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Ausblick auf mögliche Perspektiven des Alpenvereins in der Zukunft. (150 Jahre Alpenverein Vorarlberg)

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Ausblick auf mögliche Perspektiven des Alpenvereins in der Zukunft.

Wie kann sich der Alpenverein Vorarlberg in seinen Kernthemen auch in Zukunft positionieren? Worin liegen die besonderen Herausforderungen? In seiner 150-jährigen Geschichte war der Verein immer wieder Veränderungen unterworfen – doch wie können die anstehenden großen Herausforderungen wie beispielsweise der demografische und soziologische Wandel in der Bevölkerungsstruktur oder die Veränderungen durch den rasant fortschreitende Klimawandel bewältigt werden?

 

Neue Anreize für ehrenamtliche Mitarbeit schaffen

Ein Problemfeld, das sich jetzt schon abzeichnet, ist der Aufgabenbereich der ehrenamtlichen Arbeit im Verein. So wird es immer schwieriger, genügend Mitarbeiter zu gewinnen, die ehrenamtlich tätig sein wollen. Die Aufrechterhaltung der Vereinsstruktur ist in kleineren Bezirken deshalb schon jetzt manchmal sehr schwierig. Verantwortungsvolle Stellen im Vorstand oder als Kassier sind mitunter nicht leicht zu besetzen. Obwohl die Menschen an sich über immer mehr Freizeit verfügen, scheint sich jedoch gleichzeitig die Zeit zu verknappen, was oft auch den neuen Medien und einer gewissen „Vollkasko-Mentalität“ geschuldet ist.

Diese Problemstellung zeichnet sich jedoch nicht nur für den Alpenverein, sondern auch für viele andere Vereine ab, die auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen sind. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, scheint es unumgänglich zu sein, dass manche Leistungen, die der Alpenverein derzeit noch erbringen kann, in Zukunft nicht mehr in dieser Vielfalt angeboten werden können. Im Verbund mit anderen Institutionen und innovativen Ansätzen versucht der Alpenverein, dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Auch die Generationsthematik spielt eine große Rolle, so soll der Alpenverein sowohl für junge als auch ältere Menschen attraktiv bleiben. Der Alpenverein genießt einen guten Ruf, da er einen aktiven Beitrag für die Gesellschaft leistete und immer noch leistet. Allerdings erstrecken sich Mitgliedschaften oft nicht mehr über Jahrzehnte, so wie dies früher üblich war. Die Menschen suchen Abwechslung, es werden immer neue Herausforderungen gesucht und auch das Reisen ist so billig wie nie zuvor.

Es gilt - auch im Zeichen eines nachhaltigen Umwelt- und Naturschutzes - die zahlreichen Möglichkeiten zur Erholung und Entspannung hier direkt vor der eigenen Haustür wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. Vorarlberg besitzt eine wunderschöne Gebirgslandschaft. Durch die zeitintensive Arbeit der Hütten- und Wegewarte wird die zum Wandern benötigte Infrastruktur instand gehalten. Um diese und auch andere Aufgaben weiter bewältigen zu können, bildet der Alpenverein Vorarlberg nunmehr Kernteams, die dem Bedürfnis derjenigen, die sich engagieren wollen, entgegenkommen. Mit Ausbildungen und anderen Bonusleistungen sollen zusätzliche Anreize zur Beteiligung an gemeinnützigen Projekten geschaffen werden. Die Mitarbeit soll in erster Linie Spaß machen, durch eine Auswahl an einzelnen Projekten in einem genau definierten Zeitraum ist dies eher gewährleistet. Während es in skandinavischen Ländern schon lange üblich ist, dass die Beteiligung an gesellschaftlich nützlichen Projekten im Lebenslauf und in Bewerbungen einen bedeutsamen Niederschlag findet, wird diese Form der Bereitschaft für soziales Engagement  in Österreich hingegen eher nur als Freizeitbeschäftigung gesehen.

