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Nationalparkjubiläen: Ein Grund zum Feiern (Nationalparkjubiläen: Ein Grund zum Feiern)

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Nationalparkjubiläen: Ein Grund zum Feiern

Die Heiligenbluter Vereinbarung wird 50, der Nationalpark Hohe Tauern 40 und der Nationalpark Donauauen 25.

Ein Beitrag von Liliana Dagostin | veröffentlicht im Bergauf Magazin 02-2021

Seitenarm der Donau als geschützter Lebensraumtyp. (Foto: Z. Kudich)

In diesem Jahr, das noch die Verwerfungen prägen, die die Bekämpfung der Coronakrise verursachen, bieten sich gleich mehrere bedeutende Anlässe.

Das erste Jubiläum bezieht sich auf den ältesten und größten Nationalpark Österreichs, den Nationalpark Hohe Tauern. Dessen Grundstein wurde vor 50 Jahren gelegt. Für ihn schrieben am 21. Oktober 1971 die damaligen Landeshauptleute von Kärnten, Salzburg und Tirol gemeinsam alpine Naturschutzgeschichte. Geleitet wurden sie 

„von dem Wunsche, die Hohen Tauern als einen besonders eindrucksvollen und formenreichen Teil der österreichischen Alpen in ihrer Schönheit und Ursprünglichkeit als Beispiel einer für Österreich repräsentativen Landschaft und zum Wohle der Bevölkerung, zum Nutzen der Wissenschaft und zur Förderung der Wirtschaft für alle Zukunft zu erhalten“ (Präambel der Heiligenbluter Vereinbarung).

Ort des Geschehens war die am Fuße von Österreichs höchstem Berg gelegene Mölltaler Gemeinde Heiligenblut. Sie gibt der Vereinbarung ihren Namen. Doch bis der Nationalpark Tatsache werden sollte, sollte es dauern. Kärnten eröffnete zehn Jahre nach der Heiligenbluter Vereinbarung 1981 den Reigen, Salzburg folgte 1984. Der Tiroler Landtag schloss ihn im Oktober 1991, nachdem dank bäuerlicher und bürgerlicher Auflehnung der Abgesang auf das geplante Großkraftwerk Dorfertal/Matrei gelungen war und der Bund 1989 das Vorhaben mangels Bedarf endgültig gestoppt hatte. Damit konnte endlich auch der Tiroler Anteil am heutigen Nationalpark Hohe Tauern unter Schutz gestellt werden. Damals lief die Patenschaftsaktion, durch die symbolisches Eigentum an Vereinsgrundflächen im Nationalpark erworben werden kann, bereits das 9. Jahr. Als gemeinsames Gründungsdatum des drei Länder umfassenden Schutzgebiets gilt aber das Jahr 1981. Heute ist der Nationalpark 1.856 km² groß, seit 20 bzw. 15 Jahren sind die drei Teile auch von der IUCN anerkannt.

Unterzeichnung der Heiligenbluter Erklärung am 21. Oktober 1971 durch die Landeshauptmänner DDr. Hans Lechner (Salzburg), Hans Sima (Kärnten) und Eduard Wallnöfer (Tirol). (Foto: Lottersberger)
Unterzeichnung der Heiligenbluter Erklärung am 21. Oktober 1971 durch die Landeshauptmänner DDr. Hans Lechner (Salzburg), Hans Sima (Kärnten) und Eduard Wallnöfer (Tirol). (Foto: Lottersberger)
 

Was dem Westen sein Steinbock, ist dem Osten sein Eisvogel

Mit ein Grund für die Ausweisung des Tiroler Anteils und gegen den Bau des Kraftwerks „Dorfertal“, dessen Speicher 24 Gletscherbäche auf der Südabdachung der Hohen Tauern (*1)  hätten befüllen sollen, dürfte der historische Widerstand gegen ein weiteres Großvorhaben zur Nutzung der Wasserkraft gewesen sein: die Besetzung der Stopfenreuther Au bei Hainburg und das Konrad-Lorenz-Volksbegehren, um den Bau des geplantes Donaukraftwerks Hainburg zu verhindern. Diese lag nur wenige Jahre zurück und hat damals den Anker fest in das kollektive Gedächtnis der Naturschützer*innen und vor allem der österreichischen Politik gesetzt.

Auch aus diesem Widerstand entstand ein Nationalpark, der 2021 ein bedeutendes Jubiläum feiert: der 1996 gegründete und 93 km² große Nationalpark Donau-Auen in den Bundesländern Wien und Niederösterreich. Seit der Gründung vor 25 Jahren bewahrt er eine in Mitteleuropa einzigartige Flussauenlandschaft zwischen Wien und Bratislava. Die Donau, seine Lebensader, darf hier noch frei fließen. Ihre Kraft gestaltet stetig wandelnde Aulandschaften und schafft dadurch ein Mosaik an Lebensräumen. Das Schutzgebiet selber ist auch der erste Nationalpark in Österreich, dessen Geschicke seit 2018 von einer Nationalparkdirektorin gelenkt werden, Frau DI Edith Klauser.

