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Am Weg nach Oben – Bergfahrten in Zeiten von Nachhaltigkeit und Covid (Am Weg nach Oben – Bergfahrten in Zeiten von Nachhaltigkeit und Covid)

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Am Weg nach Oben – Bergfahrten in Zeiten von Nachhaltigkeit und Covid

Magdalena Schimke

Heinrich Hackel und Johann Stüdl sind den meisten Lesern wohl ein Begriff: Die beiden waren nicht nur Bergpioniere, sondern auch Mitbegründer des Deutschen bzw. Österreichischen Alpenvereins und zudem gute Freunde. Durch die Dr. Heinrich-Hackel-Hütte im Tennengebirge (Bild 1) und die Johann-Stüdl-Hütte am Fuße des gleichnamigen Grats am Glockner sind sie nach wie vor vielen Alpinisten aller Generationen ein Begriff. Das Buch „Meine Berge, mein Leben“ von Heinrich Hackel beschreibt die damalige Situation der beiden Bergsteiger sehr anschaulich. Dieses Buch erzählt aber auch davon, wie Heinrich Hackel eines Tages im späten 19. Jahrhundert, sich auf die Reise macht zu seiner Glockner-Erstbesteigung im Zuge derer sich ihre Bekanntschaft ergab. Vom Grundlsee über Salzburg nach Zell am See zu Fuß nach mehrfachem Umsteigen. Nach Fusch an der Glocknerstraße, angeblich mit Pferdekutsche, dann zu Fuß nach Ferleiten. Zwei Tage unterwegs bevor die Besteigung überhaupt losgehen konnte!

Bild 1: Die Dr. Heinrich-Hackl Hütte im Tennengebirge (Quelle: https://www.alpenverein.at/drheinrichhackelhuette/)
Bild 1: Die Dr. Heinrich-Hackl Hütte im Tennengebirge (Quelle: https://www.alpenverein.at/drheinrichhackelhuette/)
 

Diese Anreise musste gut geplant und organisiert werden, es war ein großes Unterfangen mit vielen Unsicherheiten und Risiken. Heute, im 21. Jahrhundert, setzen wir uns zuhause ins Auto, sammeln unsere Freunde ein und sind von der Stadt Salzburg aus in etwa 2,5 h an vielen möglichen Ausgangspunkten des Glockners, von Ferleiten über Kals am Großglocker oder Heiligenblut. Der Aufstieg zu entsprechenden Hütten dauert nach wie vor einige Stunden, aber dank der Großglocknerhochalpenstraße ist auch ein Tagesausflug zum höchsten Berg Österreichs möglich. Viele Wanderer nutzen auch Bahn und Bus, allerdings nur, wenn man a) kein Auto besitzt, b) die Wanderung sehr nahe an einer Station startet, c) man selbst nicht weit von einer Bahn- oder Busstation entfernt wohnt, d) wenig Equipment für das geplante Unterfangen benötigt und e) die Wanderung kurz war, da frühes Starten oder langes „am-Berg-sein“ oder auf der Alm sitzen bleiben keine Option sind. Umweltschutz war bis dato kein großer Motivator ein „Öffi“ zu nehmen, da die Kosten einer Bahnfahrt und die, zumindest in Salzburg, für viele Touren geringe Praktikabilität überwogen hat.

Und dann kam COVID19. Die SARS-CoV2 Pandemie hat alles verändert: Gemeinsames Fahren im Auto, Bahn oder Bus war plötzlich „gefährlich“ und nur unter bestimmten Auflagen erlaubt, die Mobilität generell heruntergeschraubt aufgrund von Lockdowns und geschlossenen Hütten. Als regionale Ausflüge langsam wieder möglich wurden, setzte ein interessanter Trend ein: Alle wollten die Berge vor ihrer Haustür erkunden. Viele Menschen aller Altersklassen begannen sich für Bergsport zu interessieren, fingen mit dem Wandern, Skitourengehen, Mountainbiken an – jedoch zu einem Preis den alle zu spüren bekamen. Vormals einsame Touren wurden überrannt, Müllberge an (Pisten-)Skitouren, Staus auf den Wegen und massiv überfüllte Parkplätze (Bild 2) da jeder einzeln anreisen wollte.

