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Startklar in die neuen Skitourensaison (Startklar in die Skitourensaison)

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Startklar in die neuen Skitourensaison

3 Tipps für einen gelungenen Start

Schneller als gedacht zieht die erste, winterliche Kaltfront durchs Land und bringt den sehnlich erwarteten Schnee. Endlich sind die Berge wieder weiß, endlich geht’s wieder auf Skitour. Hastig und - wie jedes Jahr – doch etwas überrascht ob der weißen Pracht, kramen wir schnell den ganzen Skitourenkrempel aus dem Keller und starten los. Und spätestens am Parkplatz bereuen wir – wie jedes Jahr – dass wir das Wachs nicht von den Skiern abgezogen haben …

Ein Beitrag von Gerhard Mössmer | veröffentlicht im Bergauf Magazin 05.2020

Steinige Skitouren sind nach den ersten Schneefällen im Frühwinter keine gute Idee, da die Verletzungsgefahr hoch ist. Besser wir beschränken uns auf Touren mit grasigem Untergrund oder auf Pisten (Regeln und Sperrzeiten beachten!). (Foto: G. Mössmer)
Steinige Skitouren sind nach den ersten Schneefällen im Frühwinter keine gute Idee, da die Verletzungsgefahr hoch ist. Besser wir beschränken uns auf Touren mit grasigem Untergrund oder auf Pisten (Regeln und Sperrzeiten beachten!). (Foto: G. Mössmer)

Freilich sind solche kleinen Pannen nicht unbedingt verantwortlich für Unfälle, den Saisonauftakt können sie uns aber dennoch gehörig vermiesen. Damit uns in den ersten Tagen im Gelände keine weiteren nervigen - und unter Umständen auch gefährlichen - Stop and Goes passieren, wollen wir am Beginn der Skitourensaison Material, Körper und Geist für eine - hoffentlich lange und unfallfreie – Zeit draußen durchchecken.

1. Ausrüstungscheck

Zum obligatorischen LVS-Training am Beginn der Saison gehört auch ein Materialcheck: Die alten Batterien haben wir im Frühsommer brav entfernt, um keine bösen Überraschungen durch auslaufende Batteriesäure zu erleben. Jetzt kommen selbstverständlich neue(!) Batterien ins LVS-Gerät

Bei der Lawinen-Schaufel kontrollieren wir, ob alle Verschlussmechanismen einwandfrei funktionieren. Hier kommt es immer wieder vor, dass die Verriegelungs-Knöpfe verrostet sind und stecken bleiben – diese einfach reinigen und etwas schmieren schafft Abhilfe.

Bei der Sonde stellt ebenso der Verschlussmechanismus die Schwachstelle dar. Nach dem Zusammenbau muss der Verschluss – oft ist bei textilen Zugschnüren der Knoten verschoben oder nicht fest genug - zuverlässig halten und die Sonde darf in den Segmentfugen kein Spiel haben. Zudem kontrollieren wir die Schnur im Inneren der Sonde auf Einrisse. Gerade bei elektronischen Sonden ist diese gern beschädigt, wenn beim Zusammenlegen der Sonde nicht darauf geachtet wurde, dass das Kabel genügend Spiel hat.

Haben wir einen Airbag-Rucksack, können wir entweder die empfohlene Probeauslösung machen, oder wir legen die Kartusche auf eine Küchenwaage und kontrollieren, ob das tatsächliche Gewicht mit dem angegebenen noch übereinstimmt. Damit stellen wir sicher, dass die Kartusche noch intakt ist.

Das Erste Hilfe-Packerl kontrollieren wir einerseits auf Vollständigkeit* und andererseits auf Funktionstüchtigkeit: Klebt das alte Tape noch? Sind die Schmerztabletten noch nicht abgelaufen? Sind die in die Jahre gekommen Wundauflagen noch steril? Sind die alten, vergammelte Mullbinden endlich dort gelandet wo sie hingehören und durch Vakuum-Verpackte Israeli-Bandagen oder Peha-Haft-Binden ersetzt worden?

Alles dabei? (Grafik: Sojer)zoom
 

Neben der Notfallausrüstung verdienen natürlich Ski, Bindung und Schuhe besondere Aufmerksamkeit. Vor dem Start empfiehlt sich ein Ski-Service im Fachhandel. Das Geld ist gut investiert, denn ein guter Belag und scharfe Kanten sind Sicherheitsfaktoren, insbesondere, wenn die erste Tour - wie so oft - über eine harte Kunstschneepiste führt. Dabei lassen wir gleich die Bindung einstellen und gehen sicher, dass der Schuh, den wir im Frühjahr noch schnell im Ausverkauf erstanden haben, auch in die Bindung passt. Apropos Schuhe: Sind die Schnallen und der Gehmechanismus noch ok? Kommt man erst am Gipfel drauf, dass es hiermit Probleme gibt, kann die Abfahrt sehr mühsam werden.

Ein eigenes Kapitel sind die Felle: Alter Fellkleber und die häufig tiefen Temperaturen im Frühwinter vertragen sich nicht allzu gut. Bei Bedenken, lassen wir die Felle besser gleich neu bekleben und wir haben die gesamte Saison Ruhe. Um lästiges Aufstollen zu verhindern, können wir die Haare mit einem einfachen Skiwachs-Block behandeln. Zu guter Letzt verdienen auch die Stöcke einen Check: Sitzen die Teller noch fest und funktioniert der Verschlussmechanismus?

