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Sicherheit am Berg - Klettersteig (Sicherheit am Berg - Klettersteige)

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Sicherheit am Berg - Klettersteig

Nachdem in den letzten Jahren das Klettersteiggehen einen unglaublichen Boom erlebte, möchte ich als neuer Alpinwart über dieses Thema einen Auszug aus dem Buch 'Klettersteiggehen - Ausrüstung, Technik, Sicherheit', von Pit Schubert etwas näher bringen.

Was sind Klettersteige
Klettersteige sind mit Leitern, Eisenstiften, Klammern, Brücken und Drahtseilen durchgehend gesicherte Bergwege in Felswänden. Der sogenannte 'Via Ferrata' - aus dem Italienischen, zu Deutsch 'Eisenweg'. Er stellt eine Kombination aus normalem Bergwandern und extremem Freiklettern dar. Ambitionierte Wanderer haben hier die Möglichkeit, Routen zu gehen und Gebiete kennenzulernen, die ihnen sonst verschlossen bleiben.

Nicht zu unterschätzende Grundvoraussetzung
Die 'Vie Ferrate' reichen von leichten, gesicherten Pfaden im steilen Gelände über kurze sportliche Touren bis hin zu hochalpinen Routen und bieten somit sowohl für Einsteiger, als auch für Fortgeschrittene einen alpinen Hochgenuss. Selbst Bergsport-Begeisterte, die über mäßig ausgebildete Armkraft verfügen, können einfache Klettersteige bewältigen. Generell ist es sogar besser, überwiegend die Beine einzusetzen, da sie kräftiger sind und weniger schnell ermüden. Die Arme dienen mit der Zeit nur noch zum Unterstützen des Gleichgewichts. Doch Klettersteige werden häufig unterschätzt! Wie bei jeder Klettertour ist Erfahrung im Gebirge und sicherheitsbewusstes Handeln unabdingbar. Alpenweit gibt es mittlerweile über 800 Klettersteig-Routen. Wer einen dieser 'Eisenwege' begehen will, sollte auf jeden Fall trittsicher und schwindelfrei sein.

Unabdingbare Ausrüstung
Einen Helm zu tragen, ist oberstes Gebot der Vernunft, da es auf Klettersteigen durch Vorsteigende leicht zu Steinschlag kommen kann. Alle Kletterhelme, die in den Geschäften angeboten werden, sind normgeprüft und lassen sich auf die Kopfgröße anpassen. Am wichtigsten für die eigene Sicherheit ist ein sogenanntes Klettersteig-Set. Dazu gehört zunächst der Anseilgurt, der unbedingt eine Kombination aus Hüft- und Brustgurt sein sollte, insbesondere wenn man einen Rucksack trägt. So kann der Oberkörper bei einem Sturz nicht nach hinten wegkippen, was sonst beachtliche Verletzungen im Wirbelsäulenbereich mit sich ziehen würde. Durch einen Falldämpfer - eine sogenannte Klettersteigbremse - und zwei spezielle Klettersteig-Karabiner, die im Vergleich zu anderen Karabinern über besonders große Öffnungen verfügen, ist das Set vervollständigt.

Klettersteig-Set-Varianten
In den Geschäften werden zurzeit noch zwei Klettersteig-Sicherungs-Systeme angeboten. Das ältere V-System und das Y-System. Bei beiden Systemen bildet die Klettersteigbremse - eine Metallplatte mit mehreren Löchern, durch die das Seil gezogen ist bzw. der Bandfalldämpfer, wo das Dämpferelement in einem eigenen Täschchen verstaut ist - das Hauptelement. Das Seil lässt sich ohne Belastung nur schwer durch die Löcher ziehen. Bei einem Sturz ist die Belastung jedoch höher als der Reibungswiderstand der Bremse. Das Seil rutscht somit etwas nach und dämpft den Fall. Beim zweiten System geht der Falldämfer auf. Ohne Klettersteigbremse würde ein so kurzes Seil nicht genügend Dehnung aufweisen, um den Sturz zu dämpfen. Klettersteigbremse und Seil sollten am besten im Set gekauft werden, da somit gewährleistet ist, dass sie genau aufeinander abgestimmt sind.

·      das V-System besteht aus einem Seil, das durch die Klettersteigbremse gezogen ist und an dessen Enden jeweils ein Klettersteig-Karabiner eingehängt ist. Die Klettersteigbremse wird mit einer Bandschlinge am Gurt eingebunden. Am Drahtseil des Klettersteiges darf immer nur ein Karabiner eingehängt sein. Der zweite Karabiner wird an der Materialschlaufe des Gurts befestigt. Nur beim Umhängen an einer Drahtseilverankerung werden kurzfristig beide Karabiner eingesetzt. An dieser Stelle sollte man möglichst nicht stürzen, denn sind beide Karabiner eingehängt, kann das Seil beim Sturz nicht durch die Klettersteigbremse rutschen. Der Sturz ist somit ungedämpft und führt in der Vertikalen fast zwangsläufig zu inneren Verletzungen.

·      das Y-System besteht aus einem, durch die Bremse gezogenen Seil und einem weiteren kürzeren Seil, das mit dem anderen verknotet ist. An den Enden des kürzeren Seils ist jeweils ein Karabiner eingehängt. Mit dem durch die Bremse laufenden Ende des längeren Seils wird die Klettersteigbremse in den Gurt eingebunden. Dieses Seil rutscht bei einem Sturz durch die Bremse und dämpft ihn. Im Unterschied zum alten V-System sind hier immer beide Karabiner eingehängt - also zwischen den Drahtseil-Verankerungen und beim Umhängen. Das hat zwei grundlegende Vorteile:
- Kein ungenutzter Karabiner, der an der Materialschlaufe hängend, stören könnte.
- doppelte Sicherheit durch die Redundanz bei den Karabinern und den Seilen (Ausschalten des Karabiner-Bruch-Risikos durch die ungünstige Hebel-Belastung an den Zwischensicherungen). Dies bei den geknoteten Sets.

