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Ganz ohne Auto (Ohne Auto in die Berge)

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Ganz ohne Auto

Möglichkeiten und Herausforderungen

Ohne Auto in die Berge. Eigentlich eine klare Sache, sollte man meinen. Denn was wäre für naturliebende Menschen und Bergfexe naheliegender als ein besonders umweltbewusstes Verhalten? Und wo sollte dies – in Zeiten der Klimakrise – als Erstes zum Tragen kommen, wenn nicht bei der Fahrt in die Berge?

Ein Text von Peter Backé | veröffentlicht im Bergauf Magazin 02-2021.

Das "Bahn zum Berg"-Vorstandsteam Peter Backé, Veronika Schöll und Martin Heppner (nicht im Bild) unterwegs ins Gesäuse. (Fotos: M. Heppner)

Die Vorteile der öffentlichen Anreise in die Berge liegen auch abseits aller Öko-Argumente auf der Hand: Entspannte Hin- und Rückfahrt, weder Staus noch Parkplatzsuche, vielfältig nutzbare Reisezeiten, Streckenwanderungen ebenso gut möglich wie Rundtouren.

Fakt aber ist: Die Anreise in die Berge erfolgt nach wie vor zumeist mit dem (eigenen) Auto. 87 % aller Wanderer und Bergsteiger*innen fahren laut aktuellen Umfragen der Alpenvereine ausschließlich oder vorwiegend mit dem PKW zu ihren Outdoor-Touren. Nur ein Drittel nutzt – mehr oder weniger häufig – öffentliche Verkehrsmittel für die Anfahrt in die Bergwelt.

Zwar verändert sich das Mobilitätsverhalten der Menschen, allerdings – vor allem bei Fahrten außerhalb der Ballungsräume – nur langsam. Die dringend notwendige Mobilitätwende lässt auf sich warten, denn nach wie vor begünstigen die Rahmenbedingungen das Auto. Dabei sind die zentralen Stellschrauben für umweltfreundliche Mobilität wohlbekannt: eine zielstrebige CO2-Bepreisung zur Herstellung der Kostenwahrheit sowie ein ambitionierter Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel kombiniert mit günstigen Netzkarten.

Pläne und Initiativen dazu gibt es: Weit fortgeschritten sind die Vorarbeiten für das österreichweite 1-2-3-Ticket, eine Öffi-Netzkarte für das gesamte Bundesgebiet, die ab Mitte 2021 erhältlich sein wird. Dieses Ticket wird den Wandel im Mobilitätsverhalten beschleunigen – denn die Nutzung der Öffis wird damit spürbar günstiger und einfacher – Tarifdschungel und Einzelfahrkartenkauf ade!

Ein Fleckerlteppich und das Problem der "letzten Meile"

Keine Frage, es gibt Schwierigkeiten bei der öffentlichen Anreise. Das Öffi-Netz in Österreich ist besonders im ländlichen Bereich ein Fleckerlteppich. Musterregionen mit flächendeckenden, regelmäßigen Bahn- und Busverbindungen – wie etwa Vorarlberg – sind die Ausnahme.

Diese Lücken sind im Freizeitverkehr besonders spürbar. So sind einige Gebirgsgruppen mit Bahn und Bus nur sehr eingeschränkt oder praktisch gar nicht erreichbar. Selbst prominente Ausgangspunkte für Outdoor-Unternehmungen sind nicht an das Öffi-Netz angebunden. Oder es klafft eine Lücke zwischen dem Ausgangspunkt einer Tour und der nächstgelegenen ÖV-Haltestelle – das oft genannte Problem der "letzten Meile". Und auch dort wo Öffis bis zu Ausgangspunkten fahren, fehlen nicht selten Verbindungen zu Tageszeiten, die für Wanderer und Bergsteiger*innen attraktiv sind, insbesondere an Wochenenden und Feiertagen.

Recherchemöglichkeiten für Öffi-Reisende

Trotz dieser Defizite gibt es unzählige Outdoor-Touren in Österreich, deren Start- und Endpunkte mit Öffis gut oder sehr gut erreichbar sind. Oft fehlt jedoch auch bei motivierten Bergbegeisterten der Überblick zu "machbaren" Öffi-Tourenmöglichkeiten.

