Logo Österreichischer Alpenverein

Materialkunde: Seilklettern (Klettern: Das Seil, dein bester Freund)

Mitglied werden
zur Anmeldung
Unsere Alpen ... einfach schön!
Produkt des Monats
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://werner-mertz.at/
Teaser-Banner-Bild mit Link auf http://www.salewa.com
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.suzuki.at
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.generali.at
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://goo.gl/Ryyfkd
Teaser-Banner-Bild mit Link auf http://www.sportler.com

Materialkunde: Seilklettern

Das Kletterseil, dein bester Freund

Die Ausrüstung ist besser als je zuvor und trägt dazu bei, das Unfallrisiko zu senken. Doch wie pflege ich mein Seil richtig? Wie lange „lebt“ mein Seil? Wie klippe ich richtig ein? 

Kletterseile sind dynamische Seile, die so konstruiert sind, dass sie die bei einem Sturz auftretende Energie aufnehmen. Statische bzw. halbstatische Seile weisen dieses Energieaufnahmevermögen nicht auf. Ihre Gebrauchsdehnung liegt unter 5 %, wodurch sie besonders für den Einsatz beim Canyoning, der Speläologie, in Hochseilgärten und der Bergrettung geeignet sind. Bei Kletterseilen unterscheidet man Einfach-, Halb- und Zwillingsseile. Halb- und Zwillingsseile kommen fast ausschließlich im alpinen Gelände zum Einsatz. Sie bieten höhere Sicherheitsreserven und die Möglichkeit, eine volle Seillänge auch wieder abzuseilen.

Seiltransport. (Bild: Alpenverein)zoom
Kletterseil. (Bild: Alpenverein)zoom
Seilpflege (Bild: Alpenverein)zoom
 

4 Tipps zur Seilpflege

Die Lebensdauer und das Handling eines Seils sind auch abhängig von der Pflege. Dazu ein paar wichtige Tipps:

Inbetriebnahme: 

Die meisten Seile werden nach der Fertigung auf einer Trommel krangelfrei aufgerollt. Vor der ersten Verwendung muss ein solches Seil wieder abgerollt werden. Ansonsten entstehen gleich lästige Krangel, die nur mehr schwer loszuwerden sind. 

Beim Abrollen legt man ein Tuch oder einen Seilsack auf einen Tisch und darauf das wie einen „Ring“ ausgepackte Seil. Ist das Seil doppelt aufgerollt worden, muss es auch wieder doppelt abgerollt werden. In diesem Fall sind beide Seilenden außen. Wird dies nicht befolgt, ist ein Ende außen und eines innen im Seilring. Man beginnt nun mit dem/den äußeren Ende/n und lässt es/sie über die Tischkante auf den Boden laufen, indem man das Tuch entgegen der Wickelrichtung dreht. Anschließend wird das abgewickelte Seil noch mehrmals von einem Ende aus durchgezogen. Neuerdings gibt es aber auch schon Seile, die in Form einer „Seilpuppe“ aufgewickelt sind. Bei diesen Modellen genügt es, das Seil von einem Ende beginnend mehrmals durchzuziehen

Transport: 

Im Seilsack lässt sich das Seil einfach und schnell verstauen und wird auch vor Verschmutzungen geschützt. 

Zum Transport ohne Seilsack muss man das „Seil aufnehmen“. Wichtig dabei ist, dass man es nicht ringförmig aufnimmt, sondern in Schlaufen, welche abwechselnd links und rechts herunterhängen (Lap Coiling). Dies kann über eine Hand, über den Nacken oder über den Oberschenkel gemacht werden. 

Verschmutzung: 

Ein Seil sollte stets vor Verschmutzung geschützt werden, da der Schmutz in den Mantel kriecht, dort wie Schleifpapier wirkt und den Mantel zerstört. Daher Seile nicht ungeschützt auf den Boden legen, am besten immer am Seilsack bzw. in einem Seilkorb, wie sie in vielen Hallen leihweise zur Verfügung stehen, lagern. 

