Logo Österreichischer Alpenverein

Nein zur Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal (Nein zur Gletscherverbauung)

Mitglied werden
zur Anmeldung
Jetzt Mitglied werden und sparen!
Kampagne "Unsere Alpen"
Produkt des Monats August
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.suzuki.at
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.generali.at
Teaser-Banner-Bild mit Link auf http://www.salewa.com
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://werner-mertz.at/
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://goo.gl/Ryyfkd
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.bergwelten.com/

Nein zur Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal

Österreichs Alpenschutzverbände fordern sofortigen Projektstopp

[24.06.2019] Alpenverein, Naturfreunde und WWF machen sich stark für den Erhalt alpiner Freiräume – Verbauung unberührter Tiroler Gletscher für den Massentourismus muss gestoppt werden.

Naturschutzverbände fordern Integration des Linken Fernerkogel in das angrenzende Ruhegebiet „Ötztaler Alpen“. 
Foto: WWFzoom
Naturschutzverbände fordern Integration des Linken Fernerkogel in das angrenzende Ruhegebiet „Ötztaler Alpen“.
Foto: WWF

Die Allianz für die Seele der Alpen, bestehend aus Alpenverein, Naturfreunden und WWF Österreich, fordert den Stopp für das geplante Mega-Projekt „Schigebietserweiterung und -zusammenschluss Pitztal-Ötztal“. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 24.06.2019 im Alpenvereinshaus in Innsbruck kritisierten die heimischen Alpen- und Naturschutzverbände die ökologische Kurzsichtigkeit der Projektpläne. 

Mit dem Linken Fernerkogel und den Gletschern Karlesferner, Hängender Ferner und Mittelbergferner würde zugunsten des Massentourismus eine gänzlich ursprüngliche und intakte Hochgebirgslandschaft endgültig zerstört werden. Daher fordert die Allianz den umgehenden Stopp des Projektes und stattdessen die Integration des Linken Fernerkogels in das angrenzende Ruhegebiet „Ötztaler Alpen“.

Nur mehr sieben Prozent der österreichischen Staatsfläche sind heute weitgehend naturbelassen und unerschlossen. Doch der Nutzungs- und Erschließungsdruck auf diese besonders wertvollen, letzten alpinen Freiräume ist größer denn je.

„Die Verbauung unberührter Gletscherwildnis mit energiefressender Infrastruktur ist sinnbildlich für die verfehlte Klima- und Umweltpolitik Österreichs: Anstatt die großen Herausforderungen unserer Zeit – Klimakrise, Biodiversitätskrise und Flächenfraß – ganzheitlich zu betrachten und auf allen Ebenen zu bekämpfen, herrscht eine fahrlässige Kurzsichtigkeit seitens der Entscheidungsträger“, kritisiert Josef Schrank, Alpenschutzexperte vom WWF Österreich. „Für Prestigeprojekte wie die Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal wird kostbare Landschaft für immer zerstört. Stattdessen müsste die Tourismuswirtschaft längst auf naturverträgliche Modelle setzen“, so WWF-Experte Schrank.

Pressekonferenz "Nein zur Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal" am 24.06.2019. Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
Pressekonferenz "Nein zur Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal" am 24.06.2019. Foto: Alpenverein/Benedikter
 

Das Ausbaggern und Asphaltieren eines Speicherteiches, der Bau von Gebäuden, Seilbahnen, Wegen und Pisten würden zwangsläufig den Totalverlust wertvollster alpiner Lebensräume bedeuten. Für den Bau der Bergstation würde gar ein Gipfel abgetragen werden. Wasserableitungen für technische Beschneiung, Querungen und Verlegungen drohen den Zustand der natürlichen Gewässer zu verschlechtern. Aufgrund der extremen Höhenlage ist eine vollständige Regeneration derartiger Lebensräume von den geplanten Eingriffen nicht möglich. 

Robert Renzler, Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins. Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
Robert Renzler, Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins. Foto: Alpenverein/Benedikter

Robert Renzler, Generalsekretär Österreichischer Alpenverein:

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine derartige Zerstörung in Kauf genommen wird. Die Gletscher schmelzen uns unter den Füßen weg. Gleichzeitig werden unberührte Fließgewässer zur Beschneiung von Gletscherskigebieten genutzt und Speicherteiche errichtet. Ohne umfassende Klimaschutzmaßnahmen und bei weiter zunehmender Klimaerwärmung könnten sämtliche Gletscher in den Alpen bis 2100 weitgehend verschwunden sein. Daher brauchen wir anstatt neuer touristischer Infrastruktur vielmehr einen umfassenderen Schutz für alpine Regionen.“

 
Grafik: Geplante Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal. Foto: Allianz für die Seele der Alpenzoom
Grafik: Geplante Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal. Foto: Allianz für die Seele der Alpen

Eckdaten zur geplanten Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal

  • 35.000 m³ verbauter Beton 
  • Sprengung & Abtrag von über 750.000 m³ Gestein, Erde & Eis 
  • Mehr als 116 Fußballfelder permanenter Flächenverbrauch

Die geplanten Bauprojekte umfassen unter anderem: 

  • Drei Seilbahnen 
  • Dreistöckiges Seilbahnzentrum (über 15.000 m² Nutzfläche) 
  • Restaurants und Bars (Kapazität für 1.600 Gäste)
  • Befahrbarer Tunnel (600 m Länge, 7 m Durchmesser) 
  • Asphaltierter Speicherteich (104.000 m³) 
  • Zusätzliche Beschneiungsanlage 
  • Mehr als vier Kilometer an Straßen und Wegen 
  • Planierung, Überschüttung, Abtrag von 72 ha gewachsenem Gletscher 
  • Schleifung eines Berggrats am Linken Fernerkogl um 40 Höhenmeter  und 120.000 m³

Die Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal sieht vor, dass eine Fläche von rund 90 Fußballfeldern (64 Hektar) an wild zerklüfteter Gletscherlandschaft zu Schipisten eingeebnet und planiert wird. Für die Errichtung neuer Gebäude sollen zwei Fußballfelder (1,6 Hektar) an Gletschereis abgetragen werden.

Leopold Füreder, Vorsitzender Naturfreunde Tirol.
Foto: Alpenverein/Benedikterzoom
Leopold Füreder, Vorsitzender Naturfreunde Tirol.
Foto: Alpenverein/Benedikter

„Wir müssen diesen alpinen Flächenfraß stoppen: Gletscher spielen eine essenzielle Rolle im Wasserhaushalt alpiner Regionen, sind Wasserspeicher und einzigartige Naturschätze“, erklärt Leopold Füreder, Vorsitzender Naturfreunde Tirol. „Die heute noch unerschlossenen Gletscher müssen bundesweit und ausnahmslos vor belastender Erschließung und Nutzung geschützt werden. Der Natur- und Wasserschatz Gletscher gehört der Allgemeinheit und nicht einigen wenigen finanzstarken Investoren. Die Umsetzung des geplanten Projekts hätte auch schwerwiegende Auswirkungen auf das charakteristische Landschaftsbild. Verbauung und Schigebietsbetrieb würden den Erholungswert und das sommertouristische Potenzial des Gebiets erheblich beeinträchtigen.“

 

Projektstand

Das Projekt „Schigebietserweiterung und  -zusammenschluss Pitztal-Ötztal“ wurde im Mai 2016 erstmals eingereicht. Insbesondere aufgrund der notwendigen Ergänzung der unvollständigen Projektunterlagen durch die Betreiber startete im Mai 2019 die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Im Falle einer Genehmigung soll im Herbst 2020 mit dem sechsjährigen Bau begonnen werden.