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Alois Burgstaller. In den Bergen daheim. (Alois Burgstaller)

Alois Burgstaller. In den Bergen daheim.

Alois Burgstaller mit Georg Winkler beim Interview im März 2022
Alois Burgstaller mit Georg Winkler beim Interview im März 2022

Im Kindesalter vom Vater mit dem Bergvirus infiziert blickt unser rüstiger Bergkamerad (88) auf große Touren, wilde Erlebnisse und viele, schöne Momente mit unserer Sektion zurück.

Steckbrief:

Pensionierter Fleischermeister und Jäger

verheiratet mit Christa, 2 Töchter, 5 Enkel und 2 Urenkel

AV Mitglied seit 1.1.1954

Hobbys: Skitouren gehen, wenn es schneetechnisch passt, Skifahren bei der Maibrunnbahn, helfen bei den Hundeführern der LAW Suchhundestaffel, wandern

Wie bist du zum Bergsteigen gekommen?

Ich bin mit meinem Vater als Kind zwischen der großen und kleinen Bratwand ohne Seil aufgestiegen. Er hat mich einfach am Hosenbund gehalten. Das war wohl ein positives Schlüsselerlebnis. Später zeigte mir der damalige AV Obmann Viktor Pretterebner, wie man Berge besteigt. Er war seinerzeit einer der besten Bergsteiger in Kärnten (11te Begehung der Zinnen Nordwand) und hat viele Erstbegehungen gemacht in den Karawanken. Ich war mit ihm damals zusammen am Hochstuhl. Mit Pretterebner hat es eine Jungmannschaft gegeben, aus der später unsere Hochgebirgsgruppe, die HG, geworden ist.

Alois mit Rosenfelder Peppi nach der Zweitbegehung Hainschturm
Alois mit Rosenfelder Peppi nach der Zweitbegehung Hainschturm

Wer waren deine wichtigsten Bergpartner?

Ich war oft mit Peppi Rosenfelder, Armin Rauter, Günter Lackner, Hans Madritsch und Viktor Pretterebner unterwegs.

An welches Bergabenteuer erinnerst du dich ganz besonders?

An das Abenteuer in der Grandes Jorasses. Ich bin mit einem Französischen Bergführer den Normalweg von Süden aufgestiegen, als er plötzlich am Grat stürzte. Ich habe ihn mit einer Verankerung und einer 60m Reepschnur bis zum Gletscher abgeseilt. Er musste auf der Hütte übernachten und wurde am nächsten Tag mit dem Hubschrauber abtransportiert.

Was war deine besondere Leidenschaft?

Das Eisgehen beim Bergsteigen, ganz klar.

Was darf bei keiner Bergtour fehlen?

Der Rucksack natürlich (er lacht), Haken zum Schlagen und eine Reepschnur.

Wenn du einen Wunsch hast, welche Gipfel möchtest du noch erklimmen?

Immer wieder den Rabenkofel, und das solange wie möglich.

Warst du auch mit bekannten Persönlichkeiten unterwegs?

Ja, mit unserem Olympiasieger Franz Klammer. Ich habe ihn damals beim Gasthaus Klammer, wo wir die Ochsen gekauft haben, kennen gelernt. Mit dem Vater vom Franz sind wir oft zusammen zu den Rennen gefahren. Mit Franz bin ich dann auch einige Skitouren gegangen. Er hat mir erzählt, sie tragen die Ski immer nur rauf und fahren dann runter. Dann habe ich ihn einmal gezeigt, wie das mit dem Skitourengehen funktioniert.

Alois im Hochstadelpfeiler im Winter
Alois im Hochstadelpfeiler im Winter

Hast du deine Bergleidenschaft vererbt?

