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Skigebietsverbindung über das Ruhegebiet Kalkkögel (Skigebietsverbindung über das Ruhegebiet Kalkkögel)

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Skigebietsverbindung über das Ruhegebiet Kalkkögel

Die Tiroler Kalkkögel cc ÖAV

Die Kalkkögel, ein kleines markantes Gebirge zwischen dem Inntal und dem Stubaital, erinnert in seiner Schroffheit und Steilheit an die berühmten Dolomiten im Süden des Brennerpasses. In Reise- und Kletterführen werden die Kalkkögel oft als die Dolomiten des Nordens bezeichnet. Es ist noch nicht lange her, da galten die tollkühn und steil in den Himmel ragenden Felstürme und rissigen Wände als scheinbar unbezwingbar. Namen wie das Fliegerbandl oder der Psychoturm erinnern noch heute an die verwegenen Kletterkünste von damals.

Alpenverein lehnt jede Erschließung der Kalkkögel ab!
Angesichts der landschaftlichen Vielfalt, der hohen naturschutzfachlichen und alpintouristischen Qualität der Kalkkögel lehnt der Österreichische Alpenverein diese Erschließungspläne vehement ab! Unerschlossene alpine Landschaften sind ein großer Wert an sich, ein Erbe, das wir nachfolgenden Generationen sichern müssen. Diese sollten die Kalkkögel genauso frei von technischer Infrastruktur und ohne Animation in ihrer Ursprünglichkeit und Schönheit erleben dürfen.

Kalkkögel cc ÖAV

Die Kalkkögel sind jedoch nicht nur den Kletterern vorbehalten, sondern bieten auch den ambitionierten Bergsteigern und Wanderern Bergerlebnisse der Superlative. Im Frühjahr locken spektakuläre Touren eine Vielzahl von Skibergsteigern in diese tief eingeschnittenen Kare und Rinnen. Doch dieses alpingeschichtliche Kleinod ist mehr als in Gefahr. Erschließungshungrigen Touristikern und Seilbahnbetreibern stehen die Kalkkögel für den Zusammenschluss der Schlick mit der Axamer Lizum seit Jahren im Weg. Die Pläne reichen von einer Untertunnelung der Kalkkögel bis zu einer spektakulären Seilbahnverbindung durch das Herz dieses Kalkstockes.

Ruhegebiet nach dem Tiroler Naturschutzgesetz!
Seit dem 26. Juli 1983 sind die Kalkkögel als Ruhegebiet verordnet - eine Schutzkategorie mit stark raumplanerischen Charakter, die es in Österreich nur im Bundeland Tirol gibt. In allen Ruhegebieten ist u.a. "die Errichtung von Seilbahnen und Schleppliften zur Personenbeförderung" generell und ohne Ausnahme untersagt. Es ist daher schon erstaunlich, dass von Seiten der Planer überhaupt ein Projekt ausgearbeitet wurde, das sich in diesem Schutzgebiet befindet bzw. dieses durchschneiden soll. Es müsste daher das Land Tirol schon die bestehende Schutzgebietsverordnung aufheben, um den Weg für dieses Projekt zu ebnen. Ein solches Vorgehen ist jedoch nach der Alpenkonvention, dem internationalen Vertragswerk zum Schutz der Alpen, nicht zulässig. Österreich hat die Alpenkonvention und ihre Durchführungsprotokolle ratifiziert, sie stellt daher für Österreich geltendes Recht dar! National gesehen stellt die Situation bei den Kalkkögeln, was Erschließungsbegehrlichkeiten in Schutzgebieten anbelangt, keinen Einzelfall dar. So sind auch durch das erst 2008 verordnete Naturschutzgebiet Warscheneck-Nord durch eine Skigebietsverbindung zwischen Spittal am Phyrn und Hinterstoder sowie das einzige Gewässer bezogene Sonderschutzgebiet in Tirol, die Mieminger und Rietzer Innauen durch ein Laufkraftwerk projektiert.

