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Kobernaußerwald - Verstehen

09.12.2020

 

Warum Verstehen? Eine bewährte Erkenntnis hilft weiter - „kennt man sich ein bisserl aus, ist jede Wiese eine eigene Welt und jede Waldwanderung eine Safari“.
Das Wissen über Entstehung, über Entwicklung und heutige Bedeutung des Kobernaußerwaldes bietet ein unglaublich breites Spektrum zum vertiefenden Verständnis über einen nicht hoch genug einzuschätzenden Lebensraum, einem Naturjuwel.

Wenn unsere Bergwandergruppe mit Maria Martl als Tourenführerin diesen einzigartigen Wald so bevorzugt besucht, hat das auch viel mit dem Erholungs- und Erlebniswert zu tun.
Beide sind gleich hoch zu bewerten. Zum Ersterem, Wald produziert Sauerstoff, ist Luftverbesserer durch seine Filterwirkung, steuert den Wasserhaushalt durch Verdunstung auch des Regenwassers über Nadeln und Blätter. Wasser das der Waldboden nicht aufnimmt sickert ins Grundwasser, zu den Quellen, den Bächen.

Speziell auf den Waldbesucher bezogen sind es erst einmal die Natur als solche, die frische Luft, die Ruhe, dem Stress entkommen, Zeit zum Nachdenken, die Bewegung, das Alleinsein oder die Geselligkeit die alle zusammen für unser Wohlbefinden von Bedeutung sind. Auch in der Farbpsychologie spielt das Waldgrün eine besondere Rolle, es steht für Harmonie, es ist die Symbolfarbe des Lebens. Grün beruhigt die Nerven, wirkt regulierend auf den Blutdruck und hilft psychische Belastungen abzubauen. Und, der Kobernaußerwald ist noch nicht einer allumfassenden Benutzerregelung ausgesetzt.

Der Erlebniswert dieses Waldes steigt mit der Kenntnis seiner Geschichte. Er entstand konform mit der Gebirgsbildung der Alpen im Tertiär, Ende der Kreidezeit, vor 65 Millionen Jahren. Aus frühgeschichtlicher Zeit kennen wir Kelten – und Römerfunde am Verlauf uns bekannter Römerstraßen. Die Bajuwarische Besiedlung erfolgte im 6. Jahrhundert. 748 wurde der „Henhart“ – als „Höhenwald“ erstmals erwähnt. Das nicht mehr bestehende Schloss Friedburg wurde 1180 von den Bamberger Bischöfen erbaut. Das Vordringen des Menschen in den südlichen und westlichen Rand des Waldes verhinderten die nicht wirtschaftlich bearbeitbaren Hänge, die tertiären Ablagerungen von Lehm, Sand und Kobernaußer Schotter. Im Norden waren entlang der Bäche in den Talböden die geologischen Bedingungen für die Landnahme günstiger. Wie alle großen Waldgebiete war der „Henhart“ königlicher Bannforst. Die Nutzung von Holz, Weide und Schweinemast blieb der Bevölkerung, für den König als Eigentümer verblieb die Jagdausübung. Zur Schweinemast, bis zur Einführung der Kartoffel war Schweinehaltung ohne Waldweide als Nahrungsgrundlage sehr eingeschränkt. Zuletzt 1842, wurden noch 500 bis 600 Schweine in Waldweide gezählt. Weitere Waldnutzungen waren Pecheln, Köhlern, Pottascheerzeugung und Streu sammeln. Ab 1765 wurden Triften zur Holzbringung ausgebaut, wie die Achbachklause, Weißenbachklause, Rabenbachklause u.a. Noch 1826 wurden 37.000 Rm Hölzer getriftet. Eine Hochwasserkatastrophe erzwang 1897 die Einstellung der Triftstrecken, es folgte der Bau einer Waldbahn, die wiederum 1954 durch Unwetter zerstört wurde. Heute ist der Kobernaußerwald durch ein dichtes Netz von Forststraßen erschlossen.

