Logo Alpenverein Innsbruck

Wohin geht die touristische Reise in Tirol? (Wohin geht die touristische Reise in Tirol?)

Mitglied werden
zur Anmeldung

Wohin geht die touristische Reise in Tirol?

Die Berge rund um das Schigebiet Schlick kommen nicht zur Ruh - 2013 die Kalkkögel und jetzt die geplante Erschließung über Goldsutte, Kaserstattalm und Mahderberg ins Stubaital.
Die Berge rund um das Schigebiet Schlick kommen nicht zur Ruh - 2013 die Kalkkögel und jetzt die geplante Erschließung über Goldsutte, Kaserstattalm und Mahderberg ins Stubaital.

Zwei aktuelle Erschliessungsprojekte geben Aufschluss.

Die Corona-Pandemie, die seit einem Jahr auch in Tirol zu einem tiefen Einschnitt unseres bis dahin freien gesellschaftlichen Lebens geführt hat, zeigt nun ungeschminkt und mit voller Wucht die Schwächen dieser seit Jahren aus dem Ruder gelaufenen Tourismusentwicklungen auf. Keine Branche wird aktuell so gebeutelt wie die Seilbahn und Tourismuswirtschaft. Besonders Tirol hat über Jahrzehnte eine touristische Monostruktur aufgebaut und Jahr für Jahr mit Rekordzahlen geprahlt. Es schien für einige Akteure, gesteuert von der Politik, keinen Plafond des touristischen Wachstums zu geben. Die Raumordnung wurde mit Füßen getreten, überall entstanden in den Tälern Chaletdörfer, Freizeitwohnsitze und riesige Bettenburgen mit Wellnesstempel. In den Skigebieten wurde weiter erschlossen, neue Geländekammern mit Seilbahnen und Beschneiungsteichen regelrecht zerstört und mithilfe der Politik das Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm weiter aufgeweicht und nicht selten aus der Definition „Neuerschließung“ eine „Erweiterung“ konstruiert. Und Jahr für Jahr wurden neuen Nächtigungsrekorde von der Tourismuswirtschaft und Politik regelrecht zelebriert.
Zunehmend kritische Stimmen, ob von den alpinen Vereinen, Bürgerinitiativen oder privaten Personen, blieben ungehört oder wurden mit dem Argument des krisensicheren Tourismus und dem Wohlstand in diesem Land einfach weggewischt. Doch die Bevölkerung erkannte zusehends, dass diese ungebremste Tourismusentwicklung für das Land Tirol nicht nur Wohlstand, sondern auch Belastung und Zerstörung bedeutet.
Das Fass zum Überlaufen brachten neben dem überbordenden Reiseverkehr in den Tälern und Gemeinden schlussendlich die wahrlich größenwahnsinnigen Projekte, wie etwa die geplanten Erschließungen von Kappl über das Malfontal nach St. Anton oder von Kühtai über die Feldringer Böden bis Hochötz (weitere Informationen unter www.feldring.at) und zuletzt der geplante 120 Mio. teure Zusammenschluss zwischen dem Ötztaler und dem Pitztaler Gletscherschigebiet über den Linken Fernerkogel. 
Alle drei Projekte sind zwar derzeit auf Eis gelegt, doch wenn man die Akteure der Seilbahn- und Tourismuswirtschaft kennt, weiß man, dass es nie ein endgültig AUS geben wird. Sie warten mit Sicherheit auf ein günstiges politisches „window of opportunity“, um die Pläne neuerlich aus den Schubladen zu holen. Und genau darin liegt das Problem, denn ein Erschließungsprojekt kann im Laufe von Jahren immer wieder gefordert und beantragt werden, solange bis die tatsächliche Genehmigung erreicht wird. Verliert der Naturschutz hingegen nur ein einziges Mal, ist der betreffende Naturraum ein für alle Mal in seiner Natur- und Landschaftssubstanz verloren. Die Erschließung der Wilden Krimml im Jahre 1998 oder des Piz Val Gronda 2013 haben uns das vor Augen geführt, dass trotz zahlreicher negativer Gutachten die Realisierung der Projekte mit politischer Hilfe selbst nach über 20 Jahren intensiver Auseinandersetzung schließlich zum Erfolg geführt haben. Diese Strategie wird nach wie vor beharrlich weiterverfolgt, was im Folgenden an zwei Projekten konkretisiert wird.