Bild 2: Überfüllte Parkplätze auch am Lämmerbach, Hintersee (Quelle: https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/hoher-zinken-1764-m-von-laemmerbach/6353898/)
Bild 2: Überfüllte Parkplätze auch am Lämmerbach, Hintersee (Quelle: https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/hoher-zinken-1764-m-von-laemmerbach/6353898/)
 

Die Dispute und Diskussionen zwischen Grundbesitzern, Liftbetreibern, Wegenutzern, Auto- und Radfahrern gingen durch alle Medien und nahezu jeder war in irgendeiner Form schon selbst betroffen. Abgesehen von der Müll- und Platz-Problematik kann sich jeder die zusätzlichen Emissionen von Feinstaub und CO2 vorstellen oder ausrechnen:

Will man zum Großglockner, sind bei Hin-und Rückfahrt (angenommen ca. 300 km) bei einem Verbrauch von 7 L/100 km ca. 21 L Benzin oder Diesel fällig. Dies Resultiert in einer absoluten CO2 Emission von 50 kg (Benzin) bzw. 55 kg (Diesel). Eine Fahrt mit dem Zug würde zwar um einiges weniger Emissionen kreieren (angenommener Standard: 40 g/Person/km Bahn vs. 150 g/P/km im Benzin-PKW), da aber für viele Teilstrecken im Glockner-Beispiel Dieselbusse zum Einsatz kommen, ist es schwer, die tatsächliche Emissionen zu berechnen. Die benötigte Zeit verdoppelt sich meist und ist nur zu bestimmten Tageszeiten möglich. Der problematische Transport von nötigem Equipment für das alpinistische Kletter- oder Skitourenabenteuer ist an dieser Stelle ebenso erwähnenswert.

Neben „Outdoor-Erlebnissen“ kommt das zweite Kapitel unserer aktuellen Situation zum Tragen: Nachhaltigkeit (engl. „Sustainability“). Dieses große Wort umschreibt eine komplexe Gruppe an Maßnahmen die wir als gesamte Menschheit adressieren müssen, um den Planeten und somit uns selbst dauerhaft zu erhalten. Die UN hat 2015 zusammen mit vielen Partnern einen Katalog aus 17 Kategorien erstellt, um eine Zukunft für alle zu ermöglichen. Eines der Ziele der „Sustainable Developmental Goals“, kurz SDG (Bild 3) ist es, Wege zu finden, wie wir möglichst nachhaltig mit unserer Umwelt unseren Rohstoffen und unserer Luft umgehen können. Diese sind global aber auch sehr lokal anwendbar. Die Frage ist nun, steht das Bedürfnis des Menschen mobil zu sein in einem zu starken Kontrast zu den SGDs? Dürfen wir nach wie vor in die Berge fahren, ohne uns dafür schämen zu müssen?

Bild 3: Die 17 Entwicklungsziele wie sie von den Vereinten Nationen definiert wurden (Quelle: https://www.wir-leben-nachhaltig.at/aktuell/detailansicht/sdgs-sustainable-development-goals/ )
Bild 3: Die 17 Entwicklungsziele wie sie von den Vereinten Nationen definiert wurden (Quelle: https://www.wir-leben-nachhaltig.at/aktuell/detailansicht/sdgs-sustainable-development-goals/ )

Dass die Frage brennt zeigt sich, indem es Diskussionen rund um Mobilität und Entschleunigung sowohl in Berichten des ADAC, der Alpenvereine und Plattformen wie fairantworten in Salzburg oder der CIPRA gibt.

Wie könnte das Dilemma nun gelöst werden? Wie können wir unsere Salzburger Berge genießen, uns erholen, Sport treiben und unserer Gesundheit Gutes tun ohne uns schon auf dem Weg zu Ausgangspunkten zu ärgern, wegen Staus, Parkplatzmangel, schlechten Verbindungen oder hunderter Verbotsschilder?

