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Der Alpenverein sorgt unentgeltlich für die Instandhaltung der Schutzhütten und des Wegenetzes im Gebirge. (150 Jahre Alpenverein Vorarlberg)

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Der Alpenverein sorgt unentgeltlich für die Instandhaltung der Schutzhütten und des Wegenetzes im Gebirge.

Gründerväter des Alpenvereins als Pioniere

Schon vor 150 Jahren war ein erklärtes Ziel des Alpenvereins, die Bereisung der Alpen für alle Interessierten zu erleichtern. Der Bau von Wegen und Hütten waren hierfür eine unabdingbare Voraussetzung. Im Präalpinismus bestanden nur Jäger-, Hirten- und Schmugglerwege, die durch die Erschließung durch Alpenvereinsmitglieder, welche vorwiegend ehrenamtlich tätig waren, mühselig ausgebaut wurden. Dieses „Erbe der Väter“ war der Grundstein für den erfolgreichen Ausbau des gesamten Wegenetzes des Alpenvereins. Unter widrigsten Verhältnissen, unentgeltlich und mit viel Enthusiasmus haben diese Pioniere der Erschließung der Alpen hunderte von Kilos an Material die Berge hinaufgeschleppt. Man muss größten Respekt vor der Leistung dieser engagierten Männer haben, die diese Wege ohne maschinelle Hilfe und ohne Tourismusberater angelegt haben. Für den Alpenverein stellt die Erhaltung dieser schönen alten Wege eine Verpflichtung und eine Herausforderung dar.

In den Anfangsjahren unterstützte der Alpenverein nicht nur Wegemarkierungen, Wegeverbesserungen und Wegbauten im Gebirge, sondern auch Straßenbauten, um die Reise in die Alpentäler zu erleichtern. Im Laufe der Zeit erfolgte jedoch immer mehr eine Konzentration auf den Wege- und Hüttenbau im Hochgebirge. Somit nahm der Alpenverein bereits vor 1900 eine tragende Rolle in dieser Aufgabenstellung ein. Bis zum Ersten Weltkrieg hatten die Sektionen des Alpenvereins bereits ein Netz von Fußsteigen, Reit-, Saum- und Karrenwegen sowie Klettersteigen errichtet, das es hunderttausenden Menschen ermöglichte, das Hochgebirge zu genießen. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Begeisterung für die Bergwelt geradezu exponentiell zu, wie dies die Mitgliederzahlen aus jener Zeit belegen.

 

Bedeutung der Wegearbeit

Heute ist das Netz an gut betreuten und markierten Berg- und Wanderwegen die tragende Säule des Sommertourismus in den Alpen. Zwei Drittel der Sommerurlauber kommen laut einer Studie der Statistik Austria wegen dem Wandern und der Bergnatur nach Österreich. Sie nutzen gleich wie die einheimische Bevölkerung die rund 6.100 km Wander- und Bergwege in Vorarlberg, die der Alpenverein pflegt, markiert und beschildert – und unentgeltlich zur Verfügung stellt. Außerdem übernimmt der Alpenverein die Verkehrssicherungspflicht, die Grundstückseigentümer sind dadurch haftungsbefreit. Ein weiter Pluspunkt ist, dass durch Investitionen in einen nachhaltigen Tourismus dezentral Arbeitsplätze in der alpinen Region erhalten und geschaffen werden. Diese touristischen Dienstleistungen des Alpenvereins sind nicht einfach zu erbringen und werden oft zu wenig honoriert.

Die Wege sind zudem ein Teil der effektivsten Besucherlenkung in der Bergnatur, entlasten Wildtierlebensräume und erhöhen massiv die Sicherheit der Wanderer. Gut erhaltene und markierte Wege führen zu weniger Unfällen und verringern die Zahl von kostspieligen Sucheinsätzen und Rettungsflügen. So nutzen die Wege auch direkt und indirekt auch anderen Interessensgruppen. Ganz wesentlich ist jedoch, dass der Beitrag für die psychische und körperliche Gesundheit der Bevölkerung durch das Wandern nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Das Wegenetz der alpinen Vereine ist die wohl größte der Allgemeinheit zur Verfügung gestellte Sportstätte der Welt. Es war und ist der satzungsgemäße Zweck und das Ziel der alpinen Vereine, die Bereisung der Berge zu erleichtern, die Sicherheit der Erholungssuchenden zu erhöhen, die Erlebbarkeit möglich zu machen und gleichzeitig auch die Bergnatur zu schützen. So wurde schon früh ein sanfter Bergsteigertourismus forciert, um damit der Entsiedelung des ländlichen Raums Einhalt zu gebieten und der Bergbevölkerung eine Überlebensmöglichkeit zu geben – ein effektives Programm, das weit mehr als hundert Jahre älter ist als jenes der Europäischen Union.

