Klettercamp 2017 in Slowenien - Soca-Tal, 26.8. - 1.9.2017

Am Freitag den 25.08.2017 am Abend waren schlussendlich alle Vorbereitungen für das diesjährige Klettercamp 2017 abgeschlossen. Sämtliche Koffer und Taschen waren gepackt, alle Busse mehr oder weniger fertig beladen und die Reiseroute war jedem Fahrer bekannt. Somit konnten alle Teilnehmer des diesjährigen Kletterlagers guten Gewissens ihre letzte Nacht im eigenem Bett verbringen und sich auf eine Woche voller Berge, Klettern, Wandern, kalter Bergflüsse, köstlichem Camp-Essen und gemütlichen Abenden am Lagerfeuer freuen.

Am Samstag, den 26.08.2017 trafen sich alle in aller Früh gegen 05:45 beim AV-Heim Dornbirn, um dem Urlaubsverkehrs möglichst gut zu entkommen und noch etwas Zeit vom Reisetag in Slowenien nutzen zu können. Leider funktionierte das Entkommen nicht so gut wie gedacht und stattdessen steckten wir immer wieder in Stau-Kolonnen fest. Nichtsdestotrotz ließen wir uns nicht unterkriegen und konnten in Kärnten den letzten Teil der Gruppe, welcher entweder von Graz oder von Linz angereist kam, gut gelaunt und mit etwas Verspätung aufsammeln. Am Campingplatz angekommen schlugen wir unser Zelt auf und machten uns etwas mit der Umgebung vertraut. Der Campingplatz war nicht nur ruhig, sondern auch noch direkt an der hell-türkis gefärbten Soca (ausgesprochen „Sotscha“) gelegen, welche nicht weit von unserem Camp entfernt eine Schlucht zum Entdecken zu bieten hatte. Zusätzlich hatten wir am Campingplatz nicht nur unseren eigenen, besonders abgegrenzten Bereich mit fast keinen Nachbarn, sondern sogar noch unsere private Feuerstelle mit Feuerschale, Grillzubehör und Holzdach, was uns sogar beim schlimmsten Regenwetter erlaubte, ein wärmendes Feuer zu machen. Somit war der Campingplatz das perfekte Base-Camp für unsere bevorstehende Woche.

Die Region war vom kletter-technischen Standpunkt her ein wahrhaftiger „Klettertraum“. Von schönen Genusstouren über knackige Sportkletterrouten bis zu schönen Mehrseillängen-Touren (allerdings mit wenigen Seillängen) war Alles dabei. Anfänger sowie Fortgeschrittene kamen dabei alle auf ihre Kosten, da die meisten Klettergebiete, die wir besuchten, ein breites Schwierigkeits-Spektrum anboten. Alle Gebiete, die wir besuchten, waren innerhalb von 30-45 Minuten vom Campingplatz aus erreichbar. Interessant war, dass jedes der besuchten Gebiete seine Eigenheiten hatte. Damit ist nicht nur die Felsbeschaffenheit (wobei auch diese in jedem Gebiet unterschiedlich war und somit jeder Tag eine erfrischend andere Klettererfahrung anzubieten hatte) gemeint: So befand sich eines unserer ersten Klettergebiete in einem Wald, in dem uns die umgebenden Bäume viel Kühle spendenden Schatten schenkten und uns vor der brennenden Sonne schützte. Ein anderes Gebiet befand sich auf einem Gebirgspass. Hier boten uns bereits die ersten Kletterzüge einen so atemberaubenden Blick über das darunter liegende Tal, wie er in einer normalen Kletter-Route normalerweise erst ab der 4. oder 5. Seillänge zu sehen wäre. Ein besonderer Hingucker bei diesem Klettergebiet war noch ein Bunker, welcher aus der Zeit des ersten Weltkriegs stammte. Die Abenteuerlustigen und Geschichte-Liebhaber konnten sich darin austoben. Ein drittes Klettergebiet war nur über eine Seilbahn in Bovec erreichbar, welche uns mit einem 40 minütigen Seilbahntrip auf den Ausgangspunkt in 2200 m Höhe beförderte. Somit erwarteten wir uns hier feinsten Kletterfelsen mit hochalpinem Charakter. Leider wurden wir von diesem Gebiet etwas enttäuscht, da sich der Zustieg schwieriger erwies, als im Kletterführer angegeben. Als wir uns nach dem Weg erkundigten, wurde uns von lokalem Personal gesagt, dass das Gebiet nicht mehr existierte. Da wir uns aber nicht so ohne Weiteres abservieren lassen wollten, machten wir uns auf die Suche nach dem Gebiet und fanden nach einiger Zeit doch noch den besagten Felsen mit besten Versicherungen nach dem neusten Stand. Der Fels erwies sich als äußerst griffig und wenig speckig. Trotzdem blieben wir nicht lange dort, da die Routen uns etwas unterforderten. Außerdem stellten wir fest, dass uns oberhalb der Baumgrenze das schattenspendende Grün doch sehr fehlte. Um zu vermeiden, dass einer nach dem anderen wegen Sonnenstich umfällt, machten wir uns deshalb bald wieder auf zur Bergstation, wo wir uns vor der Talabfahrt noch eine kühle Erfrischung im Restaurant gönnten. Obwohl die Klettererfahrung an diesem Tag nicht gerade das „gelbe vom Ei“ war, durften wir eine spektakuläre Wanderung in einer hochalpinen Umgebung mit atemberaubenden Ausblick über Bovec genießen, während der uns auch das Eine oder Andere Edelweiß nicht verborgen blieb. Schon alleine aus diesem Grund hat sich Gondelfahrt auf jeden Fall gelohnt!

