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Mountainfilm Graz 2017 (Mountainfilm Graz: Das Filmfestival im Rückblick)

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Mountainfilm Graz 2017

Robert Schauers renommiertes Filmfestival im Rückblick

Mountainfilm Graz - Sujet 2017zoom

Graz, am 26.2.2018. Text: Günter Auferbauer

Robert Schauer und sein Team hatten vom 14. bis 18. November 2017 die steirische Landeshauptstadt Graz als "internationales Filmzentrum" ins Rampenlicht gestellt. Robert Schauers Festival steht für "authentische Abenteuer und einzigartige Geschichten". Und für Begegnungen, sonder Zahl, alpin dominierter Interessenssphären. Alpinsport hat gesellschaftlich relevanten Status, derselbe prosperiert.

Im Anschluss an die Siegerehrung wurden alle ausgezeichneten Filme in einer "langen Nacht des Bergfilms" präsentiert, zugleich die Spitzenleistungen aus den vier Wettbewerb-Kategorien öffentlich prämiert.

"Mountainfilm Graz" – www.mountainfilm.com – ist ein intersubjektives Ereignis: herangewachsen aus einer Idee, mittlerweile gefördert von Medien, Wirtschaftsunternehmen und zahlreichen privaten Gönnern sowie vom Land Steiermark und der Stadt Graz. Ein nachhaltiges Dankzeichen an Robert Schauer. Ad multos annos!

Grand Prix Graz 2017

Der Hauptpreis.

Zugesprochen Steve Wakeford für "Magnetic Mountains" (Dauer 89 Minuten; Kategorie "Sport in Berg- & Naturräumen")

Begründung der Jury: Der Film beginnt, wie so viele Filme, über das Extrembergsteigen, mit der Definition eines alpinen Zieles und den Vorbereitungen, dieses zu erreichen. Nach einem Unglück nimmt der Film jedoch eine Wendung um 180 Grad und verlagert die Zielsetzung vom Dokumentieren eines schwierigen Aufstiegs zu einer Reise in die Psyche des Menschen. Aus dem geplanten Aufstieg und dem Foto des Gipfelsieges wird ein Abstieg in die Tiefe der menschlichen Seele. Dabei beantwortet der Film nicht nur die Frage nach dem Sinn dieses Risikos, sondern beantwortet auch die Frage, die in den allermeisten der eingereichten Filme eine Antwort sucht: Warum? Der Grand Prix Graz 2017 geht deshalb an Steve Wakeford für "Magnetic Mountains".

Mountainfilm Graz 2017: Matthieu Dalonneau, Repräsentant des Films "Magnetic Mountains" (Foto: Mountainfilm Graz/Heimo Binder)
Mountainfilm Graz 2017: Matthieu Dalonneau, Repräsentant des Films "Magnetic Mountains" (Foto: Mountainfilm Graz/Heimo Binder)
 

Kamera Alpin Austria 2017

Der Spezialpreis.

Zugesprochen Andrea Leichtfried und Simon Spädtke für "Homebird Nepal" (Dauer 52 Minuten); Kategorie Menschen & Kulturen

Begründung der Jury: Verbindet man mit Filmen aus Nepal meist große Bergpanoramen, spektakuläre Aufnahmen in großer Höhe und unzählige Schicksale aus dem Bereich des Kletterns, widmet sich dieser Film den Menschen in Nepal. In kurzen, aber sehr prägnanten und gut dargestellten Einzelporträts vermittelt dieser Film einen informativen Einblick in die täglichen Herausforderungen der heutigen Gesellschaft dieses Landes, die durch das Erdbeben 2015 in besonderem Maße gefordert wurde. Der Preis geht an: "Homebird Nepal".

Eine Lobende Erwähnung wurde der dreiteiligen Brahmaputra-Serie zugesprochen, konkret
• Klaus Feichtenberger, Teil 1: "Von der Quelle zur Großen Schlucht"
• Jeremy Hogarth, Teil 2: "Von den Wäldern zum Tiefland"
• Heinz Leger, Teil 3: "Vom Tiefland zum Ozean"

Mountainfilm Graz 2017 - Brahmaputrazoom
Mountainfilm Graz 2017 - Brahmaputrazoom
 

Kategorie Alpinismus & Expeditionen

Kamera Alpin in Gold 2017

an Gigi Giustiniani für "Ninì" (Dauer 64 Minuten)

Begründung der Jury: Zu diesem Film gehört Mut. Die anrührende Geschichte einer Bergliebe in den 1930er-Jahren ausschließlich mit Originalmaterial erzählen zu wollen, ist ein gewagtes Abenteuer – aber es gelingt. Mit penibler Vorbereitung und einem präzisen Gefühl für die richtige Präsentation versteht es der Regisseur, Standbilder aus alten Fotoalben zum Leben zu erwecken und im Kopf der Zuschauer eine bewegende Lebensgeschichte entstehen zu lassen. Ninì, die am Berg ihren Partner findet, war eine der wenigen Frauen, die sich damals auf den Berg wagten, und dabei mit einer 16-mm-Kamera ihr Abenteuer drehte. Als wenige Jahre später ihr Partner verunglückte, war das Abenteuer zu Ende, und Ninì widmete sich dem Kind der glücklichen Jahre. Erst nach mehr als einem halben Jahrhundert fand der Sohn die alten Materialien und gewann den Regisseur Gigi Giustiniani dafür, die Geschichte filmisch umzusetzen. Das Ergebnis wurde so lebendig, dass sich die Jury beinahe in Ninì verliebte.