Weiterführende Informationen:

-) Verordnung Ruhegebiet Kalkkögel
-) Daten & Fakten zum Ruhegebiet Kalkkögel (Tiroler Schutzgebiete)
-) Informationen der ÖAV Sektion Stubai
-) Alpine Raumordnung, Ausgabe 36 (2012): Tatort IV - Seilbahnprojekte in Schutzgebieten

Rückfragen an die Abteilung Raumplanung & Naturschutz unter raumplanung.naturschutz@alpenverein.at

Bereits im Jahre 1985 wurde ein Projekt ausgearbeitet, um aus der Gemeinde Neustift via Seilbahn auf das Sennjoch (Skigebiet Schlick 2000) zu gelangen.  Die seitens Tiroler Landesregierung abgegebenen Gutachten haben dem Projektvorschlag eine eindeutige Abfuhr erteilt. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Homepage der ÖAV Sektion Stubai.

Der am 31.04.2014 der Öffentlichkeit präsentierte Bericht der grischconsulta "Investitionsstrategie und Masterplan Bergbahnen Innsbruck", auch Bergbahnenstudie genannt, hat die andauernde Debatte um die Erschließung des Ruhegebietes Kalkkögel südwestlich von Innsbruck neu entzündet. Diese von der Stadt Innsbruck und dem TVB in Auftrag gegebenen Analyse der Wirtschaftlichkeit der „Innsbrucker“ Skigebiete kommt zum Schluss, dass es nur eine einzige zukunftsträchtige Variante gäbe, nämlich die Errichtung eines großen Skigebiets durch die Verbindung der Stubaitaler Muttereralmbahnen mit der Axamer Lizum mit dem Brückenschlag über die geschützten Kalkkögel. Im Bericht wird das eigentliche Ausmaß des Projektes sichtbar, welches aus mehreren Teilprojekten besteht:

Kleine Verbindung - Verbindungsprojekt Muttereralm mit Axamer Lizum

Große Verbindung - Verbindungsprojekt Axamer Lizum mit Schlick 2000 
"Brückenschlag"

Anbindung Neustift - Verbindungsprojekt von Neustift in die Schlick 2000

Ski Innsbruck Stubai cc axamer-lizum.atzoom
Ski Innsbruck Stubai cc grischconsulta.chzoom
 

In der "kleinen Verbindung" ist eine Verbindungsseilbahn zwischen den Skigebieten Muttereralm und Axamer Lizum geplant. Zudem wird eine Piste vom Brigitzköpf in die Axamer Lizum geplant, wobei die technische Beschneiung für alle neuen Pistenbereich ein fester Projektbestandteil sind. Im Skigebiet Axamer Lizum ist weiter geplant die Modernisierung der Seilbahnanlagen und den Ausbau von Pisten voranzutreiben und Investition in neue Beschneiungsanlagen und Speicherteiche zu unternehmen. 

Die "große Verbindung" - als auch "Brückenschlag" bekannt - besteht im Kernstück aus einer 3S Bahn vom Kreuzjoch in der Schlick 2000 über das Ruhegebiet Kalkkögel in das Schigebiet Axamer Lizum. Das Vorhaben widerspricht den Protokollen der Alpenkonvention, dem Tiroler Naturschutzgesetz sowie dem Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm. 

Die "Anbindung aus Neustift" umfasst eine neue Seilbahn aus dem Gemeinde Gebiet Neustift über die "Goldsuttn" in das Skigebiet Schlick 2000.


Alpenverein und Naturfreunde fordern Schutz des Ruhegebiets ohne Wenn und Aber

Eine Aufweichung der Schutzgebietskategorie soll die Erweiterung der Tiroler Skigebiete Schlick 2000 und Axamer Lizum über das Ruhegebiet der Kalkkögel doch noch ermöglichen: dass Tirols Politiker und Touristiker selbst vor diesem Schritt nicht zurückschrecken, verurteilten Alpenverein und Naturfreunde bei einer Pressekonferenz auf das Schärfste. Hinter der Änderung der Schutzgebietskategorie verberge sich ein eklatanter Etikettenschwindel, den die alpinen Vereine nicht hinnehmen werden.

"Es scheint österreichweit zur Mode zu werden, unsere Schutzgebiete allmählich zu beschneiden und auszuhöhlen. Projektanträge für Straßenbauten, Kraftwerke und auch Skigebiete dringen immer näher in das Herz jener Regionen vor, die die Politiker der Bundesländer ausdrücklich dem Natur- und Landschaftsschutz gewidmet haben", zeigt sich Alpenvereinspräsident Dr. Andreas Ermacora empört.