Mein persönlich Highlight der Woche war die Wanderung auf den Triglav – den höchsten Berg Sloweniens und somit ein Mitglied der „Alpinen Seven Summits“. Den Gipfel nahm ein kleines Grüppchen von uns ins Visier, bestehend aus Susi, Aaron, Sebi, Junie, Noah, Steffi und mir. Um den Gipfelaufstieg so angenehm wie möglich zu gestalten, starteten wir gegen 04:30 Uhr vom Campingplatz mit dem Auto los und erreichten 20 Minuten später unseren Ausgangspunkt, einen Parkplatz auf ca. 600 Metern Seehöhe. Halb verschlafen tappten wir los. Im Laufe des Vormittags stellte sich heraus, dass ein früher Start optimal war, da sich unsere Aufstiegsroute größtenteils in der morgens schattigen süd-westlichen Seite befand. Somit konnten wir viele Höhenmeter zurücklegen, ohne die brennende Sonne auf unseren Köpfen spüren zu müssen. Nach einem ca. 5 stündigen Aufstieg mobilisierten wir unsere letzten Kräfte für den Gipfelsturm, um die letzten Höhenmeter des Triglavs zu erklimmen. Hier war besondere Vorsicht geboten, denn dieser Abschnitt war besonders steil, und teilweise mit Eisenstangen und Drahtseilen abgesichert. Stolpern wäre hier nicht sehr empfehlenswert. Gegen 11:00 Uhr durften wir uns gegenseitig ein frohes „Berg Heil“ wünschen auf dem 2.864 m hohen Gipfel. Nach einer kleinen Gipfeljause ging es dann wieder ab ins Tal. Ich glaube, dass am Ende des Tages alle Tourenmitglieder die 2200 Höhenmeter-Tour in ihren Beinen spürten. Zumindest ich persönlich schaffte an diesem Abend kaum noch den Weg zum Bad- und Toilettenhäuschen am Campingplatz ;)

Diejenigen, die sich an diesem Tag nicht auf den Triglav gewagt hatten, teilten sich in zwei weiter Gruppen auf. Ein fünfköpfiger Trupp hatte sich zum Ziel gesetzt, den Mangart, den zweithöchsten Berg Sloweniens zu besteigen. Dies geschah auf zwei Varianten: die einen stiegen mutig in die alpine Kletterroute an der Südwestkante ein, die anderen machten sich auf dem Klettersteig auf nach oben. Am Ende des Tages waren auch sie froh über ihre Entscheidung, denn die Aussicht und die Tour seien auch hier sehr lohnenswert gewesen.

Der dritte, nicht weniger abenteuerliche Teil der Gruppe, stieg morgens in den Bus mit einem zwei Stunden entfernten Ziel: dem Meer bei Triest. Vorbei an unzähligen Weingütern und durch winzige Orte fuhren sie durch die Hitze. Doch am Meer angekommen ließ die kühle Erfrischung auf sich warten, zuerst wollte ein Weg, die Klippen hinab, gefunden werden. Einen vielversprechenden Steig ging es hinab, doch leider endete der in Mitten der mediterranen, äußerst stacheligen Vegetation. Einige Kratzer, Ausrutscher und Fast-Da-Rufe später standen sie dann doch am Meer, allerdings am FKK-Strand. Schließlich fand man doch noch ein geeignetes Plätzchen außerhalb des FKK-Bereichs und konnte endlich das Salzwasser auf der Haut spüren.

Die Abende am Klettercamp wiesen wie jedes Jahr den typischen Klettercamp-Lagerfeuer-Charme auf. Nachdem die Gruppe von den Küchenchefs Susi, Pius oder mir (natürlich immer mit tatkräftiger Unterstützung von allen Seiten) kulinarisch verwöhnt wurde, saßen wir jeden Abend bei einem gemütlichen Lagerfeuer und dem einen der anderen Gläschen Saft, Wein oder Bier zusammen und ließen entweder den vergangen Tag noch einmal Revue passieren oder machten die Tourenplanung für den darauffolgenden Tag. Natürlich durften auch die Werwolf-Partien am Lagerfeuer nicht fehlen. Dieses Jahr wurde die Gruppe unter der fähigen Spiel-Leitung von Pius durch die verschiedenen Geschichten geführt. Wer von der Gruppe erfolgreich als Werwolf beschuldigt wurde, oder von dem berüchtigten „Putzi Werwolf-Clan“ heimtückisch aus dem Spiel geworfen wurde, vertrieb sich die Zeit mit einer Runde „Jungle-Speed“, einem Reaktions-Spiel, welches sich im Laufe der Woche als durchaus Klettercamp-würdig erwiesen hat.

 Für mich persönlich ging das diesjährige Klettercamp im Soca-Tal 2017 viel zu schnell vorbei. In dieser Kletter-Region, bei diesem Camp-Essen und bei der tollen Gruppe, in der alle fleißig mitgearbeitet und viel Spaß miteinander hatten, hätte ich locker noch eine zweite Woche anhängen können.

Ich bedanke mich bei allen, die dabei waren, es war eine wirklich super Woche!

Mit dabei waren: Sabrina Auer, Simon (Susi) Fässler, Christoph (Kiri) Rehm, Bernhard Kessler, Edgar (Edi) Zangerle, Patrick Michler, Noah-Jakob Kohler, Julia Putzger, Sebastina Drexel, Pius Spiegel, Maximilian Huber, Alina Ender, Katharina Girstmair, Armin Stocker, Johannes Rüf, Hannah Kühne, Elisabeth Winder, Stefanie Zeppenfeld, Irene Fink, Aaron Amann, Badamsuren (Junie) Gangaabazar, Martin Putzger

Autor: Kiri

Klettercamp Slowenien
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