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Der Alpenverein als lernende Organisation

Dem Alpenverein ist es ein Anliegen, auch in Zukunft pro-aktiv unterwegs zu sein. So soll eine Plattform erstellt werden, in deren Rahmen auf Forderungen und Wünsche direkt reagiert werden kann. Durch das erhaltene Feedback können neue Ausrichtungen besser geplant werden und der Alpenverein kann sich sohin in allen Belangen deutlicher positionieren. Der Verein begreift sich hierbei als lernende Organisation. Alte Traditionen haben ihre Berechtigung, gleichzeitig soll der Verein aber auch weiterhin Neuerungen gegenüber offenstehen.

Grundsätzlich führt die Diskrepanz, dass sich der Alpenverein einerseits als Berg- und Freizeitsportverein versteht und sich andererseits stark für den Naturschutz einsetzt, intern zu kleineren Zerreißproben. Dieser Konflikt wird in den nächsten Jahren noch zunehmen. Es stellt sich dabei die Frage, wo sich der Alpenverein ideologisch sieht – als ÖAMTC der Berge?

Permanent eröffnen sich neue Felder, bei denen abgewogen werden muss, ob sie ins Konzept des Alpenvereins passen oder nicht und ob diese überhaupt bedient werden können. Der Alpenverein möchte auf jeden Fall seiner ureigensten Intention treu bleiben und sich auf seine Kernkompetenzen berufen.

Ambivalenz bei der Betreuung von Hütten und Wegen

Die Betreuung der Hütten und Wege bedeuten sowohl Lust als auch Last – und manchmal sogar Frustration. So werden diese als Erbe der Vorväter gesehen, die mit äußerst bescheidenen Mitteln und viel persönlichem Aufwand errichtet wurden. Somit wird es auch als Pflicht gesehen, diese „Kulturgüter“ weiterhin zu erhalten. Der Spannungsbogen wird jedoch immer schwieriger, da die Erwartungshaltung der Gäste ständig steigt und immer mehr Komfort gewünscht wird. Es ist kein Ziel des Alpenvereins, die Hütten in Wellness-Oasen zu verwandeln. Die betriebswirtschaftliche Komponente darf jedoch nicht übersehen werden, da ja auch eine Konkurrenz mit anderen Hütten besteht. Es wird auch immer schwieriger, gute Pächter zu finden. Hüttenwirt zu sein ist eine schwere und verantwortungsvolle Aufgabe. Die Suche nach qualifiziertem Personal gestaltet sich für das Gastgewerbe im Tal schon schwierig, für die Hütten ist dies eine noch größere Herausforderung. So sind mittlerweile auf vielen Hütten Menschen aus Nepal beschäftigt – ohne diese Mitarbeiter wäre eine weitere Betriebsführung nicht mehr möglich.

Als Naturschutzorganisation ist es dem Alpenverein zudem wichtig, auch die restlichen Hütten noch umweltgerecht nachzunivellieren. Abgesehen davon müssen die recht aufwendigen Auflagen der Behörden im Bereich Brandschutz, Hygienetechnik, Seilbahntechnik, Trink- und Abwasser, sowie noch viele andere mehr, ebenfalls berücksichtigt werden. Für die Erhaltung der Hütten ist somit sehr viel Aufwand erforderlich. Die Fachleute, die hierfür notwendig sind, weisen sich als zusätzlicher Kostenfaktor aus. Dem Alpenverein geht es keinesfalls um Gewinnmaximierung, aber dennoch müssen diese Kosten einberechnet werden. Ganz entscheidend ist jedoch die Synergie zwischen Pächter und Verpächter. Ein Alpenverein-konformes Handling soll weiterhin für Authentizität im Bereich der Hüttenbewirtschaftung sorgen.

Der Alpenverein als Infrastruktur-Leister

Durch den Alpenverein wird ein rund 400km langes Wegenetz betreut. Seit 2013 werden die ehrenamtlichen Wegewarte von einer Wegebautruppe unterstützt, andernfalls wäre die Instandhaltung der Wege nicht mehr gewährleistet. Der Alpenverein ist somit ein Infrastruktur-Leister. Auch in diesem Bereich wird der Aufwand immer größer, da durch den fortschreitenden Klimawandel viel mehr in die Instandhaltung der Wege investiert werden muss.

