Logo Sektion Weitwanderer

Drei Tage im Gratzener Bergland (Gratzener Bergland)

Mitglied werden
zur Anmeldung

Drei Tage im Gratzener Bergland

Wallfahrtskirche Dobrá Voda

Wallfahrtskirche Dobrá Voda

Es war - wie ausgeschrieben - keine klassische Wandertour, sondern ein Kennenlernen des tschechischen Teiles des Gratzener Berglandes. Nichts für Langstreckenwanderer, aber ideal für an diesem „verlängerten Waldviertel“ Interessierten mit kürzeren, landschaftlich schönen Wanderungen. Durch die guten und sehr günstigen Busverbindungen in Tschechien waren Halbtagswanderungen problemlos planbar. Unsere Gruppen von 14 Personen (eine ideale Gruppengröße) erlebte drei gemütliche, stimmige und informative Tage im Raum Nové Hrady/Gratzen.

 

Do., 15.06.2017: Anreise nach Hirschenwies – Wanderung über die Grenze und über die Vysoká nach Hojná Voda.

(Wanderung 11 km, +240 Hm, -250 Hm, reine Gehzeit 3 ¼ h)

Die Anreise nach Hirschenwies erfolgt mit Franz-Josefs-Bahn und Taxibussen. Hier befanden wir uns schon im Gratzener Bergland – im österreichischen Teil – zu dem ja auch der Nebelstein gehört, auf den wir von hier sahen. Er ist ja Weitwanderern kein Unbekannter. Wir aber hielten uns nach Westen – in Richtung des tschechischen Teiles des Gratzener Berglandes. Deutlich bemerkten wir, dass dieses Gebiet eine Einheit darstellt, durch das seit einigen Jahrzehnten eine Staatsgrenze verläuft, die heute - gottlob - ihren Schrecken verloren hat. Hier wie dort: tiefe Wälder mit Granitfelsen verschiedener Größe – von Steinen bis zu mächtigen Felstürmen und mit einer unglaublichen Ruhe – weitab größerer Verkehrswege und Siedlungen.

Wir wanderten vom Glockenturm in Hirschenwies am „Hubertusweg“ zum Roten Kreuz, und weiter zum Grenzübergang „Via Verde“ (der Name eines Radweges) mitten im Wald. Ein kurzes Stück asphaltierte Forststraße und dann bergauf auf die Vysoká – mit 1034 m Sh. die höchste Erhebung im nördlichen tschechischen Teil des Gratzener Berglandes. Es gab zwar keine Aussicht, aber schöne Felsgebilde – besonders am etwas anstrengenden Abstieg nach Hojná Voda/Heilwasser. Dort befindet sich der einzige Gasthof der Umgebung, vor dem auch der Linienbus hält. Ihn benützten wir zur Fahrt in die Stadt Nové Hrady. Nach Quartierbezug machten wir eine Runde durch die Kleinstadt mit nur 2.500 Einwohnern. In der Kirche bekamen wir den Schluss der Fronleichnamsprozession mit – ja hier kann sie erst abends nach Arbeitsschluss stattfinden, denn in Tschechien hat der Kommunismus „ganze Arbeit geleistet“ und die kirchlichen Feiertage abgeschafft. Beim Neuen Schloss kamen wir erstmals mit dem Namen Buquoy in Kontakt, die ehem. Herrschaftsfamilie des Gratzener Gebietes. In der tiefstehenden Abendsonne schlenderten wir durch dessen Schlosspark.

 

Fr., 15.06.2017: Burg Nové Hrady und Wanderung von Horní Stropnice/Strobnitz auf den Kravi hora/Kuhberg, Abstieg nach Dobrá Voda/Brünnl.

