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Energiepolitik kontra Natur-, Vogel- sowie Landschaftsschutz (Energiewende und Windkraft)

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Energiepolitik kontra Natur-, Vogel- sowie Landschaftsschutz

Die Windkraftnutzung befindet sich im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessensgruppen und Zielsetzungen. Mitunter stehen Ziele der Energie- und Klimapolitik denen aus Natur-, Vogel- und Landschaftsschutz gegenüber.

Wichtige Richtlinien und Rahmenbedingen sowie konkrete Problemstellungen aus Sicht des Alpenvereins werden hier vorgestellt.

Die Windenergie ist ein Baustein für eine zukunftsfähige Energieversorgung in Österreich und soll dazu beitragen, dass Österreich die EU-Klimaziele erreicht und den Stromverbrauch vollständig aus erneuerbaren Energien decken kann. Bei der Erzeugung von Strom aus Windenergie wird kein CO2 freigesetzt. Bis auf Herstellung und Wartung der Windkraftanlagen ist die Energieerzeugung im hohen Ausmaß ressourcenschonend. Gleichzeitig sind aber Ökosystemfunktionen und das Landschaftsbild öffentliche Güter, deren Schutz ein besonderes öffentliches Interesse zukommt und die durch den Ausbau der Windkraft beeinträchtigt werden können.

In Österreich trägt die Windkraft mit 1,2% zum Gesamtenergieverbrauch (Bruttoinlandsverbrauch) bei (die Wasserkraft hat einen Anteil von 9,5%). Das Gros des Energieverbrauchs wird durch fossile Energieträger wie Erdöl und Erdgas sowie Kohle bereitgestellt. Österreich ist, was die erneuerbare Energiebereitstellung im Stromsektor betrifft, mit über 69% auf einem sehr hohen Niveau. Das Ziel soll weiter darin liegen, die restlichen 31% (Anm. bis zur 100%igen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen) zu erreichen, indem (1) die Energieeffizienz bestehender Anlagen erhöht wird und (2) ein Großteil der Energie durch sinnvolle Maßnahmen eingespart werden kann.

Gleichwohl die Windkraft "nur" 1,2% zum Gesamtenergieverbrauch beiträgt, ist ihr volkswirtschaftlicher Umsatz mit € 1.070 Mio nicht zu unterschätzen (die Wasserkraft erwirtschaftet bei einem Beitrag von 9,5%  zum Gesamtenergieverbrauch "nur" € 600 Mio mehr). 

(Quelle: BMLFUW - Erneuerbare Energie in Zahlen 2015)    

Anteile der Energieträger am Bruttoinlandsverbrauch cc BMLFUWzoom
Primäre Umsätze erneuerbarer Energietechnologien cc BMLFUW zoom
Vermiedene CO2-Äquivalent Emissionen cc BMLFUW zoom
 

Negative Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vogelpopulationen ergeben sich durch kollisionsbedingte Mortalität, indirekte Habitatverluste, Hindernis- und Scheucheffekte sowie durch direkte Lebensraumzerstörung. Auch kumulative nachteilige Effekte müssen bei der Bewertung zukünftiger Standorte von Windkraftanlagen beachtet werden.

Für Vögel können Windkraftanlagen erhebliche Hindernisse darstellen. Grundsätzlich geht von den Rotorblättern der Windkraftanlagen vor allem für Großvögel (Steinadler, Bart- und Gänsegeier, Alpenkrähe, Uhu, Storch, etc.) eine potenzielle Kollisionsgefahr aus. Bestehen Windkraftanlagen innerhalb von Vogelzugrouten, vergrößert sich die Kollisionsgefahr. Schlechte Witterungsverhältnisse verstärken das Vogelschlagrisiko zusätzlich, weil sich die Konzentration der ziehenden Vögel in den unteren 10 bis 50 m über Boden – im Bereich der Rotorblätter – bei schlechter Witterung erhöht. Hinzu kommt, dass bei größeren Windkraftanlagen eine Signalbeleuchtung nötig ist. Diese hat den negativen Effekt, dass sie bei schlechten Sichtverhältnissen auf Vögel anziehend wirken kann und ein erhöhtes Kollisionsrisiko mit sich bringt. Reagieren Vögel mit einem Meideverhalten, stellen die Windkraftanlagen einen Lebensraumverlust dar, weil dieser Raum nicht mehr genutzt wird bzw. werden kann. Es gilt Berggebiete mit nationalen und internationalen Vogelzugrouten oder Vorkommen seltener oder geschützter Vogelarten von der Standortwahl auszuschließen.