Rücksichtsloser Umgang mit der alpinen Landschaft

Die Planung einer Skigebietserweiterung mitten durch das Ruhegebiet der Kalkkögel sei ein Paradebeispiel für die derzeitige Entwicklung. "Über die Manipulation der naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen finden Seilbahner und Touristiker zunehmend Schleichwege, um ihre Projekte doch noch umzusetzen – und die letzten Flecken geschützter Natur geraten immer öfter ins Hintertreffen. Diesen rücksichtslosen Umgang mit der alpinen Landschaft werden wir nicht weiter dulden! Österreich hat sich in der Alpenkonvention dazu verpflichtet, bestehende Schutzgebiete zu erhalten. Im Falle einer Aufhebung des Schutzgebietes würde das Land Tirol also gegen internationales Recht verstoßen. Die alpinen Vereine werden sich nicht scheuen, den Überprüfungsausschuss der Alpenkonvention über diesen Etikettenschwindel aufzuklären", droht Ermacora.

Rita Würtele, Vorstandsmitglied der Sektion Innsbruck des Alpenvereins, fordert die Verantwortlichen dazu auf, vom Projekt Abstand zu nehmen: "Unseren Politikern ist hoffentlich bewusst, dass die Entscheidung für eine Skigebietserweiterung über die Kalkkögel einen ganz klaren Rechtsbruch bedeuten würde."

Auch die Naturfreunde Tirol fordern die Erhaltung des Ruhegebiets Kalkkögel ohne Wenn und Aber. Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr.Leopold Füreder, Vorsitzender der Naturfreunde Tirol, dazu: "Das Ruhegebiet Kalkkögel wurde geschaffen, um eine noch wilde und ursprüngliche Bergwelt im Nahbereich von Innsbruck zu erhalten. Auf kleinstem Raum wird die Komplexität der Gebirgslebensräume anschaulich. Die Kalkkögel sind eine geologische Besonderheit, haben aber auch eine außergewöhnliche landschaftliche und kulturhistorische Bedeutung. Wir werden uns mit aller Macht dagegen einsetzen, dass sie den wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fallen. Anstelle eines politischen Hick-Hacks ist auf jeden Fall eine sachliche Argumentation gefragt."

Die Fakten ohne Beschönigungen auf den Tisch zu legen und damit allen Interessierten zugänglich zu machen, ist auch MMag.aLiliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung/Naturschutz im Alpenverein, ein Anliegen. Dabei warnt sie davor, sich Äpfel für Birnen verkaufen zu lassen. Denn nur der Status als Ruhegebiet bewahre die Kalkkögel vor einer intensivtouristischen Skierschließung.

Dr. Wilfried Connert, Vorsitzender der Sektion Stubai im Alpenverein fügt hinzu: "Wenn diese Skigebietserweiterung die einzige Zukunftsvision für den regionalen Tourismus ist, dann gute Nacht. Wir haben rund um die Kalkkögel offenbar drei kranke Skigebiete. Da soll die öffentliche Hand einspringen, die Natur soll herhalten, Investoren warten schon auf ihren Profit. Aber werden drei kranke Küh‘ gleich wieder gesund, nur weil ich sie alle nebeneinander in einen Stall stelle?"


Übergabe von 33.400 Unterschriften gegen die Erschließung der Kalkkögel - an LH Platter und LH Stv. Felipe cc Plattform "Rettet die Kalkkögel"


Erschließung der Kalkkögel konnte abgewendet werden!

Nachdem am 02. März 2015 die heiß erwarteten Gutachten zum Thema Kalkkögel den Parteien, Politikern und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurden, überschlugen sich die Ereignisse.

Aus dem rechtlichen Gutachten von Anna Gamper (Universität Innsbruck) war unter anderem Folgendes hervorgegangen: Eine Abänderung des Naturschutzgesetzes zur Ermöglichung des "Brückenschlages" wäre verfassungswidrig und die Erschließung über das Schutzgebiet stünde im Widerspruch zum Völkerrecht Alpenkonvention. Damit begann sich auch der gewichtigste politische Befürworter – der Tiroler Volkspartei (ÖVP) – von dem umstrittenen Projekt zu distanzieren.