Frischen, oberflächigen Schmutz entfernt man am leichtesten, indem man eine Seilpuppe mehrmals kräftig ausschlägt (zB. gegen einen Baum). 

Stärkere Verschmutzung lässt sich nur durch Waschen beseitigen. Dazu verwendet man am besten ein mildes Synthetik-Waschmittel und wäscht das Seil entweder mit der Hand in der Badewanne oder mit dem Woll-Programm in der Waschmaschine. Das Seil darf dabei niemals geschleudert werden. 

Danach das Seil zum Trocknen an einem trockenen, kühlen Platz auslegen und nicht aufhängen! Seile, die mit Salzwasser in Berührung gekommen sind, sollen mit klarem Wasser gespült werden, ansonsten bleiben Salzkristalle im Seil zurück, was ebenfalls die Lebensdauer reduziert.

Krangeln: 

entstehen durch Bedienungsfehler; Seil frei aushängen oder mehrmals durch eine Umlenkung ziehen um Krangel herauszubekommen.

Generell: allgemeiner Materialcheck

  • Die Kletterausrüstung, also Seil, Schlingen, Karabiner, Sicherungsgerät sowie Gurt auf Funktionstüchtigkeit und eventuelle Beschädigungen kontrollieren! 
  • Auch kann man das Sicherungsgerät ruhig mal einer Grundreinigung unterziehen.

Lebensdauer eines Seiles

Die wahre Lebensdauer eines Seils lässt sich durch die Vielzahl an Einflussfaktoren sehr schwer definieren und sollte auch im eigenen Interesse nicht vollständig ausgereizt werden. Als Richtwert dient der Hinweis in der Bedienungsanleitung. Die Entscheidung, wann ein Seil ausgetauscht wird, muss schlussendlich jeder für sich selbst treffen.

Lebensdauer eines Seiles. (Bild: Alpenverein)zoom
Lebensdauer eines Seiles. (Bild: Alpenverein)
 

Seilnormen

Kletterseile müssen die Anforderungen der Norm EN 892 erfüllen. Diese sind:

  • Sturzzahldie Anzahl der Normstürze dient als vergleichbares Qualitätsmerkmal für die Leistungsfähigkeit und zu erwartende Lebensdauer eines Seiles
  • Fangstoßist die maximal auftretende Kraft, die bei einem Normsturz auf den Kletterer einwirkt. Je geringer der der Fangstoß, desto weicher und komfortabler ist der Sturz für Kletterer und Sichernden
  • Fangstoßdehnung (dynamische Dehnung): Dehnung beim ersten Sturz und darf bei allen Seiltypen 40% nicht überschreiten
  • Gebrauchsdehnung (statische Dehnung): ist aus rettungstechnischer Sicht begrenzt, da je mehr Gebrauchsdehnung, desto aufwendiger ist eine Bergung
  • Mantelverschiebung: wenn das Seil gezogen und gewalkt wird darf die Verschiebung des Mantels gegenüber dem Kern maximal 40 mm betragen
  • Knotbarkeit: diese Prüfung soll verhindern, dass sich Knoten schon bei normalem Gebrauch nicht mehr öffnen lassen
  • Durchmesser: wird je nach Seiltyp unter verschiedenen Belastungen gemessen

Was muss ich beim Vorstiegs-Klettern beachten?

Beim Vorstieg ist man im Gegensatz zum Toprope-Klettern nicht mehr von oben gesichert. Der Kletterer wird vom Boden aus gesichertEr hängt beim Klettern das Seil in die Zwischensicherungen ein und verhindert damit, dass die mögliche Sturzhöhe gefährliche Ausmaße annimmt. Durch das Einhängen der Zwischensicherungen und die größere mögliche Sturzhöhe steigen sowohl die physischen als auch die psychischen Anforderungen an Kletterer und Sicherer. Beide müssen daher ausgiebig auf die neuen Aufgaben vorbereitet werden.

