung des Österreichischen Alpenvereins gerückt und es wurden bereits zahlreiche Nachhaltigkeits-Projekte umgesetzt (Ermacora, 2021). Aufbauend auf diesen erfolgreichen Initiativen ist es das Ziel, weitere Projekte voranzutreiben und langfristig zu implementieren. Durch die Multiplikator-Effekte der Funktionär*innen, Tourenführer*innen und Mitglieder kann es gelingen, den Weg in Richtung einer nachhaltigen Gesellschaft zu fördern.

Bei dieser Ausrichtung auf eine ökologische Nachhaltigkeit ist ein besonderer Fokus auf das Thema Mobilität zu lenken. Der Mobilitätssektor ist in Österreich für 30,1 % Prozent der Treibhausgase (inklusive Emissionshandel) verantwortlich und entgegen der nationalen Zielsetzungen ist in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme zu verzeichnen (Anderl et al., 2021).

Die Angebote der Sektionen des Österreichischen Alpenvereins bestehen zu einem wesentlichen Teil aus Vereinstouren, die über das ganze Jahr stattfinden. Die Anreise mit dem Verbrenner-PKW ist noch immer die Regel. Wenngleich die Touren standardmäßig in Fahrgemeinschaften stattfinden, müssen sich die Alpenvereins-Sektionen dennoch damit auseinandersetzen, dass es für den Klimaschutz unabdingbar ist, die Verkehrs-Emissionen zu senken. Die Verwendung des öffentlichen Verkehrs stellt noch die Ausnahme dar, wobei bislang genaue Daten fehlen. Die Potentiale an der Reduktion von Treibhausgasen im Rahmen der Vereinstouren sind als bedeutend einzuschätzen. Die Herausforderung besteht neben der Erhebung der CO2-Emissionen auch darin, die Funktionäre und Mitglieder in den Alpenvereins-Sektionen für die Umsetzung von umweltfreundlicher Mobilität zu motivieren und in der konkreten Umsetzung zu unterstützen.

Der Österreichische Alpenverein hat dem Thema Nachhaltigkeit die gesamte Ausgabe von Bergauf 4-2021 gewidmet. Andreas Ermacora als Präsident des ÖAV betont: „Wir widmen dieses Bergauf dem Thema Nachhaltigkeit. Wir wollen Beispiele geben, um jeden von euch aufzurütteln, auch einen Beitrag in diese Richtung zu leisten. … Deshalb wollen wir in möglichst vielen Bereichen die Themenführerschaft behaupten. Dies beginnt schon bei der Tourenplanung. Wir sollten danach trachten, Touren in unserem Umkreis durchzuführen, wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen oder Fahrgemeinschaften zu bilden“ (Ermacora, 2021, S. 3).

Dass es bei der Transformation der Mobilität bei Vereinstouren um eine gänzlich neue Herangehensweise geht, die mit starken Verhaltensänderungen einhergeht, wird vom Präsidenten des Schweizer Alpenclubs (SAC) betont: „Klimafreundliches Bergsteigen bedeutet u.a., dass wir mehr Zeit für die An- und Abreise brauchen und weniger kurzfristig planen und umplanen können. Bei schlechtem Wetter im Furkagebiet kurz entschlossen ins Auto hüpfen und nach Ponte Brolla fahren oder ähnliche Husarenstreiche werden über kurz oder lang nicht mehr vertretbar sein“ (Goerre, 2021, S. 15). Wobei hier zu ergänzen ist, dass angenommen werden kann, dass bei regelmäßiger Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel ebenfalls eine Routine bei der flexiblen Planung eintreten wird. Der Deutsche Alpenverein (DAV) geht noch einen Schritt weiter, und hat bei der Hauptversammlung vom 1.11.2021 eine Klimastrategie mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2030 beschlossen (Deutscher Alpenverein, 2021).

Treibhausgas-Bilanz ÖAV St. Pölten 2019

Die Sektion St. Pölten zählt zu den ersten drei ÖAV-Sektionen, bei denen eine Treibhausgas-Bilanz der Touren durchgeführt wurde. Wir zählen somit zu den Vorreitern in Österreich!

Im Tourenjahr 2019 (Sommer- und Winterprogramm) wurden von den geplanten 140 Touren tatsächlich 107 Touren durchgeführt. Die meisten waren Wanderungen, gefolgt von Skitouren.