Dank vieler engagierter BürgerInnen konnte die Erschließung der Feldringer Böden abgewendet werden.
Dank vieler engagierter BürgerInnen konnte die Erschließung der Feldringer Böden abgewendet werden.

TOURISTISCHE NEUAUSRICHTUNG – WUNSCH ODER REALITÄT?

Blicken wir gut 30 Jahre zurück, als vielerorts in Tirol hemmungslos Erschließungsprojekte vorangetrieben wurden. Schon damals führte dies zur heftigen Kritik, weil man durch den bereits überbordenden Tourismus enorme Verkehrsbelastungen, eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch Seilbahnen, Pisten, Beschneiungsteiche und Großparkplätze sowie eine ungebremste Verbauung der Tallagen befürchtete. Doch im Gegensatz zu heute schien die Tiroler Landespolitik damals etwas mehr Weitsicht zu besitzen und verordnete sich selbst eine vierjährige „Nachdenkpause“ (1989 - 1992), indem eine „Neuorientierung der Tiroler Seilbahnpolitik“ angestrebt wurde. Darin verankert war die „Absicherung einer geordneten harmonischen Entwicklung des Tourismus“. Doch was ist davon übriggeblieben? 

Mit dem Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm sollte eine geordnete touristische Entwicklung angestrebt und fortgeführt werden. Noch bevor die Tinte auf dem Papier getrocknet war, wurde die zukünftige maßvolle touristische Ausrichtung von der Seilbahn- und Tourismuswirtschaft umgehend torpediert. Der Grund lag darin, dass die Inhalte aus ihrer Sicht erschließungsfeindlich waren und viele konkrete Seilbahn- und Schigebietsprojekte an einer Genehmigung scheitern würden. Sehr schnell knickte die Politik vor den Seilbahn- und Tourismuskaisern ein und schnürte gemeinsam mit der Beamtenschaft alle fünf Jahre das Seilbahn- und Schigebietsprogramm immer weiter auf, um einerseits Spielräume für weitere Erschließungen zu schaffen und andererseits, um ganz konkrete Erschließungsprojekte realisieren zu können. Damit wurde auch sichtbar, wer in diesem Land Steuermann (Seilbahner/Touristiker) und wer Passagier (Politik) ist. Mit der Corona-Pandemie wurde uns allen ungeschminkt vor Augen geführt, wie verletzlich die massentouristischen Entwicklungen mit all ihren negativen Ausprägungen in Tirol sind. So herausfordernd die Zeit der Pandemie auch ist, stellt sie für viele Menschen  in Tirol aber auch etwas Gutes dar, indem wieder mehr Lebensqualität, Entschleunigung, weniger Verkehr in den Tälern und Gemeinden, weniger Lärm in den Bergen u.v.a.m. zurückgekehrt ist. Doch im Stubaital scheint man aus dieser Krise nichts zu lernen und verfolgt weiterhin den Weg einer ungebremsten Tourismusentwicklung.

GOLDGRÄBERSTIMMUNG IM STUBAITAL

Mit einer Zubringerbahn samt Schipisten und Schiweg, würde das Naturjuwel Goldsutte mit den darunterliegenden Hochflächen der Kaserstattalm und dem Mahderberg zerstört.
Mit einer Zubringerbahn samt Schipisten und Schiweg, würde das Naturjuwel Goldsutte mit den darunterliegenden Hochflächen der Kaserstattalm und dem Mahderberg zerstört.

Die lauten Stimmen in der Bevölkerung, dass weitere Seilbahn- und Pistenerschließungen in den Bergen ein Ende haben müssen, sind mittlerweile unüberhörbar. Doch bis ins Stubaital scheinen diese kritischen Stimmen noch nicht durchgedrungen zu sein, denn im Gegensatz zu einer touristischen Neuausrichtung halten die verantwortlichen Touristiker an weiteren einfallslosen Erschließungsplänen fest. Insgesamt sollen dafür 40 Millionen Euro aufgewendet werden. Vor allem die Erschließungspläne von Neder (Gemeinde Neustift) über die Kaserstattalm und Goldsutte hinauf in das Schigebiet Schlick hat großes Unverständnis hervorgerufen, denn eine Realisierung wird sehr oft als Vorstufe zu einer Seilbahnverbindung zwischen dem Schigebiet Schlick und der Axamer Lizum (= Brückenschlag) durch das Ruhegebiet Kalkkögel gesehen (Tiroler Tageszeitung vom 30.11.2017). 

