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Fotos Pulver, LVS und Kaiserschmarren - Die Alpingeier auf der Kleinarler Hütte (17.-19.2.2017)

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Bild Pulver, LVS und Kaiserschmarren - Die Alpingeier auf der Kleinarler Hütte (17.-19.2.2017)

Pulver, LVS und Kaiserschmarren - Die Alpingeier auf der Kleinarler Hütte (17.-19.2.2017)

09.12.2020

 

Wir saßen im Zug und es schneite. Es waren ganz kleine Flocken, die an der Fensterscheibe vorbei fielen und uns sechs Alpingeier, die da noch etwas schläfrig mit einem Betreuer auf die Ankunft warteten, mit Vorfreude zu Lächeln beginnen ließen. Denn Schnee bedeutet neben schlecher Sicht und frierenden Fingern auch gleichzeitig Abfahrten, bei denen die Wangen leuchten und die Oberschenkel brennen und man, kaum dass man unten ist, wieder auffellen möchte.
In St. Johann staksten wir schwerbeladen und steif auf den Bahnsteig. Draußen vor dem Gebäude beeindruckte der Ausrüstungshaufen, den wir beim Warten auf den Bus bauten, die Spaziergänger genauso wie den Busfahrer, der uns aber trotzdem mitnahm. Über Kurven und durch Orte, an Bergbahnen und Waldhängen vorbei brachte er uns nach Kleinarl, wo wir trotz eines kleinen Verwechslers bezüglich des Treffpunkts den siebten Alpingeier trafen.
Die vollbeladene Materialseilbahn schleppte sich tapfer durch den immer noch stetigen Schneefall und an vor lauter Weiß ächzenden Nadelbäumen aus unserem Blickfeld, während wir uns die Schi anschnallten und Oberschenkel wie Hüftgelenk aufwärmten. Denn die erste Übung wartete schon, in der steilen Böschung: Spitzkehren. Manche hatten das schon mal gemacht, andere versuchten sich erstmalig in dieser Technik, die wir im folgendenen Tagen noch brauchen würden, doch alle überstanden diese ersten paar Versuche ohne Blamage. Auch der LVS-Check, der bereits wegen des Powder-Samstages ein wenig wie Routine anmutete, sortierte niemanden aus.
So begannen also alle acht den Aufstieg durch den winterlichen Wald. Die Flocken ganz nass auf unseren Jacken und Rucksäcken, knirschenden Schi vermischt mit Gesprächsfetzen und eine Straße, die uns dank Neuschnee nie zum Abschnallen zwang: Nach zwei Stunden standen wir vor der modernisierten Kleinarler Hütte. Und da 800 Höhenmeter nicht ohne verbrannte Kalorien hinter einem zurückbleiben und die Wirtsleute noch kurz Zeit brauchten, bevor wir die Zimmer beziehen konnten, wärmten wir uns in der Gaststube die Zehen und die bald nur mehr halb leeren Jausenboxen. Im Kamin musste kein Feuer brennen, weil die Heizung funktionierte, unsere Teenageraugen leuchteten auf, als wir nach der Besprechung beim Essen unsere kleinen, feinen Zimmer bezogen. Denn tatsächlich, es gab sogar Steckdosen, auf 1754 Metern Seehöhe.
Nach unserer Pause ließen wir die Hütte zurück, motiviert, mit gefüllten Mägen und einem Gipfel vor uns. Das Tagesziel sollte der Penkkopf sein und wir wanderten auf unseren Fellen den Hang hinauf, in unseren Köpfen noch die Fakten zur Lawinenprävention, die da von der Mittagspause hängen geblieben waren. Neuschneemenge, LVS, Himmelsrichtung, Belastungsabstände. Letztere hielten wir auch gleich ein, um nichts zu riskieren. Man ist schnell oben am Penkkopf und hat einen guten Ausblick von dort, doch der Schnee, der uns immer noch überallhin begleitete, schränkte ebendas sehr stark ein. Also waren wir bald wieder unten, auch weil die Abfahrt unter dem wochenlangen Sonnenschein äußerst gelitten hatte. Das konnten auch die Flocken nicht retten.
Wir duschten, wir aßen - genauso gut wie im Vorjahr - wir packten die Werwolfkarten aus. Denn was wäre ein Alpingeier-Wochenende ohne Werwolf, ohne Hexe, Seherin und Bürger. Irgendwann trudelte auch noch der zweite Betreuer ein, der wegen Arbeit und anschließendem Auto-Ausgraben erst gegen neun die Hütte erreichte. Wir spielten, wir spielten. Irgendwann gingen die Betreuer ins Bett und ließen uns zurück, die wir noch mit Kartenspielen unten am Tisch verblieben. Wir legten Paare, wir legten Quartette. Irgendwann, es war gegen halb 12 gingen auch wir. Putzten unsere Zähne, legten uns schlafen.