Großglockner, Pasterze und Johannisberg im Nationalpark Hohe Tauern. (Foto: N. Freundenthaler)

Wenn Nationalparks feiern, feiert der Alpenverein mit

Anlässlich solcher Jubiläen feiert der Verein immer auch ein bisschen sich selber, hängt doch das Selbstverständnis des Alpenvereins als Naturschutzorganisation mit der Entstehungsgeschichte zumindest einiger der sechs österreichischen Nationalparke zusammen. (*2)

Im Nationalpark Hohe Tauern jedenfalls gibt ihm sein Grund Grund zum Feiern. So befinden sich beispielsweise allein im Tiroler Anteil 39% in seinem Eigentum. An der Kernzone gemessen, steigt der Prozentsatz auf 64%. Dass der Verein einer der großen privaten Grundeigentümer in den Hohen Tauern ist, nahm seinen Anfang und sein vorläufiges Ende übrigens in der Großherzigkeit des Villacher Holzindustriellen Albert Wirth (*3)  und des Stuttgarter Ingenieurs Heinz Roth (*4/5). Beider haben wir 2018 gedacht. 

Während der Beitrag des Alpenvereins für den Nationalpark Hohe Tauern unbestritten ist, liegt er beim Nationalpark Donau-Auen im Bewusstsein des Vereins nicht so offen zutage. Das hängt einerseits mit dem Wesen des Vereins selber zusammen, dessen Satzungsauftrag auf den Erhalt der Ursprünglichkeit und Schönheit der Bergwelt beschränkt ist. Andererseits gibt es in den Bestrebungen zur Unterschutzstellung der Donauauen auch schlicht andere Personen und Organisationen (*6), die viel prominenter und präsenter waren, als der Alpenverein. (*7)

Komitee für einen Nationalpark Ost

Allerdings beweist die vereinsinterne Geschichtsschreibung der 80er Jahre, dass die Donau-, March- und Thayaauen den großen alpinen Verein beschäftigten. Fragen um den heutigen Nationalpark wurden nicht nur in der Naturschutzabteilung zwischen dem langjährigen Wiener Landesnaturschutzreferenten Dr. Peter Fritz und Peter Haßlacher diskutiert. In den höchsten Gremien führten sie zu einer Grundsatzdiskussion. Das Wort dort führte der Vorsitzende der Akademischen Sektion Wien, Univ.-Prof. Dr. Dieter Flamm. Er rief die Gründung des „Komitée im OeAV für einen Nationalpark Ost (Donau-March-Thaya-Auen)“ in Erinnerung und beantragte, z .B. mit Vereinsmitteln Kosten auszugleichen, die durch die Aubesetzung angefallen waren. Dennoch warnte Louis Oberwalder 1984 davor, sich gesamtösterreichisch mit allen Problemen des Naturschutzes zu befassen und zu allen Problemen Stellung zu beziehen; der Verein sei in erster Linie ein Bergsteigerverein und der Naturschutz im Verein sollte auf den alpinen Raum begrenzt bleiben. 

Eine Einschränkung – in der Naturschutzarbeit des Vereins zwischen alpinem und außeralpinem Bereich zu unterscheiden –, die viele Sektionen und die Alpenvereinsjugend nicht anerkannten. Trotzdem wurde dem Komitee nicht erlaubt, namens des Gesamtvereins aufzutreten, sehr wohl aber als Komitee, bestehend aus Vertretern von damals sechs Wiener Sektionen. 1985 in der Hauptversammlung in Leoben fand die vereinsinterne Diskussion ihr vorläufiges Ende. Den Antrag von vier Wiener Sektionen, die rasche Verwirklichung eines Nationalparks Donau-March-Thaya-Auen auch von Seiten des Alpenvereins zu unterstützen, beschloss die Hauptversammlung 1985 dennoch. Und die Bemühungen gingen weiter. Heute sind wir dafür dankbarer denn je.

Lebensraumtyp Wald / Auwald von oben (Foto: Z. Kudich)

Fußnoten:

*1 Die Bäche reichten von der Dreiherrenspitz bis zum Großglockner, vom Umbaltal übers Gschlöß bis zum Gößnitztal in Heiligenblut.
*2 ARO 37, bit.ly/alpenverein_und_nationalparke
*3 Albert Wirth – Über Recht und Anstand in Bergauf 2/2018, S. 14ff
*4 Heinz Roth – die Hochalmspitze, sein Vermächtnis für den Alpenverein in Bergauf 3/2008, S. 50ff
*5 Die Hochalmspitze. Aus Liebe zu den Alpen: Heinz Roth in Bergauf 4/2018, S. 48ff
*6 Eiligen, aber Interessierten Leser*innen empfiehlt sich die Geschichte des NP Donauauen von der Besetzung bis zur Ausweisung von DI Christian Fraissl unter bit.ly/infothek_donauauen
*7 Siehe aber "Der Nationalpark Donau-Auen" von Dr. Peter Fritz in ARO 37, S. 41ff

 
 
 
 

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