Vor diesem Hintergrund wird klar, welch große Bedeutung die Arbeit der Wegewarte für den gesamten Alpenverein und letztlich für die Bergnatur hat. Von ihnen werden Wege und  Steige markiert und erhalten, Trockenmauern gebaut, Orientierungstafeln angebracht, Sicherungseinrichtungen laufend kontrolliert und ausgebessert sowie Klettersteige und Kletterrouten dem neuesten Stand der Technik angepasst. Der Wegewart trägt mit seiner aufwendigen Tätigkeit viel Verantwortung, sowohl den Wegebenützern als auch dem Sektionsvorstand gegenüber. Das Ziel hierbei ist es nicht, „besenreine“ Wege zu schaffen, denn die Eigenverantwortlichkeit der Bergsteiger soll auch in Zukunft eingefordert werden können. Größtenteils arbeiten die Wegewarte in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Da jedoch nicht alle Projekte von ehrenamtlichen Mitarbeitern umgesetzt werden können, wurde im Jahr 2013 zudem eine hauptamtliche Wegewart-Truppe installiert.

afsd

Rückbesinnung auf Werte aus den Anfangszeiten

Diesem Ansturm folgte jedoch bald eine Gegenbewegung. Die Kritik an dem ungebremsten Ausbau der Hütten und Wege führte zu den 1923 beschlossenen „Tölzer Richtlinien“, in denen sich die Sehnsucht der Bergsteiger widerspiegelt, in den Bergen ihre Ruhe zu finden. Durch spartanische Einfachheit der Hütteneinrichtung und einen Erschließungsstopp sollte das Massenpublikum zumindest von den weniger leicht erreichbaren Höhen ferngehalten werden. Diese Richtlinien wurden später zwar abgeschwächt, zeitigten aber wenig Erfolg, da das Wegenetz auch weiterhin ausgebaut wurde.

In der Zwischenzeit entstanden zudem überall kulturgeschichtlich akzentuierte Weitwanderwege mit einem kaum mehr überschaubaren Spektrum. Hinzu kommt die Reaktivierung mehrerer verkehrsgeschichtlich bedeutsamer Alpenübergänge. Manche inneralpinen Routen sind unter ausgewählten Aspekten Erinnerungswege, wie beispielsweise die verschiedenen Walser- und Schwabenkinder-Wege. Es sollte allerdings bedacht werden, dass sich in den letzten Jahrzehnten eine eher effekthascherische Eigendynamik entwickelt hat. Dabei wird mitunter vergessen, wie sehr es beim Anstreben von dauerhaften Erfolgen auf substantielle Werte und eine ständige, gute Wegebetreuung ankommt.

Wegebau

Gesellschaftspolitische Bedeutung

Nur dort, wo die alpinen Vereine die von ihnen einst übernommenen Aufgaben – allen voran die Betreuung des Wander- und Bergwegenetzes – gewissenhaft und verlässlich erfüllen, haben sie das Recht, sich in gesellschafts- und vor allem in umweltpolitische Themen einzubringen. Allein so kann das Ziel, die Schönheit der Alpen auch noch für die nachfolgenden Generationen vor der Gier der teilweise unersättlichen intensivtouristischen Erschließer und der Energiewirtschaft zu bewahren, mit einer beweisbaren Legitimation verfolgt werden.

Die Erhaltung der traditionsreichen Wege wird leider immer schwieriger. Nicht nur, dass durch die klimatischen Veränderungen – mit immer heftigerem und häufigerem Starkregen, mit Stürmen und damit einhergehenden Windwürfen in immer kürzeren Intervallen, mit auftauendem Permafrost – die Wege in Mitleidenschaft gezogen werden, kommt es vermehrt zu „menschengemachten“ Schäden. So werden immer noch Fosrtstraßen ohne Rücksicht auf die alten Kulturgüter trassiert. Einzelne Jagdausübungsberechtigte trachten danach, durch Sperrung von Wegen ein ungestörtes, touristenfreies Revier zu bekommen. Aber auch nicht-tradtionelle touristische Nutzungsformen wie Mountainbiken und Reiten setzen den Wegen zu. Der Alpenverein möchte mit Nachdruck darauf aufmerksam machen, dass die Eigenverantwortung jedes Einzelnen eingefordert wird. Weg ist nicht gleich Weg! Auch die Sektionen sollten sich ihres Kulturschatzes und Kulturauftrags bewusst sein, selbstbewusst auf die Erhaltung pochen und die eigenen Aufgaben wahrnehmen. In diesem Zusammenhang entstand die Forderung, besonders schützenswerte Wege unter Denkmalschutz zu stellen.

