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Reise nach Bosnien mit dem Verein Kontakt BiH-Salzburg (Reise nach Bosnien mit dem Verein Kontakt BiH-Salzburg)

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Reise nach Bosnien mit dem Verein Kontakt BiH-Salzburg

Izet, der Organisator der Bosnienreise bittet um Rückmeldungen, wie es uns gefallen hat. Sehr gerne komme ich dieser Bitte nach, denn Izet ist der beste Reiseorganisator, den man sich nur vorstellen kann. Izet und Suljo haben ein perfektes Programm auf die Beine gestellt, das jedem Mitreisenden seinen individuellen Gestaltungsspielraum geboten und auch uns nicht-Bosniern tiefe Einblicke in ein so vielgesichtiges Land ermöglicht hat.

Reflexionen zur Reise nach Bosnien mit dem Verein Kontakt BiH-Salzburg

Reisen ist Begegnung mit dem Unbekannten. Nicht an der Qualität von Hotelzimmern, sondern an der Qualität und Tiefe eben dieser Begegnungen mit Land und Leuten orientiert sich auch meine persönliche Messlatte für Reisebewertungen. Gleich vorweg: die Bosnienreise ist dabei eindeutig in meinem Highscore gelandet. Zur Illustration einige Blitzlichter.

Treffpunkt: um Mitternacht am Busparkplatz. Eine Reise mit einem Reisebus ist das letzte, was ich freiwillig tun würde. Doch dies hier ist anders. Im Bus gehören wir vier Ösis eindeutig zur Minderheit. Mit Balkan-Pop im Ohr, einer Runde des himmlischen Sliwowitzes von Izet und fröhlichem Geplauder aus dem vorderen Busteil geht es durch die Nacht. Als in den frühen Morgenstunden unsere Pässe kontrolliert werden, sind unsere Herzen sind schon längst in Bosnien angekommen.

Ein bosnisches Wort werde ich mir bestimmt für immer merken: „Slika“. Ich weiß nicht, wie oft ich auf dieser Reise in die Handy-Kamera eines Mitreisenden gelächelt habe. Über Tausend Fotos wurden noch während der Reise auf Whatsapp geteilt. Bergfotos, Blumen, Natur, Wasserfälle, beim Raften, beim Schwimmen, beim Essen, beim Wandern, vor Karstquellen, auf Brücken, mit Nonnen, und natürlich auch mit Titos Konterfei. Doch kein einziges Foto mit dem Bild, das den stärksten Eindruck bei mir hinterlassen hat: Wohnhäuser, ganze Stadtviertel, die 30 Jahre nach dem Krieg immer noch durchsiebt sind mit den Einschusslöchern der Gewehrsalven und Granaten.

Wir raften auf der Neretva. Das ist ein doppelt schönes Erlebnis. Erstens, eine bezaubernde Flusslandschaft, wie es sie bei uns nicht mehr gibt und zweitens der freundliche Guide, der nichts der aufgesetzten Attitüden österreichischer Skilehrer an sich hat. In Bosnien ist die Natur noch wild und der Tourismus noch nicht zur Industrie verkommen. Doch leider wird auch hier die Schlucht einem Kraftwerk geopfert. Der Mensch hat das Maß verloren.

Am Busfenster zieht die immer mediterraner werdende Landschaft vorbei. Entlang der Straße nach Mostar sind kleine umzäunte Äcker zu sehen. Fast jedes Haus hat auch einen Acker. Meist sind es Frauen, die in gebückter Haltung mit ihren Händen pflanzen, graben oder jäten. Daneben weiden oft noch ein paar Schafe, Kühe gibt es kaum. Ich denke an unser Kräuterbeet und die fünf Hühner daheim. Was für uns eine Entscheidung für ein bewussteres und nachhaltigeres Leben war, ist hier Notwendigkeit.

Die Silhouette der bezaubernden Stadt Mostar wird von einer hässlichen katholischen Kirche geprägt. Der riesige Kirchturm ist aus billigem Beton und passt gar nicht zum Gebäude. Ebenso wie das überdimensionale Gipfelkreuz am Hausberg ist es nichts als eine plumpe Macht-Demonstration. Sie steht im krassen Gegensatz zu den zierlichen Minaretten der liebevoll renovierten alten Moscheen. Als eine (Ex-)Katholikin schäme ich mich. Die serbisch-orthodoxe Kirche steht direkt neben unserem edlen Hotel. Außen wirkt sie wie eine große Wallfahrtskirche, erst ein Blick ins leere Innere verrät, dass sie kürzlich neu aufgebaut wurde. Der alte orthodoxe Friedhof neben der Kirche ist heute hinter dem Hotel versteckt und musste diesem wohl teilweise weichen.

Unser Reiseführer in Mostar ist im Hauptberuf Lehrer. Er erzählt, dass die Kinder in getrennten Schulen mit unterschiedlichen Lehrplänen unterrichtet werden: orthodoxe Bosnier nach dem serbischen, katholische Bosnier nach dem kroatischen und Bosniaken nach ihrem eignen Lehrplan. Die Antwort, warum denn das so sei, war ein seufzendes: „Politiker…“. Nicht nur mich bewegt die Vorstellung, was sein wird, wenn diese Kinder einmal erwachsen sind. Wie kann die Spaltung überwunden werden? Auf der Heimreise organisiert Izet eine informelle Wahl: auf dem Wahlzettel stehen ein nationalistischer Bosniake, sowie links-gerichtete Vertreter der anderen Volksgruppen. Es gewinnt die Hoffnung: die Bosniaken im Bus wählen mit großer Mehrheit einen serbischen Bosnier, der für Integration steht. Die echten Wahlen sind im Herbst. Ich drücke fest die Daumen.

Über die Tage ergeben sich immer wieder Gelegenheiten für Gespräche. Erinnerungen an den Krieg, persönliche Schicksale, Anfeindungen in der neuen Heimat. Gesegnet jeder, der so etwas nicht erleben muss. Auch wenn solch schwermütige Gedanken immer ein bisschen mitschwingen, die bosnische Lebenslust ist stets greifbar: jemand macht Spaß, ein anderer greift’s auf und der halbe Bus lacht. Auch wenn wir die Worte nicht verstehen, lassen wir uns gerne von der offenherzigen Fröhlichkeit anstecken.

Der Verein „Kontakt BiH-Salzburg“ macht seinem Namen alle Ehre. Vielen Dank, dass wir mit euch in eure alte Heimat reisen durften! Ich habe viel gelernt über das so reichhaltige, schwierige, schöne Land.

Bericht: Gudrun Wallentin
Fotos: Verein Kontakt BiH-Salzburg

 
 
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