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Inklusive Transalp (Inklusive Transalp)

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Inklusive Transalp

Inklusion - Illusion oder Realität?

Vor Jahren wurden Menschen mit Behinderung noch vom Bergsport ausgegrenzt. Das hat sich inzwischen geändert, aber selbstverständlich ist ihre Beteiligung an Sport- und Bergerlebnissen immer noch nicht. Die Alpenvereinsjugend und der Alpenverein gehen eigene Wege. Ein nachdenklicher Blick auf inklusive Projekte der letzten 20 Jahre.


Die Ausschreibung lautete: „Wir möchten mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe (Menschen mit und ohne Behinderung) Inklusion (er-)leben und uns einer gemeinsamen Herausforderung stellen“. 

Inklusion: Das hört sich so schön und so einfach an. Offen sein, die Meinung des anderen hören und zulassen, in sich zu ruhen und „anders sein, denken und handeln zu tolerieren und sich gegenseitig zu unterstützen“. Unterschiedlichkeit als Chance zu sehen und jede Person selbstbestimmt am Leben teilhaben zu lassen, egal welches Geschlecht, welche Herkunft ob mit einer sichtbaren, unsichtbaren Behinderung oder sonstigen Verhaltensmerkmalen.

Die Motivation Inklusion zu leben ist eine Sache, die Umsetzung, vor allem in Extremsituationen, eine andere.

Rückblick - Inklusion im Apenverein

Seit ungefähr 20 Jahren begleitet die Autorin den Alpenverein dabei, „Inklusion zu leben“. Seitdem ist viel passiert. Zu Beginn gab es zwar eine positive inklusive Haltung, aber mehr nicht. Mittlerweile gibt es Ausbildungsprogramme, spezielle Angebote, barrierefreie Wege- und Hüttenportale, die spezielle Touren für beeinträchtigte Personen listen. Und in den Alpenvereinssektionen finden immer mehr Menschen, die sich inklusiv engagieren. Entscheidend ist auch, dass Inklusion immer selbstverständlicher wird

Seit einigen Jahren gibt es einige Leuchtturmprojekte wie das Team Insieme, welches 2015/2016 stattfand und jüngst ROL IT – Radeln ohne Limits, eine Inklusive Transalp, die im Zeitraum 2018/2019 geplant und durchgeführt worden ist. In diversen Medien – auch im Fernsehen – wurde darüber ausführlich berichtet.

Team Insieme in Schweden. (Foto: M. Meusburger)zoom
Team Insieme in Schweden. (Foto: M. Meusburger)
Team Insieme im Bregenzer Wald. (Foto: M. Meusburger)zoom
Team Insieme im Bregenzer Wald. (Foto: M. Meusburger)
 

Team ROL IT Radeln ohne Limits - Inklusive Transalp

Logo Alpenvereinsjugend.

Ein Projekt der Alpenvereinsjugend

Die Gruppe konnte sich über einen Zeitraum von 1,5 Jahren kennenlernen und als Team zusammenfinden. Somit war sichergestellt, dass Stärken und Schwächen von jedem einzelnen bekannt waren, bevor es auf die gemeinsame Transalp im September 2019 ging. 

Das Ziel der Gruppe war es ca. 500 km und 10.000 Hm in neun Tagen von Scharnitz zum Gardasee mit (Hand-) Mountainbikes zu radeln. Ein ehrgeiziges Ziel, das aber durchaus realistisch schien. Jeder Einzelne für sich und im Team trug einen Teil zum Erfolg des Projekts bei. Manche haben im Vorfeld Sponsoren gesucht, andere haben die Strecken geplant, wieder andere haben sich um Material und Unterkünfte gekümmert. Am Ende stand ein „fast perfekter“ Plan. Und die Gruppe schaffte es auch mit kleineren und größeren Hürden zum Gardasee.

Rückblick auf ROL IT

Drei Monate nach der erfolgreich absolvierten Transalp trafen sich die Teilnehmer für ein Wochenende, um das Projekt zu feiern und zu reflektieren. Bemerkenswert war dabei ein Statement eines Teammitglieds: „Es braucht keine Menschen mit Behinderung um Inklusion zu leben“. Das ist eine beeindruckende Aussage und eine wichtige Erkenntnis. 