Im Frieden von Teschen wurde der „Henhart“ 1779 von Bayern an Österreich abgegeben und seither auch offiziell als „Kobernaußerwald“ genannt. In diese Zeit erfolgte auch die Gründung einer Glasfabrik in Weißenbach . Erst 1868 wurde der Kobernaußerwald von den Habsburgern angekauft und es folgt eine neue Epoche in der Bewirtschaftung. Forstwirtschaftlich schädliche Nutzungen wurden untersagt, eingeführt wurde eine Bewirtschaftungsplanung , Betriebsabläufe wurden auf Grund von Bestandsaufnahmen festgelegt.
Die Aufnahme von 1957 brachte als Ergebnis einen Bestand von 69% Fichte, 7% Tanne, 2% Kiefer, 20% Buche und 2% sonstige Nadelhölzer wie Weymuthskiefer, Lärche, Douglasie und Sitkafichte.
Eine erwähnungswerte Erfolgsgeschichte zeigt die Weymuthskiefer (Strobe). Im Jahre 1605 von der Ostküste Nordamerikas nach Europa eingeführt, hat sie erstmals 1753 Carl von Linnè als Pinus strobus beschrieben. Übrigens, sie ist der offizielle Symbolbaum der US- Bundesstaaten Maine und Michigan. Bei uns erreicht sie eine Wuchshöhe von 35 m und kann auch recht alt werden. Sie findet im Kobernaußerwald den für sie wichtigen, gut drainierten sandig-lehmhaltigen Boden. Bei jungen noch niedrigen Beständen ergibt die quirlartige Ästeanordnung und den zu fünft-gebündelten, recht langen, sehr weichen dünnen Nadeln , von der Sonne beschienen Büscheln eine flaumartige Aufwallung, einen faszinierenden Anblick. Mit dem Aufkommen von Maria Schmolln als Wallfahrtsort, das 1735 mit der Anbringung eines Maria-Hilf-Bildes an einem Baum und der Grundsteinlegung der Wallfahrtskirche 1860 und Fertigstellung ein paar Jahr darauf seinen Abschluss fand, haben sich Wallfahrerwege zu den vorhandenen Querungen durch den Kobernaußerwald herausgebildet. Ein prägnanter Hinweis auf das Vorhandensein solcher alten regionalen Handelswege ist wohl die „Schranne“, ein Knotenpunkt dieser intensiv genützten Routen. Einer der bekanntesten Wege , der Friedburgee- Steig, vorbei am Weißen Stein und dem St.Wolfgang-Taferl in Richtung Ried, auch die alte Riederstrasse führte über die Höhenrücken und nicht im Tal. War es früher die schwierige Wegerhaltung im Talgrund die zur Verlagerung auf die Höhenrücken führte, so zeigt heute der Kobernaußerwald für den Wanderer nur entlang der Höhen seine eindrucksvolle, Abwechslung reiche Seite. Die ausgebauten Forststraßen in den Tallagen mit den begleitenden Fichten-Monobeständen sind einfach langweilig zu begehen. Genaues Gegenteil die Wege in den höheren Bereichen. Dort finden sich auch überwiegend die diversen Gedenktaferl für Verunglückte und besondere Vorkommnisse, Hubertustaferl und dergleichen. Einige Naturdenkmäler, wie die „tausendjährige Linde“ – einheimische Mundartlyrik hängt am nächsten Baum - oder eine noch stehende Riesentanne im hinteren Weißenbachtal, und außerdem finden sich auch noch einige erdbauliche Reste der Klausen am Beginn der Triftstrecken.
Mit Ausnahme bei den „Großen Steigen“ gibt es keine Markierungen, macht aber nix, bei Maria Martl muss nicht jedes Steigerl markiert sein.

Text und Fotos: Maria Martl + Freunde

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