Abbildung: Durchgeführte Touren der Sektion St. Pölten in 2019 nach Kategorien, n=107.zoom
Abbildung: Durchgeführte Touren der Sektion St. Pölten in 2019 nach Kategorien, n=107.

Die meisten Touren fanden mit PKW statt. Dabei wurden insgesamt 51.729 km zurückgelegt. Mit dem Zug wurden 1.450 km und mit dem Bus 479 km zurückgelegt.

Die Sektion St. Pölten hat im Jahr 2019 durch die An- und Abreise zu den Touren insgesamt 13 Tonnen CO2e-Emissionen verursacht. Die weitaus meisten Emissionen wurden durch PKW-Fahrten verursacht (12.8 Tonnen).

Abbildung: Zurückgelegte Gesamt-km nach Mobilitätsform und, Gesamtemissionen CO2e in kg nach Mobilitätsart (n=107).zoom
Abbildung: Zurückgelegte Gesamt-km nach Mobilitätsform und, Gesamtemissionen CO2e in kg nach Mobilitätsart (n=107).

Was bedeutet 1 Tonne CO2?

1 Tonne CO2 entspricht 500m³, das ist ca. das Volumen eines Einfamilienhauses.
Um 1 Tonne CO2 aufnehmen zu können, muss eine Buche 80 Jahre wachsen.
1 Tonne CO2 entspricht ca. 4900 km mit einem Mittelklasse-Benziner.

Der Durchschnitts-Bürger in Österreich verursacht mit seinem Lebensstil ca. 8 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Dabei sind die Emissionen durch die Produkte, die wir vom Ausland importieren, noch nicht mitgerechnet.

Beispiele für umweltfreundliche Anreise

An dieser Stelle werden für drei Paradetouren mit Treffpunkt St. Pölten die Möglichkeiten der öffentlichen Anreise der PKW- bzw. Kleinbus-Anreise gegenübergestellt. Als Touren wurden das Hochtor im Gesäuse, der Große Priel im Toten Gebirge, der Großvenediger in den Hohen Tauern und das Karwendel in Innsbruck ausgewählt. Auf den ersten Blick ist der zeitliche Aufwand mit Öffis bei allen drei Touren größer, jedoch beträgt der Unterschied im Wesentlichen nur die Zeit einer ausgiebigen Kaffeepause. So beträgt der Unterschied beim Hochtor 28 Minuten und beim Großen Priel 33 Minuten. Bei der Großvenediger-Tour beträgt der zeitliche Unterschied circa eine Stunde. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei der Fahrtzeit mindestens eine Pause aus Gründen der Gesundheit und Konzentration erforderlich ist. Wenn diese 30 Minuten beträgt, dann schrumpft der Zeitunterschied auf eine halbe Stunde. Bei einer Anreise von circa fünf Stunden ist dies vernachlässigbar. Die Vorteile einer entspannteren Anreise und der Möglichkeit des Austausches in der Gruppe, um nur zwei zu nennen, wurden dabei noch nicht berücksichtigt. Bei der Tour im Karwendel ist die Bahn sogar schneller als die Autofahrt!

Die Vorteile für den Klimaschutz sind bei öffentlicher Anreise beträchtlich. Bei der Tour zum Großvenediger kann fast 469kg CO2e-Emissionen, als fast ½ Tonne, eingespart werden, wenn man die Anreise mit drei PKW durch die Anreise mit Zug und Taxibus für die letzte Meile vergleicht!

Diese Beispiele sollen die eindrucksvollen Möglichkeiten auf dem Weg zur Klimaneutralität der Alpenvereinstouren aufzeigen und dazu motivieren, dass sowohl beim Tourenprogramm der Sektionen als auch bei den Privattouren das Klima und die Umwelt mitgedacht werden.

Die Berechnung der CO2e-Emissionen erfolgte anhand der Daten des Umweltbundesamtes, wobei die direkten und indirekten Emissionen berücksichtigt wurden (Umweltbundesamt Österreich, 2021). Dabei wurden für Fahrten mit dem PKW zwei oder drei Fahrzeuge beziehungsweise ein Kleinbus angenommen. Die CO2e-Emissionen der ÖBB wurden mit 12,6 g CO2e pro Personen-Kilometer berechnet (vgl. Kapitel 7.1.2). Das liegt zum einen an den direkten Emissionen, die entstehen, da das Streckennetz der ÖBB nach dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht nicht vollständig, sondern zu 74% elektrifiziert ist. Einige Lokalbahnen sind noch nicht elektrifiziert, wie zum Beispiel die Pinzgaubahn von Zell am See nach Wald, die man für die Anreise zum Großvenediger benötigt. Die ÖBB hat das Ziel, den Anteil der Elektrifizierung bis 2035 auf 90 Prozent zu steigern (ÖBB, 2020). Aber auch die indirekten Emissionen durch die Herstellung der Infrastruktur tragen zu THG-Emissionen bei und werden bei dieser Berechnung mitkalkuliert.

Die Kilometer-Entfernungen und Zeitangaben wurden mit Google Maps berechnet und vereinfacht auch für die Bahn übernommen. Die Bahnverbindungen wurden mit der App ÖBB Scotty mit Stand 8.1.2022 kalkuliert (ÖBB, n.d.-a).

Gesäuse – Hochtor (2369m):

Das Gesäuse in der Obersteiermark ist eine Gebirgsgruppe mit landschaftlich eindrucksvoller Kulisse und einer vielfältigen Tourenauswahl von einfachen Familientouren bis zu anspruchsvollsten alpinen Kletterrouten. Besonders vor dem Boom des motorisierten Individualverkehrs war es Standard mit dem Zug von Wien und anderen Städten zum Gesäuse anzureisen.

Auch für die Sektion St. Pölten zählt das Gesäuse zu den Top-Destinationen über das gesamte Jahr hinweg. An dieser Stelle wurde die Anreise von St. Pölten nach Gstatterboden im Gesäuse berechnet.

Tabelle: Vergleich der Anreise für die Tour Hochtor (Pkm = Personenkilometer, Fzkm = Fahrzeugkilometer)

 Bahn PKW, Kleinbus
Anreise St. Pölten Hbf – Gstatterboden Bhf, 1x umsteigen
St. Pölten P+R nach Gstatterboden
km 141 km
141 km
Zeit eine Richtung 2:17 Std. (7:30-9:47)
1:49 Std.
Gesamt km hin-retour Bahn 282 km
PKW 282 km
CO2e-EmissionenBahn:

282 km x 12,6 g CO2e/Pkm* 8 Personen (entspricht 2 PKW) = 28,4 kg CO2e

282 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 12 Personen (entspricht 3 PKW) = 42,6 kg CO2e
2 PKW:

282 km * 247,7 g CO2e/Fzkm * 2 = 139,7 kg CO2e

3 PKW:
282 km * 247,7 g CO2e/Fzkm * 3 = 209,6 kg CO2e

Kleinbus:
282 km * 346,8 g CO2e/Fzkm = 97,8 kg CO2e

Wie man erkennen kann, beträgt der zeitliche Unterschied der Anreise zwischen Bahn und PKW nur 28 Minuten, die man im Zug bequem beim Plaudern, einem zweiten Frühstück oder dem Vorbereiten der Tour nutzen kann. Die CO2e-Emissionen, die man mit öffentlicher Anreise einspart, betragen für acht Personen 69,4 kg CO2e wenn ein Kleinbus berechnet wird, bei zwei PKW 111,3 kg CO2e und bei drei PKW (12 Personen) 167 kg CO2e.

Totes Gebirge - Großer Priel (2515m)

Das Tote Gebirge ist ein mächtiger Kalkstock, der sich über die Bundesländer Oberösterreich und Steiermark erstreckt. Wie der Name bereits vermuten lässt, besteht das Tote Gebirge aus Kalk und weist entsprechend bizzare Felsformationen auf, die im Sommer zu Kletter- oder Klettersteigtouren einladen und im Winter zu eindrucksvollen Skitouren in wildromantischer Umgebung.

Tabelle1: Vergleich der Anreise für die Tour Großer Priel (Pkm = Personenkilometer, Fzkm = Fahrzeugkilometer)


BahnPKW, Kleinbus
AnreiseSt. Pölten Hbf – Hinterstoder Bhf, 1x umsteigen, weiter mit Taxibus zu Parkplatz SchiederweiherSt. Pölten P+R zu Parkplatz Schiederweiher
km179 km190 km
Zeit eine Richtung

Bahn: 1:56 (7:00-8:56)
Taxibus: 17min
Gesamt: 2:13 Std.

