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Zusammenschluss Hinterstoder-Höss und Wurzeralm über das Warscheneck (Zusammenschluss Hinterstoder-Höss und Wurzeralm über Warscheneck)

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Zusammenschluss Hinterstoder-Höss und Wurzeralm über das Warscheneck

Warscheneck von Norden cc RMayr

Erst im Jahr 2008 wurde das strenge Naurschutzgebiet Warscheneck Nord verordnet, um diesen imposanten wie sensiblen Kalkstock an der Grenze zwischen Oberösterreich und der Steiermark langfristig in seiner Schönheit und Vielfalt zu erhalten. Nun soll ein Zusammenschluss der Skigebiete Hinterstoder-Höss und Wurzeralm quer durch dieses Naturschutzgebiet realisiert werden!

Seit 2014 ist das Thema wieder aktuell: die Bergbahnen Hinterstoder-Wurzeralm (HiWu) und die Phyrn-Priel- Tourismus GmbH planten eine 4,5km lange U-Bahn-Trasse zwischen Schafferteich/Loigistal und Frauenkar-Sessellift. Weiters sollten zur Verbindung der Skigebiete 4 Zehner Seilbahnen (Schmiedleitenbahn, Steyrsbergreithbahn, Baumschlagerbahn und Schafferbahn) und zwei kleinen Anlagen (Förderband Fröstlalm und Schlepplift Edtbauer) im Vollausbau errichtet werden, damit die Verbindung der beiden Skigebiete trotz Tunnel überhaupt funktioniert – und das für einen Zuwachs von etwa 10 Pistenkilometern.

Der Tunnel ist Geschichte und von politischer Seite her abgelehnt. Das ringen um den Skigebietszusammenschluss geht dennoch weiter. Der neueste Meldungen sprechen von einer "Teilung" des Naturschutzgebietes im Bereich der geplanten Baumaßnahmen...

 Aus für Skischaukel Höss - Wurzeralm

Schafferteich cc CLeitgeb (Freunde des Warschenecks)

Das Warscheneck gehört zu den landschaftlich schönsten Bereichen der oberösterreichischen Kalkhochalpen und ist eine der bedeutendsten Karstlandschaften Europas. Zusätzlich zum bestehenden Gebiet Warscheneck Süd wurden 2008 ca. 2.700 ha hinzugefügt – seither umfasst das Naturschutzgebiet Warscheneck ca. 5.000 ha und ist damit das zweitgrößte Naturschutzgebiet Oberösterreichs, bestehend aus Warscheneck-Süd-Wurzeralm, Warscheneck-Süd-Stubwies, Warscheneck Süd - Purgstall - Brunnsteiner Kar sowie Warscheneck Nord. Begründung für die Erweiterung war"die Erhaltung der Natur mit ihrer prachtvollen Vielfalt und Schönheit auch für zukünftige Generationen, sowie die Bewahrung des Charakters der Landschaft und die Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenarten."

Um dieses Gebiet langfristig in seiner Vielfalt und Schönheit zu erhalten, wurde erst 2008 das strenge Naturschutzgebiet „Warscheneck-Nord“ verordnet, 75% der Fläche des Schutzgebiets gehören den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf). Damit liegt der imposante Kalkstock des Warschenecks an der Grenze zwischen den Bundesländern Oberösterreich und Steiermark wie ein Bollwerk zwischen den Skigebieten Hinterstoder-Höss und Wurzeralm bei Spital am Pyhrn.

Projektskizze Schischaukel Wurzeralm-Höss cc OÖNzoom

Pläne für Erschließungen und Zusammenschlüsse von angrenzenden Skigebieten gibt es schon länger für das Warscheneck. Bereits 2010 sollten Vorder- und Hinterstoder pistentechnisch verbunden sollen werden. Daneben soll eine Gondelbahn über das Warscheneckplateau das neue Naturschutzgebiet zerschneiden und das Skigebiet Wurzeralm an Hinterstoder-Höss anbinden. Es entstand eine Plattform aus alpinen Vereinen, Natur- und Umweltschützern. Das Projekt kam schließlich nicht zustande.