Beim modernen Klettersteigset, das als Y-System ausgeführt ist, gibt es elastische Bandschlingen für besseres Handling, die sich mittels Gummizug verlängern und einen Bandfalldämpfer, der in einem Täschchen zusammengelegt ist.

Wer sich also ein neues Klettersteigset zulegen möchte, dem raten wir, auf jeden Fall das neuere, moderne Y-System zu kaufen. Es empfiehlt sich zudem das Anlegen des Klettersteigsets zu Hause zu trainieren und es nicht erstmalig am Einstieg auszuprobieren.

Richtige Bekleidung

·      Das 'Begehen' eines Klettersteiges wird durch das passende Schuhwerk um ein Wesentliches erleichtert. Die Bergschuhe sollten auf jeden Fall eine Profilgummisohle und Klimaschutzmembran (...TEX) haben. Natürlich hat jeder Bergsteiger andere Vorlieben, man sollte jedoch Folgendes bedenken: während ein leichter und biegsamer Schuh gute Haftung am Fels bietet, bringt er beim Abstieg auf Geröll, Schnee oder Gras nicht den Halt, den ein härterer Schuh bietet. Wir empfehlen deshalb einen etwas festeren Allrounder-Leichtbergschuh.

·      Blasenbildung an den Händen kann durch das Tragen von Handschuhen vermieden werden. Am besten bewährt haben sich weiche, nicht zu eng sitzende Handschuhe. So ermüdet die Finger-, Hand- und Unterarmmuskulatur nicht so schnell und man ist trotzdem vor aufgesplissenen Drahtseilen oder sonstigen verletzungsträchtigen Teilen der Sicherungsanlage geschützt.

·      Im Sommer in kurzen Hosen und Funktionsshirt zu klettern, ist absolut in Ordnung. Dabei ist lediglich darauf zu achten, dass die Hose genügend Bewegungsfreiheit bietet. Bei hochalpinen Touren darf wetterfeste Funktionsbekleidung aber auf gar keinen Fall fehlen, damit es bei einem Wetterumbruch nicht zur Unterkühlung kommt. Ebenso kann hier zusätzliches Material wie Seil, Steigeisen oder Eispickel notwendig sein.

In der Praxis
Wer korrekt angeknotet ist und stets beide Sicherungskarabiner des Y-Systems eingehängt hat, steigt zunächst auf 'Nummer sicher'. Jetzt gilt es auf den richtigen Abstand zwischen zwei Klettersteig-Gehern zu achten. Es sollte sich immer nur eine Person zwischen zwei Verankerungen befinden. Der Nachkommende muss sich dann weit genug unter dem Bereich befinden, bis zu dem der Obere am Drahtseil entlang hinunterstürzen kann, da er anderenfalls mitgerissen werden kann. Denn die Sturzstrecke kann aufgrund der dynamischen Wirkung der Klettersteigbremse und der Körpergröße bis zu vier Meter unter die unterste Verankerung reichen! Wer zu dicht aufschließt und mit in den Sturz verwickelt wird, der trägt schwerwiegendere Verletzungen als blaue Flecken und Prellungen davon. Deshalb niemals zu dicht aufschließen!

Gefahren auf Klettersteigen
Neben Steinschlag, der durch vorausgehende Klettersteig-Geher oder auch Gämsen ausgelöst werden kann, bilden Gewitter die größte Gefahr auf Klettersteigen. Drahtseile und Leitern auf den 'Eisenwegen' ziehen Blitzschläge förmlich an. Deshalb ist es wichtig, sich mit dem richtigen Verhalten bei Gewitter vertraut zu machen. Aufziehender Nebel, Regen oder Schneefall können das Begehen des Klettersteiges bedeutend erschweren, denn nasse oder vereiste Stahlseile bieten keine ausreichende Reibung für sicheres Zupacken. In diesem Fall sollte man frühzeitig den Abstieg antreten oder einen 'Unterschlupf' aufsuchen, bis es wieder aufklart. Leider birgt auch das Drahtseil selbst, das zur Sicherung am Klettersteig dienen soll, Gefahren in sich. Manchmal sind die Seile mit Klebeband umfasst, um somit Verletzungen an der Hand durch Drahtgeißelungen vorzubeugen. Doch eindringendes Wasser hält sich hier besonders lang und beschleunigt die Oxidation, die das Drahtseil rosten und brüchig werden lässt. Am besten versucht man sich vor dem Einstieg in einen Klettersteig über dessen Zustand zu erkundigen, obgleich das ungemein schwierig sein wird.

Auf in die Alpen
Beim Klettersteig-Gehen sollte sich jeder über die damit verbundenen Risiken bewusst sein. Die Sicherheitsausrüstung dient lediglich dazu, im Ernstfall das Schlimmste zu vermeiden. Deshalb sind umsichtiges Verhalten, korrekte Selbsteinschätzung und eine gute Vorbereitung unabdingbar.

In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden der Berge einen schönen Sommer mit vielen schönen, unvergesslichen und vor allem unfallfreien Touren

 

 

 

 

Herzlichst Euer

Bernhard Singer

Alpinwart

 
 
 

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