Den Anfang machte Landtagsvorsitzender Herwig van Staa in einer Pressekonferenz zu den Prüfergebnissen Montagvormittag. Nachdem von Seiten der ARGE Brückenschlag (den Befürwortern des umstrittenen Projekts) der Hinweis auf einen (potenziellen) Verfassungsbruch als "Suche nach einem Haar in der Suppe" bezeichnet wurde, folgte dann Dienstagvormittag zuerst die Pressekonferenz der Klubobleute der befürwortenden Parteien (ÖVP, FPÖ und impuls-tirol). Diese teilten mit, dass sie alle die Ergebnisse der Gutachten akzeptieren und respektieren würden.

Eine Absage an das Projekt (mit Einschränkungen bei der FPÖ), aber eine gute Nachricht für Bürgerinitativen und Kalkkögel-LiebhaberInnen. 

Platter: "Es geht nicht!"

Nach einer spannenden Regierungssitzung (Themen Komplettausweisung Isel als Natura2000 Gebiet, Hypo-Desaster und Kalkkögel) machte Landeshauptmann Günther Platter wenig später um 10:45 Uhr mit wenigen Worten klar, dass der Eingriff in das Ruhegebiet Kalkkögel für ihn kein Thema (mehr) ist. Zitat Platter: "Es (Anm.: Brückenschlag) geht nicht!" Die Letztentscheidung trifft natürlich der Tiroler Landtag Ende März 2015.

33.400 Unterschriften zur Rettung der Kalkkögel

Die geballte politische Präsenz der EntscheidungsträgerInnen nutzte auch die Plattform "Rettet die Kalkkögel" in Vertretung von (aktuell) 33.400 ProjektgegnerInnen – denn so viele Unterschriften konnten im letzten Halbjahr gesammelt werden. Mit der beeindruckenden Anzahl an Unterschriften sowie einem nicht zu übersehenden Plakat mit Verweis auf die Schönheit der – und nicht vom Tisch "wischbaren" Unterstützung für die Kalkkögel, zogen VertreterInnen der Plattform (darunter auch der Alpenverein) vom Landhausplatz in den Medienraum des Landhauses ein.

Die Aufmerksamkeit war auf Grund der Brisanz und Aufmerksamkeit der Tiroler und auch Österreichischen Öffentlichkeit gesichert. Nach der Pressekonferenz wurden die Unterschriften dann an Landeshauptmann Günther Platter und seine Stellvertreterin und zuständige Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe übergeben, was der Absage der Regierungsspitze an die Projektbetreiber noch einmal 33.400 Mal mehr Nachdruck verlieh. Die Stimmung bei den Plattform-VertreterInnen war entsprechend fröhlich!

Sachliche Information hat sich bewährt

Das Projekt Brückenschlag konnte somit durch sachliche Argumentation auf rechtlicher Grundlage verhindert werden – etwas, dass die Befürworter nicht akzeptieren können, aber was sich der Österreichische Alpenverein auch für andere Projekte – etwa das Warscheneck in Oberösterreich – wünscht. Entgegen der Untergriffe und Beschuldigungen hat sich die sachliche und nicht untergriffige Informationsstrategie der Plattform "Rettet die Kalkkögel" sowie des Alpenvereins bewährt! Nun heißt es für alle Beteiligten, gemeinsam an neuen und nachhaltigen Strategien für die Region zu arbeiten.

Weiterführende Informationen:

-) Alle eingelangten Gutachten zum Projekt an den Tiroler Landtag (unter Dokumente):
   https://portal.tirol.gv.at/LteWeb/public/ggs/ggsDetails.xhtml?id=12715&&cid=27758
-) Tiroler Tageszeitung (02.03.2015): Gutachten zu Kalkkögel: Projekt Brückenschlag nicht möglich
-) ORF.at (02.03.2015): "Brückenschlag" rechtlich durchgefallen
-) ORF.at (03.03.2015): "Brückenschlag" für ÖVP nicht umsetzbar
-) Tiroler Tageszeitung (04.03.2015): Kalkkögel lösen Zwiespalt in der ÖVP aus
-) ORF Tirol Heute (03.03.2015): TV-Beitrag zu den Entwicklungen rund um die Kalkkögel

 
 
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Seilbahntechnisch Erschließung über die Kalkkögel Fotomontage: ÖAV