Je eine Lobende Erwähnung wurde zugesprochen
• Frédéric Favre für "Encordés"
• Jonathan Griffith für "Link Sar West"

Kategorie Sport in Berg- & Naturräumen

Kamera Alpin in Gold 2017

an Juan Reina für "Diving into the Unknown" (Dauer 82 Minuten)

Begründung der Jury: Ein Albtraum, eine Katastrophe steht am Beginn des Filmes. Eine Katastrophe, die das eigene Handeln und die eigene Leidenschaft als solche in Frage stellt. Daraus entwickelt der Film eine packende Parabel über Schuld, Verantwortung, und, allem voran, eine Geschichte von unerschütterlicher Kameradschaft und Liebe über den Tod hinaus. Die menschliche Nähe und Wärme stehen einer unmenschlichen, dunklen und kalten Umgebung gegenüber. Selbst die wortkargen Protagonisten verstummen im Angesicht der Stille und der Ruhe einer bizarren Unterwasserwelt. Ein Tapferkeitsabzeichen versucht den inneren, ewigen Schmerz zu lindern.

Je eine Lobende Erwähnung wurde zugesprochen
• Greg Kohs für "The Great Alone"
• Puria Ravahi für "Last Exit"

 

Kategorie Natur & Umwelt

Kamera Alpin in Gold 2017

an Jan und Melanie Haft für "Biene Majas wilde Schwestern" (Dauer 44 Minuten)

Begründung der Jury: Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie sind 75 Prozent der Insektenarten Mitteleuropas in den letzten Jahrzehnten verschwunden. Doch die Aufregung über dieses erschreckende Ergebnis legte sich rasch. Was man nicht kennt, schützt man nicht – der Satz aus den Erfahrungen der Biologen gilt auch hier. Wer etwa weiß schon, dass es neben der Honigbiene 560 Wildbienenarten bei uns gibt, deren Lebensweise sich deutlich von ihren domestizierten Verwandten unterscheidet und deren ökologischen Wert kaum einer kennt. Diese Dokumentation gibt ihnen eine Bühne, setzt sie mit allen Mitteln des modernen Naturfilms in Szene und ermöglicht überraschende Einblicke in eine Welt, die wir doch gut zu kennen glaubten: Da beobachten wir die Mohnbiene, die aus fingernagelgroßen Klatschmohnblüten für ihren Nachwuchs eine „Kinderstube aus rotem Samt“ herstellt, die Fransenschmalbiene, deren turmartige Erdbauten wie Miniaturausgaben von Termitenhügeln aussehen, oder die Schneckenhausbiene, die die Blütenpollen als Proviant für die Larven im Bauch des Schneckenhauses deponiert. Biene Maja haben wir im Kinderzimmer lieben gelernt. Jetzt berührt uns das Schicksal ihrer wilden Verwandten.

Eine Lobende Erwähnung erhielt
• Risteard O'Domhnaill für "Atlantic"

Mountainfilm Graz 2017zoom
 

Kategorie Menschen & Kulturen

Kamera Alpin in Gold 2017

an Ryan Patrick Killackey für "Yasuni Man" (Dauer 92 Minuten)

Begründung der Jury: Der Film spricht eine deutliche Sprache und lebt vom Interesse, von der Empathie und vom persönlichen Engagement des Filmemachers. Er beschreibt den Überlebenskampf des Stammes der Waorani und schafft es trotz der vielfach gezeigten Brutalität nie ins Voyeuristische abzugleiten, sondern die Realität klar abzubilden. Der Film kann als der ,reale Avatar‘ bezeichnet werden, da er die Tragödie, welche durch das moderne wirtschaftliche Streben nach Gewinn ausgelöst wird, ungeschminkt wiedergibt. Das Dilemma in dem sich jener Teil der Menschheit befindet, der nicht Schritt halten kann oder will, darf keiner Zuschauerin und keinem Zuschauer verborgen bleiben.

Eine Lobende Erwähnung erhielt
• Pieter Van Eecke für "Samuel in the Clouds"

Mountainfilm Graz 2017zoom
 

Mountainfilm Graz 2017: Die Filme

16 Bilder

 
 
 
 
 

Mountainfilm Graz im Jahr 2018

Die nächste Ausgabe von Robert Schauers Großveranstaltung "Mountainfilm Graz" wird von 15. bis 17. November 2018 stattfinden.

www.mountainfilm.com