Seit 2014 ist das Thema wieder aktuell: nun planen die Bergbahnen Hinterstoder-Wurzeralm (HiWu) und die Phyrn-Priel- Tourismus GmbH eine 4,5km lange U-Bahn-Trasse zwischen Schafferteich/Loigistal und Frauenkar-Sessellift. Weiters sollen zur Verbindung der Skigebiete 4 Zehner Seilbahnen (Schmiedleitenbahn, Steyrsbergreithbahn, Baumschlagerbahn und Schafferbahn) und zwei kleinen Anlagen (Förderband Fröstlalm und Schlepplift Edtbauer) im Vollausbau errichtet werden, damit die Verbindung der beiden Skigebiete trotz Tunnel überhaupt funktionieren. Aktuell wird von bis zu 150 Millionen Euro Projektkosten gesprochen – und das für einen Zuwachs von etwa 10 Pistenkilometern. 
Projektkritiker zweifeln nicht nur die Wirtschaftlichkeit an, sondern weißen neben anderen  Argumenten wie z.B. Umweltschutz, stagnierender Pistenskilauf, Klimawandel, extrem hohe Betriebskosten, etc. auch auf die Sinnhaftigkeit einer (Teil-)Finanzierung mit öffentlichen Geldern hin. Nach Projekteinreichung muss auf Grund der Größe des Projekts dann eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung folgen, ein Projekt wurde jedoch noch nicht eingereicht – von Betreiberseite will ein öffentlicher Diskurs mit Projektgegner vermieden werden. Am 04.02.2015 wurde in den betroffenen Gemeinden nichtsdestotrotz bereits ein Verfahren zur Umwidmung der betroffenen Grundstücke in Sportflächen eingeleitet, in Vorderstoder denkt man über eine Volksabstimmung nach.

Ein Tunnelbau würde massive Eingriffe und Veränderungen in der Landschaft bedeuten. Neben einer jahrelangen Großbaustelle muss man auch an den Umfang der Zulieferung von Material und den Wegtransport von Schutt aus einem Tunnelstollen denken. Zusätzlich wäre ein riesiger Parkplatz notwendig: Bei kolportierten 3.000 anfahrenden Tagesgästen zur Schafferbahn wären bei einer durchschnittlichen Belegung von 1,7 Personen pro Pkw neben 10 Busparkplätze auch noch ca. 1600 PKW-Stellplätze erforderlich. Auch in einem vergrößerten Skigebiet würden weite Teile unter 1500 m liegen – eine Höhenstufe, die zunehmend, und für den Skibetrieb negativ, von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist. Zur Beschneiung der ca. 70 Hektar neuen Pistenfläche sollen zwei Speicherteiche auf den Hutterer Böden und im Bereich Hut mit einem Fassungsvermögen von 250.000 Kubikmeter und einer Größe von ca. 5 ha entstehen, das Wasser für die Beschneiung soll dem Fluss Steyr entnommen werden. Die Rodungsfläche wurde ca. 70 ha betragen.

Aus für Seilbahn-Tunnel durch Warscheneck (24.09.2015)

Nachdem die Ski-Ubahn vom Oberösterreichischen Landeshauptmann Pühruinger am 02.09.2015 als Möglichkeit ausgeschlossen wurde, gab es nur eingeschränkt Grund zum feiern. Denn obwohl die 4,5 Kilometer lange und etwa 100 Millionen Euro teure Röhre für eine Standseilbahn durch das Warscheneckmassiv "wirtschaftlich nicht darstellbar" sei und einen zu starken Eingriff in die Natur darstelle, gibt es wieder Bestrebungen für eine überirdische Erschließung.

Bedenkt man, dass die Tunnel-Idee überhaupt erst auf Grund einer Absage der oberösterreichischen Naturschutzabteilung geboren wurde, da mögliche Projekte in bestehenden Naturschutzgebieten verwirklicht würden. Der Landeshauptmann bemühte die Argumente "Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzgarant". Details wollte niemand nennen, doch zuerst müsse man einmal die Höss in Hinterstoder mit Vorderstoder verbinden meinte Hinterstoders Bürgermeister Helmut Wallner und wünscht sich von den Naturschützern „mehr Flexibilität“.

