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Inklusion in der Ausbildung (Inklusion in der Ausbildung)

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Inklusion in der Ausbildung

Komm, ich erzähl’ dir eine Geschichte…

„Spielerisch Klettern und Toprope sichern“ ist ein beliebtes Seminar im erlebnisorientierten Programm der Alpenverein-Akademie. Bei garantiertem Spaß vermittelt es die Grundlagen zum Gestalten von Kletterkursen. Im Frühjahr dabei war Sandra, Gruppenleiterin mit mentaler Beeinträchtigung. „Spannende Idee“ war die erste Reaktion der Kursleiterin, „lässig und fordernd für alle Beteiligten“ lautete ihr Resümee.

Eva-Maria Schider

Manches muss man einfach ausprobieren, auch wenn man Angst hat, oder eben einfach genau deshalb, um diese abzubauen! Wie – ihr kennt euch gerade nicht aus? Wisst nicht, worum es geht? Willkommen in der Welt von Sandra, einer faszinierenden und mutigen Frau, der es oft so geht. Es ist April. Ich leite wieder einmal den Kurs „Spielerisch Klettern und Toprope sichern“.

Einen Kurs, den ich sehr gerne mache. Heuer ist eine ganz besondere Teilnehmerin dabei: Sandra. Sie hat eine mentale Beeinträchtigung und ist eine von drei Leitern einer inklusiven Klettergruppe des Alpenverein Pongau im Bundesland Salzburg. Wie es dazu kam, erzählt sie im Interview.

Klettern mit der Gruppe, so oft es geht:

Sandra, was machst du aktuell beim Alpenverein?

Sandra: Klettern und Ausflüge mit unserer Gruppe, so oft es geht.

Du sagst mit eurer Gruppe – welche Gruppe ist das?

Eine inklusive Gruppe. Wir haben 10 bis 15 Teilnehmer von 4 bis 62 Jahren, manche davon sind (schwer) beeinträchtigt. Auch von der Sportkletter-Wettkampfgruppe des Alpenverein Pongau ist einer bei uns dabei. Wir klettern in St. Johann in der Volksschule und treffen uns alle 14 Tage.

Wie ist die Gruppe entstanden?

Vor 1,5 Jahren, als ich aufgehört habe, Floorhockey zu spielen, wollte ich etwas anderes machen. Da habe ich mit Albert gesprochen.

Hilf mir kurz – wer ist Albert?

Albert kenne ich seit 2015, weil ich in der Reha und dort in einem Hochseilgarten war. Das hat mir getaugt, obwohl ich zuerst gar nicht wollte. Ich hatte viel Angst vor meiner Vergangenheit, und die Angst habe ich mitgetragen. Das Klettern am Seilgarten hat mir so getaugt, dass ich auf der Alpenvereinsseite des Alpenverein Pongau die Telefonnummer vom Albert (Schmid, 1. Vorsitzender und Jugendleiter des Alpenverein Pongau) gesucht und ihn gefragt habe, ob er mir das Klettern beibringen könnte. Es ist nämlich so, dass ich mich in größeren Gruppen schwerer tue, weil ich Zeit brauche, um ein Gefühl für was Neues zu bekommen, und auch für Erklärungen ein bisschen länger brauche. Ich habe drei Einheiten Anfänger-Kletterkurs gemacht. Dann bin ich zum allgemeinen Erwachsenenklettern gegangen.

Wie war der Umstieg für dich?

Anfangs war es aufregend. Ich habe keinen gekannt. Albert hat mich allen vorgestellt und ihnen gesagt, dass sie mit mir langsamer umgehen müssen. Dann ist das Vertrauen zu den anderen immer mehr gekommen. Nach ein paar Monaten bin auch ich ganz oben gestanden!

Dann habt ihr die inklusive Gruppe gegründet?

Ja, gemeinsam mit Heidi, Albert und mit meiner Zwillingsschwester Bianca haben wir dann im Oktober 2017 die Gruppe gegründet. Als weitere Helfer der Gruppe kamen dann auch bald Lisa (18) aus der Jugendklettergruppe sowie Kilian (14) und Luis (11) aus der Wettkampfgruppe sowie Margit und ihre Tochter Sophie dazu.

Quehenberger Hans von der Lebenshilfe Bischofshofen mit seinen Schützlingen Christoph, Ritschie, und Funda waren auch bald dabei.

Ebenso Gabriel jun. (12) mit Vater Gabriel und Mutter Christiane und Schwester  Elisabeth (11)

Valentino (4) , Johanna mit ihrem Sohn Johannes (18), Anton mit seinem Sohn Florian (18), Stefan (33) , Christina mit ihren Kindern Pascal (14) und Jasmin (11), Christoph und Tanja mit ihrem Sohn Alexander sowie Christl.

