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Zwei Welten in den Zillertaler Alpen

12.07.2018

Hochtouren rund um Berliner Hütte und Schwarzensteinhütte - Historischer Baukörper Berliner Hütte trifft futuristischen Bergfried Schwarzensteinhütte

Berliner Hütte
Berliner Hütte
Schwarzensteinhütte
Schwarzensteinhütte
 
regenbogen
berliner spitze
schwarzenstein
gipfelzustieg schwarzenstein

 Tief unter uns schmiegt sich die Berliner Hütte malerisch ins Hochtal. Sie wirkt fast wie ein kleines Dorf mit ihren vielen Anbauten und Nebengebäuden, die seit dem Jahre 1879 entstanden sind und die Hütte zum „Grand Hotel“ der Alpen erhoben.

Von unserem 3254m hohen Aussichtsplätzchen am Gipfel der Berliner Spitze haben wir bei Prachtwetter einen einzigartigen Blick auf unsere Route und die umliegende Bergwelt: Nach Norden hin öffnet sich das Zillertal, von dem aus wir neun Bergbegeisterte gemeinsam mit unseren   Hochtourenleitern Peter Resch und Franz Irndorfer am Vortag über den Zemmgrund zur Berliner Hütte aufgestiegen sind.

 

Dem mondänen Ruf, der dieser vorauseilt, wird sie mehr als gerecht: eine Empfangshalle mit Rezeption, Sitzgelegenheiten und einer umlaufenden Treppe zu den Schlafräumen. Einen besonderen Augenschmaus bietet der Speisesaal: bei seinen 130m2 stützen schlanke Säulen die fünf Meter hohe Decke, der Raum ist komplett mit Zirbenholz ausgekleidet, wobei an   kunstvollen Schnitzereien nicht gespart wurde.

 

Auch drei Hausschweine gibt es. Sie logieren in einer eigenen Hütte jenseits des Gletscherbaches. Und wer, glaubt ihr, frisst genüsslich aus dem Sautrog? Nicht etwa die Schweinderl, denn diese wühlen aufgeregt unter den Latschen die Erde auf. Nein, ein Marder macht sich über die Köstlichkeiten her!

Das g’schmackige Abendessen für uns Zweibeiner mündet in einen geselligen Abend mit Kartenspiel, bald jedoch ist Hüttenruhe. Nicht lange dauert es, da setzt auch schon die sanfte Vibration einiger Gaumensegel ein; nur dank Ohropax ist es möglich, die vermeintliche Hüttenruhe wieder herzustellen.

 

Lau und blau erwartet uns der Morgen. Auf geht’s, mitten hinein in jenes zauberhafte Panorama, welches sich vor uns ausgebreitet hat, als wir am Vortag auf der Terrasse unsere Beine lang machten: Zunächst wandern wir auf einem mit großen Steinplatten ausgelegten Weg, rechter Hand das Waxeggkees und das Hornkees im Blick. Diese Gletscher haben sich vor mehr als einem Jahrhundert im Rückzug an einem Berggrat getrennt. Nun geben sie den Blick frei auf lange Seitenmoränen, die beinah bis an die Hütte heran reichen. Heute lecken die Gletscherzungen weit oben am Berg und doch beeindrucken die Eismassen mit ihren Spalten, Randklüften und Schneefeldern das Auge das Betrachters. Linker Hand  zieht einen die Zsigmondyspitze in Bann, das Matterhorn der Zillertaler.

 

Allmählich verläuft sich der Weg in großen Blockhalden. Einschlüsse im Urgestein lassen der Phantasie freien Lauf, und so entdecke ich das Gebilde eines Elefanten – ob dieser sich wohl einst aus Hannibals Heer davongestohlen hat? – eine hippe Giraffe und Yetis Fußabdruck.

 

Steinböcke platzieren sich eindrucksvoll auf einem Grat und beobachten uns, die wir langsam, aber stetig den Berg hinan steigen. Ihre Leichtfüßigkeit macht mir bewusst, in wessen Reich wir uns hier bewegen.