Aber auch die geplante Anbindung von Neder hinauf zum Sennjoch wird selbst im Stubaital von vielen BürgerInnen strikt abgelehnt, weil die Kosten von über 24,5 Millionen Euro in keiner Relation zum Nutzen und zur Naturzerstörung stehen. Nachdem die Pläne für einen Zusammenschluss zwischen der Axamer Lizum und dem Schigebiet Schlick aufgrund des internationalen Vertragswerkes der Alpenkonvention und durch den großen Widerstand der Bevölkerung gescheitert waren, wurden schon sehr bald neue Pläne für eine Seilbahnanbindung in die Schlick von Neustift i. St./Ortsteil Neder präsentiert.

Dieses Projekt wurde bereits 1985 eingereicht und von den Behörden als nicht genehmigbar eingestuft. Im Wissen all der negativen Gutachten von damals wird dieses Projekt nun nach über 35 Jahren wieder aus der Schublade geholt. Wer die südseitigen Hänge oberhalb von Neustift i. St. kennt, weiß, um welch reizvollen und naturkundlich wertvollen Natur- und Kulturraum es sich handelt. Demnach sollen die Hänge des Mahderberges, der Kaserstattalm sowie die unerschlossene Geländekammer der Goldsutte, welche sich am Fuße des Hohen Burgstall befindet, bis zum Sennjoch erschlossen werden. Im Bereich der Goldsutte wäre auch ein Schiweg und eine Schipiste vorgesehen über die Goldsutte, die Kaserstattalm und den Mahderberg. 

Diese müssten aufgrund des steilen Geländes mit großem Aufwand und massiver Naturzerstörung regelrecht in den Berg gesprengt werden. Auch mit einem mittlerweile angedachten Schitunnel ist diese geplante Erschließung nicht zu rechtfertigen. Interessant sind immer wieder die Argumente der Befürworter für eine Zubringerbahn zum Sennjoch, die sich auch nach 35 Jahren nicht geändert haben: „Wenn die Erschließung nicht kommt, werden Neustift und das Stubaital verarmen“. Diese haltlosen Aussagen kennt man auch aus anderen Tälern, wenn es um die Durchsetzung umstrittener seilbahntechnischer Erschließungen oder sonstiger touristischer Großprojekte geht. Jedenfalls zählt Neustift i. St. mit über 1,3 Mio. Nächtigungen nach Sölden, Innsbruck, Ischgl und Mayrhofen zu den fünftstärksten Tourismusdestinationen in Tirol.

Obschon in den 1980er-Jahren eine regelrechte Goldgräberstimmung unter den Seilbahn- und Tourismuskaisern herrschte, wurde dem Projekt aufgrund weitsichtiger Fachleute eine Genehmigung verwehrt. So trafen sich am 12. Juni 1985 unter Federführung der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land im Gelände Lokalpolitiker, Projektbetreiber, Amtssachverständige der Abteilung Umweltschutz, der Bezirksforstinspektion Steinach a. Br., der Wildbach- und Lawinenverbauung, der Sportabteilung, der überörtlichen Raumplanung als auch ein ingenieurbiologischer Sachverständiger zu einer interdisziplinären Vorbegutachtung. Alle Sachverständigen kamen damals nach einer umfassenden Besichtigung und anschließender Projekterörterung eindeutig zum Schluss, dass eine seilbahn- und pistentechnische Erschließung des Mahderberges, der Kaserstattalm und der Goldsutte äußerst gravierende und irreversible Schäden am Naturhaushalt und am Landschaftsbild bedeuten würden und deshalb strikt abzulehnen ist. Zudem kritisierten Forst, Wildbach- und Lawinenverbauung die Erschließungspläne vom Sennjoch in die Goldsutte scharf, weil aufgrund der extremen Steilheit, der ständigen Rutschungen und der häufigen Lawinengefahr die gewaltigen Eingriffe in den Naturraum in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen würden.