Erfreulicherweise war der Zugang zu Öffi-Tourentipps und -Informationen noch nie so leicht und umfassend wie heute. Immer mehr Öffi-Wanderbücher, einschlägige Berichte in Alpinzeitschriften, spezielle Internetforen und Planungswerkzeuge stehen zur Verfügung.

Entspannte Reise zur nächsten Bergtour (Foto: V. Schöll)zoom
 

Empfehlenswert ist auch die Plattform www.bahn-zum-berg.at. Nach Eingabe des persönlichen Startpunktes werden genau jene Outdoor-Unternehmungen angezeigt, für die praktikable Anreisemöglichkeiten mit Bahn und Bus bestehen. In jede Tourenbeschreibung ist überdies eine Online-Fahrplanabfrage integriert, dadurch sind die Verbindungen immer in Echtzeit abrufbar. Die Plattform wächst und lebt – wie alle Tourenportale – natürlich von der Mithilfe aller, die sie nutzen.

Herausforderungen bei der eigenständigen Planung

Wer seine Touren gerne eigenständig zusammenstellt, erkennt bald, dass Öffi-Touren etwas anders zu planen sind als Autotouren: Denn am Beginn steht die Frage der Erreichbarkeit. Welche Bahn- und Buslinien fahren in eine Bergregion? Welche Haltestellen liegen in der Nähe von Touren-Ausgangs- und Endpunkten? Welche Zeitfenster für Wanderungen und Bergtouren ergeben sich aus den Fahrplänen – und passen unsere Wunschtouren in diese Zeitfenster? Außerdem empfiehlt es sich, Zeitpuffer in die Tour einzubauen und für die Rückfahrt nicht die letzte, sondern eine frühere Verbindung anzupeilen – umdisponieren, weil die Tour doch länger dauert als erwartet oder wir den Bergtag bis zur Neige auskosten wollen, können wir ja immer noch. Wer etwas mehr Zeit hat, kann auch einfach vor Ort übernachten und so noch mehr zur regionalen Wertschöpfung beitragen.

Tagestickets für den gesamten öffentlichen Nahverkehr ermöglichen in etlichen Bundesländern an Wochenenden und Feiertagen eine kostengünstige Anreise. Für Kleingruppen, die mit ÖBB-Nahverkehrszügen anreisen, empfiehlt sich das Einfach-Raus-Ticket.

Ankunft am Bahnhof (Foto: Martin Heppner)zoom

Die letzte Meile überwinden – aber wie?

Was aber tun, wenn Bahn und Linienbusse nicht nahe genug an den Startort der Tour heranfahren oder uns die Fahrzeiten auf der "letzten Meile" nicht entgegenkommen? Dann heißt es recherchieren: Gibt es vor Ort einen saisonal verkehrenden Wanderbus? Oder ein Mikro-ÖV-Angebot, also ein Anruf-Sammeltaxi, einen Gemeindebus, Mitfahrbörsen oder ein lokales Carsharing- Angebot, das uns zur gewünschten Zeit zum Ausgangspunkt unserer Tour bringen kann? Sehr wünschenswert wäre hier eine österreichweite Informationsplattform, die einen leicht zugänglichen Überblick über alle Mikro-ÖV-Lösungen bietet sowie über ihre Betriebszeiten und Nutzungsbedingungen.

 

Egal ob nur für die letzte Meile oder die Tour selbst: ein Fahrrad mitzubringen (vor allem im Bahn-Nahverkehr, aber auch in einigen Regionalbussen möglich) oder vor Ort auszuleihen kann durchaus "zielführend" sein. Wer bergnah wohnt, kann wie Hermann Buhl überhaupt zum Ausgangspunkt radeln. Mit einem E-Bike erweitert sich der Aktionsradius erheblich – so kommen zahlreiche zusätzliche Bergziele in Griffweite. Eine weitere Spielart sind Bike-&-Hike-Touren: Hier nutzt man das Rad auch für die Auffahrt Richtung Gipfel, soweit dies möglich und erlaubt ist (!), und rollt am Ende der Tour entspannt oder schwungvoll wieder zu Tal.


Peter Backé, geb. 1960, ist Autor der Bücher "Mit Bahn und Bus in die Wiener Hausberge" (Rother Bergverlag) und "Bike&Hike Oberösterreich Steiermark" und ehrenamtliches Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins "Bahn zum Berg". Sein Auto hat er 2004 verkauft und fährt seither überwiegend mit den Öffis in die Berge.

 
 
 
 

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