Ja, meine Enkel sind sehr aktiv, einer richtet aktuell Routen im VIII Schwierigkeitsgrad ein. Ein anderer fährt „Biketrail“ auf extrem. Irgendwie ist es schade, dass ich schon zu alt für die Sachen bin, die meine Enkel jetzt machen. Ich sehe es mit Stolz aber auch mit Sorge, weil ich weiß, wie gefährlich und extrem ich immer unterwegs war.

Apropos gefährlich: was war dein gefährlichstes Bergerlebnis?

Das war eine Winterbegehung an der Hochstadel Nordwand. Den ersten Versuch habe ich mit Günter Lackner gemacht. Wir sind bis zum Stand „wo einst eine Lerche stand“ gekommen, als es ihm plötzlich nicht mehr gut ging und wir uns abseilen mussten. Mit Manfred Luniaczek wagte ich dann den nächsten Versuch. Die ersten Seillängen sind tadellos gelungen, und dann habe ich ehrlich gesagt nicht aufgepasst, als er sich angeseilt hat. Ich ging einen Quergang hinüber und hörte ihn fallen. Es hat ihn regelrecht aus der Wand gefegt, genau an einer senkrechten Stelle. Er hatte das Seil ein paar Mal um seinen Körper gewickelt und seinen Rucksack beim Sturz verloren. Ich hab mit den Haken, die ich eingesteckt hatte, und einer Reepschnur einen Prusik auf das Seil gemacht. Wir mussten dann eine ganze Nacht am Pfeiler ausharren.

An welches Ereignis erinnerst du dich nicht gerne zurück?

Das war der Tod meines Freundes und Bergkameraden Günter Lackner. Er ist am Säuleck abgestürzt. Wir sind eigentlich immer zusammen unterwegs gewesen. An diesem besagten Tag wollte ich aber aufgrund der vorhergesagten Wetterprognose nicht mitgehen. So ist Günter allein losgegangen. Der Plan war, von Mallnitz auf die Hochalm zu gehen. Günter entschied sich aber kurzfristig für die Tour vom Seebachtal zur Säuleck Nordwand, wo er dann ins schlechte Wetter gekommen sein muss. Wir haben ihn eine ganze Woche lang vergeblich gesucht. Weil er im Gipfelbuch der Hocham nicht eingetragen war, sind wir irgendwie auf das Säuleck gekommen. Dort hat dann aus der Wand der Wadl vom Günter rausgeschaut. Dieses schlimme Ereignis ist mir noch lange tief in Erinnerung geblieben.

Medienecho der Zweitbegehung der Glocknerhorn Nordwand
Medienecho der Zweitbegehung der Glocknerhorn Nordwand

Was war dein traurigstes Erlebnis?

Das war der Absturz meines Lawinenhundes „Odin“. Ich war als Bergwanderführer unterwegs, als er vom Gipfelplateau auf ein Schneefeld abgestürzt ist. Er wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert, aber leider war nichts mehr zu machen. Er hat noch auf mich gewartet, damit ich ihn noch ein letztes Mal sehen konnte und ist dann friedlich eingeschlafen.

Wie ist es dir gelungen Bergsteigen, Beruf und Familie zu vereinen?

Dass ich da überhaupt zurechtgekommen bin, verdanke ich nur meiner herzensguten Frau Christa. Sie hat sich immer um alles gekümmert und war für die Kinder da. Ich musste oft bis in die Nacht arbeiten, hab dann ein paar Stunden geschlafen und bin zeitig in der Früh schon wieder aufgestanden um in die Berge zu fahren. Beim Wochenenddienst haben wir uns alle zwei Wochen abgewechselt.

Was verbindest du mit dem Alpenverein Radenthein?

Wir haben viele Ausflüge gemacht, die uns immer sehr gut gefallen haben. Wir hatten viel Spaß, haben viel erlebt und sehr viel gesehen.

Wir danke für das Interview, den guten Kaffee und den köstlichen Apfelstrudel!

Interview März 2022: Georg Winkler und Caroline Neuhold Walder
Fotos: Alois Burgstaller

 
 
 

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