 
Wegebau1
 

Alpine Hütten-Infrastruktur

Der Bau der Hütten war einst auch eine Prestigefrage des Alpenvereins. Viel Ehrgeiz, Engagement und Geld wurde investiert, damit der Alpenverein als „Entwickler des ländlichen Raums“ wahrgenommen werden konnte. Sowohl der Wege- als auch der Hüttenbau waren der Grundstein des Bergtourismus. Die Hütten waren für viele Bergbesteigungen unbedingt notwendig. Zugleich waren die Hütten aber auch identitätsstiftend für die einzelnen Sektionen, die gemeinsame Obsorge wirkte gemeinschaftsfördernd. In der öffentlichen Wahrnehmung gehören die Hütten untrennbar zum Alpenverein.

Die Besinnung auf das Einfache, Notwendigste, Ursprüngliche, das Erleben von Einsamkeit – all das liegt im Trend. Sich den Elementen der Natur auszusetzen und der weitgehende Verzicht auf technische Hilfsmittel ist nicht nur im Alpinismus ein menschliches Bedürfnis, sondern auch sonst in der heutigen, allzu vernetzten und sich rasant wandelnden Welt. Dennoch haben die Hüttengäste zunehmend höhere Komfortansprüche, insbesondere was die Privatsphäre und die Telekommunikation anbelangt. Darüber hinaus macht die in Österreich nicht enden wollende Flut an gesetzlichen Regelungen und dementsprechenden Behördenauflagen, unter anderem in den Bereichen Brandschutz, Arbeitnehmerschutz und Hygiene, auch vor den Schutzhütten nicht halt.

Viele der Alpenvereinshütten sind 80 bis 100 Jahre alt. Sie liegen oft sehr exponiert und sind das ganze Jahr über extremen Wetterbedingungen ausgesetzt. Das Hüttennetz gilt seit 1977 als abgeschlossen, neue Hütten werden keine mehr gebaut. Die Instandhaltung der bestehenden Hütten stellt eine große finanzielle Belastung für den Alpenverein dar. Generalsanierungen, die dringend notwendig sind, gestalten sich sehr aufwendig und teuer. Baumaßnahmen in den Bergen sind um den Faktor 2,5 teurer als im Tal. Viele der Hütten sind Zuschussbetriebe. Die Kosten für Erhaltung und Betrieb der Hütten sind aufgrund von überbordenden Behördenauflagen in den letzten 20 Jahren um rund 40% gestiegen.

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Ökologische Kriterien bei der Sanierung der Hütten

Die Sanierungen der Hütten erfolgt in erster Linie nach ökologischen Kriterien. Diese Liebe zur Umwelt kostet. Wo keine Versorgung durch Wasserkraft möglich ist, wurden anstelle von lauten und stinkenden Dieselaggregaten Fotovoltaikanlagen oder Blockheizkraftwerke installiert. Der Abfall, sofern er nicht vermieden werden kann, wird zur Gänze ins Tal transportiert. Außerdem wurden zur Reinigung des Wassers Klein-Kläranlagen gebaut. Ein wichtiges Anliegen ist, dass in die fraglichen Ökosysteme der Natur nicht eingegriffen werden sollte – was in die Natur zurückfließt, soll Badewasserqualität haben. Neben all diesen Voraussetzungen ist zudem ein sensibler Umgang mit der geschichtsträchtigen, schützenswerten Bausubstanz erforderlich.

Das veränderte Publikumsverhalten – der Wunsch nach kleineren Einheiten und einem gewissen Luxus – führt bei den Betreibern der Hütten auch zu einem gewissen Konkurrenzverhalten. Diese Entwicklung kann wie ein Seismograph gesehen werden. War beispielsweise früher eine Dusche nahezu verpönt, ist dies nun eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt Besucher zu gewinnen. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Energiesparen sind wichtige Themen beim Alpenverein – wobei dieser bemüht ist, seine selbstkritische Haltung und seine Vordenkerrolle zu bewahren.

