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Lena am Bachfallenferner (Ötztal)
Lena am Bachfallenferner (Ötztal)

Lena Ritt. Girl on Ice.

Steckbrief:

  • Name: Lena Ritt
  • Alter: 15 Jahre
  • Schule: CHS Villach (Medien- und Kommunikationsdesign)
  • Aufgewachsen in Döbriach
  • Hobbys: Zeit in den Bergen verbringen, klettern, kochen, kreatives Gestalten
  • Motto: CHOOSE JOY
  • Was mit wichtig ist: Respekt, Gleichberechtigung

Hallo, ich bin Lena, bin 15 Jahre alt und war schon immer gerne in den Bergen unterwegs. Diesen Sommer hatte ich dann die großartige Chance bei „Girls on Ice Austria“ dabei zu sein. Was ich dort erlebt habe, hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen, und diese Expedition zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.

Was ist „Girls on Ice“ überhaupt?

In vielen Bereichen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert, so auch beim Bergsteigen und in der Wissenschaft. „Girls on Ice“ hat es sich zum Ziel gesetzt, das zu ändern. Seit 2012 gibt es die Möglichkeit für junge Frauen zwischen 15 und 17 Jahren, an einer zehntägigen Expedition teilzunehmen, um die Berge und die Naturwissenschaften kennen und lieben zu lernen. Ursprünglich gab es diese private Initiative nur in Kanada, später dann auch in der Schweiz, USA, Alaska und Zentral Asien.

Im Sommer 2021 war es dann auch in Österreich erstmals möglich, Teil einer solchen Exkursion zu sein. Neun Mädels hatten die Chance, zusammen mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und einer Bergführerin, die vergletscherten Berge Tirols zu erkunden. Die Teilnehmerinnen kamen aus Italien, Deutschland und Österreich. Die Expedition ist vollkommen kostenlos. Auch die Ausrüstung wird, wenn nötig, zur Verfügung gestellt. Der Verein ist somit auf großzügige SpenderInnen angewiesen. Die Teilnehmerinnen brauchen kein spezielles Vorwissen im Bereich der Glaziologie oder im Bergsteigen, eine grundlegende Sportlichkeit ist aber Voraussetzung.

Weitere Informationen: Girls on Ice Austria — Inspiring Girls Expeditions 

Meine persönlichen Erfahrungen

Ich habe von „Girls on Ice“ ganz zufällig über Instagram erfahren und war von der Idee sofort begeistert. Im Jänner 2021 habe ich mich beworben und dann im April erfahren, dass ich als Teilnehmerin ausgewählt wurde. Meine Freude war riesig und nach einer gefühlt ewigen Wartezeit startete ich meine Expedition am 20. August 2021. Ausgangspunkt war Huben im Ötztal, wo wir eine erste Nacht am Campingplatz verbracht haben. Dort wurde unsere Ausrüstung gecheckt und Fehlendes ergänzt. Am nächsten Tag ging es ins Hochgebirge, über die Winnebachseehütte und weiter zum Bachfallenferner – und das mit ca. 20 kg schweren Rücksäcken! Unterhalb des Gletschers haben wir unser Basecamp aufgebaut.

Es folgten sieben spannende und herausfordernde Tage, die wir mit Hochgebirgstouren, wissenschaftlichen Experimenten und Kunstaktionen gefüllt haben. Mich hat vor allem überrascht, wie schnell frau zu einem Team wird. Obwohl sich keiner der Teilnehmerinnen zuvor kannte, wurden wir schnell zu Freunden.

Aktionen und Experimente

Unter Anleitung einer Glaziologin, einer Physikerin, einer Schauspielerin und einer Bergführerin haben wir Messungen am Gletscher durchgeführt; Abflussmengen und die Schneedichte erhoben und ausgewertet. Wir haben die dem abschmelzenden Gletscher folgende Vegetation beurteilt, und den aufkommenden Bewuchs den Schmelzjahren des Gletschers zugeordnet. Bei Schlechtwetter haben wir unser schauspielerisches Talent entdeckt und die Abende mit Diskussionen zu verschiedenen Themenschwerpunkten und mit Singen gefüllt!

Bis auf einen Gewittertag haben wir die ganze Zeit am Gletscher und im Camp verbracht, auch wenn Regen und Kälte unsere beinahe ständigen Begleiter waren. Der aufkommenden Eiseskälte haben wir versucht, mit Bewegungsspielen entgegenzuwirken – das ist leider nicht immer gelungen! Wir waren Selbstversorger im Camp, haben hektoliterweise Tee zubereitet und zweimal täglich warm gekocht. Leider hat das Frühstück regelmäßig so geschmeckt wie das Abendessen am Tag zuvor! Abgewaschen haben wir zwar, der Gletscherbach ist jedoch natürlich kein Geschirrspüler.