1:40 Std.
Gesamt km hin-retour

Zug 358 km
Taxibus 26km

PKW 380 km
CO2e-Emissionen

Bahn:
358 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 8 Personen (entspricht 2 PKW) = 36,1 kg CO2e

358 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 12 Personen (entspricht 3 PKW) = 54,1 kg CO2e

Taxibus:
26 km * 346,8 g CO2e/Fzkm = 9 kg CO2e

Gesamt 8 Personen: 45,1 kg CO2e

Gesamt 12 Personen: 63,1 kg CO2e

2 PKW:
380 km * 247,7 g CO2e/Fzkm * 2 = 188,3 kg CO2e

3 PKW:
380 km * 247,7 g CO2e/Fzkm * 3 = 282,4 kg CO2e

Kleinbus:
380 km x 346,8 g CO2e/Fzkm = 131,8 kg CO2e

Der gesamte Zeitunterschied zwischen Bahn und PKW beträgt 33 Minuten. Die Anreise mit der Bahn nach Hinterstoder Bahnhof in St. Pankraz muss noch mit einem Taxibus-Transfer zum Ausgangspunkt beim Parkplatz Schiederweiher kombiniert werden. Wie man erkennt, trägt dieser Transfer aber nur zu 9 kg CO2e bei. Die Ersparnis an Emissionen durch die Bahnfahrt beträgt für acht Personen 86,7 kg CO2e im Vergleich zu einem Kleinbus, 143,2 CO2e, wenn zwei PKW berechnet werden und 219,3 kg CO2e, wenn drei PKW (12 Personen) berechnet werden.

Großvenediger Durchquerung (bis 3647m):

Die Ski-Hochtouren Durchquerung der Venedigergruppe mit Besteigung des Großvenedigers (3647m) zählt zu den eindrucksvollsten und auch anspruchsvollsten Unternehmungen im Winter-Tourenprogramm des ÖAV St. Pölten. Von St. Pölten (und Wien) aus ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ganz einfach, da mit mehreren Umstiegen verbunden. Bis Zell am See ist die Bahnverbindung relativ rasch, danach lädt die Pinzgaubahn zum Entschleunigen ein. Ab Mittersill gibt es zwar einen Bus nach Matrei, jedoch ist eine Wartezeit von 1,5 Stunden erforderlich, wenn man um 7:00 Uhr in St. Pölten startet. Als Alternative bietet sich ein Taxibus an, der in beide Richtungen nur 27 kg CO2e verursacht. Wie bei jeder Streckentour bietet sich auch bei der Venedigerdurchquerung die Verwendung von Bahn und Taxibus an.

Tabelle: Vergleich der Anreise für die Tour Venedigerdurchquerung (Pkm = Personenkilometer, Fzkm = Fahrzeugkilometer).


BahnPKW, Kleinbus
AnreiseSt. Pölten Hbf – Mittersill Bhf, 3x umsteigen, weiter mit Taxibus nach Prägraten am GroßvenedigerSt. Pölten P+R nach Prägraten am Großvenediger
km

Anreise: Bahn und Taxibus Mittersill nach Prägraten: 52 km

Abreise: Taxibus von Matreier Tauernhaus nach Mittersill: 26 km und dann Bahn

Gesamt Taxibus: 78 km

Anreise: St. Pölten – Matreier Tauernhaus: 386 km, mit Taxibus von Matreier Tauernhaus nach Prägraten: 29 km

Abreise: Mit PKW von Matreier Tauernhaus nach St. Pölten: 386 km

Zeit eine Richtung

Bahn: 4:47 Std. (7.00-11:47)
Taxibus: 46 min
Gesamt: 5:33 Std

4:28 Std.
Gesamt km hin-retour

Bahn 720 km
Taxibus 78 km

PKW 772 km
Taxibus 29 km

CO2e-Emissionen




Bahn:
720 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 8 Personen (entspricht 2 PKW) = 72,6 kg CO2e

720 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 12 Personen (entspricht 3 PKW) = 108,9 kg CO2e

