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Am Kamplnock

43 Dreiländertreffen (Kärnten, Friaul, Slowenien) in Seeboden

Am 13. und 14. Oktober 2007 fand in Seeboden am Millstätter See das von der Sektion Spittal/Drau mustergültig organisierte Dreiländer-Treffen der Bergsteigerverbände aus Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Slowenien statt. Herwig Gräbner, der 1. Vorsitzende des Landesverbandes Kärnten, konnte dazu rund 50 Teilnehmer begrüßen; einen besonderen Dank sprach er dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie dem Österreichischen Alpenverein Innsbruck für die namhafte finanzielle Unterstützung des Dreiländer-Treffens aus.

 

Der Nachmittag des 13. Oktober bot sehr interessante Vorträge zum Generalthema Das Tourismusprotokoll der Alpenkonvention. Die wesentlichen Aussagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

Peter Haßlacher, der Leiter der Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins, stellt fest, dass das Tourismusprotokoll der Alpenkonvention im Vergleich zu anderen Durchführungsprotokollen der Alpenkonvention (z. B. zum Verkehrsprotokoll oder zum Naturschutzprotokoll) in der öffentlichen Debatte in Österreich scheinbar keine bedeutende Rolle spielt, obwohl in diesem Protokoll nicht der von den Gegnern der Alpenkonvention als Verhinderung bezeichnete Aspekt im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr der zukunftsorientierte Gestaltungswille. So sind etwa Lösungen zu suchen, die eine positive Entwicklung von wirtschaftsschwachen Gebieten gewährleisten. Gerade hier sind die Alpenvereine an vorderster Stelle tätig, indem sie ihre vielen Schutzhütten, Wege und Steige in Programme für die ländliche Entwicklung einbeziehen. Als Beispiele für Vorhaben, die im Sinne der Alpenkonvention erfolgreich umgesetzt worden sind, erwähnt Peter Haßlacher den internationalen Weitwanderweg Via Alpina und das  Projekt Bergsteigerdörfer.

 

Milan Naprudnik, Mitglied der Kommission für Naturschutz im Slowenischen Alpenverein, bedauert, dass das Tourismusprotokoll auch in Slowenien nur wenig beachtet wird, obwohl dies gerade für die weitere touristische Entwicklung Sloweniens sehr wichtig wäre. Die Alpenvereine können Vorschläge zur Umsetzung des Tourismusprotkolls liefern, wie dies mit der Broschüre Wir Bergsteiger beachten die Alpenkonvention erfolgt ist. Zumeist stellt das Überführen von Ideen in die Wirklichkeit aber eine professionelle Aufgabe dar, die außerhalb der Möglichkeiten der ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Alpenvereine also auch ihrer Funktionäre liegt. Einer der Vorschläge, der noch auf seine Verwirklichung wartet, sind Themenwege im weiteren Bereich des Dreiländerecks.

 

Paolo Geotti von der Sektion Gorizia/Görz des Italienischen Alpenvereins träg ein von Paolo Lombardo (Präsident der Regionalen Delegation Friaul-Julisch Venetien) vorbereitetes Referat vor. Er stimmt mit Haßlacher und Naprudnik überein, dass das Tourismusprotokoll nur schleppend umgesetzt wird. Besondere Probleme gibt es mit dem stark zunehmenden Freizeitverkehr, der immer weiter in den alpinen Bereich und sogar in die Ruhezonen vordringt. Auch der kommerzielle Wintersport macht Sorgen, weil sich die für den alpinen Raum bedenkliche Entwicklungsspirale unaufhaltsam weiterdreht; dies gilt etwa für Projekte am Luschariberg oder im Bereich der Gilberti-Hütte am Kanin. Als positives Beispiel erwähnt er die Revitalisierung der Ortskerne von Dörfern, die von Abwanderung bedroht sind. Dadurch wird gleichzeitig wertvolle historische Bausubstanz erhalten.

 

Christina Schwann, Fachabteilung Raumplanung/Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins und zugleich nationale Koordinatorin für die Via Alpina in Österreich und in Deutschland, stellt das Projekt Via Alpina und Rupertiweg. Die Weitwanderwege durch 5 Nationalparke und 3 Länder vor. Die Via Alpina als internationaler Weitwanderweg durch alle acht Alpenstaaten ist von der EU seit 2001 mit rund 5 Mill. Euro gefördert worden. Seit 2005 ist die Via Alpina überdies ein offizielles Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention, weil sie in ihren Zielsetzungen voll auf die in der Alpenkonvention zum Ausdruck gebrachten Absichten der touristischen Entwicklung ausgerichtet ist. Nach der Aufbauphase geht es darum, die Strecken für den Wanderer attraktiv zu machen und die Gemeinden und Regionen verstärkt einzubinden. Dazu wurden Pilotprojekte ins Leben gerufen und zum Teil bereits erfolgreich umgesetzt. Neu ist das Vorhaben, Nationalparke durch den Violeten Weg der Via Alpina und durch den Rupertiweg zu verbinden. Beide verbinden die fünf Nationalparke Triglav (Slowenien), Gesäuse und Kalkalpen (beide Österreich), Berchtesgaden (Deutschland) und Hohe Tauern (Österreich). Dadurch wird ein Tourismus gefördert, der bei hoher Qualität die regionalen Besonderheiten  berücksichtigt.

 

Peter ilak, Mitglied der Wegekommission im Slowenischen Alpenverein und Koordinator für die Via Alpina, betont, dass die Via Alpina ein gutes Beispiel dafür darstellt, Bestimmungen des Tourismusprotokolls vom Papier ins Leben zu übertragen. Gerade der sanfte Wandertourismus stellt ein hervorragendes Angebot im alpinen Raum dar.

 

Franz Jesse, Sachwalter für Weitwandern im Landesverband Kärnten des Österreichischen Alpenvereins, spricht zum Thema Wege ohne Grenzen. Der Beitritt Sloweniens zur Europäischen Union und das Wirksamwerden des Schengener Abkommens für Slowenien mit 22. Dezember 2007 beseitigen alle Hindernisse, die es bisher für die Wanderer und Bergsteiger in den Karawanken gab. Damit eröffnet sich die Chance, den Südalpen-Weitwanderweg 03 entlang der bald nur mehr an den Grenzsteinen ersichtlichen Staatsgrenze, zu führen. Dazu braucht nur den ehemaligen Grenzersteig der früheren jugoslawischen Grenzpolizei nützen. Die alpinen Vereine beider Staaten sollen sich bemühen, das Umsetzen dieses Projektes zu betreiben.

 

Zusammenfassend stellen die Referenten fest, dass es Anstrengungen auf höherer Ebene geben muss, um die Regierungen der Alpenstaaten dazu zu bewegen, verstärkt die Inhalte der Alpenkonvention, vor allem aber ihres Tourismusprotokolls, zu beachten. Zu diesem Zweck werden sich die Alpenvereine der drei Länder an die Dachorganisation der alpinen Vereine Europas, den Club Arc Alpin, wenden, um bei den Regierungen die Umsetzung der Ziele und Bestimmungen des Tourismusprotokolls einzufordern.

 

Am Rande der Tagung weist Luciano Santin darauf hin, dass im Jahre 2008 des 150. Geburtstages von Julius Kugy zu gedenken ist. Er lädt die Alpenvereine der drei Länder ein, sich an der Vorbereitung dieses Kugy-Jahres zu beteiligen.

 

Heinz Jungmeier zeigt am Abend zwei seiner eindrucksvollen 3-D-Lichtbildervorträge, nämlich über den Isonzo und zum Thema Schnee und Eis.

 

 

Am Sonntag führt Hans Aman, 2. Vorsitzender der Sektion Spittal/Drau, die Teilnehmer am Dreiländer-Treffen bei herrlichem Herbstwetter auf die Millstätter Alm. Am Ende des Treffens verliest der Leiter der Delegation Friaul-Julisch Venetiens, Claudio Mitri, eine Grußbotschaft des General-Präsidenten des Italienischen Alpenvereins, Annibale Salsa; sie schließt mit den Worten:

 

Die Berge trennen die Wässer, aber sie verbinden die Menschen

 

 

 

Villach, am 23. Oktober 2007

 

Helmut Lang

 

Sachwalter für überregionale Angelegenheiten im Landesverband Kärnten des ÖAV und

2. Vorsitzender des Zweiges Villach

 

 
 
 

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