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Die Sage „Der Riese vom Glungezer“ (Österreichs 1. Sagen-Klettersteig am Glungezer)

Die Sage „Der Riese vom Glungezer“

Glungezer KS

Glungezer KS

Der Glungezer Riese

Weit hinten im Voldertal, wo der Glungezer sein Haupt stolz in den Himmel reckt, lag einst eine liebliche Alm. Dort wohnte ein friedlicher Hirtenkönig mit seiner Gemahlin in einem prächtigen Palast. Des Königs Lieblingsplatz war aber ein Ort am Glungezer, wo sein “Goldener Balkon“ stand. Von dort hatte er einen gar königlichen Ausblick hinunter ins Tal und auf den See. Stundenlang verweilte er dort und genoss die Ruhe um ihn herum. Das Königspaar hatte vier liebreizende Töchter. Rings um den Palast erstreckte sich ein herrlicher Garten. Seltsame Blumen, die es nur in diesem Garten gab, zeigten das ganze Jahr über ihre buntes Farbenspiel. Wundersame Springbrunnen verzauberten mit ihren glitzernden Wasserstrahlen das große Anwesen, das im “Tal der verwunschenen Schneehühner“ lag, in eine Märchenlandschaft. Immer wieder sah man Herden von Alpentieren friedlich und ohne Scheu auf den weiten Rasenflächen weiden. Dies waren auch die Lieblingsspielwiesen der vier Königstöchter. Hier scherzten und hüpften sie fröhlich umher und trieben heitere Spiele mit den zutraulich gewordenen Tieren. Von Zeit zu Zeit gingen die Königstöchter auch hinunter ins Tal zu den Häuschen der armen Hirten, um diesen in mancher Not hilfreich zur Seite zu stehen. Deshalb verehrten die Hirten die vier wunderschönen Mädchen, als ob es ihre Schutzgeister wären. In dieses herrliche Bergparadies verirrte sich einst ein Riese, als er durch die enge “Schlangenkluft“ hinaufstieg. Es gefiel ihm hier so gut, dass er hoch oben am Glungezer eine Hütte baute, um für immer zu bleiben. Nun war es freilich mit Frieden und Ruhe im freundlichen Tal zu Ende. Weithin erschallte bei Nacht das fürchterliche Gebrüll des Riesen. Dabei erzitterten nicht nur die Menschen, sogar die Felsen splitterten und staubende Muren prasselten über das fruchtbare Tal hernieder. Über diesen Krach erschrak sich auch das Bergmännlein und schaute verdutzt aus seiner Höhle heraus. Auf seinen Wegen am Glungezer und über die Almen, sah der Riese eines Tages die vier Töchter des Hirtenkönigs auf den Wiesen im “Tal der verwunschenen Schneehühner“ spielen. Er war so sehr angetan von der Schönheit und dem Liebreiz der vier Mädchen, dass er eine davon zu seiner Frau nehmen wollte. Prüfend musterte der garstige Riese sein Äußeres im Spiegel. Er wollte einen guten Eindruck mach, wenn er um die Hand einer Königstochter anhielt. Er nähte auf seinem Bärenmantel neue Knöpfe aus Hirschhorn an, und riss kurzerhand einen schönen Baum als Wanderstab aus. Dann fuhr er sich mit den wulstigen Fingern ein paarmal durch die borstigen Haare. Nun noch den struppigen Bart glasgestrichen und fertig war der Riese zur Brautschau. Dem guten König im Prunksaal erschrak das Herz in der Brust, als er den ungehobelten Brautwerber sah. Er wollte es sich aber mit dem jähzornigen Riesen nicht gänzlich verderben und ihn deshalb nicht abweisen. „Euer Antrag ist eine Ehre für mich“, sagte er lächelnd, „aber meine Töchter dürfen sich ihre Ehegatten selbst auswählen. Wenn eine deinen Heiratsantrag annimmt, dann soll es von mir aus geschehen.“ Als heimliche Überraschung hatte der Riese eine große goldene Krone am Glungezer gebaut. “Die Krone der Prinzessin“. Als Zeichen dafür, sollte er eine Königstochter zur Frau nehmen dürfen. Der Riese wurde jedoch von den Königstöchtern abgewiesen und ausgelacht. Darüber wurde der Glungezer Riese bitterböse und so zornig, dass er schwor sich furchtbar zu rächen. In der Nacht schlug er mit dem “Hammer des Riesen“ haushohe Gesteinsblöcke aus einem gewaltigen Felsen am Glungezer, dem “Zahn des Riesen“. Krachend und polternd fielen die Felsbrocken auf den Palast herab und schoben ihn mitsamt seinen Bewohnern bis in die Mitte eines verwunschenen Sees, in dem er versank. Die nachfolgenden Felsblöcke füllten den See fast zur Gänze aus. Was von dem dunklen See noch übrig blieb, heißt heute der “Schwarzenbrunn“. Doch einige Zeit nachdem der Riese seine schreckliche Tat vollbracht hatte, ergriff ihn bittere Reue. Nächtelang saß er am Ufer des “Schwarzenbrunn“ und trauerte über den Tod der vier unschuldigen Königstöchter und des milden, guten Königspaares. Sein Jammern und Wehklagen wurde so arg, dass es selbst die Steine erbarmte, die darüber ganz weich wurden. Vor lauter Gram verwünschte sich der unglückliche Riese selbst und aus dem Glungezer Riesen wurde ein Zwerg, der reumütig am Fuß der “Zauberwand“ saß und weinte. In hellen Mondnächten sah man die Königstöchter als Lichtgestalten über dem Wasser schweben, an dessen Ufer immer der verwunschene Glungezer Riese als kleines graues Zwerglein saß. Eine gar kümmerliche Gestalt mit Baumbart und Moos überwachsen und die Hände sehnsuchtsvoll nach den Lichtwesen ausgestreckt. Eines Tages jedoch verschwanden diese für immer und der Zwerg stürzte sich wie ein Stein gramerfüllt in den See. Seitdem liegt eine unheimliche Ruhe über dem einsamen „Schwarzenbrunn“.

Textbearbeitung: Maria-Antoinette Probsdorfer

 
 
 

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