Taxibus:
78 km x 346,8 g CO2e/Fzkm =27 kg CO2e

Gesamt 8 Personen: 99,6 kg CO2e

Gesamt 12 Personen: 135,9 kg CO2e

2 PKW:
772 km (PKW) * 247,7 g CO2e/Fzkm * 2 = 382,4 kg CO2e

+ 29 km (Taxibus) x 346,8 g CO2e/Fzkm = 10,1 kg CO2e = 392,5 kg CO2e

3 PKW:
772 km (PKW) * 247,7 g CO2e/Fzkm * 3 = 573,7 kg CO2e + 29 km (Taxibus) x 346,8 g CO2e/Fzkm = 10,1 kg CO2e = 583,8 kg CO2e

Kleinbus:
772 km x 346,8 g CO2e/Fzkm = 267,7 kg CO2e + 29 km (Taxibus) x 346,8 g CO2e/Fzkm = 10,1 kg CO2e = 277,8 kg CO2e

Der Zeitunterschied von circa einer Stunde wird dadurch relativiert, dass bei der PKW-Anreise mindestens eine Pause erforderlich ist. Damit bewegen wir uns wieder bei einer tatsächlichen Differenz von ca. 30 Minuten, die wir bereits bei den anderen Touren festgestellt haben. Die Ersparnis an Emissionen beträgt bei der öffentlichen Anreise mit acht Personen 178,2 kg CO2e, wenn bei der Vergleichsrechnung ein Kleinbus herangezogen wird, 292,9 kg CO2e bei zwei PKW (8 Personen) und stattliche 447,9 kg CO2e bei drei PKW (12 Personen).

Karwendel – Innsbrucker Klettersteig (bis 2480m):

Die Nordkette als Teil des Karwendel thront majestätisch über Innsbruck und bietet eindrucksvolle Tiefblicke auf die Stadt und Ausblicke zum Alpenhauptkamm. Es bieten sich vielfältige Touren im gesamten Jahresverlauf an. Im Sommer locken vor allem die Klettersteige und Kletterrouten die Bergsteiger. Der Innsbrucker Klettersteig ist mit der Bewertung C/D anspruchsvoll, für routinierte Bergsteiger*innen aber gut machbar, vor allem mit Unterstützung der Nordkettenbahn zum Hafelekar. Während die Nordkette für die Kolleg*innen aus Innsbruck zu den Hausbergen zählt, ist sie für die Sektionen aus dem Osten durchaus exotisch und mit einer weiten Anreise verbunden. An dieser Stelle wird die Anreise von St. Pölten aus berechnet. Von Wien aus sind zusätzlich 28 Minuten Fahrzeit bzw. 67 Kilometer zu veranschlagen. Das geniale an dieser Tour ist die Tatsache, dass der Ausgangspunkt der Tour beim Bahnhof Innsbruck liegt (Anreise ohne Umsteigen). Man wandert bequem durch die Stadt, genießt vielleicht noch einen Cappuccino, bevor man sich an den Aufstieg macht.

Tabelle 2 Vergleich der Anreise für die Tour Karwendel (Pkm = Personenkilometer, Fzkm = Fahrzeugkilometer).


BahnPKW, Kleinbus
AnreiseSt. Pölten Hbf – Innsbruck HbfSt. Pölten P+R nach Innsbruck Hbf
km

418 km

418 km
Zeit eine Richtung

3:44 Std. (z.B. 6:00-9:44)

3:54 Std.
Gesamt km hin-retour

Bahn 836 km

PKW 836 km

CO2e-Emissionen




Bahn:
838 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 8 Personen (entspricht 2 PKW) = 84,3 kg CO2e

720 km x 12,6 g CO2e/Pkm * 12 Personen (entspricht 3 PKW) = 126,4 kg CO2e

2 PKW:
838 km (PKW) * 247,7 g CO2e/Fzkm * 2 = 414,2 kg CO2e

3 PKW:
838 km (PKW) * 247,7 g CO2e/Fzkm * 3 = 621,2 kg CO2e

Kleinbus:
838 km x 346,8 g CO2e/Fzkm = 289,9 kg CO2e


Bei diesem Tourenvergleich ist die Bahn der klare Sieger sowohl bei den Emissionen als auch bei der Fahrzeit. Auch bei optimalen Bedingungen auf der Autobahn dauert die Anreise mit PKW um mindestens 10 Minuten länger (Parkplatzsuche noch nicht mitgerechnet). Die Bilanz der Treibhausgase spricht auch eine deutliche Sprache. Wird ein Kleinbus verwendet, beträgt der Unterschied 205,7 kg CO2e, bei 8 Personen mit zwei PKW ist mit der Bahn eine Reduktion von 329,9 kg CO2e vorhanden, bei 12 Personen mit drei PKW sind es 494,8 CO2e.