Naturschutz

Nachhaltigkeit war auch bei „Girls on Ice“ ein großes Thema. Viele Abende lang haben wir uns darüber unterhalten, weil die Auswirkungen des Klimawandels im Hochgebirge besonders spürbar sind. Es war uns großes Anliegen, keine Spuren an der Gletschermoräne zu hinterlassen. So wurde der ganze Müll wieder runter ins Tal gebracht, und auch bei der Wahl unserer Sonnencreme sowie dem Geschirrspülmittel wurde auf ökologische Varianten zurückgegriffen.

Expeditions-Überblick

Tag 1: Wir trafen uns beim Ötztal Bahnhof und fuhren mit dem Bus weiter zum Campingplatz. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns erstmal kennenzulernen, bevor die große Materialschlacht begann und unsere Ausrüstung gecheckt wurde. Weil es relativ warm war, konnten wir unsere erste Nacht unter freiem Himmel verbringen.

Tag 2: Früh morgens ging es dann endlich los. Voller Motivation und mit 20 kg schweren Rucksäcken machten wir uns auf den Weg zur Winnebachseehütte. Dort angekommen stärkten wir uns noch ein wenig, bevor es dann Richtung Gletscher ging. Müde und erschöpft kamen wir am späten Nachmittag bei unserem Basecamp an, wo uns unsere Trägerinnen sogar schon die Zelte aufgebaut hatten.

Tag 3: Schon am Vormittag begann es stark zu regnen, und auch als wir uns mit dem Satelliten Telefon nach dem Wetter erkundigten, gab es keine guten Nachrichten. Weil Gewitter und Gletscher keine gute Kombination sind, wurde uns geraten, dass wir diese Nacht in einer Schutzhütte verbringen. Gesagt, getan. Wir machten uns also auf den Weg Richtung Hütte. Dort übernachteten wir dann im Haus der Materialseilbahn (das kling zwar schlimm, war aber ganz gemütlich).

Tag 4: Diesen Tag nutzen wir dann, um zu klettern und Seiltechniken für die bevorstehende Hochtour zu üben. Außerdem lernten wir viel über die Fernerkundung und machten ein paar wissenschaftliche Experimente. Danach machten wir uns wieder auf den Weg zum Camp.

Tag 5: Endlich schönes Wetter! An unserem Hochtourentag hatten wir strahlenden Sonnenschein und einen wolkenlosen Himmel. Mit Steigeisen auf den Schuhen und in drei Seilschaften ging es dann den Gletscher hoch. Auf den Weg nach oben fanden wir eine riesengroße Gletscherspalte, in die wir uns abseilen konnten und die dieses Erlebnis zum absoluten Highlight der Expedition machte. Die Spalte war circa 15 Meter tief und das Eis ganz glatt – einfach atemberaubend.

Tag 6: Am Abend zuvor überlegten wir uns in Teams alle eine wissenschaftliche Frage, und an diesem Tag hatten wir die Möglichkeit eine Antwort zu finden. Wir führten Experimente und Pegelmessungen durch, sammelten GPS-Daten vom Gletschersee und vieles mehr.

Tag 7: Unser letzter Tag am Gletscher. In der Nacht hatte es geschneit, es war bitterkalt. Als wir am Morgen aufwachten hatten wir sogar Eiskristalle auf unseren Schlafsäcken. Wir packten schnell alles zusammen und bauten die Zelte ab. Danach ging es schnellen Schrittes wieder zurück ins Tal.

In Innsbruck hatten wir die wohl schönste Dusche unseres Lebens (ein eisigkalter Gletschersee eignet sich eben nur zur Katzenwäsche). Auch auf unsere Handys, die dort auf uns warteten, freuten wir uns schon sehr. Nach ein paar Tagen am Gletscher weiß man eben selbstverständliche Dinge wie warmes Wasser plötzlich viel mehr zu schätzen.

Tag 8: Diesen Tag verbrachten wir in der Uni Innsbruck. Wir haben die Zelte geputzt und unsere Präsentation vorbereitet. Am Abend haben wir außerdem noch heimlich einen Überraschungskuchen als Dankeschön für die Leiterinnen gebacken.

Tag 9: Tag der Präsentation. Vormittags haben wir noch die allerletzten Vorbereitungen getroffen, denn gegen Mittag sind schon die Besucher gekommen. Vor der Präsentation waren wir alle ein wenig aufgeregt, doch alles lief wie am Schnürchen. Auch die Freude, unsere Eltern und Geschwister wieder zu sehen, war riesig. Nach einem tollen Nachmittag war es dann Zeit sich zu verabschieden, worüber wir alle sehr traurig waren. Eine Woche am Gletscher schweißt eben zusammen.

Ein großes Dankeschön an die wunderbaren Leiterinnen von „Girls on Ice Austria“ und an den Alpenverein, der mich von Beginn an unterstützt und gefördert hat.

 
 
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