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Bettelwurfhütte
Seehöhe 2077 m, Kategorie I, Tirol, Karwendel
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Bettelwurf Hütte

Jahresbericht 2014:

Das Schreiben des jährlichen Hüttenberichtes ist als Hüttenwart immer eine tolle Arbeit. Kann ich doch damit immer den Mitgliedern kommunizieren, was wir bei und rund um die Bettelwurf Hütte alles geleistet haben, um die Hütte in ihrer Art und Funktion zu erhalten. Doch heuer ist es für mich schwierig, und zugleich unangenehm euch zu berichten. Am Ende des Jahres 2014 kann eigentlich nur gesagt werden, dass der Vorstand sehr verantwortungsvoll mit den Mitgliedsgeldern umgegangen ist. Das ist recht mager!

Doch der Reihe nach: Der für 2014 geplante Umbau (siehe Vorjahresbericht) wurde von allen Behörden bewilligt und im Frühjahr die Ausschreibung durchgeführt. Das Ergebnis war aus finanzieller Sicht nicht befriedigend und gemeinsam mit dem Architekten arbeiteten wir ein Konzept aus, das nach zähen Verhandlungen mit den Baufirmen durchführbar erschien. Verbunden damit wäre zwar ein erheblicher persönlicher Einsatz meinerseits gewesen, aber es war mir Wert und der Sache dienlich. Am 4.4.2014 sollten die Arbeiten beauftragt werden.


Amtsschimmel

Ein kritischer Leser merkt jetzt schon: 'sollten!', denn am Vortag, Donnerstag, der 3.4.2014 fand eine Verhandlung am Landesverwaltungsgericht in der Causa 'Luftfahrtkennzeichnung der Materialseilbahn' statt. In zwei Stunden rechtfertigen, nachweisen und darlegen des Bestandes und der Historie erfuhr ich, dass 'Recht haben und Recht kriegen' nicht automatisch einhergehen. Die Verhandlung wurde nicht abgeschlossen, sondern auf unbestimmt vertagt, und der Richter schliderte uns sehr eindeutig, dass laut seiner Sicht der Sachlage (gestützt auf die Aussage des Landessachverständigen), die Materialseilbahn bereits seit Mitte der 70er Jahre nicht wie bewilligt betrieben wird. Wenn es uns nicht gelingt mit dem Sachverständigen einen Konsens herzustellen, dann ist der Seilbahnbetrieb einzustellen. Verbunden mit der Seilbahn ist im Besonderen die Art der Bewirtschaftung der Bettelwurf Hütte.
Mir war damit sofort klar, dass unter dieser düsteren Prognose die vorbereitete Umbaumaßnahme nicht mehr gerechtfertigt werden kann. Da wir im Vorstand die budgetierten Gelder nicht mit derartigem Risiko behaftet investieren können (kein Fall ähnlich der Hypo Alpe Adria!), konnten wir nicht anders, als alle Vorhaben zu stoppen, bis die Sache mit der Materialseilbahn geregelt ist. Einzig die bereits bestellten Fahnen erschienen eine zu geringe Investition zu sein, um diese zu stornieren. Wir haben versucht alle möglichen Kontakte aus fachlicher und auch politischer Sicht für eine Lösung zu involvieren, von allen Seiten wurde uns größtmögliches Zuvorkommen eingeräumt. Es folgten unzählige Sitzungen, doch leider gelang es uns nicht im Kalenderjahr 2014 ein Ergebnis zu erzielen. Die Sache ist nach wie vor nicht entschieden.

Somit wurden heuer auf der Bettelwurf Hütte keine Investitionen, bis auf geringste Tätigkeiten, wie die Reparatur der Gastherme, die Feuerlöscherüberprüfung oder die jährliche Wasserprobe getätigt. Erfreulich ist, dass wir ab dieser Saison Fäkalien in der Kläranlage Innsbruck entsorgen können. Die Arbeit ist für den Pächter nicht unbedingt die feinste, aber bei entsprechender Organisation gut möglich. Wir hoffen hier auf eine langfristige Kooperation.

Starke Niederschläge zerstörten im Juni in der Bettelwurfreise endgültig die Wegtrasse auf der Berme. Zwischenzeitlich wurde der oberhalb liegende Querdamm von der WLV fertig gestellt, und so verlegten wir unseren Zustiegsweg Nr. 222 direkt in die Grabensohle, welche nun bestens geschützt ist, solange die WLV ihrer Verpflichtung nachkommt und den Damm in funktionsbereitem Zustand erhält.

Die Bettelwurf Hütte wurde vom 1.6. bis 15.10.2014 von unseren Pächtern Gabi und Robert bewirtschaftet. Die Saison entwickelte sich bedingt durch den Sommer, der eigentlich kein richtiger Sommer war, nach Aussagen unserer Pächter schlecht. Während der heurigen Saison nächtigten 1.830 Gäste in der Bettelwurf Hütte. Das sind um 420 Gäste weniger als im Vorjahr. Mit einer solch niedrigen Zahl gelang es ihnen nicht mehr die Bettelwurf Hütte positiv zu bewirtschaften. Damit, und verbunden mit der Ungewissheit über den gesicherten Fortbetrieb der Materialseilbahn, verloren sie den Mut die Hütte in ihrer Art zu bewirtschaften. Zu Saisonende kündigten sie den Pachtvertrag, was wir, und besonders die Gäste bedauern.

Die Suche nach neuen Pächtern gestaltet sich schwierig, denn wir können den Bewerbern die Hütte nur sehr undefiniert mit oder ohne Materialseilbahn vorstellen. Das Einzige was wir versichern können ist, dass wir alles dafür tun, um für den Fortbestand der Seilbahn zu kämpfen.

Heuer ist es uns noch sehr gut gelungen, gemeinsam mit den Pächtern Gabi und Robert sowie allen freiwilligen Helfern mit ihrem unermüdlichen Arbeitseinsatz die Hütte und das angrenzende Wegenetz in einem ordentlichen Zustand allen Bergsteigern (egal ob Mitglied oder nicht) zur kostenlosen Benützung anbieten. Wie lange uns das noch gelingen wird, das hängt auch sehr von den Gesetzen und den exekutierenden Behörden mit ihren Auflagen ab. Einstweilen wird Österreich und die Länder sicher weiter mit dem Produkt 'wanderbares Österreich' werben. Toll!

Gunnar AMOR    

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Hüttenwart Gunnar Amor
Aktualisiert am 31 Januar, 2015

 
 
 

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