Wenn man die ÖBB Hauptstrecken, wie nach Innsbruck, benutzt, die zu 100% mit nachhaltigem Strom betrieben werden (ÖBB, n.d.-b), wird der Unterschied noch deutlicher.

Diese Tourenbeispiele sollen aufzeigen, dass der Umstieg auf öffentliche Anreise bei vielen Touren gut machbar ist und mit einem überschaubaren Mehraufwand verbunden ist. Der Nutzen durch den Schutz des Klimas und der Umwelt wiegt deutlich stärker, und der ÖAV kann seiner Vorbildwirkung als Umweltschutzverein noch stärker nachkommen.

Wir hoffen, dass diese Zusammenstellung für euch hilfreich ist und würden uns freuen, wenn wir dadurch umweltfreundliche Touren anregen können.

Wir freuen uns über Rückmeldungen, Anregungen und auch die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Umwelt und Nachhaltigkeit des ÖAV St. Pölten.

Literatur:

Anderl, M., Bartel, A., Geiger, K., Gugele, B., Gössl, M., & Wieser, M., & Zechmeister, A. (2021). Klimaschutzbericht 2021. Wien. Retrieved from https://www.umweltbundesamt.at/

Deutscher Alpenverein. (2021). DAV-Hauptversammlung beschließt Klimaneutralität bis 2030. Retrieved February 19, 2022, from https://www.alpenverein.de/natur/nachhaltigkeit-und-klimaschutz/dav-hauptversammlung-beschliesst-klimaneutralitaet-bis-2030_aid_37577.html

Ermacora, A. (2021). Nachhaltigkeit leben. Bergauf, 04.

Georre, S. (2021). Kälte kann ein Problem sein, zuwenig Kälte auch. Berg und Steigen, 117(15).

Bundesministerium Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, I. und T. (2021). Liste der anerkannten Umweltorganisationen. Retrieved October 10, 2021, from https://www.bmk.gv.at/dam/jcr:8bbd82cb-335d-49a8-91c7-b5a2b8a67581/201214_Liste-anerkannter-Umweltorganisationen.pdf

Österreichischer Alpenverein. (2020). Wege ins Freie, Jahresbericht 2019. Retrieved May 25, 2021, from https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/docs/service/JB_2019_ebook.pdf

Umweltbundesamt Deutschland. (2021a). Emissionen des Verkehrs. Retrieved February 9, 2022, from https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissionen-des-verkehrs#pkw-fahren-heute-klima-und-umweltvertraglicher

Klima- und umweltfreundliche Bergtouren

Dr. Norman Schmid - Umwelt- und Naturschutzbeauftragter

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Die Bedeutung von Umweltschutz hat beim Österreichischen Alpenverein einen hohen Stellenwert. Durch die Klimakrise wird uns deutlich vor Augen geführt, dass Klimaschutz und Umweltschutz untrennbar miteinander verbunden sind. Wir lesen viel vom 1,5° Ziel, das wir nicht überschreiten sollten. Was bedeutet das aber konkret? Es ist bereits jetzt eine globale Temperaturerhöhung von 1,1°C gegeben, im Alpenraum mit 2,3°C im Zeitraum 1768-2016 noch deutlich mehr. Wir erleben dies auch durch das rapide Abtauen der Gletscher, Starkregenereignisse mit Murenabgängen und Überflutungen. Das führt auch im Bergsport zu problematischen Konsequenzen. Touren im hochalpinen Gelände werden durch vermehrten Steinschlag und Spaltengefahr deutlich schwieriger, die Wegeerhaltung auch bei den Wegen der Sektion St. Pölten erfordert mehr (ehrenamtlichen) Arbeitseinsatz. Und nicht zuletzt führen Extremwetterereignisse zu kostenintensiven Schäden an den Hütten, die im Gebirge deutlich exponierter sind.