Noch vor 35 Jahren traten alle Grundeigentümer strikt gegen die Erschließungspläne und für eine Erhaltung dieser einmaligen Kultur- und Naturlandschaft ein. Doch die Personen haben sich geändert und damit wohl auch das Bewusstsein für den sensiblen Umgang mit dem Naturraum.
2017 schien bereits alles anders zu sein: Grundbesitzer haben ihre wertvollen Gründe im Talboden den Seilbahnern plötzlich zur Verfügung gestellt und der Obmann der Agrargemeinschaft Schlickeralm teilte öffentlich mit, „dass die Agrargemeinschaft den Erschließungsplänen nicht negativ gegenübersteht“ (Tiroler Tageszeitung, 15.11.2017). Derartige Aussagen aus der Landwirtschaft überraschen nicht, denn Natur- und Umweltschutz werden unter vielen Landwirten immer noch als Hemmschuh und Verhinderungsinstrument in der landwirtschaftlichen Entwicklung gesehen. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest die Grundeigentümer rund um die Goldsutte und der Kaserstatter Mähder, die 1985 eine Erschließung der bis zu 40° steilen und daher besonders gefahrenträchtigen Hänge kategorisch ablehnten, auch heute noch Rückgrat beweisen, sich ihrer Verantwortung für eine intakte Bergnatur einzutreten bewusst sind und deshalb standhaft bleiben. Sollte es jedoch zur Projekteinreichung kommen, darf man gespannt sein, ob die Amtssachverständigen den damaligen Argumenten ihrer Vorgänger folgen. Alles andere wäre eine Farce, denn die eindrucksvolle Landschaft und die dokumentierten Naturgefahren haben sich bis heute nicht geändert. Zudem sollte bereits im Vorfeld genau geprüft werden, ob sich nicht Teile der geplanten Seilbahn und/oder der Schipisten im bestehenden Ruhegebiet „Kalkkögel“ befinden. Wenn dem so ist, dann ist eine Genehmigung nach dem Tiroler Naturschutzgesetz als auch nach der Alpenkonvention, Protokoll Naturschutz und Landschaftspflege (Art. 11) und Bodenschutz (Art. 14) nicht möglich. Und zu guter Letzt darf bei all den Gutachten, Verfahren, Gesetzeslagen usw. nicht auf den zunehmenden Druck aus der Bevölkerung vergessen werden, denn diese hat nicht nur die Erschließungspläne rund um die Kalkkögel nicht vergessen, sondern hat von diesem Erschließungswahnsinn der letzten Jahre in Tirol mittlerweile genug. Und auch im Stubaital scheint die Ablehnung groß zu sein, denn viele naturverbundene Menschen haben sich zusammengefunden und die Initiative „Rettet die Goldsuttn“ gegründet (weitere Informationen unter www.goldsutten.com).

VERBINDUNG MUTTERER ALM – AXAMER LIZUM

BEDEUTET VERLUST EINES NAHERHOLUNGSGEBIETES

Das Birgitzköpfl zählt zu den beliebtesten Naherholungsgebieten im Großraum Innsbruck. Und genau dort ist die Mittelstation zwischen Mutterer Alm und Axamer Lizum geplant.
Das Birgitzköpfl zählt zu den beliebtesten Naherholungsgebieten im Großraum Innsbruck. Und genau dort ist die Mittelstation zwischen Mutterer Alm und Axamer Lizum geplant.

Neben den Erschließungsplänen im Stubaital sollen die Vorgänge rund um den Verkauf der Muttereralmbahn und dem damit geplanten Zusammenschluss mit der Axamer Lizum auch noch einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Nachdem der Tourismusverband Innsbruck und seine Feriendörfer, gemeinsam mit den Gemeinden Götzens und Mutters den Verkauf der Muttereralmbahn an einen slowakischen Investor (Tatry Mountain Ressort) besiegelt hatten, schrillten ob des Vertragsinhaltes umgehend die Alarmglocken. Der Verkaufspreis wurde mit 4,5 Millionen Euro festgelegt, wobei 1,25 Millionen Euro nur dann fließen, wenn auch der Zusammenschluss mit der Axamer Lizum zustande kommt. 