Wie oft denken wir bei dem Thema Inklusion an Menschen mit und ohne Behinderung? Ich denke, wir müssen unseren Blickwinkel erweitern und erkennen, dass Inklusion allgegenwärtig ist. Das heißt, jede Gruppe ist inklusiv, denn wir haben es immer mit unterschiedlichsten Menschen zu tun. Wenn wir Inklusion auf Menschen mit und ohne Behinderung reduzieren, haben wir bereits die erste große Stolperfalle. Zumeist konzentriert man sich zu stark auf die Bedürfnisse der behinderten Teilnehmer und vergisst dabei vielleicht die anderen Beteiligten. Ein „nichtbehinderter“ Teilnehmer hätte sich vermutlich nie zu einer „normalen Transalp“ angemeldet, weil er Angst hatte, zu wenig fit zu sein. Bei der Ausschreibung zur inklusiven Transalp scheute er davor nicht zurück.

Die Tour auf alpenvereinaktiv.com: Tour auf alpenvereinaktiv

Mehr über die einzelnen Steps der Inklusiven Transalp lest ihr auf der Website der Alpenvereinsjugend und am Blog Tage draußen:

Team ROL IT; Etappe 2 auf der Blaserhütte. (Foto: M. Presslaber)zoom

Sichtbare und unsichtbare Behinderung

Eine weitere wichtige Erkenntnis war, dass es offensichtliche und weniger erkennbare Behinderungen gibt. Zum Teil sind die unsichtbaren auch noch nicht erkannt, geschweige denn bearbeitet worden. 

Somit müssen wir uns genügend Zeit nehmen, um Raum zu schaffen für Erkenntnisse, Aufbereitung und ein gemeinsames Definieren von Werten, Visionen und Zielen.

Die Chance auf mehr

Wenn Inklusion gut gelebt wird, besteht die Chance gemeinsam mehr zu schaffen als alleine. Dies wurde vor allem bei der Königsetappe über den Brenner-Grenzkamm deutlich. Bereits in der Vorbereitung sind diese Etappe vier Personen abgefahren und haben festgestellt, dass es sehr hart werden würde, vielleicht sogar unmöglich. Aber am entscheidenden Tag, als es ums Ganze ging, haben wir als Team diese Etappe fast spielerisch geschafft.

 
Team ROL IT; Etappe 5: Immer wieder gemeinsame Schiebpassagen am Brenner-Grenzkamm. (Foto: E. Emprechtinger)zoom
Team ROL IT; Etappe 5: Immer wieder gemeinsame Schiebpassagen am Brenner-Grenzkamm. (Foto: E. Emprechtinger)
Team ROL IT auf der Transalp vor dem Geiseljoch. (Foto: M. Presslaber)zoom
Team ROL IT auf der Transalp vor dem Geiseljoch. (Foto: M. Presslaber)
 

Gemeinsames Verständnis von Inklusion

In einer Schlüsselsituation wurde uns klar, dass unser Verständnis von Inklusion nicht einheitlich ist. Im Vorfeld wurde immer wieder besprochen, das sich die Gruppe auch teilen kann, sofern es Sinn macht. Auf der Tour hatten wir dann eine Extremsituation und entschieden spontan die Gruppe aus Gründen der Sicherheit zu teilen. Abends musste eine Entscheidung getroffen werden, wie es am nächsten Tag weitergehen soll. Denn eine Fahrt bei 30 cm Neuschnee über das Tuxer Joch war für die Handbiker nicht möglich. Die Gruppe zu trennen, schien zu Beginn der Diskussion nicht denkbar, weil wir doch die Transalp „gemeinsam“ radeln wollten. 

Was heißt jedoch gemeinsam? Alle machen das Gleiche? Oder unterschiedliche Wege führen zum gemeinsam definierten Ziel? Schließlich haben wir erkannt, dass sich ein Team nicht dadurch auszeichnet, alles „gleich“ zu machen, sondern dadurch, dass die Teammitglieder zusammenhalten, auch wenn sie einmal getrennte Wege gehen.