Das Frühstück mit dem selbst gebackenen Brot weckte uns am nächsten Morgen auf. Es war Samstag, immer noch mit Schneefall und schlechter Sicht. Darum erwartete uns als erster Programmpunkt auch keine Tour sondern eine Lawinenübung rund um die Hütte. Schnell sein war die Aufgabe, das Ergebnis stellte die Betreuer zufrieden. Immerhin waren danach alle Rucksäcke und LVS-Geräte wieder bei ihrem Besitzer und kein einziger war sonderlich nass geworden. Nun waren wir bereit für den Ernstfall, packten Tee und Rucksack, Sonde und Schistöcke und spurten uns den Weg bei erneuter schlechter Sicht zum zweiten Mal auf den Penkkopf. Das Bild vom Gipfel war noch recht klar in unseren Köpfen, also blieb das Kreuz rechts neben uns zurück und wir rutschten auf Fellen bergab, bis zum Nordosthang. Und endlich, endlich, es war Samstag Mittag, stürzten wir uns in den Pulver, der zwar gesetzt war, aber unverspurt und uns trotzdem fesselte, wie Pulver schon so viele Tourengeher vor uns gefesselt hat. Mit jedem Schwung, mit jeder staubenden Kurve zog er uns mehr in seinen Bann und wir grinsten, als wir unten standen und erneut auffellten. Die Betreuer mussten nicht viel sagen, um uns zu motivieren, im nachmittäglich plötzlich aufgetauchten Sonnenschein noch einmal dieselbe Route zu gehen. Kurz gesagt, es lohnte sich. Wir wedelten hinunter, brennende Oberschenkel und Stürze in den Schnee inklusive. Wir waren glücklich wie man es selten ist.
Unten dann erneut auffellen, zur Hütte, duschen, Abendessen, Werwolf. Diskussionen vermischten sich mit Kaiserschmarrn-genießen und Black Stories, wieder verließen uns die Betreuer, um ihre Energie für den folgenden Tag zu sparen. Uns hinderte das nicht daran, wieder zum Kartendeck zu greifen und neben Kartentricks die Kokosnuss zu knacken, die ein Alpingeier mitgenommen hatte. Der Abend floh vor Challenges und Schneeengeln, die wir barfuß machten, draußen war die Nacht sternenklar. Um halb zwei warf uns der Hüttenwirt dann aus der Stube und vermutlich war das gut so, denn der Sonntag wartete noch auf uns. Von zwei bis sieben sind es immerhin fünf Stunden Schlaf, die wir brauchen sollten.
Sonntags war das Räumen der Zimmer trotzdem ein wenig mechanisch von der Müdigkeit, doch das Frühstück gab uns Energie, ebenso wie die Drohung, dass Zu-Spät-Kommende Kuchen mitbringen würden müssen und tatsächlich brachen wir pünktlich auf. Das Ziel: Gründeck, der höchste Gipfel in näherer Umgebung. Die Sonne streichelte den ganzen frischen Schnee, dass er glitzerte, wie abermillionen Diamanten, die jemand da verloren hatte. Unsere Route zog sich in regelmäßigen Spitzkehren über einen steilen Hang Richtung Gründeck, doch irgendwann hieß es Kommando zurück. Denn der Wind, der spielte im Gegensatz zum Wetter nicht mit, hatte die Diamanten fortgerissen und den Boden freigelegt. Für unsere Ski war das unpassierbar. Auch ausweichen war nicht möglich, dazu fehlte uns die Zeit, doch eine Jause im Sonnenschein in der Nähe des Zirmsteins und eine Abfahrt zur Hubalm tröstete uns über den unerreichbaren Gipfel hinweg. Dort fellten wir das letzte Mal auf, für den Anstieg zur Kleinarlerhütte zurück. Auf der Hütte waren plötzlich Sonntagsrodler und Skitourengeher aufgetaucht, die sich wie wir für unsere verbleibende Zeit einen Kaiserschmarrn bestellten. Denn dieser Kaiserschmarrn, das war der beste Kaiserschmarrn, den wir je gegessen hatten. 
Langsam, ganz langsam tauchte die Abschiedsstimmung auf, wir verabschiedeten uns von der Hütte, von den netten Wirtsleuten und vom Penkkopf, schnallten die Schi an und stürzten uns in den Wald. So manch einer spielte Schneemann, doch keiner blieb Schneemann, nein. Wir standen viel zu schnell wieder unten, dort wo damals der Bus gehalten hatte und waren nun tatsächlich dabei, abzureisen. Wir waren müde. Wir waren erschöpft. Uns wir waren voll von Erinnerungen an zwei Tage voller Lachen und Tiefschnee, voller Schneeflocken und roten Wangen. Das schönste an der Heimfahrt, das war wohl nicht, dass unsere Füße endlich Ruhe hatten, sondern, dass wir nächstes Jahr wieder mit den Alpingeiern auf Skitourenwochenende fahren könnten.

Text: Magdalena Maier
Fotos: Robert Delleske

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