„Klinken“ und „Klippen“

Das Einhängen der Zwischensicherungen wird auch „klinken“ oder„klippen“ genannt. Dazu muss zuerst die Expressschlinge in den Haken, anschließend das Seil in die Expressschlinge eingehängt werden. In Kletterhallen muss meist nur das Seil in die bereits vorhandenen Expressschlingen eingehängt werden. Die erste Zwischensicherung wird sobald wie möglich eingehängt, alle folgenden aus einer stabilen Position idealerweise zwischen Brust- und Hüfthöhe. Das erhöht die Sicherheit und spart Kraft.

Schnapper richtig positionieren. (Bild: Alpenverein)zoom

Fixpunkt-Check:

Bevor man eine Zwischensicherung einhängt, ist sie einer kurzen Prüfung zu unterziehen. Natürlich kann nicht während des Kletterns die Zuverlässigkeit eines Hakens hundertprozentig beurteilt werden.Es gibt aber einige offensichtliche Mängel, die sehr wohl erkennbar sind und eventuell einen Rückzug erfordern:

  • fortgeschrittene Korrosion
  • Haken stark verformt
  • Haken wurde bereits etwas aus dem Fels herausgezogen
  • Haken oder Lasche locker

Bei vorinstallierten Expressschlingen noch zusätzlich:

  • Schlinge bereits stark durchgescheuert
  • Karabiner schließt nicht mehr selbständig


 

Seil richtig einhängen

Wird dem Fixpunkt vertraut, kann die Expressschlinge eingehängt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass: 

  • die Karabiner möglichst frei hängen und sich nicht selbst öffnen können (die Schnapper dürfen nicht am Fels aufliegen)
  • Karabiner und Schlinge nicht über eine Kante belastet werden
  • der geschlossene Schenkel des Karabiners auf der Kletterseite ist, wenn der weitere Routenverlauf ersichtlich ist und seitlich der Zwischensicherung verläuft
Einhängen. (Bild: Alpenverein)zoom

Normen bei Kletterausrüstung

Nicht nur Kletter- und Sicherungstechniken werden permanent verändert und verbessert, auch Ausrüstung und Material entwickelten sich vor allem in den letzten Jahren immer weiter. Selbst „Experten“ haben bei der Vielzahl der Produkte, die die Sportartikelindustrie Jahr für Jahr produziert, alle Hände voll zu tun, um am neuesten Stand zubleiben. Die Ausrüstung im Sportklettern ist besser als je zuvor – was wesentlich dazu beiträgt, das Unfallrisiko zu senken. Es darf nur Material verwendet werden, das normgerecht und mit CE-Zeichen versehen ist. Produkte, die im Sportfachhandel vertrieben werden, müssen ein CE-Zeichen tragen. Es gewährleistet, dass das gekennzeichnete Produkt die EN-Norm erfüllt. 

Darüber hinaus existiert noch die UIAA-Norm (Union Internationale des Associations d`Alpinisme).Die Anforderungen laut UIAA sind meist höher als die der EN-Norm,da die UIAA seit Jahrzehnten als Pionier und Vorreiter in Sachen Bergsportausrüstung gilt. Die UIAA-Prüfung ist freiwillig, hat aber durch ihre hohen Standards auch außereuropäisch als Qualitätsmerkmal einen hohen Stellenwert in Bergsportkreisen.

Prüfzeichen. (Bild: Alpenverein)zoom
Prüfzeichen. (Bild: Alpenverein)

Die Lebensdauer der Kletterausrüstung ist davon abhängig, wie viel sie verwendet wird. Textilprodukte sind nach spätestens 10 Jahren zu erneuern. Für Metallwaren gilt das nicht, sie sind jedoch in regelmäßigen Abständen einer Sichtkontrolle zu unterziehen. Auskunft über die Lebensdauer, Pflege und natürlich über die richtige Verwendung gibt die Bedienungsanleitung.

 
Seilklettern. (Bild: Alpenverein)zoom
 

Mehr zum Thema Klettern

Mehr Informationen zum Thema Seilklettern und detaillierte Beschreibungen gibt es im Handbuch, welches im Shop bestellt werden kann. Hier geht´s zum Webshop

Lehrvideos und Informationen zu den gängigsten Sicherungsgeräten findest du auf unserer SicherAmBerg Sportklettern Seite: