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Bettelwurfhütte
Seehöhe 2077 m, Kategorie I, Tirol, Karwendel
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Bettelwurf Hütte

Jahresbericht 1903:

An den geehrten Weg- und Hüttenbau Ausschuss des deutschen und oesterreichischen Alpen Vereines.

Im Jahre 1894 wurde von der Sektion Innsbruck die Bettelwurf Hütte mit einem Kostenaufwande von ungefähr 8000 Kronen mit Unterstützung von Seiten des Zentral Ausschusses erbaut. Diese Hütte besitzt einen Gastraum, der zugleich als Küche genützt wird, einen Schlafraum mit 6 Matratzenlagern im Erdgeschoss, und durch eine Stiege von außen erreichbar im Dachraum 8 Heulager. Die Bodenfläche der Hütte beträgt 60 Quadrat Meter.

Seit 2 Jahren bewirtschaftet die Sektion die Hütte, der Bewirtschafter mit Frau muss im Dachraum in mehr als bescheidenen Verhältnissen Unterkunft finden.

Von den bedeutendsten Mängeln, die sich im Laufe der Jahre eingestellt haben, seien erwähnt, das Fehlen von eigenen kleinen Zimmern mit Betten, eine heutzutage unerlässliche Bedingung für eine sehr besuchte Hütte, das Fehlen eines Kellers, das Fehlen eines eigenen Gastzimmers, einer eigenen Küche, der schlechte häufig rauchende Kamin.

Alle diese und noch viele andere Missstände machen den Aufenthalt in der Hütte äußerst unangenehm, die ungenügenden Schlafräume zwangen schon manchen Touristen, der matt und müde spät Abends zur Hütte kam, zu einem Nachtlager im Freien, wollte er nicht mehr den weiten Weg zum Halleranger Haus machen. Die gegenwärtige Hütte, die nicht für Wirtschaftsbetrieb eingerichtet war, was heutzutage unerlässlich ist, ist zu klein geworden. 

Waren diese Umstände schon früher zu einem Mißstande geworden, so wurden sie seit der Bewirtschaftung der Hütte zur Unerträglichkeit, um so mehr als der Besuch der Hütte in nie geahnter Weise zugenommen hat, und wie mit Sicherheit anzunehmen ist, noch weiter zunehmen wird. 

Im Jahre 1894 waren 138 Besucher
Im Jahre 1895 waren 153 Besucher
Im Jahre 1896 waren 103 Besucher
Im Jahre 1897 waren 168 Besucher
Im Jahre 1898 waren 172 Besucher
Im Jahre 1899 waren 154 Besucher
Im Jahre 1900 waren 211 Besucher
Im Jahre 1901 waren 281 Besucher
Im Jahre 1902 waren 489 Besucher,  - bewirtschaftet
Im Jahre 1903 waren 607 Besucher,  - bewirtschaftet

Seit Jahren schon trägt sich die Sektion mit dem nun unaufschiebbar gewordenen Plane einer Vergrößerung der Hütte. Eine Reihe von Plänen wurde erörtert.

Naturgemäß kam ein Zubau zur Hütte in Betracht. Die Erfahrungen aber, die andere Sektionen mit Zubauten gemacht haben, waren für die Sektion Innsbruck nicht ermutigend. Es ließe sich wohl mit Aufbau er Hütte und mit einem Zubau nach Osten denn nur nach dieser Seite wäre ein Zubau möglich eine Vergrößerung denken. Doch auch ein derartiger Zu- und Aufbau, der einen Kostenaufwand von 12 bis 15000 Kr. erfordern würde, wäre nur ein Aushilfsmittel für einige Jahre und würde die Sektion bald wieder in neue Verlegenheiten bringen.

Die Generalversammlung der Sektion vom 15. Dezember 1903 ermächtigte und beauftragte den Ausschuß mit möglichster Beschleunigung den Bau eines eigenen Schlafhauses, sowie die Vornahme kleiner Änderungen der gegenwärtigen Hütte, welche als zukünftiges Wirtschaftsgebäude gedacht ist, in Angriff zu nehmen und für die Aufbringung der nötigen Geldmittel Sorge zu tragen. Als Gründe für den Bau einer neuen nur als Schlafhaus gedachten Hütte war folgendes maßgebend:

Mit dem oben erwähnten Zubau wäre bei verhältnismäßig hohen Kosten bei weiterem Steigen der Besucherzahl der Hütte nur eine vorübergehende Abhilfe geschaffen.
Ein Neubau kann in einer solchen Weise ausgeführt werden, dass nach dem Stande der bisherigen Erfahrung auf anderen Hütten, selbst in stark besuchten Gebieten, auf absehbare Zeit hinaus genügend und gründlich die oben geschilderten Mißstände beseitigt erscheinen.
Nichts erschien der Sektion ungeeigneter, als eine nur für einige Jahre genügende Abhilfe zu schaffen.
Bei der verhältnismäßig leichten Erreichbarkeit der Bettelwurf Hütte kommt es an schönen Tagen, namentlich Samstag auf Sonntag sehr oft vor, dass verspätete Touristen noch nachts auf die Hütte kommen und die Nachtruhe der Touristen stören. Ein eigenes Schlafhaus würde diesem Übelstande abhelfen.
Der Neubau der einige Meter nach Osten vor der alten Hütte zu stehen kommen würde, würde es auch ermöglichen, zwischen beiden Hütten Raum genug zur Aufstellung einer kleinen Veranda zu schaffen, um die herrliche Aussicht von den Hütten aus voll und ganz genießen zu können.
Ein weiterer Vorteil eines Neubaues wäre der, dass der Betrieb der alten Hütte während des Neubaues nicht gestört würde, und keine eigene Baracke zur Unterkunft für die Arbeiter nötig wäre.
Bei einem Auf- und Zubau zur gegenwärtigen Hütte könnte auch
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vollendet haben wird, wird hier der Dank und die Anerkennung so manches Touristen sicher sein. Hilft doch die neue Hütte, einen Gipfel bequem zu erreichen, der einer der schönsten des ganzen Karwendels, eine Aussicht bietet, die in der Alpenwelt Tirols ihresgleichen sucht.

Sollen wir weiter noch erwähnen der anderen Hochtouren, die von der Hütte aus gemacht werden können, wie kl. Bettelwurf, Speckkarspitze, kl u. gr. Lafatscher etc. und der leichten Wanderungen zum Hallerangerhaus, Issanger etc?

Gerade in jüngster Zeit entsteht ein froher Wettkampf deutscher Sektionen in unserem Bettelwurfgebiete, und der von er Sektion Bayreuth geplante Gratweg Lafatscherjoch - Bettelwurfspitze - Walder Alpe, wird neue Besucher zuführen, denen unsere Hütte ein Stützpunkt für ihre Wanderungen werden wird.

Mit der zugleich von der Sektion Innsbruck geplanten Wegverbesserung vom Lafatscher Joch zur Hütte wird aber auch der Besuch der Hütte allein ein dankenswerter sein, und ohne Mühe wird sich hier so manchem bequemen Geher ein zaubervolles Alpenpanorama entrollen.

Die Sektion Innsbruck erlaubt sich hiemit an den geehrten Weg- und Hüttenausschuss heranzutreten, derselbe möge gleich wie seinerzeit beim ersten Baue, auch für dieses Werk eine den Baukosten entsprechende Unterstützung aus den Mitteln des Gesamtvereines bewilligen und zu befürworten.

Die Sektion Innsbruck glaubt als eine der größten Sektionen diese Bitte nicht unberechtigt tun zu dürfen, umso mehr als die Sektion stets in opferwilliger Weise zum Wohle des D. u. Oe. Alpenvereines gewirkt hat, und auch heute noch bedeutende Opfer, wie z.B. Führeraufsicht, Führerunterricht, Rettungswesen [die letzten zwei vorstehenden Wörter wurden nachträglich durchgestrichen] dem Gesamt Vereine bringt.

Innsbruck im Jänner 1904

cand. jur. P. Gasteiner m.p.                           Dr. Krautschneider m.p.                      Albert Fessler m.p.
Schriftführer                                                                 Vorstand                                               Hüttenwart

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Hüttenwart Gunnar Amor
Aktualisiert am 24. Juni 2009

 
 
 

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