 

Das Erreichen des Gletschers erleichtert unsere Rucksäcke um einiges, denn nun heißt es Hochtourenausrüstung anlegen und Müsliriegel einwerfen. In zwei Seilschaften geht es zügig über den Firn und wir gewinnen rasch an Höhe. Der Gipfel ist wieder eisfrei, sodass uns auf den letzten 100 Höhenmetern eine Kletterei in die scheinbar wild hingeworfenen Bauklötze eines Riesen erwartet.

 

Nun stehen wir also oben auf dem Aussichtsplätzchen der Berliner Spitze, haben einen einzigartigen Ausblick auf unsere Route und die umliegende Bergwelt und keine Menschenseele macht uns den Gipfel streitig.

Strahlende Augen, beflügelte Seelen, unübertroffen bestückte  Jausendosen mit herzhaften Bergsteigerwürsten, Nüssen und Dattelkonfekt – Baden im Glück.

 

Auch die Route des nächsten Tages ist von hier aus ersichtlich: Im Osten breitet sich das Schwarzensteinkees aus. Seine höchste Erhebung gipfelt im 3335m hohen Schwarzenstein, der die Grenze zu Südtirol markiert.

 

Beim Abstieg laden gleich unterhalb des Gletschers ergonomisch geformte Urgesteinsliegen zu einem Nickerchen ein, was wir gerne in Anspruch nehmen. Plötzlich wird es still. Selbst unsere Plaudertasche, die stets mit Wortwitz das Tagesgeschehen kommentiert, verfällt ob des Wellnessempfindens am Gletscherbach in Schweigen.

 

Nach einem weiteren geselligen Abend und einer mehrstimmigen Schnarchsinfonie begleitet uns der Ruf der Murmeltiere über Almböden mit Schaf- und Kuhherden. Weiter oben hinterließ der Gletscherschliff Felsen, die wie gestrandete Wale da liegen. An einer Stelle führt gar eine Leiter über die Flanke eines dieser riesenhaften Felsentiere.

Heute queren mehrere Seilschaften den Gletscher und so herrscht auch auf dem Gipfel reger Betrieb. Wieder werden wir belohnt mit atemberaubenden Ausblicken. Nicht weit unter uns lässt sich auf Südtiroler Seite die neu errichtete Schwarzensteinhütte am Rande der weißen Pracht ausnehmen: ein sechsgeschoßiger, sechseckiger Turm. Gespannt betrete ich den Bau. Ein Duft nach Holz liegt in der Luft, der Speiseraum wird um den Blick ins schöne Südtirol durch ein Panoramafenster erweitert. Tief unter der Hütte liegt das grüne Ahrntal.

 

Kaum machen wir es uns gemütlich, bricht ein Regenschauer herein und malt einen Regenbogen in die Luft, so schillernd, so klar, mitten im Grau der wolkenverhangenen Berge.

 

So kühn sich der Turm in den Felsen ausnimmt, so sehr machen sich auch die vielen Stockwerke bemerkbar. Wenn auf 3030m zwischen Dusche und Lager vier Geschoße liegen, kommt man auch im Haus ganz schön außer Atem!

 

Nachts zieht ein Gewitter vorbei, und der nächste Morgen zeigt sich uns mit Nieseln, Nebel und Neuschnee. Bei völlig anderen Bedingungen als am Vortag steigen wir wieder zum Gletscher auf, nennen das Felsköpfl mit 3237m die höchste Erhebung des Tages und schreiten in der Seilschaft scheinbar ins Nichts. Himmel und Erde, Nebel und Schnee haben genau denselben Farbton. Nur die Person, die vor einem am Seil geht, hebt sich schemenhaft ab. Zielstrebig führt uns Peter durch den weichen Schnee und nach langem Gehen lässt ein Glucksen das nahende Ende des Gletschers vermuten. Das Geräusch schwillt zu einem Plätschern an und schließlich tritt unter dem Eis ein Bach hervor. Kaum legen wir die Gletscherausrüstung ab, bricht die Sonne durch die Wolken und wir steigen bei Kaiserwetter ab ins Tal.

 

Eva Sporn

 

 
 
 

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