 

Rolle der Hüttenwirte

Hüttenwirte sind Multitalente – und gleichzeitig Individualisten und Idealisten, denn sie müssen unter sehr speziellen Bedingungen arbeiten. So müssen sie Gastronom, Tourenberater, Logistiker, Brandschutzwart, Energietechniker, Psychologe und Wetterfrosch in einem sein, stehen in hochalpinen Lagen außerdem meist an vorderster Front, wenn es zu einem Bergunfall kommt und Verletzte geborgen und versorgt werden müssen. Nach Möglichkeit sollten sie zudem Bergführer und –retter sein, aber sich auch im Steuerrecht, beim Arbeitnehmerschutz und in der Arbeitsstättenverordnung, im Gewerberecht und bei der Lebensmittelhygiene auskennen. Bei möglichen Konflikten unter den Gästen wird von ihnen erwartet, dass sie die Rolle des Mediators einnehmen und die Leute geschickt beruhigen können. Und als Ortkundige sollten sie auch die Vorzeichen des Wetters richtig zu deuten wissen, damit kein Gast in eine Gewitterfront geschickt wird. Diese vielfältigen Aufgaben werden von ihnen während der Hochsaison gewährleistet – und das mindestens 16 Stunden am Tag, an sieben Tagen in der Woche.

Sie versuchen zwar, allen Ansprüchen gerecht zu werden, doch muss manchmal improvisiert werden. Wenn etwa das Stromaggregat oder der Transport des Lebensmittelnachschubs wegen schlechten Wetters ausfällt, können die Probleme nicht mit einem Anruf gelöst werden. Der Alpenverein unterstützt die Hüttenwirtsleute in Form von Fort- und Weiterbildungen, aber auch als Austausch- und Ideenplattform. Trotz all dieser Bemühungen seitens des Alpenvereins, können nicht alle Hütten erhalten bleiben. Oft ist die alpinistische Bedeutung, die Notwendigkeit der Hütten zur Erreichung von Gipfelzielen nicht mehr gegeben, die zunehmende Mobilität fördert  zudem den Tagestourismus. Längst langt es für den Erfolg einer Hütte nicht mehr, eine Monopolstellung an einem Zustieg zu haben. Dadurch sind die Sektionen und auch die Wirtsleute gezwungen, Zielgruppen zu definieren und sich nach diesen auszurichten. So gibt es heute zum Beispiel die Familien-, die Seminar- und die Tagesausflugshütte. Wirtsleute sind gezwungen, „Produkte“ zu entwickeln – buchbar wie Wochenend-Städtetrips.

Seit fast 20 Jahren haben die Alpenvereine sehr strenge Kriterien definiert, mittels derer die Sektionen und Wirtsleute ihre Bemühungen für einen möglichst umweltverträglichen Hüttenbetrieb auszeichnen lassen können. In die Umwelttechnik auf den Hütten wurde bereits sehr viel investiert, aber auch die umweltbewusste Bewirtschaftung durch die Hüttenwirte soll durch diese Auszeichnungen gewürdigt werden. Das stärkste Motiv, als Interessensgruppe gemeinsam aufzutreten, liegt in der Bemühung, das Netz der Alpenvereinsinfrastruktur dauerhaft zu erhalten, die Qualität zu verbessern und die Hütten als ideale und gemütliche „Orte zum Abstand vom Alltag finden“ ins Bewusstsein zu heben.

Nach wie vor sieht der Alpenverein es als eine seiner Kernaufgaben, die bestehenden Hütten zu erhalten und einer modernen Infrastruktur anzupassen. Die laufenden Instandhaltungen und Renovierungen sind allerdings sehr kostenintensiv. Im Winter 1999 wurde beispielsweise die Sarotla-Hütte von einer Lawine weggefegt, der Neubau war eine sehr hohe Investition für den Alpenverein. Aber auch die Wegwartung gestaltet sich durch die veränderten Umweltbedingungen, die massive Erosionsschäden zur Folge haben, immer schwieriger. Zudem sind nicht mehr so viele Menschen bereit, in ihrer Freizeit ein Ehrenamt als Wegewart auszuüben. Bei all diesen erschwerten Bedingungen ist es fraglich, inwieweit der Alpenverein auch in Zukunft diese wichtigen Aufgaben in vollem Umfang wahrnehmen wird können.

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