Um ehrlich zu sein habe ich trotz umfangreicher Recherche nichts gefunden, das die Thematik zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll beantwortet. E-Mobilität kann hier nur ein Zwischenschritt sein, da sie die Lokalität der Schadstofferzeugung oftmals nur verschiebt. Wird Wasserstoffantrieb hier die Lösung sein? Die Entwicklung des Wasserstoffantriebes ist voll im Gange, aber Unfallsicherheit und breite Verfügbarkeit sind noch zwei Punkte an denen gearbeitet wird. Wahrscheinlich ist der Wasserstoffantrieb unsere einzige Chance, Mobilität wie wir sie kennen, zu wahren. Dazu muss die Technologieentwicklung weiter vorangetrieben und von globalen Regierungen entsprechend gefördert werden. Weitere Informationen können unter Anderem hier gefunden werden: https://www.oeko.de/aktuelles/nachhaltiger-wasserstoff-die-vierte-saeule-der-energiewende

Trotzdem denke ich, dass es einige Dinge gibt, zu denen wir alle beitragen können und andere die ein guter Ansatz sind, der von staatlicher Seite kommt. Hier zählen vor allem der Ausbau der „Öffis“ (Plattform zum Wandern mit der Bahn: https://www.bahn-zum-berg.at/wien/) dazu, Stichwort 1-2-3-Ticket der ÖBB. Lobend hervorzuheben sind auch die IKB, die Innsbrucker Kommunalbetriebe, die es geschafft haben ein Bus-Transportsystem zu erstellen, das Wintersportler zu sinnvollen Zeiten zu den umliegenden Skigebieten und Ausflugszielen bringt, auch zu Tagesrandzeiten, teilweise sogar kostenlos. Dies wäre für Salzburg sehr wünschenswert! Wir alle können, dank bekannter Maßnahmen, wieder vermehrt darauf achten, gemeinsam zu Ausgangspunkten zu fahren und das Angebot der Bahn zu nutzen (Bild 4) – letzteres würde sehr zur Entschleunigung beitragen. Zusätzlich wäre es enorm wichtig, die Berge um die Stadt Salzburg für Radfahrer, in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen und Vereinen, zugänglich zu machen, denn mit dem nicht-motorisierten Mountainbike die Umgebung und Berge zu erkunden ist immer noch jene Aktivität mit dem geringsten Platzverbrauch und Emissionsausstoß (siehe auch https://www.mtb-salzburg.at/). Auch für Kletterer würde ich verbesserte lokale Optionen sehr begrüßen, denn lokale Angebote am Fels (z. B. Alpenverein Grundkurs im Klettergarten Gaisberg, siehe Bild 5) würden Anreisezeit verhindern, uns entschleunigen, Benzin und Nerven sparen.

Bild 4: mit der Bahn in die Berge (Quelle: https://blog.alpenvereinaktiv.com/klimafreundlich-in-die-berge/)
Bild 4: mit der Bahn in die Berge (Quelle: https://blog.alpenvereinaktiv.com/klimafreundlich-in-die-berge/)
Bild 5: Grundkurs Klettern des Alpenvereins Eggelsberg am Gaisberg (Quelle: https://alpenverein-eggelsberg.at/portfolio/kletterkurs-grundlagen-klettergarten/)
Bild 5: Grundkurs Klettern des Alpenvereins Eggelsberg am Gaisberg (Quelle: https://alpenverein-eggelsberg.at/portfolio/kletterkurs-grundlagen-klettergarten/)
 

Und die Natur, die Umwelt und somit im Endeffekt wir alle, profitieren von jedem Gramm Feinpartikel und CO2 die nicht direkt oder indirekt in unsere Atmosphäre gelangen.

Da die dafür erforderlichen Schritte alles andere als einfach umzusetzen sind, möchte ich zum Schluss noch appellieren, rücksichtsvoll miteinander umzugehen: Toleranz gegenüber subjektivem Fehlverhalten aber vor allem Erklärung und Aufklärung um Verständnis zu generieren. „Nobody is perfect“ und andere für mögliches Fehlverhalten zu kritisieren ist einfacher als das eigene Verhalten zu ändern.

Wir können nur gemeinsam, in kleinen Schritten daran arbeiten unsere Natur, unsere Alpen zu erhalten (Bild 6), sodass auch nachfolgende Generationen ihre Ursprünglichkeit und Schönheit genießen können. Let's do this!

Bild 6a
Bild 6b
 

Bild 6: Gemeinsam zur Rettung der Alpen gab es vielfältige Versuche. Einerseits a) die Seele der Alpen Bewegung (oben): https://www.seele-der-alpen.at/, b: Salzburg’s Netzwerk zum Schutz der Landschaft und Natur https://www.fairantworten.at/

 
 
 

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