(Quelle: BirdLife Österreich zur Grundsatzposition zur Windkraftnutzung im Österreichischen Alpenraum)
(Quelle: LUA Tirol - Windenergienutzung: Vorläufiges Positionspapier der Tiroler Umweltanwaltschaft)

Raumordnungsprogramme (kurz ROP) sind die Voraussetzung für eine nachhaltige räumliche Entwicklung. Wichtige Instrumente sind dabei verordnete Raumordnungsprogramme, Raumordnungspläne mit politischer Selbstbindung oder die Beurteilung der Raumverträglichkeit von Einzelprojekten. Die Zuständigkeit liegt bei den Ländern.

Folgende Bundesländer haben ein entsprechendes ROP zur Windkraftnutzung erarbeitet:
Niederösterreich
Oberösterreich
Steiermark
Kärnten
Salzburg verfügt über einen Kriterienkatalog zur Windkraftnutzung

Der Österreichische Alpenverein spricht sich nicht generell gegen die Windkraft aus, verlangt aber aufgrund der Sensibilität der alpinen Regionen im Vorfeld eine ausgewogene und eingehende Planung und knüpft diverse Bedingungen an mögliche Standorte.

Dabei fordert der ÖAV insbesondere die strikte Einhaltung gewisser Tabuzonen für alpine Standortplanungen:
-) Schutzgebiete und deren Vorfelder
-) Standorte mit geschützten Lebensräumen, Tieren und Pflanzen
-) alpintouristisch bedeutende Gebiete
-) visuell exponierte Standorte.

Der ÖAV ist eine der Gründungsorganisationen des Umweltdachverbandes (UWD). Im Dezember 2011 hat der UWD das Positionspapier  "Umweltfreundliche Nutzung der Windenergie" beschlossen. Der ÖAV hat dazu maßgeblich  beigetragen und sieht es aus folgenden Gründen als ein wichtiges Grundsatzpapier zur weiteren Entwicklung der Windkraft in Österreich an:

Windkraft spielt im Konzert der Erneuerbaren Energietechnologien für eine zukunftsfähige Energieversorgung in Österreich eine wichtige Rolle. Doch Windkraft benötigt Fläche (am Boden und in der Luft) und kann Ökosysteme und das Landschaftsbild nachhaltig negativ beeinträchtigen. Daher ist ein weiterer Ausbau nur durch klare Planung und mit Rücksichtnahme auf Naturschutz, Landschaft und Anrainer möglich. Der UWD und der ÖAV sagen daher Ja zur Windkraft - doch nur, wenn der Ausbau an geeigneten und naturverträglichen Standorten erfolgt. Der UWD hat deshalb gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen, zu denen die größten Naturschutzorganisationen und wesentliche Ökoenergieverbände Österreichs zählen, ein Positionspapier erarbeitet, das mit Kriterien für Tabu- und Eignungszonen die Anforderungen für eine umweltverträgliche Nutzung der Windkraft bis 2020 aufzeigt.

Weiterführende Informationen:

-) Positionspapier des UWD zur umweltfreundlichen Nutzung der Windenergie
-) UWD Facten.Lage 2/2012 Naturverträgliche Windkraft: Raum für Mensch und Natur 

 

Windpark am Brenner (Tirol)

Ursprünglich waren in Höhenlagen von ca. 2.000 bis 2.400 m zwei Windparks am Sattelberg (22 Anlagen) und weiter westlich am Sandjoch (9 Anlagen) geplant.

Der ÖAV hat sich am Widerstand gegen die Windparkprojekte gemeinsam mit vielen anderen Partnern von Anfang an beteiligt.

Windpark auf der Handalm (Stmk)

Auf dem Gebiet der Handalm (Weststeiermark, pol. Bezirk Deutschlandsberg) war ein Windpark, bestehend aus 13 Windenergieanlagen (WEA) auf einer Seehöhe von rund 1.800 Meter errichtet werden. Die Gesamthöhe der einzelnen WEA wird knapp 120 Meter und die Nabenhöhe der einzelnen Anlagen rund 78 Meter betragen. 

Der ÖAV hat aufgrund der zu erwartenden negativen Auswirkungen für Natur und Landschaft Einspruch gegen das Projekt erhoben.