Diese neue Wendung stößt auf große Skepsis bei den Projektgegner. "Eine Verbindung kann nur dann realisiert werden, wenn in bestehendes Naturschutzgebiet eingegriffen wird. Jetzt haben sie offenbar den Bereich Dümlerhüte im Auge", glaubt Herbert Jungwirth, Landesnaturschutzreferent des Alpenvereins. Außerdem sei der Schafferteich weiterhin gefährdet. Jungwirth befürchtet, dass direkt an dem Naturjuwel 1600 Parkplätze entstehen könnten, wenn die Höss bis nach Vorderstoder erweitert wird. Diese Verbindung bringe auch die technisch veraltete Wurzeralm in Spital am Pyhrn in Bedrängnis.

Email-Aktion der „Freunde des Warscheneck“ gegen Erweiterungspläne durch Naturschutzgebiet

Um noch vor den Landtagswahlen in Oberösterreich den Standpunkt der einzelnen Spitzenkandidaten abzufragen, startete die Initiative "Freunde des Warscheneck" -ein Zusammenschluss der großen Alpin- und Naturschutzorganisationen – eine öffentliche Politik-Befragung. Es beteiligten sich fünf Parteien und Bürgerlisten (SPÖ, Grüne, FPÖ, Liste Bergauf und KPÖ), die ÖVP meldete sich nicht zu Wort.

In ihren Antworten sprachen sich die wahlwerbenden Listen deutlich gegen Skischaukel-Vorhaben über das Warscheneck und gegen Eingriffe in das Naturschutzgebiet aus. Statt für mehr Lifte und Pisten plädierten die meisten für die Entwicklung des Natur-Ganzjahrestourismus und regionaler Angebote. Das vergleichsweise schneesichere Skigebiet Wurzeralm müsse modernisiert und mit neuen Angeboten wie einem Skitouren-Kompetenzzentrum attraktiver gemacht werden. Versäumnisse wie das Fehlen hochwertiger Hotelangebote könne nicht durch eine Skigebietserweiterung kaschiert werden, meinte etwa das Büro von Landesrat Haimbuchner. Auch Vorschläge für mehr Schlechtwetterangebote, etwa ein Hallenbad und Wellness-Angebote, fanden sich in den Antworten. Alle Reaktionen können auf www.warscheneck.at im Detail eingesehen werden.

Um Ihr Bedauern über die Dialogverweigerung durch die ÖVP und die beiden Gemeinden zum Ausdruck zu bringen, startete die Initiative "Freunde des Warscheneck" eine EMail-Aktion, an der die Menschen noch bis zum 27.09.2015 ihren Protest an die zuständigen Politiker übermitteln und direkt Antworten einfordern können: 
www.warscheneck.at/aktuelles/protest-schicken

Herbert Jungwirth, Naturschutzreferent des Alpenvereins Oberösterreich, erklärt: "Man kann von gewählten Mandataren erwarten, eine Meinung zu haben. Egal ob dies vor oder nach einer Wahl ist. Zudem ist das Thema nicht neu. Man müsste eigentlich davon ausgehen können, dass gerade die Entscheidungsträger in Gemeinden und im Land sich mit Fragen wie dem Klimawandel und den damit verbundenen Chancen und Risiken für den Tourismus, sowie mit der Tendenz beim Skifahren angesichts der Preisentwicklungen, auseinander gesetzt haben. Dafür wurde man gewählt und muss nicht erst jedes einzelne Mitglied oder jeden Bürger fragen. Die Bürger haben gerade vor einer Wahl ein Anrecht auf Informationen zu ‚heißen‘ Themen."

Die Idee eines Seilbahn-Tunnels durch das Schutzgebiet Warscheneck wurde auf politischer Ebene ausgeschlossen. Dennoch sind einige Bürgermeister und die Seilbahnbetreiber bemüht eine Skiverbindung der beiden Gebiete über das Warscheneck zu erzwingen. Die neueste Idee: Teilung des Schutzgebietes, um die Skischaukel zu ermöglichen.

Weitere Informationen:

-) Freunde des Warscheneck (warscheneck.at)
-) Mollner Kreis fürchtet weiter um das Warscheneck (Nein zur Tunnel-Idee) (18.09.2015)
-) Bürgermeister fordern Korridor durch das Naturschutzgebiet (24.02.2016)
-) Mündl. Anfrage in der 5. Sitzung des Oö. Landtags (03.03.2016)
-) Sitzungsprotokoll der 5. Sitzung des Oö. Landtags wird nach Veröffentlichung online gestellt

Warscheneck im Winter cc HJungwirth