Logo Österreichischer Alpenverein

Auszeichnung für Cerro Torre-Besteigung "by fair means" (Piolet d'Or: Auszeichnung für David Lama und Peter Ortner)

Mitglied werden
zur Anmeldung
Kampagne "Unsere Alpen"
Produkt des Monats November
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.generali.at
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://www.bergwelten.com/
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://werner-mertz.at/
Teaser-Banner-Bild mit Link auf https://goo.gl/Ryyfkd
Teaser-Banner-Bild mit Link auf http://www.edelweissbier.at/
Teaser-Banner-Bild mit Link auf http://www.salewa.com

Auszeichnung für Cerro Torre-Besteigung "by fair means"

David Lama und Peter Ortner wurden bei den Piolets d'Or in Chamonix/Courmayeur geehrt

David Lama am Cerro Torre.
(Fotos: Rich/Else-Red Bull Content Pool)zoom
David Lama am Cerro Torre.
(Fotos: Rich/Else-Red Bull Content Pool)

Zusätzlich zu den sechs nominierten Besteigungen hat die Jury der Piolets d'Or eine 'Besondere Auszeichnung' für zwei symbolisch und historisch bedeutende Begehungen am Südost-Grat des Cerro Torre zu Beginn des Jahres 2012 ausgesprochen.

Die Gründe für diese Entscheidung werden im Folgenden zusammengefasst, darunter auch Stellungnahmen des Vorsitzenden der Jury, Stephen Venables, und des Jury-Mitgliedes Silvo Karo.

Cerro Torre, der "unmögliche Berg"

Nach der Erstbesteigung des benachbarten Fitz Roy im Jahre 1952 beschrieb der Franzose Lionel Terray den Cerro Torre als einen "unmöglichen Berg", ein passender Ausdruck für die eisbedeckte, über 1.000 Meter hohe Felsnadel, die er vor sich sah. Unmöglich, weil sein Verständnis von Alpinismus die Bereitschaft voraussetzte, sich auf die natürlich gegebenen Schwierigkeiten des Berges einzulassen.

Cerro TorreIm Jahre 1970 hat Cesare Maestri am Südost-Grat über 300 Bohrhaken gesetzt und damit den Charakter dieses wilden und spektakulären Berges dauerhaft verändert. Im Januar 2012 kletterten Hayden Kennedy und Jason Kruk den Südost-Grat "by fair means". Im Abstieg entfernten sie viele der Bohrhaken und machten damit den ersten Schritt, die natürlichen Schwierigkeiten des Berges wiederherzustellen und ihn in seinen ursprünglichen, nicht kontroversen Zustand zurück zu versetzen.

Wenige Tage später bewältigten die Österreicher David Lama und Peter Ortner mit einer Rotpunkt-Begehung des Südost-Grates eine noch größere Herausforderung. Die Organisatoren der Piolets d'Or kündigten nun in einer Presseaussendung an, dass die Protagonisten der beiden Besteigungen vom 3. bis 6. April in Chamonix/Courmayeur zugegen sein werden.

Bohrhaken im wilden Fels

In seinem Buch "2000 Metri della Nostra Vita" stimmt Maestri den Kletterern Kennedy und Kruk zu - schließlich habe er vor dem Abseilen beschlossen, "alle Bohrhaken zu entfernen und die Route so zu hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben". Leider gab Maestri jedoch angesichts der Ausmaße dieses Vorhabens nach den ersten 20 Bohrhaken auf.

Die Bohrhaken verdeckten andere Möglichkeiten: dadurch, dass der Cerro Torre wieder in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt wurde, hat sich der Horizont erweitert, wie die unzähligen Begehungen der Westwand dieses Jahr zeigen. Es ist deutlich geworden, dass die physische Präsenz der Bohrhaken weniger wichtig war als ihre psychologische Wirkung und ihre Tendenz, die Aufmerksamkeit von den natürlichen, kletterbaren Linien am Berg abzulenken.

Maestris Odyssee und die Kompressor-Route werden in Geschichtsbüchern als Beispiel für die menschliche Überheblichkeit weiterleben, während der Cerro Torre wieder zu einem Symbol für alpines Abenteuer geworden ist.

Die Grundwerte des Alpinismus vs. Klettern als Konsumprodukt

Die Ereignisse am Cerro Torre im Jahr 2012 zwingen uns dazu, über die Grundwerte des Alpinismus nachzudenken. Wie Reinhold Messner erklärt, ist es Zeit "die Ketten des Eroberungs-Alpinismus zu sprengen (¹)… und die Grenzen des Erlaubten neu zu definieren - denn wir brauchen solche Grenzen wenn wir die Tugend des Mutes gebrauchen wollen, um uns den Bergen anzunähern." (²)

Auf die Frage nach seiner Meinung zur Kompressor-Route antwortet der legendäre slowenische Kletterer Silvo Karo - Erstbegeher zweier Routen und eines Link-ups am Cerro Torre, folgendes: "Diese Route ist der Zukunft gestohlen worden. Ohne all diese Bohrhaken wäre die Geschichte dieses herrlichen Berges ganz anders verlaufen. Ich bin davon überzeugt, dass es im Alpinismus wichtiger ist wie man klettert, als was man klettert."

Der Präsident der Piolet-d'Or-Jury, Stephen Venables, drückt es ähnlich aus: "In den letzten 20 Jahren wurde das Klettern mehr und mehr zu einem Konsumprodukt, das man bezahlt, um eine vorgefertigte und vorhersehbare Erfahrung zu machen. Dank Kennedy, Kruk, Lama und Ortner hat der Süd-Ost-Grat des Cerro Torre seinen echten Abenteuercharakter zurück erhalten. Ich denke, das geht weit über den Cerro Torre hinaus: das ständige Anbringen von Bohrhaken an jedem Felsblock auf der ganzen Welt, untergräbt die grundlegenden Werte des Alpinismus."

(¹) Persönliche Korrespondenz
(²) Le Meurtre de l’Impossible, 1967