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Klima- und umweltfreundliche Bergtouren (Berichte)

Klima- und umweltfreundliche Bergtouren

Dr. Norman Schmid - Umwelt- und Naturschutzbeauftragter

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Die Bedeutung von Umweltschutz hat beim Österreichischen Alpenverein einen hohen Stellenwert. Durch die Klimakrise wird uns deutlich vor Augen geführt, dass Klimaschutz und Umweltschutz untrennbar miteinander verbunden sind. Wir lesen viel vom 1,5° Ziel, das wir nicht überschreiten sollten. Was bedeutet das aber konkret? Es ist bereits jetzt eine globale Temperaturerhöhung von 1,1°C gegeben, im Alpenraum mit 2,3°C im Zeitraum 1768-2016 noch deutlich mehr. Wir erleben dies auch durch das rapide Abtauen der Gletscher, Starkregenereignisse mit Murenabgängen und Überflutungen. Das führt auch im Bergsport zu problematischen Konsequenzen. Touren im hochalpinen Gelände werden durch vermehrten Steinschlag und Spaltengefahr deutlich schwieriger, die Wegeerhaltung auch bei den Wegen der Sektion St. Pölten erfordert mehr (ehrenamtlichen) Arbeitseinsatz. Und nicht zuletzt führen Extremwetterereignisse zu kostenintensiven Schäden an den Hütten, die im Gebirge deutlich exponierter sind.

Mit Beginn der Wintersaison wird uns auch wieder vor Augen geführt, wie der Temperaturanstieg zu einer Verlagerung der Schneefallgrenze geführt hat. Das betrifft uns in Niederösterreich ganz besonders, da die meisten Touren auf einer niedrigen Seehöhe beginnen. Touren wie am Muckenkogel oder Tirolerkogel über das Sterngassl sind nur mehr an wenigen Tagen im Winter als Skitour begehbar (außer man verwendet „Stoaski“). Das Ausweichen in höhere Lagen ist bei Tagestouren nur mit deutlich längeren Fahrtzeiten möglich. Aber selbst ab 1.000m Seehöhe ist keineswegs eine stabile Schneedecke garantiert. Vor einigen Jahren mussten Martin Drachsler und ich ein geplantes Skitourenwochenende Anfang März in Oppenberg, das bislang als schneesicher galt, kurzerhand ins Großarltal nach Salzburg verlegen. Doch selbst dort mussten wir die Ski bis zu einer Stunde hinauftragen.

Was können wir als Alpenverein St. Pölten also tun, um einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz zu leisten? Im Bereich unserer vier Hütten können wir zu Recht stolz darauf sein, dass zwei Hütten (St. Pöltner Hütte, Otto Kandler-Haus) mit dem anspruchsvollen Umweltgütesiegel ausgezeichnet wurden. Der zweite große Posten beim Umweltmanagement der Sektion ist das Tourenprogramm. Im Rahmen einer groß angelegten Studie des ÖAV zum Thema umweltfreundliche Mobilität, bei der ich als Projektleiter tätig bin, haben wir das Tourenprogramm 2019 (vor der Pandemie) untersucht. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass wir mit unseren ca. 110 Touren pro Jahr in Bezug auf die relativ kleine Sektionsgröße (Mitgliederanzahl) überdurchschnittlich viele Touren anbieten. Wir haben somit eine außerordentlich motiviertes Tourenführer:innen-Team! Auf der anderen Seite führt dies natürlich zu vielen Fahrkilometern. In Summe waren dies 2019 20.454 km. Davon wurden 75% mit dem (Verbrenner-) PKW zurückgelegt. Aber immerhin 25% umweltfreundlich mit Zug (20%), Bus (3,7%) und Rad (1%). Umgerechnet in CO2-Emissionen ergibt dies 4,9 Tonnen CO2, die pro Jahr emittiert werden. Positiv zu werten sind die Fahrgemeinschaften, die im Schnitt eine Auslastung von ca. 3 Personen pro PKW ergaben.

Wir haben uns als Aufgabe gestellt, die An- und Abreise zu den Touren noch umweltfreundlicher zu gestalten. Als eine Maßnahme versuchen wir, die Anreise mit dem Zug zu fördern. Dies ist besonders bei weiter entfernten Touren (z.B. Totes Gebirge, Hohe Tauern) eine interessante Alternative, die neben dem Klimaschutz auch andere Vorteile aufweist. Die Anreise ist entspannter, die Gruppe kann sich besser kennenlernen, es können Vorbesprechung oder z.B. Knotenkunde durchgeführt werden, es gibt keine Staugefahr und entlang der Westbahn-Verbindung ist der zeitliche Mehraufwand begrenzt. Bei Überschreitungen ist die Öffi-Anreise zudem nochmals interessanter, fällt doch die Koordination mit Rückfahrt zum Ausgangspunkt weg.

Weitere Maßnahmen, die wir in unserer Arbeitsgruppe Umwelt und Nachhaltigkeit (Evelyne Mogg, Philipp Kadlec, Reinhard Wilthaner, Norman Schmid) überlegt haben, ist die sorgfältigere Auswahl der Tourenziele. So ist es nicht immer notwendig, weit zu fahren, um tolle Bergerlebnisse zu haben, manchmal sind unbekannte Touren in der näheren Umgebung genauso spannend. Bei längerer Anreise (ab 1 Stunde) ist auch zu überlegen, vor Ort zu übernachten und zwei Touren zu kombinieren. Wir werden in der nächsten Zeit vermehrt Touren zusammenstellen, die diesen Kriterien Rechnung tragen und diese dann nicht nur im Tourenprogramm anbieten, sondern auch über die Homepage und den Newsletter (bitte anmelden!) zur Verfügung stellen. Wir hoffen, dass Sie/Ihr einige dieser Anregungen auch für eigene Touren mitnehmen können und freuen uns über Anregungen und Tipps zu Klima- und Umweltschutz!

 
 
 
 

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