Mit Beginn der Wintersaison wird uns auch wieder vor Augen geführt, wie der Temperaturanstieg zu einer Verlagerung der Schneefallgrenze geführt hat. Das betrifft uns in Niederösterreich ganz besonders, da die meisten Touren auf einer niedrigen Seehöhe beginnen. Touren wie am Muckenkogel oder Tirolerkogel über das Sterngassl sind nur mehr an wenigen Tagen im Winter als Skitour begehbar (außer man verwendet „Stoaski“). Das Ausweichen in höhere Lagen ist bei Tagestouren nur mit deutlich längeren Fahrtzeiten möglich. Aber selbst ab 1.000 m Seehöhe ist keineswegs eine stabile Schneedecke garantiert. Vor einigen Jahren mussten Martin Drachsler und ich ein geplantes Skitourenwochenende Anfang März in Oppenberg, das bislang als schneesicher galt, kurzerhand ins Großarltal nach Salzburg verlegen. Doch selbst dort mussten wir die Ski bis zu einer Stunde hinauftragen.

Was können wir als Alpenverein St. Pölten also tun, um einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten? Im Bereich unserer vier Hütten können wir zu Recht stolz darauf sein, dass zwei Hütten (St. Pöltner Hütte, Otto Kandler-Haus) mit dem anspruchsvollen Umweltgütesiegel ausgezeichnet wurden. Der zweite große Posten beim Umweltmanagement der Sektion ist das Tourenprogramm. Im Rahmen einer groß angelegten Studie des ÖAV zum Thema umweltfreundliche Mobilität, bei der ich als Projektleiter tätig bin, haben wir das Tourenprogramm 2019 (vor der Pandemie) untersucht. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass wir mit unseren ca. 110 Touren pro Jahr in Bezug auf die relativ kleine Sektionsgröße (Mitgliederanzahl) überdurchschnittlich viele Touren anbieten. Wir haben somit ein außerordentlich motiviertes TourenführerInnen-Team! Auf der anderen Seite führt dies natürlich zu vielen Fahrkilometern. In Summe waren dies 2019 20.454 km. Davon wurden 75% mit dem (Verbrenner-) PKW zurückgelegt. Aber immerhin 25% umweltfreundlich mit Zug (20%), Bus (3,7%) und Rad (1%). Umgerechnet in CO2-Emissionen ergibt dies 4,9 Tonnen CO2, die pro Jahr emittiert werden. Positiv zu werten sind die Fahrgemeinschaften, die im Schnitt eine Auslastung von ca. 3 Personen pro PKW ergaben.

Wir haben uns als Aufgabe gestellt, die An- und Abreise zu den Touren noch umweltfreundlicher zu gestalten. Als eine Maßnahme versuchen wir, die Anreise mit dem Zug zu fördern. Dies ist besonders bei weiter entfernten Touren (z.B. Totes Gebirge, Hohe Tauern) eine interessante Alternative, die neben dem Klimaschutz auch andere Vorteile aufweist. Die Anreise ist entspannter, die Gruppe kann sich besser kennenlernen, es können Vorbesprechung oder z.B. Knotenkunde durchgeführt werden, es gibt keine Staugefahr und entlang der Westbahn-Verbindung ist der zeitliche Mehraufwand begrenzt. Bei Überschreitungen ist die Öffi-Anreise zudem nochmals interessanter, fällt doch die Koordination mit Rückfahrt zum Ausgangspunkt weg.

Weitere Maßnahmen, die wir in unserer Arbeitsgruppe Umwelt und Nachhaltigkeit (Evelyne Mogg, Philipp Kadlec, Reinhard Wilthaner, Norman Schmid) überlegt haben, ist die sorgfältigere Auswahl der Tourenziele. So ist es nicht immer notwendig, weit zu fahren, um tolle Bergerlebnisse zu haben, manchmal sind unbekannte Touren in der näheren Umgebung genauso spannend. Bei längerer Anreise (ab 1 Stunde) ist auch zu überlegen, vor Ort zu übernachten und zwei Touren zu kombinieren. Wir werden in der nächsten Zeit vermehrt Touren zusammenstellen, die diesen Kriterien Rechnung tragen und diese dann nicht nur im Tourenprogramm anbieten, sondern auch über die Homepage und den Newsletter (bitte anmelden!) zur Verfügung stellen. Wir hoffen, dass Sie/Ihr einige dieser Anregungen auch für eigene Touren mitnehmen können und freuen uns über Anregungen und Tipps zu Klima- und Umweltschutz!

 
 
 
 

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