Inklusion ist allgegenwärtig

Für mich stellt sich die Frage nicht, ob wir Inklusion als Weg wählen, sondern nur noch, wie wir gemeinsam diesen inklusiven Weg gehen können. Wir werden in unserer Welt immer mehr mit unterschiedlichen Befindlichkeiten, ob diese körperlicher, sozialer Herkunft oder psychischer Natur sind, zu tun haben. Wir leben in einer inklusiven Welt und müssen uns dem stellen.

 
Beim Kennenlernen des ROL IT Team in Weissbach. (Foto: M. Presslaber)zoom
Beim Kennenlernen des ROL IT Team in Weissbach. (Foto: M. Presslaber)

Miteinander statt Nebeneinander

Bei Inklusion geht es vor allem darum, ein Miteinander statt ein Nebeneinander zu leben. Dieses Miteinander kann aber unterschiedlich aussehen und muss von Gruppe zu Gruppe neu diskutiert und definiert werden. Menschen sind unterschiedlich und haben verschiedene Erwartungen, Ziele, Werte und Visionen, unabhängig von sichtbarer und unsichtbarer Behinderung, Alter, Geschlecht, sozialer Herkunft oder sonstigen Verhaltensmerkmalen. Um mit dieser Unterschiedlichkeit gut umzugehen, ist es meiner Meinung nach notwendig, genug Zeit für Werte, Ziele und Kommunikationskultur einzuplanen, und die passenden Rahmenbedingungen bereit zu stellen. Wichtig ist es, sich klar zu werden, welche Werte und Ziele verfolgt werden sollen und sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein und sich auf ein gutes Miteinander einzustellen und das auch immer wieder zu reflektieren. Wir leben in einer inklusiven Gesellschaft, die sich weiterentwickeln muss, um mit Unterschiedlichkeit gut umgehen zu können. Ein Weg, den wir meiner Meinung nach gehen müssen und der sich lohnt.

Beitrag von Andrea Szabadi Heine

Sie arbeitet als Trainerin und Beraterin. Seit einem Unfall 1999 inkomplett querschnittsgelähmt, möchte sie an der Vision einer inklusiven Welt mitwirken. Dabei verknüpft sie ihre Erfahrung als Trainerin und Sportlerin und darf dank des Alpenvereins außergewöhnliche Wege gehen.

Porträt Andrea Szabadi Heine. (Foto: M. Emprechtinger)zoom
Porträt Andrea Szabadi Heine. (Foto: M. Emprechtinger)
 

Tipps für die Planung und Ausarbeitung inklusiver Projekte

  • Klare Auftragsklärung und Ausschreibung – Inhalte, Ziele und Teilnehmervoraussetzungen klar benennen
  • Bewerbungs- und Anmeldeformular möglichst umfassend gestalten und zusätzlich ein persönliches Gespräch anstreben (Telefon, Skype, …)
  • Genügend Zeit für Austausch, Werte und Zielfindung einplanen
  • Bedenken, dass Menschen, ob mit oder ohne Behinderung Stärken und Schwächen im zwischenmenschlichen Miteinander haben
  • Eine gute Vorbereitung, ideale Rahmenbedingungen und gutes Material sind Grundvoraussetzungen, um Extremsituation bewältigen zu können
  • Je heterogener eine Gruppe ist und je anspruchsvoller die Situation ist, umso höher ist die Anforderung an Projektleitung. Eine gute Mischung aus Fach-, Methoden- und Metakompetenzen sowie persönliche Erfahrungen sind nützlich.

INKlettern - ein Projekt der Alpenvereinsjugend

Bei der INKlettern-Tour sollen Menschen MIT und OHNE Beeinträchtigung im Setting des Breitensports Klettern zusammenkommen. Gemeinsames Lernen von Anfang an lässt Berührungsängste schwinden, Vorurteile erst gar nicht entstehen und fördert gegenseitige Akzeptanz. Mehr Infos dazu hier!

Inklettern Foto: Anael Wirtl
Inklettern Foto: Anael Wirtl