So etwas grenzt schon beinahe an Erpressung und deshalb ist absehbar, dass der TVB-Innsbruck und seine Feriendörfer als auch die Bürgermeister der Gemeinden Mutters und Götzens bei den Behörden intervenieren und massiven Druck ausüben werden, um den Zusammenschluss zu realisieren, zumal man einerseits den ausländischen Investor bei Laune halten will und andererseits die 1,25 Millionen Euro zur Reduktion der Verschuldung dringend benötigt. Es ist zu hoffen, dass sich die Behörde bei der Erarbeitung der Gutachten durch die Sachverständigen nicht unter Druck setzen lässt und völlig unabhängig agiert. Neben dem Behördenverfahren stellt naturgemäß die Projektvariante ein großes Fragezeichen dar. Nachdem die Schweizer Firma grischconsulta die Verhandlungen mit Tatry Mountain Ressort führte und genau diese Firma 2014 mit dem erstellten „Masterplan Bergbahnen Innsbruck“ u.a. auch die Erschließung durch die Kalkkögel forcierte, scheint es fraglich, ob es hier zu einer naturverträglichen Variante kommt.
Demnach sehen die Planungen eine 10er-Einseilumlaufbahn vom Pfriemesköpfl auf das Birgitzköpfl und weiter in die Axamer Lizum vor. Eine direkte Anbindung des Birgitzköpflhauses ist nicht geplant, wobei diese Variante den geringsten Eingriff darstellen würde. Außerdem soll eine Piste zur Birgitzer Alm geführt werden und von dort ein Schiweg über den Butter-Bründl-Steig in die Axamer Lizum. Dem nicht genug, tauchen immer wieder Pläne auf, in einer weiteren Ausbaustufe auch die Waldschneise zwischen der Birgitzer Alm (1.808 m) und dem großen Gedenkkreuz beim Hüttenboden (ca. 1.600 m) schitechnisch zu erschließen (ORF-Tirol online, 11.04.2012). Der Schiweg entlang des Butter-Bründl-Steiges würde durch ein äußerst labiles bzw. rutschgefährdetes Gebiet führen. Das belegen die vielen Quellaustritte, der zumeist nasse und schlammige Wanderweg und der durch Hangbewegungen typische Säbelwuchs der Bäume.
Da die Alpenkonvention in Österreich geltendes Recht ist, muss in diesem Fall das Bodenschutzprotokoll (Art. 14) zur Anwendung kommen. Darin heißt es unmissverständlich, dass „Genehmigungen für den Bau und die Planierung von Skipisten in Wäldern mit Schutzfunktionen nur in Ausnahmefällen und bei Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen erteilt und in labilen Gebieten nicht erteilt werden“. Im Jahre 2004 hat der Umweltsenat schon einmal den damaligen geplanten und von der Tiroler Landesregierung genehmigten Zusammenschluss „Mutterer Alm - Axamer Lizum“ aufgrund des Bodenschutzprotokolls (Art. 14, Abs. 1) ersatzlos aufgehoben. Es ist davon auszugehen, dass man weiterhin an diesen Plänen festhält. Vielen Menschen im Großraum Innsbruck sind die Pläne in dieser Form nicht bekannt. Ein Großteil ist nach wie vor der Meinung, dass es ausschließlich einen Zusammenschluss zwischen dem Pfriemesköpfl und dem Birgitzköpflhaus gibt. Würden die nach wie vor aktuellen Pläne realisiert, würde damit eines der beliebtesten Naherholungsgebiete für Rodler, Schneeschuhwanderer, Winterwanderer und Schitourengeher der Vergangenheit angehören. Das sollte allen bewusst sein.

SCHLUSSBEMERKUNG

Es wird die Zeit kommen, indem sich das Leben wieder normalisiert. Für den Tourismus in seiner jetzigen Form benötigt es aber ganz dringend ein Umdenken, neue Strategien und neue Weichenstellungen, denn gerade die Pandemie hat Tirol mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, wie anfällig und verwundbar die monostrukturelle touristische Ausrichtung für ein Land ist. Es wäre fatal weiterhin an den bisherigen touristischen Strukturen und Auswüchsen festzuhalten und deshalb zeugt es nicht von Weitsicht, wenn PolitikerInnen und Wirtschaftskämmerer keine Bereitschaft für eine Veränderung zeigen und reflexartig den aktuell in Tirol praktizierten Massentourismus auch noch verteidigen (Tiroler Tageszeitung vom 06.02.2021, VP-Tourismussprecher M. Gerber: „Sanfter Tourismus ist falsche Antwort.“) Will Tirol ernsthaft sein angekratztes Image beseitigen, dann benötigt es im Sinne der Alpenkonvention und ihrer Protokolle endlich strenge Leitplanken für die weitere Entwicklung, ebenso klar definierte und unverrückbare Endausbaugrenzen im Gebirge, eine funktionierende alpine Raumordnung, die Ausweisung weiterer Schutzgebiete samt Betreuung und ein Ende des Flächenverbrauchs in den Tälern für weitere Hotelburgen, Chaletdörfer und Freizeitwohnsitze.

Text und Fotos: Essl Josef