* zu einem vollständigen, bergtauglichen (=wasserdicht) Erste Hilfe Paket gehören:

  • Pflaster und Blasenpflaster sowie Butterfly-Pflaster für Schnittwunden
  • sterile Wundauflagen und Peha-Haft Verband (Fixierbinde) oder stattdessen All-In-One: Eine Israeli-Bandage
  • Tape, Schere und Einweghandschuhe
  • Beatmungsfolie
  • Alu-Rettungsdecke und Dreiecks-Tuch

2. Bodycheck

Ausnahmsweise nicht im Sinne der Ersten Hilfe checken wir, ob die erste Tour zu unserer momentanen Fitness passt. Frei nach dem Motto „weniger ist mehr“ gehen wir diese gemütlich an. Wir müssen nicht am Start alles zerreißen. Die Saison ist bestimmt noch lange genug, um uns Schritt für Schritt zu steigern. Überdrehen wir hingegen unseren Motor schon zu Beginn, könnte es tatsächlich sein, dass wir einen echten Bodycheck** brauchen: Herzinfarkte sind - nach der Lawine - die zweithäufigste Todesursache auf Skitour. Mit regelmäßigem Herzkreislauf-Training, wie dem abendlichen Waldlauf, dem intensiven, einstündigen Spaziergang in der Mittagspause oder dem wöchentlichen Ergometer-Training im Fitnesscenter, sind wir gut vorbereitet. Ein gezieltes Skisport-spezifisches Krafttraining*** im Herbst kann ebenfalls nicht schaden. Schließlich ist Skitourengehen kein reiner Ausdauersport – Skifahren erfordert auch Kraft und Koordination. 

**Bodycheck nach (c)ABCD des Erste Hilfe Schemas: Siehe Bergauf-Serie „Taktische Alpinmedizin“

***Im Booklet „Alpine Trainingslehre“ von Kandolf/ Mayrhofer erfährt man wie’s richtig geht.

Nach der Lawine sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache auf Skitour (Zehnjahresmittel in Österreich von Nov. 2008 - Okt. 2018). (Quelle: Kurasi)
Nach der Lawine sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache auf Skitour (Zehnjahresmittel in Österreich von Nov. 2008 - Okt. 2018). (Quelle: Kurasi)
Herz-Kreislauf- und Kraftraining im Herbst sind notwendigen Grundlagen für einen guten Saisonstart. (Grafik: Sojer)
Herz-Kreislauf- und Kraftraining im Herbst sind notwendigen Grundlagen für einen guten Saisonstart. (Grafik: Sojer)
 

3. Braincheck

Wenn wir von Anbeginn der Saison den Lawinenlagebericht mitverfolgen bekommen wir ein besseres Bild über die Gesamtsituation. (Grafik: Sojer)
Wenn wir von Anbeginn der Saison den Lawinenlagebericht mitverfolgen bekommen wir ein besseres Bild über die Gesamtsituation. (Grafik: Sojer)

Oder anders: Hirn einschalten, denn zu einer guten Saisonvorbereitung gehört neben der körperlichen Fitness auch die geistige Komponente: Skitourengehen ist Risikosport. Macht es Sinn, nach den ersten Schneefällen im Gelände mit steinigem Untergrund unterwegs zu sein? Nein. Ski, Oberschenkelhals und Kreuzband werden es dir danken. Und wie schaut’s im Frühwinter am Gletscher, abseits der gesicherten Pisten, aus? Ebenfalls keine gute Idee, falls mit Spalten zu rechnen ist.

Neben der Verwendung unseres Hausverstandes macht es zu guter Letzt Sinn, sich von Anfang an ein Bild über die herrschenden Verhältnisse zu machen. Dabei hilft uns der Lawinenlagebericht. Verfolgen wir diesen von Anfang an - auch wenn wir noch nicht auf Tour waren - haben wir einen besseren Überblick über die Gesamtsituation. Gerade zu Winterbeginn müssen wir oft mit einer länger anhaltenden, bodennahen Schwachschicht**** kämpfen. 

Herrscht, wie so oft nach den ersten Schneefällen im Herbst, eine lange, stabile Hochdruckphase mit tiefen Temperaturen in der Nacht, fördert das vor allem schattseitig die Bildung von kantigen, lockeren Kristallen. Das Trügerische: Je geringmächtiger die Schneedecke, desto schneller geht diese Bildung von statten. Also: Wenig Schnee im Frühwinter ist nicht gleichzusetzen mit geringer Lawinengefahr.

****Gefahrenmuster 1 nach Nairz/ Mair

Im Herbst ruft der Gletscher für die ersten Schwünge im Tiefschnee. Aber besonders um diese Jahreszeit gilt: Achtung vor verdeckten Spalten! Wenn, dann nur mit Knowhow, entsprechender Ausrüstung und keinesfalls alleine. (Foto: G. Mössmer)
Im Herbst ruft der Gletscher für die ersten Schwünge im Tiefschnee. Aber besonders um diese Jahreszeit gilt: Achtung vor verdeckten Spalten! Wenn, dann nur mit Knowhow, entsprechender Ausrüstung und keinesfalls alleine. (Foto: G. Mössmer)

DI Gerhard Mössmer ist Berg- und Skiführer und in der Abteilung Bergsport für Publikationen zuständig.

Weitere Informationen

Mehr zu SicherAmBerg Skitouren finden Sie hier: SAB Skitouren

Publikationen

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