Die Gruppe hat inzwischen 10-15 fixe Mitglieder die uns regelmäßig besuchen.

Wie läuft so eine Einheit in dieser Gruppe ab?

Wenn alle da sind gibt es zuerst ein paar lustige Spiele und dann wärmen wir uns an der Boulderwand auf.

Heidi, Lisa, Albert und ich hängen die Toprope-Seile ein. Meistens sichere ich dann, und wenn wenig los ist, zeige ich Routen vor, wie sie gehen können, und gebe Tipps.

Ritschie und Funda von der Lebenshilfe schaukeln meistens am Seil, alle anderen klettern Toprope oder bouldern.

Neu für mich ist, eine Gruppenleiterin mit mentaler Beeinträchtigung kennenzulernen. Wo siehst du deine Stärken?

Ich kann gut mit Menschen und Kindern umgehen und ihnen was beibringen, weil ich versuche, ein Gefühl für sie herzubringen. Ich rede mit ihnen, und wenn sie mich fragen, wie was geht, dann kann ich das gut erklären.

Gibt es Grenzen?

Sicher! 100-prozentig gibt’s die auch bei mir. Zu viele Menschen in meiner Gruppe würde ich alleine nicht schaffen. Oder wenn ich am Felsen klettere, muss ich aufpassen, dass ich mich nicht selbst überschätze. Grundsätzlich überschreite ich Grenzen jedoch gerne, weil ich sehr ehrgeizig bin.

Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund wie du, die mit dem Klettern anfangen oder Kursleiter sein wollen, was willst du denen sagen?

Kommt vorbei bei unserer Gruppe zum Schnupperklettern! Probiert das, was ihr machen wollt, einfach mal aus! Selbst wenn Angst da ist. Die kann man überwinden. Das klappt, indem man klein, Schritt für Schritt, mit etwas anfängt. Und wenn das gut hinhaut, kann man sich zum Kursleiter weiterarbeiten. Meldet euch beim Alpenverein in eurer Nähe und fragt nach, was es da gibt.

Passendes Setting für inklusive Ausbildung

Mich fasziniert die Geschichte von Sandra. Auch Teilnehmer äußern sich nach dem inklusiven Kurs positiv und reflektierend, wie Johannes:

„Sandras Selbstbeschreibung in der Vorstellrunde brachte schnell zu Tage, wie in unserer Gesellschaft Anderssein gesehen wird. Das irritiert schon mal, weil es eine Rechtfertigung für das eigene Sein beinhaltet und es natürlich traurig ist, dass sowas überhaupt gesagt werden muss.“ 

Grenzen öffnen und miteinander reden

Manch einer wird nun sagen, das ist eine schöne Geschichte und Inklusion ist wichtig, aber alles geht nicht. Das ist doch im Alpenverein, wo es um vieles mit Risiko geht, nicht zu verantworten. Darüber habe auch ich mir Gedanken gemacht. Nach und schon während des Kurses hatte ich Worte wie herausfordernd, anstrengend, merkwürdig, neu oder unbekannt im Kopf. Was traurigerweise nicht dabei war, ist „normal“. Klar gibt es Grenzen, Lernfelder, Bereiche und Dinge, die nicht gehen. Doch auf Fragen wie „Warum sehe ich die Grenzen viel klarer als die Möglichkeiten und das Potential?“ stoße ich auf etwas ganz Zentrales im Umgang mit jeglicher Andersartigkeit in der Gesellschaft: Warum reden wir so oft „über sie“ und so wenig „mit ihnen“? Ist es Angst? Ist es das Unbekannte? Ist es die Unbeholfenheit, weil wir nicht wissen, wie? Da wäre Inklusion als Normalität jedenfalls eine hilfreiche Sache. Oder wie Kursteilnehmer Johannes meinte, Inklusion und Gleichwertigkeit sei ein wichtiges Fundament einer friedlichen und glückbringenden Gesellschaft. In diesem Sinne: Vertraut werden ist die Basis des Vertrauenkönnens.  

Eva Schider arbeitet als Berg- und Skiführerin mit unterschiedlichen Könnens-, Alters- und Interessengruppen in den verschiedensten Settings und liebt diese Buntheit.

 

Angebote der Alpenverein-Akademie

Was nicht alle wissen: Die Kurse der Alpenverein-Akademie stehen allen offen, selbstverständlich auch Menschen mit Beeinträchtigung/Handicap/Behinderung. Voraussetzung ist die mentale und körperliche Möglichkeit, den jeweiligen Inhalt des Kurses zu folgen. Gerne beantworten wir individuelle Anfragen und beraten Sie persönlich. Das gesamte Angebot unter www.alpenverein-akademie.at

Auf der Website www.alpenverein.at/inklusion gibt es weitere Infos zum breiten Engagement des Alpenvereins zum Thema Inklusion.

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