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Adamello (29.03 - 02.04.2015) (Adamello)

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Adamello (29.03 - 02.04.2015)

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Wie kommt man von einem Tag auf den anderen in die Adamello-Gruppe, wenn einen Winter lang von der Haute Route geträumt wird?


Die Frage ist ganz leicht beantwortet: Je näher der Abfahrtstermin gekommen war, umso schlechter stand es um die Wettersituation im Wallis. Und auch im ganzen Nordalpenbereich konnte sich keine Gebirgsgruppe über den AV-Wetterbericht überzeugend präsentieren. Die „Sonnen“ für die Karwoche gab es nur im Süden. Da der Adamello trotz der ca. 6-stündigen Anreise näher liegt als beispielsweise die französischen Seealpen, war das Credo aller Tourenteilnehmer unisono für die Gebirgsgruppe im Trentino.

Drele H., Moni G. und Britta G. waren dabei. Leider konnte Roman G. seine anfängliche Anmeldung nicht verwirklichen. So war Tourenführer Andreas nur mit Damen unterwegs. Für den Start war gleich Erleichterung angesagt, denn wir konnten bis auf knapp 3000 Meter Höhe mit Seilbahnen und Liften zurücklegen. So gab es einen Skilift-3000-er mit der Cima Presena, von wo aus wir einen tollen Einblick in unsere „neue Welt“ erhielten. Der Eintritt führte über eine viel befahrene Variante hinunter zum Rifugio Mandrone auf 2450 Metern. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und hätten gleich für ein paar Tage hier bleiben wollen. Für den Nachmittag stiegen wir hinauf auf den Passo Pisgana und auf einen Vorgipfel des Monte Mandrone. Die Abfahrt hatte Bruchharsch-Passagen, wie man sie in 10 Jahren ein Mal erlebt – in großen Querungen wurde die Höhe abgebaut.

Wir freuten uns, kulinarisch ins Schwarze getroffen zu haben. Für unseren Gebietswechsel hatten wir kurzerhand auf der Mandrone-Hütte Platz bekommen, was die Fahrt hierher erst aussichtsreich erscheinen ließ. Nicht nur wir waren Wetterflüchtlinge, es gab einige Tourengeher aus dem Norden mit Ausweichziel Adamello. Noch am Abend stand fest, dass am nächsten Tag zur Lobbia-Hütte 600 Meter höher gewechselt wird, wo wir die bessere Ausgangsposition für die größeren Ziele haben sollten.

In 2 ½ Stunden legten wir den Aufstieg mit unserem schweren Gepäck hinauf zur Lobbia-Hütte zurück. Wie eine Festung klebt die Hütte an der Südflanke der Lobbia Alta und steht mitten im Windkanal. Wir machten also Bekanntschaft mit einem Sturm, der uns von nun an nicht mehr los ließ. Es war wohl der Ausläufer des in den Nord- und Zentralalpen tobenden Sturm Niklas, von dessen Auswirkungen wir erst Tage später erfuhren. Gemütlich warm präsentierte sich die Gaststube. Viele Stunden verbrachten wir mit Quiz, Kartenspielen und Plaudern. So verging der Montag und es kam der Dienstag mit freundlichen Aussichten. Wir starteten zum Adamello, mit 3554m die höchste Erhebung. Faszinierend sind die weiten Gletscherflächen, die sich vorzüglich für Skitouren anbieten. Auf dem Plan di Neve, einem Plateau-Gletscher, sahen wir weit vorne die vorausgehende Gruppe. Bis dorthin war es dann doch länger als erwartet. Der Wind hatte hier mit der Bildung von kleinen Kratern und Schneetälchen ganze Arbeit geleistet. Harscheisen waren für eine Querpassage notwendig, die wir flott montiert hatten. Wir hatten für viele Dinge den Dreh heraus oder machten gerade unsere Erfahrungen, denn im Sturm Felle abziehen und im Rucksack verstauen ist nicht unbedingt die entspannendste Tätigkeit. Am Gipfel blieben wir nur kurz und formierten uns für ein Foto, bevor wir über die Aufstiegsstrecke abfuhren.

Die Kanone aus dem 1. Weltkrieg

Hier tobte an der Ortler-Adamello-Front vor 100 Jahren der unerbittliche Gebirgskrieg, der über 4 Jahre als Stellungskrieg ausgetragen wurde, ohne dass Italien als Angreifer Gebietsgewinne verzeichnen konnte. Die Spuren sind auch nach der langen Zeit gut sichtbar. Die „Cannone 149“ auf dem Nebengipfel des Cresta Croce in 3310 Meter Höhe ist gleichzeitig Mahnmal und Anziehungspunkt. Wir machten an diesem schönen und stürmischen Tag einen Abstecher hinauf. Unglaublich, welche Belastungen die Soldaten in diesen Höhenstellungen mit dem Transport und den Unbilden des Hochgebirges mitmachen mussten.

Der Sturm nimmt an Stärk zu

Mit dem Eintritt des Monats April sollte es noch stürmischer werden, obwohl das Wetter eigentlich immer schön war. Der nahe Crozzon di Lares sollte noch einen neuen Ausblick in die weite Gletscherwelt bieten. Bis ins Skidepot 100 Meter unter Gipfelhöhe (3354m) waren wir bereits zwei Mal vom Wind umgeworfen worden und es bedurfte keiner weiteren Absprache, damit wir ohne Gipfelbesteigung abfuhren. Die Suche nach einem windgeschützten Plätzchen gestaltete sich recht einfach: Ein solches gab es einfach nirgends. Mittags waren wir also wieder in unseren vier Wänden und freuten uns über das lauschige Plätzchen am Ofenfeuer.

Frühling und Winter an einem Tag

Der Gründonnerstag war gekommen und wir machten uns auf zur Abfahrt ins Tal und die Rückreise. In den Tälern Südtirols gab es angenehme Temperaturen und die Natur stand bereits in voller Blüte. Im frühlingshaften Lana machten wir Pause, bevor wir über Reschenpass und Fernpass mit dem Winter Tuchfühlung aufnahmen. Abends um 10 Uhr waren wir nach langer Reise dann glücklich in der Heimat angekommen.

Teilnehmer: Andreas (Tourenführer), Drele, Moni und Britta


Andreas H.

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