(Wanderung inklusive Aussichtswarte 9 km, +455 Hm, -310 Hm, reine Gehzeit 3 ¾ h)

Am Vormittag waren Reste der nächtlichen Schauer angesagt, und so passte das vorgesehene Kulturprogramm prächtig. Die Burg Nové Hrady/Gratzen liegt auf einem Rücken vor der Stadt. Ihre Bauform ist ungewöhnlich, denn sie ist eine „Durchgangsburg“ (hat also 2 Tore) und einen ungewöhnlich tiefen Burggraben. Die gut eingerichteten Innenräume kamen wir bei der Burgführung zu sehen. Mittags nahmen wir den Linienbus nach Horní Stropnice/Strobnitz. Die markante Kirche stammt schon aus romanischer und gotischer Zeit. Dann wanderten wir los: zu Beginn als Landschaftsdominante die Wallfahrtskirche Dobrá Voda vor Augen ging es bergauf, bis wir wieder Hojná Voda erreichten. Im Gasthof nahmen wir diesmal nur eine Erfrischung, und bald marschierten wir wieder bergwärts – das erste Stück auf der fast verkehrsfreien Straße- aber dann immer steiler auf einer grünen Markierung, an beeindruckenden Felsblöcken vorbei, auf den Kravi Hora/Kuhberg. Kurz vor dem Gipfel führt der Weg über einen Felsen, zu dessen Ersteigung man die Hände zu Hilfe nehmen muss. Den Gipfel bekrönt ein Turm, der eigentlich für militärische Zwecke gebaut wurde, aber 2001 zu einer Aussichtswarte umgebaut wurde. Eine waghalsig anmutende Spindeltreppe führt bis zur Aussichtsplattform auf 24 Meter Höhe, von der man weit über Südböhmen sieht (– auch das AKW Temelin war deutlich sichtbar).

Der markierte Abstieg führte uns ziemlich steil zum Weg von Hojná Voda nach Dobrá Voda hinunter. Die Wallfahrtskirche Dobrá Voda/Brünnl lag in kommunistischer Zeit im Sperrgebiet und war dementsprechend ruinös. Heute glänzt sie in alter barocker Pracht, und ist wieder das Ziel von Wallfahrern aus der Umgebung, - auch aus Ober- und Niederösterreich. Wir füllten unsere Flaschen mit dem köstlichen, namensgebenden Wasser, das unterhalb der Kirche aus zwei Brunnen fließt – wirklich ein außergewöhnlich gutes Wasser! Die ungewöhnliche Dimension – das ovale Kirchenschiff liegt in Querrichtung- sieht man erst von der Seite. Mit dem Linienbus fuhren wir zurück nach Nové Hrady und fanden im Rathauskeller ein passendes Lokal zum Abendessen.

 

Sa., 17.06.2017: Theresiental, Ceske Velenice, Gmünd Neustadt und Heimreise.

(Zu Fuß 11 km, +160 Hm, -170 Hm, reine Gehzeit 3 ½ h)

Wir benützten wieder den Linienbus – diesmal bis Světví. Wir wanderten durch eine Allee zur Burg Cuknšten/Zuckenstein und von dort in den Landschaftspark Theresiental, den Johann Nepomuk Buquoy seiner Gattin Theresie 1781 schenkte. In der Folge wurden darin mehrere Romantikbauten und sogar ein künstlicher Wasserfall errichtet. Wir gingen kreuz und quer alle Sehenswürdigkeiten ab und wanderten schlussendlich auf dem markierten Weg zur Burg Nové Hrady/Gratzen hinauf. In der guten Konditorei nahe der Burg ließ sich gut rasten.

Am Nachmittag brachte uns der Linienbus zum 5 km entfernten Bahnhof von Nové Hrady, weiters ein überraschend moderner Regionalzug nach České Velenice, das bis 1920 der gmünder Stadtteil Unter Wielands mit dem Hauptbahnhof Gmünd war. Nach dem (Nach-) Mittagessen im schönen „Viethouse“ gingen wir auf der ehem. Schmalspurbahnbrücke über die Lainsitz nach Gmünd Neustadt – ein Stadtteil, der aus einem Flüchtlingslager des 1. Weltkrieges entstanden ist. Die pünktliche, bequeme Heimfahrt im REX der Franz-Josefs-Bahn passte genau zu diesen „runden“ Tagen.

 

Martin Seemann

Tel. 02233/55860

seemann.martin@gmx.at  

61 Bilder

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Anfragen zum Internetauftritt und zur Wartung