Dem Alpenverein ist es ein Anliegen, die bestehenden Wanderwege zu erhalten. Investitionen in Themenwege und Skywalks sind nicht geplant – der Alpenverein lehnt eine „Eventisierung“ der Alpen ab. Die Schlichtheit und Stille in den Alpen soll weiterhin erhalten bleiben.

 
 

Sicherheit der Bergsportler als Priorität

Als Bergsport-Verein möchte der Alpenverein auch zukünftig die alpinen Kompetenzen in Form von Aus- und Weiterbildungen forcieren. Die Sicherheit der Bergsportler steht dabei an erster Stelle. Die freie Betretbarkeit der Natur soll weiterhin gewährleistet bleiben. Allerdings muss ebenso darauf hingewiesen werden, dass durchaus auch Grenzen bestehen und sensible ökologische Gebiete nicht einfach gestört werden dürfen.

Der Bergsport bedeutet eine Herausforderung und oftmals auch eine Überwindung des eigenen Leistungsvermögens – und er birgt immer auch ein gewisses Risiko. Durch eine entsprechende Ausbildung kann viel kompensiert werden. Ein Restrisiko bleibt jedoch immer bestehen, die Eigenverantwortlichkeit sollte permanent nachgeschärft werden. Durch neue Trendsportarten wie beispielsweise E-Biken wird das Kernsportgeschäft erweitert, Almen und Hütten werden belebt. Aber auch in dieser Sportart sind Weiterbildungen in Form von Sicherheitstrainings, die ebenfalls durch den Alpenverein angeboten werden, sinnvoll. So ist der Alpenverein ständig gefordert, sich den permanent wechselnden Gegebenheiten anzupassen und sich immer wieder mit neuen Sportarten und Strömungen auseinanderzusetzen.

Bewegung in der Natur ist gesund und dient der Psychohygiene der Menschen. Auch Kinder haben einen Mehrwert, wenn sie sich im Freien bewegen, die Natur erleben und dabei deren Grenzen respektieren lernen.

 

Pragmatik durch einen Mittelweg in den gegensätzlichen Diskursen

Die Ansprüche an den Alpenverein als Naturschutzorganisation sind oft im Widerspruch zu den Anforderungen als Bergsport und Freizeitorganisation. Beide Pole müssen genau abgewogen und durchdacht werden. Ein vorrangiges Ziel wird vor allem darin gesehen, einen pragmatischen Mittelweg zwischen den teils gegensätzlichen Erwartungen zu finden. Dies bedeutet einen ständigen Diskurs mit allen beteiligten Akteuren.

In Natur- und Umweltfragen wird der Alpenverein auch in Zukunft ganz bewusst Stellung nehmen und vehement  für den Schutz der Umwelt eintreten. Zu diesen Themen, die immer vielfältiger und diffiziler werden, wird sich der Verein in Zukunft noch intensiver positionieren. Eine weitere Aufgabe findet sich in Form einer Sensibilisierungsarbeit. Aber auch in der Mobilitätsstrategie ist der Alpenverein aktiv, die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln wird weiterhin angeregt und Car-Sharing propagiert.

Der Alpenverein sieht sich zudem als Wertegemeinschaft und gleichzeitig auch als Gesinnungsgenossenschaft. In den vergangenen 150 Jahren hat der Vorarlberger Alpenverein viele Herausforderungen bewältigt, sich immer wieder neuen Anforderungen gestellt und ist sich in seiner Grundhaltung zu den vorrangigen Aufgaben – der Förderung des Bergsports und dem Schutz der Natur – immer treu geblieben. Mit Mut, Enthusiasmus und Geduld wird sich der Alpenverein auch in Zukunft den auf ihn zukommenden Herausforderungen stellen.

 
 
 
 

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